Mein Freund Lovecraft – Eine Biographie über den Meister des Unheimlichen

lovecraftbuchDer Horror- und Fantasy-Autor Frank Belknap Long (1903-1994) begegnete in seinem Leben so ziemlichen allen bekannten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. So auch Howard Philip Lovecraft, mit dem er eng befreundet war. 1975 verfasste er daher eine Biographie oder – wie Long dies in seinem Buch bezeichnet – eine Denkschrift über den Meister des Unheimlichen, die nun zum ersten Mal auf Deutsch im Festa Verlag erschienen ist.

„Mein Freund H. P. Lovecraft“ lautet der passende Titel der Übersetzung, denn Frank Belknap Long erzählt darin vor allem über seine Begegnungen mit Lovecraft in New York und in Providence. Long war Mitglied einer Gruppe von Amateurschriftstellern, dem KALEM-Club, zu der auch Lovecraft gehörte. Die Treffen fanden meistens in Lovecrafts Haus, in dem er zusammen mit seiner Frau Sonia Green lebte, oder in Longs Wohnung statt. Und das, was Long über seinen Freund Lovecraft zu berichten weiß, macht die Biographie nicht nur zu einem gelungenen Stück bester Unterhaltung, sondern zu einem regelrechten Leseerlebnis.

Denn Long erzählt nicht nur, sondern gibt die damaligen Gespräche, die er mit Lovecraft führte, wieder. Somit lässt er vor den Augen des Lesers teilweise filmreife Erinnerungen aufleben, wie etwa diejenige, als Lovecraft sich einen neuen Füllfederhalter kaufen wollte und dabei fast den Ladenbesitzer um den Verstand brachte, da er 50 Stück ausprobierte, bis er den richtigen gefunden hatte.

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Frank Belknap Long und H. P. Lovecraft 1931 in Boston.

Long stellt uns den „Einsiedler von Providence“ als einen überaus liebevollen, witzigen und ziemlich schrulligen Menschen dar, der zu jedem Thema etwas zu sagen wusste, ja fast schon so etwas wie ein wandelndes Lexikon war. Er traf Houdini, für den er eine Geschichte schrieb und der ihn dafür zu einer seiner Vorstellungen einlud, als auch den späteren Sektengründer Ron Hubbard. Seine Angewohnheit war es, stets von sich als einen alten Gentleman zu sprechen und den Namen seiner Freunde eine lateinische Form zu geben. So nannte er z.B. Frank Belknap Long immer Belknapius.

Das Buch geht zwar auch auf die Geschichten Lovecrafts ein, doch im Mittelpunkt steht Lovecraft als Mensch, wobei Long zugleich versucht, gegen die Gerüchte, die über Lovecraft existieren, anzugehen. So erklärt er z.B. auf eine sehr interessante Weise, wieso Lovecraft eigentlich kein Rassist gewesen ist, was ja immer wieder behauptet wird. Auch auf die Ehe mit Sonia Green, die bei Lovecrafts Freunden für mehr als nur bloßes Erstaunen gesorgt hat, geht Long ein.

„Mein Freund H. P. Lovecraft“ (im Original: Howard Philip Lovecraft – Dreamer on the Nightside) ist schlicht und ergreifend das, was man ein wunderbares Buch bezeichnet. Nicht nur Lovecraft-Fans kommen hier auf ihre Kosten, sondern einfach jeder, der einmal wieder etwas richtig Gutes lesen möchte.

Frank Belknap Long. Mein Freund H. P. Lovecraft. Festa Verlag 2016, 270 Seiten, 36,80 Euro, ISBN: 978-3-86552-478-2