Jacques Tourneur – Meister des Unheimlichen

Der französische Filmemacher Jacques Tourneur (1904-1977) zählt heute zu einem der wegweisendsten Regisseure. So wohlmeinend war die Kritik ihm gegenüber nicht immer, wurden doch vor allem seine Horrorfilme als Schund bezeichnet. „Stumpfsinnig“ und „abstoßend“ lauteten manche Bewertungen. Heute zählen speziell diese Filme zu den Klassikern der Filmgeschichte. Ihm gelang in seinen Werken eine unglaubliche Ästhetik, die eine noch lang nachhallende Wirkung erzielt. Ob es sich um die berühmte Schwimmbadszene in „Cat People“ handelt, um die Einstellung des Zombies im Maisfeld in „I walked with a Zombie“ oder um den heranschwebenden Dämon in „Night of the Demon“, Tourneur arbeitete mit Licht und Schatten wie ein Künstler. Seine Inszenierungen sind geradezu elegant und blieben nicht ohne Einfluss.

Nachdem sein eigenwilliger Stil bei manchen Hollywoodproduzenten nicht auf Gegenliebe stieß, landete Tourneur zunächst im B-Sektor der Traumfrabrik, was bedeutete, dass er Trashfilme drehte. Trash ist jedoch keineswegs Trash im eigentlichen Sinne. Trash ist wahre Filmkunst. Durch sein Können bereicherte Tourneur dieses Genre. Bis heute ist er vor allem für seine Horrorfilme bekannt. Was jedoch nicht heißt, dass Tourneur nur Horrorfilme drehte. Er schuf auch diverse Western, Krimis und Thriller wie z.B. „Out of the Past“ (Goldenes Gift) oder den Abenteuerfilm „City under the Sea (Stadt unter dem Meer). Auch für die Stevenson-Adaption „The Comedy of Terrors“ (Ruhe Sanft GmbH) zeigte er sich verantwortlich.

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Cat People (1942)

Sein Horror-Debut „Cat People“ (1942) wurde zu einem enormen Erfolg. Es geht um die Modedesignerin Irene Dubrovna, die Angst vor sexuellen Beziehungen hat. Ihre Furcht besteht darin, dass sie glaubt, sich in eine Raubkatze zu verwandeln, wenn sie sich einem Mann hingibt. Dies führt zu Problemen, als sie den Ingenieur Oliver Reed kennenlernt und sich in ihn verliebt. Beide heiraten. Doch aufgrund Ihrer Sex-Phobie geht die Beziehung langsam in die Brüche. Als ihr Mann fremd geht, wird Irene rasend vor eifersucht und verwandelt sich tatsächlich in einen Panther.

Wie schon erwähnt ist die Schwimmbadszene, in der Alice Moore (Reeds Geliebte) sich vor einer schattenhaften Riesenkatze in das Schwimmbecken rettet, legendär und wird bis heute immer wieder zitiert. Sogar der moderne koreanische Horrorklassiker „Memento Mori“ (1999) greift in einer Szene auf dieses Kunststück zurück. „Cat People“ ist ein gelungenes Stück voller Andeutungen. Das Remake aus dem Jahr 1982 reicht nicht (trotz der Musik von David Bowie) an die Ästhetik heran.

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I walked with a Zombie (1943)

„I walked with a Zombie“ (1943) erzählt von der Krankenschwester Betsy, die eine Stelle auf der westindischen Insel Sankt Sebastian annimmt, um sich dort in einer Villa um Mrs Holland zu kümmern, die Frau des Plantagenbesitzers Paul Holland. Der Zustand von Mrs Holland ist sonderbar. Sie scheint in einer Art Wachkoma gefangen zu sein, wandelt nachts aber durch das Haus. Da bekommt Betsy mit, dass eine Frau, die eine ähnliche Krankheit hatte, von einem Voodoo-Priester geheilt worden ist. Daher besucht sie zusammen mit Mrs Holland ein Voodoo-Ritual und löst dadurch eine Katastrophe aus.

Der Film besticht durch eine dichte, spannende Story und eine wunderbare Gruselästhetik. Die Darstellungen des Voodoo-Rituals wirken reportageartig, was sie durchaus realistisch wirken lässt. Dies führt dazu, dass die unheimliche Bedrohung, die von dem Priester ausgeht, eine große Intensivität annimmt. Auch hier bleibt Vieles bei Andeutungen. Doch genau das macht den Reiz aus, da er Platz für die Phantasie der Zuschauer schafft und den Film zu einem wahren Schauererlebnis werden lässt.

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Night of the Demon (1957)

„Night of the Demon“ (1957) ist eine Adaption einer Kurzgeschichte von M. R. James, dem berühmten englischen Autor von Geistergeschichten. Es geht um den Parapsychologen John Holden, der nach England reist, um dort an einer Konferenz teilzunehmen. Als ein Kollege von ihm tot aufgefunden wird, der ihm zuvor von einem sonderbaren Mann namens Julian Karswell berichtet hat, beschließt Holden, diesen Karswell aufzusuchen. Karswell hat anscheinend durch alte Schriften die Macht, einen Dämon hervorzurufen. Holden glaubt ihm nicht. Doch nach und nach wird er Zeuge seltsamer und unheimlicher Zwischenfälle.

Mit Sicherheit gehört dieser Film ebenfalls zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Das liegt nicht nur an der äußerst originell umgesetzten Story, sondern auch an den überdurchschnittlichen Spezialeffekten. Das Auftreten des Dämons ist grandios und wirkt auch heute noch genauso unheimlich wie überraschend. Tourneur vermischt in diesem Film Thriller mit Horror. Martin Scorsese zählt „Night of the Demon“ zu den 10 unheimlichsten Filmen. Dem kann man nur beipflichten. Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen, wurde „Night of the Demon“ in Deutschland bisher leider nicht auf DVD veröffentlicht.