Red Velvet – K-Pop kann auch künstlerisch sein

vlcsnap-2014-10-11-15h34m37s228
Red Velvet „Happiness“. Kaldeidoskopartige Spiegelungen sind nur ein Aspekt der Ideenvielfalt des Videoclips.

Es begann überaus bunt. Gemeint ist das Debut-Video der koreanischen Girl Group Red Velvet. Man glaubte schon fast, dass die Zeit der Bonbonfarben innerhalb von K-Pop vorbei sei. Da kam mit dem Song „Happiness“ ein extremer Farbenrausch daher, der den Zuschauer zum Staunen brachte. Verbunden mit einer sehr guten Kameraführung, welche auf originelle Weise die vier Mitglieder der Gruppe vorstellt, ergab sich ein Video, das fast schon einzigartig ist in der derzeitigen K-Pop-Phase, die vor allem mit eher reduzierten, fast schon düsteren Farben und einem hohen Erotikgrad gekennzeichnet ist.

vlcsnap-2014-10-11-15h26m33s0
Die 80er Jahre lassen grüßen: Fotomontage im Bildhinter- und vordergrund.

SM Entertainment, eine der drei größten Produktionsfirmen in Südkorea, suchte anscheinend nach Alternativen. Heraus kam ein Girl Group-Konzept, das einerseits verspielt und kitschig, andererseits erwachsen und ernst ist. In der Tat kreierte man hier eine Art Paradoxon. Das Ergebnis war ein faszinierender Clip, der beeinflusst ist von den Videoeffekten der 80er Jahre. Eine kunterbunte Mischung aus witzigen Dancehots, Fotomontagen und kaleidoskopartigen Spiegelungen. Bei der ersten Sichtung wird einem fast schwindelig. Beim zweiten Betrachten erkennt man die Details.

Man war gespannt, ob und wie das Konzept von Red Velvet weiterentwickelt wird. Mit „Be Natural“ kam nun die zweite Single und das zweite Video an den Start. Die Verblüffung war groß. Das Farbkonzept des ersten Clips wurde ad acta gelegt. Nun herrschen kühle, dunkle Farben. Die Gruppenmitglieder erscheinen in schwarzen Damenanzügen. Gegen Ende des Clips erscheinen sie – ihrem Namen entsprechend – in roten Kostümen. Obwohl man sich hinsichtlich der Farbgebung den übrigen K-Pop-Clips annäherte, wollte man das Konzept nicht wirklich angleichen.

redvelvet3
Red Velvet „Be Natural“ mit reduzierten, kühlen Farben und einer ungewöhnlich tiefen Raumoptik.

Das Besondere an dem neuen Clip sind daher die Kamerafahrten. Die Danceshots präsentieren sich ohne Schnitt. Lediglich angenehm altmodische Überblendungen führen in die nächste Kulisse. Die Kamera kreist dabei um die Sängerinnen herum, verändert dabei immer wieder ihre Höhe und die Distanz zu den Gruppenmitgliedern. Der Hintergrund besteht aus einem extrem weiten Raum, der für K-Pop-Clips ungewöhnlich ist. Die Mitglieder wirken beinahe verloren.

redvelvet2
Abschließender Danceshot von „Be Natural“. Die Raumtiefe setzt sich auch hier fort.

Regisseur Si versuchte, die kühlen Jazzklänge, welche den Song „Be Natural“ – der fast schon an Jamie Cullum erinnert –  prägen, visuell umzusetzen. Dies gelingt ihm auf hervorragende Weise. Die visuelle Ästhetik, mit der Si arbeitet, ist grandios. Das Konzept von Red Velvet ist derzeit einzigartig in der K-Pop-Landschaft. Man setzt auf eine Mischung aus Mainstream und Indie und einen hohen Grad an Videokunst. Es bleibt zu hoffen, dass die Kreativität, mit der das Konzept ausgestattet ist, erhalten bleibt.