Der gute Sohn – Der neue Thriller von Jeong Yu-Jeong

Die südkoreanische Autorin Jeong Yu-Jeong ist in ihrer Heimat eine der erfolgreichsten Thrillerautorinnen. Nach „Sieben Jahre Nacht“ ist nun ein zweiter Roman von ihr auf Deutsch erschienen.

„Der gute Sohn“ handelt von dem 25-jährigen Yu-Jin, der kurz davor steht, an einer renommierten Universität Jura zu studieren. Doch eines Morgens wacht er Blut überströmt auf. Was ist passiert? Als er den blutigen Spuren in dem Luxusappartment nachgeht, findet er in der Diele die Leiche seiner Mutter …

Aus dieser Ausgangssituation webt Jeong Yu-Jeong einen extrem dichten und überaus spannenden Thriller, in dem Yu-Jin versucht, zu ergründen, was in dem Zeitraum geschehen ist, an den er sich absolut nicht erinnern kann. Doch nachdem der erste Schock überwunden ist, kommen immer mehr Details ans Licht. Nicht nur, was die vergangenen Stunden betrifft, sondern auch im Hinblick auf die Beziehung zwischen Yu-Jin und seiner Mutter.

Inspiriert wurde die Autorin dabei durch einen wahren Fall, der sich in Südkorea zugetragen hat und damals für viel Rätselraten gesorgt hat, sodass selbst die Psychologen nicht weiter wussten. „Der gute Sohn“ stellt dieses Rätselraten in den Mittelpunkt der Handlung. Aus der Sicht Yu-Jins geschrieben, gelingt es der Autorin dann auch überzeugend, die Vergangenheit Stück für Stück aufzudecken. Daraus ergibt sich ein minutiös durchdachter psychologischer Thriller, der einem vor Spannung nicht zur Ruhe kommen lässt.

Man könnte Jeong Yu-Jeong als die Patricia Highsmith Südkoreas bezeichnen. Jeongs Thriller sind genauso gut konzipiert, die Figuren wirken überaus lebendig und zwielichtig und hinzu kommt ein Faible fürs Makabre. Besonders bei Jeong Yu-Jeong schimmert zwischen den Zeilen ein schwarzer Humor durch, der einen immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Es ist wirklich schade, dass nur wenige koreanische Autorinnen und Autoren ihren Weg bis in den deutschsprachigen Raum finden. Jeong Yu-Jeongs Thriller jedenfalls kombiniert Anspruch mit Spannung und macht dabei Lust, mehr von der Autorin zu lesen. Kurz: Sehr zu empfehlen.

Jeong Yu-Jeong. Der gute Sohn. Unionsverlag 2019, 317 Seiten, 19,00 Euro

Geständnisse – Der Bestseller aus Japan

Kanae Minatos Roman „Geständnisse“ wurde außerhalb Japans zunächst durch seine gleichnamige Verfilmung bekannt. Tetsuya Nakashimas Adaption zählt bis heute zu den zehn erfolgreichsten japanischen Filmen überhaupt. Nun ist auch der Roman auf Deutsch erschienen. Um es kurz zu machen: Man sollte alles stehen und liegen lassen, bevor man mit dem Lesen beginnt. Denn Minatos Thriller lässt einen nicht mehr los.

Es geht um ein grauenvolles Verbrechen an einer japanischen Schule. Die Tochter der Lehrerin Yuko Moriguchi wurde tot im Schwimmbecken der Schule gefunden. Zunächst wird der Tod Manamis von der Polizei als Unfall beurteilt. Doch das Blatt wendet sich, als die Lehrerin am letzten Schultag vor den Sommerferien ihrer Klasse erzählt, dass sie die Täter kennt. Und sie erwähnt auch, welche Form der Rache sie sich deswegen ausgedacht hat. Dadurch löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die ganze Familien zerstört.

Man kann zu Kanae Minatos Debütroman nur eines sagen: Wow! „Geständnisse“ ist ein Thriller, der einen regelrecht umhaut. Es ist ein gesellschaftskritischer Rundumschlag, den die mehrfach ausgezeichnete Autorin dem Leser präsentiert. Zwar geht es ihr im Kern um das japanische Schulsystem, doch zeichnet sie dabei zugleich ein gesamtgesellschaftliches Bild Japans, das geprägt ist von zunehmender Kriminalität, moralischem Verfall und Egoismus.

Da das Rechtssystem unfähig ist, manche Täter zu bestrafen, lässt dies Yuko Moriguchi keine andere Möglichkeit mehr, als die Rache selbst in die Hand zu nehmen. Dabei geht sie dermaßen ausgeklügelt vor, dass man schon von einer erschreckenden Genialität sprechen muss. „Geständnisse“ ist jedoch alles andere als eine gewöhnliche Rachestory. Denn die ganze Geschichte setzt sich nach und nach wie ein Puzzle zusammen.

Daraus ergibt sich ein extrem packender Roman, der nicht nur überaus spannend, sondern gleichzeitig von einer komplexen Tiefgründigkeit geprägt ist. Als Pate stand anscheinend Dostojewskis „Schuld und Sühne“, dessen Kernthematik Kanae Minato in ihren Roman verarbeitet hat. „Geständnisse“ ist nicht nur ein Sollte-man-lesen, sondern ein Muss-man-lesen. Hoffentlich werden die anderen Romane der Autorin ebenfalls ins Deutsche übersetzt.  „Geständnisse“ ist jedenfalls ein unglaublich gutes Buch.

Kanae Minato. Geständnisse. C.Bertelsmann 2017, 270 Seiten, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-570-10290-9

 

Das Haus in Cold Hill – Ein Spukhausroman von Peter James

Das Besondere am Subgenre der Geisterhausgeschichte ist, dass es hierbei genau drei Handlungstypen gibt: ein Spukhaus wird wissenschaftlich untersucht, eine Nacht wird in einem Spukhaus verbracht (entweder aus Neugierde oder aufgrund einer Wette) oder eine Familie zieht in ein Spukhaus ein. Genau dies macht dieses Genre zu etwas Besonderem. Denn es geht hierbei nie um die grundlegende Idee, sondern allein darum, wie intensiv es dem Autor gelingt, Spannung und unheimliche Momente zu schaffen.

In dieser Hinsicht ist der neue Roman von Peter James sicherlich ein Beispiel für eine rundum gelungene Spukhausgeschichte, in der es um den Webdesigner Oliver Harcourt geht, der mit seiner Frau Caro und der gemeinsamen Tochter Jade in das Cold Hill House zieht, ein sehr renovierungsbedürftiger Kasten. Doch Olivers und Caros Traum war es immer gewesen, auf dem Land in einem herrlichen Haus zu leben – und Cold Hill House schien da genau das Richtige zu sein.

Allerdings erhält ihre Freude einen gehörigen Dämpfer, als sie erfahren, dass das Gebäude mehr als bloß einer oberflächlichen Erneuerung bedarf. Und noch etwas anderes stimmt die Harcourts zunehmend nachdenklich. Denn etwas scheint mit dem vermeintlichen Traumhaus nicht zu stimmen. Unheimliche Schatten stehlen sich durch die Korridore und Zimmer, nachts fließt plötzlich Wasser aus den Wasserhähnen des ganzen Hauses und dann gibt es noch eine bösartige alte Frau, die durch das Gebäude geistert …

Doch ist dies bei weitem nicht alles. Denn James schreibt hier nicht nur einen bloßen Spukroman. Ihm geht es um mehr. Anhand der unheimlichen Phänomene beschreibt er, wie sehr diese der Familie zusetzen, bis diese mehr und mehr daran psychisch erkranken. Der bekannte Krimi- und Thrillerautor liefert damit eine spannende Geschichte ab, die sich mit der drastischen Zerstörung eines Lebenstraums befasst.

Für Oliver und Caro wird dieser Traum schlagartig zum Albtraum. In jeder Hinsicht. Denn unter den unheimlichen Phänomenen beginnt auch Olivers Geschäft als Webdesigner zu leiden. All dies macht den neuen Roman von Peter James zu einer überaus spannenden Lektüre. Zwar glaubt man zunächst, dass hier „Amityville“ Pate gestanden hat, doch entwickelt sich die Handling komplett anders weiter als man denkt. Überraschende Wendungen und die unaufhörliche Zunahme der unerklärlichen Bedrohung, der sich die Familie ausgesetzt sieht, machen den Roman zu einem packenden Lesevergnügen mit Gänsehautgarantie.

Peter James. Das Haus in Cold Hill. Fischer Verlag 2017, 366 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 978-3-596-29774-0

Todesstation – Der neue Roman von Carl Denning

TodesstationCover11Die Besatzung einer abgelegenen Forschungsstation in den Alpen macht eine seltsame Entdeckung: Bei einem Zwischenfall wird der Eingang einer Höhle freigelegt, in der sich prähistorische Felszeichnungen befinden. Manche von ihnen wirken äußerst bizarr. Die junge Archäologin Joan Jansen soll die Bilder untersuchen. Doch sie steht selbst vor einem Rätsel. Solche Bilder hat sie bisher noch nirgendwo anders gesehen. Die Situation erhält noch einen merkwürdigeren Anschein, da sowohl in der Station als auch um sie herum auf einmal unheimliche Dinge geschehen, die sich von Mal zu Mal intensivieren. Als es schließlich zu einem schrecklichen Todesfall kommt, gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle …

Vom Autor der Horrorromane „Blutige Schatten“, „Das Böse“ und „Angst“.

„Carl Denning schreibt einfach klasse.“ (amazon)

Hier der Link: Todesstation

Final Cut – Horrorikone Robert Englund in Aktion

finalcutEin frisch verliebtes Paar geht ins Kino, um sich in der Mitternachtsvorstellung „The Hills have Eyes 2“ anzusehen. Doch mitten drin bricht der Film auf einmal ab. Der Horror auf der Leinwand geht in die Realität über, denn ohne Vorwarnung befinden sich beide in den Händen eines Wahnsinnigen.

Regisseur Phil Hawking ist eigentlich Werbefilmer. Mit „Final Cut“ legt er nun seinen ersten, selbst produzierten Film vor, in dem niemand anderer als Horrorikone Robert Englund die Rolle von Stuart übernimmt, einem Filmvorführer, dessen Job aufgrund einer technischen Umrüstung gekündigt wurde. Von nun an soll er sich um die Ticketverkäufe, das Popkorn und die Sauberkeit der Kinosäle kümmern. Stuart, der den Verlust seines geliebten Berufs nicht verkraftet, sinnt auf Rache. Und da kommen ihm Martin und Allie gerade recht. Wenn man so will, sind beide Zufallsopfer, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Nun gut, jetzt könnte man meinen, der restliche Film verlaufe nach dem 08/15-Prinzip. Doch genau hier kommt die große und überaus angenehme Überraschung. Phil Hawking versucht sich in Originalität, und das macht „Final Cut“ zu einem Film, der witzig, schnell und vor allem extrem fies ist. Bereits der Prolog des Films, in dem die sich verändernde Lebenslage Stuarts dargestellt wird, ist gut gemacht. Ohne Dialoge, nur in einer kurzen Aneinanderreihung einzelner Situationen, zeigt der Film den sozialen Abstieg des früheren Filmvorführers. Im übrigen Film präsentiert Stuart seinen Hang zur Kreativität. Denn schon immer mal wollte er einen Film drehen. Mit Martin und Allie hat er bereits seine beiden Hauptdarsteller gefunden. Die Überwachungskameras dienen ihm zur Aufnahme der einzelnen Szenen.

Wenn der Vertrieb damit wirbt, dass es sich bei „Final Cut“ um einen Film im Stil von „Im Augenblick der Angst“ handelt, dann ist dies ein wenig hoch gegriffen, vor allem, da der spanische Horrorklassiker aus dem Jahr 1987 eine andere Thematik aufgreift. Was aber stimmt ist, dass beide in einem Kino spielen. Wobei bei „Final Cut“ das Wörtchen spielen durchaus betont wird. Denn das Spiel, das sich Stuart ausgedacht hat, ist überaus gemein. Phil Hawking macht sich hierbei einen doppelten Spaß. Denn er überlässt es dem Zuschauer, ob er nun auf der Seite Stuarts steht oder auf der Seite seiner beiden Opfer. In der Tat erhält der Film durch die jeweilige Perspektive eine völlig andere Aura, was „Final Cut“ überaus interessant macht. So liefert der Film nicht nur für Fans von Robert Englund eine gelungene Unterhaltung. Denn bei Phil Hawkings Erstling handelt es sich im Groben und Ganzen um einen gut gemachten Thriller, der hoffentlich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.

Final Cut – Die letzte Vorstellung (The last Showing), Regie, Drehbuch u. Produktion: Phil Hawking, Darsteller: Robert Englund, Finn Jones, Emily Berrington. Großbritannien 2014, Laufzeit: 85 Min.

The Divine Move – Film Noir aus Südkorea

divine move
The divine Move (2014). Originalkinoplakat.

Regisseur Jo Bum-Gu haben wir noch in Erinnerung durch seinen Actionfilm „Quick“ (2010), der in Ansätzen nostalgisches 80er Jahre Actionkino immitierte, aber darüber hinaus absolut nichts bot. Um so interessanter ist es daher, dass Jo nun mit „The Divine Move“ einen erstklassigen Gangsterfilm im Stil des Film Noir vorlegt.

Es geht um den Go-Spieler Tae-Suk, der es sich bei einem Spiel mit dem Gangsterboss Sal-Soo verscherzt. Sal-Soo tötet daraufhin Tae-Suks Bruder, stellt es aber so hin, dass Tae-Suk als Mörder in Frage kommt. Prompt wird Tae-Suk für sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt. Dort sinnt er nach Rache. Er entwickelt einen Plan, wie er es Sal-Soo heimzahlen kann.

Nie wurde das Spiel Go interessanter und cooler dargestellt als in „The Divine Move“. Das doch eher langsame Spiel, das in Südkorea genauso beliebt ist wie hierzulande Schach, wird zu einem kniffligen Potpouri aus Taktik und hinterlistigen Tricks. Die Kamera fängt dabei das Spielbrett und die gesetzten Steine auf eine geradezu stylische Weise ein. Hinzu kommen die Protagonisten bzw. Antagonisten, die in schicken Anzügen lässige Miene zum bösen Spiel machen. Dunkle Farben und tiefe Schatten beherrschen Jo Bum-Gus neuen Spielfilm, der Anfang Juli in die koreanischen Kinos kam und schon jetzt zu den erfolgreichsten Filmen in diesem Jahr zählt. Die einzelnen Spiele sind schnell geschnitten, stets versetzt mit Parallelmontagen, um dem Konflikt auf dem Spielbrett eine gewisse Tiefe zu verleihen. Immerhin geht es hier nicht bloß ums Gewinnen oder Verlieren, sondern um Leben oder Sterben.

Um seine Rache durchzuführen, versammelt Tae-Suk nach und nach eine kleine Gruppe skurriler Typen um sich. So den blinden Go-Meister „The Lord“ oder den gewieften Trickspieler „Tricks“. Die Figuren verleihen der Handlung fast schon einen mystischen Charakter. Man ist beinahe geneigt, manche Sequenzen in die Kategorie Mystery-Thriller zu stellen. Aber auch das gehört bekanntlich zum Stil des Film Noir.

Jo Bum-Gu hat gelernt. Die Action dient nicht mehr um der Action willen, sondern ist hervorragend in die Handlung integriert. Speziell der Höhepunkt, wenn Sal-Soo seine Leute auf Tae-Suk hetzt, ist gekonnt in Szene gesetzt. „The Divine Move“ dürfte bei den kommenden koreanischen Filmfestivals nicht ohne Preise nachhause gehen. Kamera, Beleuchtung und nichtzuletzt ein sehr gutes Essamble machen den Film zu einem wahren cineastischen Genuss.