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Posts Tagged ‘New York’

Der Roman „Party bei den Jacks“ ist für Thomas Wolfe (1900 – 1938) durchaus außergewöhnlich. Hier fehlt die epische Breite, wie etwa in „Schau heimwärts, Engel“, stattdessen konzentriert sich Wolfe ganz auf den Ablauf eines einzigen Tages.

Das Ehepaar Esther und Frederick Jack (der Mann ist Banker, die Frau Bühnenbildnerin) möchten am Abend in ihrer großen Wohnung eine Party geben. Eingeladen sind alle Namen der High Society. Die Party nimmt jedoch von Mal zu Mal groteskere Züge an. Als sich alle wieder verabschieden wollen, bricht im Hochhaus, in dem die Jacks wohnen, plötzlich ein Feuer aus …

Der Roman basiert, wie üblich bei Wolfe, auf einer tatsächlichen Begebenheit. Damals besuchte Wolfe die Party seiner Geliebten, der um 18 Jahre älteren Bühnenbildnerin Aline Bernstein, die mit einem Banker verheiratet gewesen ist. Und tatsächlich brach gegen Ende der Party in dem Hochhaus ein Feuer aus.

Aline Bernstein, die im Roman als Esther Jack vorkommt; Copyright: Yale University

Wie Kurt Darsow in dem Nachwort der im BTB-Verlag erschienenen Übersetzung erwähnt, verfasste Wolfe die erste Fassung des Romans in Form einer Erinnerung an diese Geschehnisse. Sämtliche Namen der Figuren entsprachen denjenigen der tatsächlichen Gäste. Erst im Laufe der Überarbeitung kam es zu einer „literarischen Distanz“, was dazu führte, dass Wolfe sich in folgenden Versionen auf bestimmte Themen konzentrierte, wodurch es ihm gelang, seinen Roman als eine Art Abbild der damaligen Epoche zu gestalten.

Im Zentrum steht dabei ein durchaus satirischer Blick auf das Leben der Partygäste, die ein Sammelsurium aus Wichtigtuern, Künstlern und reichen Geschäftsleuten darstellt. Höhepunkt der Party ist dabei der skurrile Auftritt des Puppenspielers Piggy Logan, der auf dem Boden mit einfachen aus Draht gefertigten Figuren eine Aufführung darbietet, die allerhöchstens Kleindkinder fasziniert.

Thomas Wolfe, der sich im Roman als „Der Gebliebte“ bezeichnet

Minutiös beschreibt Wolfe das Verhalten der Gäste, gibt ihre Dialoge wieder (Darsow meint, dass es sich teilweise um die tatsächlichen Gespräche der damaligen Partygäste handeln könnte) und zeigt dabei zugleich, dass es sich bei allem um eine bloße Fassade handelt, die in kürze durch die Weltwirtschaftskrise zusammenbrechen würde.

Auch für sich selbst findet Wolfe in dem Roman einen Platz, indem er sich als der Gebliebte durch die Party schlängelt und dabei die unterschiedlichen Situationen in Form von Momentaufnahmen in sich aufnimmt. Mit Esther Jack ist natürlich Wolfes tatsächliche Geliebte Aline Bernstein gemeint.

Thomas Wolfe schrieb an dem Roman insgesamt sieben Jahre. Aufgrund seines frühen Todes wurde „Die Party bei den Jacks“ jedoch nie veröffentlicht, Erst 1995 wurde das Manuskript bei der Durchsicht seiner literarischen Hinterlassenschaft entdeckt. Wiederum verzaubert einen die wunderbare Sprache Wolfes, die den Leser direkt an der Party teilnehmen lässt. Ein faszinierendes und zugleich prägendes Leseerlebnis.

 

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lovecraftAls der amerikanische Horrorautor Howard Philip Lovecraft und Sonia Greene am 3. März 1925 heirateten, war dies vor allem für Lovecrafts Freundeskreis eine große Überraschung. Niemand seiner Freunde und Autorenkollegen hätte je daran geglaubt, dass Lovecraft überhaupt jemals heiraten würde.

Engere Beziehungen zu Frauen hatte er davor nie gehabt. Er selbst sagte einmal, dass Sonia (beide hatten sich bei einem Treffen von Amateurjournalisten kennen gelernt) die erste Frau gewesen war, die ihn geküsst habe. Sonia Greene war bereits vor ihrer Heirat mit Lovecraft verheiratet gewesen. Ihr erster Mann soll Selbstmord begangen haben. Doch unabhängig davon waren Lovecrafts Tanten, mit denen er in Providence wohnte, von Anfang an gegen seine Beziehung mit Sonia Greene und ganz und gar gegen eine Heirat.

Lovecraft setzte jedoch seinen eigenen Willen durch. Kurz nach der Hochzeit zog er zusammen mit seiner Frau nach New York. Sonia Greene arbeitete als Hutdesignerin und verdiente damit recht gut. Dies war wichtig, denn Lovecraft war unfähig, selbst Arbeit zu finden. Er war ein durch und durch geistiger Mensch, der gelegentlich von sich selbst behauptete, im falschen Jahrhundert geboren zu sein. Doch all das schreckte Sonia nicht ab. Die erste Zeit lebten sie glücklich miteinander. Lovecraft lernte in New York viele Intellektuelle und Schriftsteller kennen. Und Sonias Kochkünste führten dazu, dass er, dessen Hauptnahrungsmittel eigentlich Kaffee darstellte, gehörig zunahm.

lovecraft1Wichtig zu erwähnen ist, dass Sonia Greene Jüdin war. Dies ist insofern von Bedeutung, da Lovecraft durch und durch rassistisch geprägt war. Einer Anekdote zufolge, soll er in New York am Hafen einen regelrechten Starrkrampf bekommen haben, als er all die farbigen Hafenarbeiter gesehen habe. Seinen Freunden zufolge soll er am Veröffentlichungstag der englischen Ausgabe von „Mein Kampf“ in aller Früh zu seinem Buchladen gelaufen sein, um als einer der ersten das Buch in seinem Besitz zu bekommen. Denn Lovecraft sah darin seine eigenen verqueren Rassentheorien bestätigt. Es erscheint daher als eine Art Paradoxon. dass ausgerechnet er eine Jüdin heiratete. Als Sonia ihn einmal darauf ansprach, lautete seine Antwort, dass sie nun durch ihn einer höheren Rasse angehöre. Sonia schien seine Aussage mit einem gewissen Humor genommen zu haben, kannte sie ihn und seine seltsamen Theorien doch in- und auswendig.

Auf ihre Beziehung hatte dies keine Auswirkung. Doch etwas anderes führte schließlich dazu, dass sich Lovecraft und Sonia wieder trennten. Sonia Greene hatte sich selbständig gemacht. Aber ihr Geschäft ging bankrott, was dazu führte, dass sie aus dem Haus in Brooklyn in eine kleine Wohnung ziehen mussten. Da Lovecraft unfähig war, Arbeit zu finden (er scheiterte bereits an den Bewerbungsschreiben), war es an ihr, weiterhin Geld zu verdienen. Da ihr neuer Job verlangte, dass sie viel reiste, konnte sie nur wenige Tage im Monat zuhause sein.

Lovecraft magerte in dieser Zeit gehörig ab. Er schrieb einmal, dass er kein Geld mehr habe und für mehrere Tage nur von ein paar Schreiben Brot und einem Stück Käse gelebt habe. Dennoch schrieb er beharrlich an seinen Geschichten weiter. Dann kam der Tag, an dem in die kleine Wohnung eingebrochen wurde. Lovecraft erlitt eine Art Schock, was dazu führte, dass er praktisch über Nacht New York verließ, um wieder zurück in sein geliebtes Providence zu kehren.

Sonia ging weiter ihrem Beruf nach, bis sie später einen anderen Mann kennen lernte. Mit Lovecraft blieb sie weiterhin in Briefkontakt. Dieser blieb bis zu seinem Tod 1937 Single. Obwohl er Sonia nie sagte, dass er sie liebte, so gestand er einmal in einem Brief an einen Freund, dass sie seine einzige große Liebe gewesen sei.

Die Informationen zu diesem Text stammen zum einen aus der Biographie „H. P. Lovecraft“ von L. Sprague de Camp und zum anderen aus dem Buch „Der Einsiedler von Providence“ (Hrsg. von Franz Rottensteiner), in dem Erinnerungen von Freunden und von Sonia Greene an Lovecraft enthalten sind.

 

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wearestillhereDie Welle an Spukhausfilmen hat vergangenes Jahr wieder zugenommen. Eine dieser Produktionen trägt den Titel „We are still here“ und stammt vom Jungregisseur Ted Geogehgan. Das Drehbuch hatte er eigentlich für einen befreundeten Regisseur geschrieben. Als dieser jedoch zu sehr mit anderen Projekten beschäftigt war, hatte Geogehgan die Sache einfach selbst in die Hand genommen.

Der Film spielt in einem einsam gelegenen Haus, in welches das Ehepaar Paul und Anne ziehen, nachdem sie ihren Sohn bei einem Autounfall verloren haben. Beide hoffen, dadurch ein neues Leben beginnen zu können. Doch schnell stellt sich heraus, dass etwas in dem Haus umgeht.

Sehr viele Geisterhausfilme beinhalten eine ganz ähnliche Handlung, doch geht es letztendlich darum, wie das Unheimliche in den Filmen umgesetzt wird. In dieser Hinsicht wird man nicht enttäuscht. In hervorragenden Bildkompositionen lässt Geoghegan das Grauen zunächst unterschwellig in Aktion treten, bevor es schließlich zur direkten Konfrontation kommt. Dabei kommt der Film zum Glück ganz ohne CGI-Effekte aus. Alles ist handgemacht, und es zeigt sich einmal mehr, dass genau dies die beste Methode ist, um dem Zuschauer das Gruseln zu lehren. Bei den einzelnen Szenen sollte man stets auf den Hintergrund achten, in dem sich so manche unheimliche Gestalt verbirgt.

Da die Handlung Anfang der 80er Jahre spielt, orientiert sich Ted Geoghegan in Sachen Farbgebung und Effekte an die damaligen Filme, vor allem an die damaligen Indie-Produktionen und italienischen Horrorfilme. All das ist hervorragend umgesetzt und löst dabei so etwas wie eine Horrorfilmnostalgie aus.

Neben Trash-Ikone Barbara Crampton, die vor allem aus den „Reanimator“-Filmen bekannt ist, ist auch Indie-Regisseur, Autor und Schauspieler Larry Fessenden mit von der Partie. Obwohl Fessenden hier „nur“ als Schauspieler agiert, sieht man dem Film an, dass er im Hintergrund dennoch immer mal wieder für diverse Ratschläge gesorgt hat. Viele der wunderbaren Landschaftsaufnahmen prägen eindeutig seinen Stil, was dem Film eine noch höhere Ästhetik verleiht.

Insgesamt ist „We are still here“ ein sehr gut gemachter Geisterhausfilm, der zeigt, dass kein großes Budget notwendig ist, um gelungene Arbeit zu leisten. Im Gegenteil, in der Regel sind es die Filme mit geringen Produktionskosten, die überzeugen und Spaß machen.

We are still here, Regie u. Drehbuch: Ted Geoghegan, Produktion: Travis Stevens, Darsteller: Barbara Crampton, Andrew Sensening, Larry Fessenden, Monte Markham, Lisa Marie; USA 2015; Laufzeit: 80 Min.

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