Die Schlaflosen – Graham Mastertons spannender Horrorthriller

Graham Masterton dürfte den meisten Lesern als Autor des Horrorklassikers „Manitou“ (1976) bekannt sein, der mit Tony Curtis 1978 verfilmt wurde. Die Adaption gilt längst ebenfalls als Klassiker, nicht allein wegen des deutschen Verleihtitels „Superzombie“. Mit „Manitou“ lieferte Masterton zugleich sein literarisches Debut ab.

1993 erschien sein Roman „The Sleepless“, der nun beim Festa Verlag unter dem Titel „Die Schlaflosen“ erschienen ist. Es geht um den Versicherungsdetektiv Michael Reardon, der einen rätselhaften Fall bearbeiten soll. Bei einem Hubschrauberabsturz kam ein bekannter Richter und dessen Frau ums Leben. Die gemeinsame Tochter ist spurlos verschwunden. Hinzu kommt, dass die Leichen brutale Verstümmelungen aufweisen, die keineswegs von dem Absturz herrühren können. Reardon soll ergründen, was hinter diesem Unfall steckt. Bei seinen Recherchen stößt er auf eine unheimliche Gruppierung, die alles daran setzt, um ihr schreckliches Geheimnis zu bewahren …

Wie bereits in „Manitou“, so verbindet Masterton auch hier Thrillerelemente mit Horror und Mythologie, um daraus einen überaus spannenden und kurzweiligen Roman zu schaffen. Dabei ist die Story geprägt durch den harten Kontrast zwischen kritischer Vernunft und Aberglaube. Denn die Frage, die sich Reardon ab einem gewissen Punkt stellen muss, lautet, ob all dies, was seine Recherchen ans Licht bringen, überhaupt der Realität entsprechen kann. Immerhin ist er Versicherungsdetektiv und glaubt an nichts anderes als an überprüfbare Tatsachen.

Speziell dieser Aspekt macht den Roman sehr interessant, und Masterton zeigt sich einmal mehr als Meister seines Fachs, indem er diese Gegenüberstellung spannend und durchaus originell in „Die Schlaflosen“ einarbeitet. Anfang der 90er Jahre geschrieben, macht sich dabei der Charme des späten 80er Jahre Horrors bemerkbar, der u. a. von den Werken Clive Barkers geprägt war. Ungefähr in diese Kerbe schlägt auch Masterton im wahrsten Sinne des Wortes, verbindet er doch Splatter mit den ins Radikale transformierten Ansichten eines Marquis de Sade.

„Die Schlaflosen“ ist ein durch und durch gelungener Roman, bei dem sich die fast 600 Seiten weglesen wie nichts. Stets fiebert man mit, welche Entdeckungen Reardon als nächstes machen wird und welche Gefahr wohl hinter der nächsten Ecke lauert. Kurz: einmal mehr ein lesenswerter Roman aus dem Hause Festa.

Graham Masterton. Die Schlaflosen. Festa Verlag 2017, 586 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-86552-546-8

 

Gods of Egypt – Alex Proyas sorgt für einen Aufreger … und für jede Menge Spaß

gods of egyptMit seinem neuesten Streich ging Regisseur Alex Proyas glatt in die Filmgeschichte ein. „Gods of Egypt“ war einer der ersten Filme, welcher die Rassismusdebatte in Hollywood erneut entfachte (die letzte fand in den 60er und 70er Jahren statt). Der Grund: Beinahe sämtliche Figuren werden von weißen Schauspielern verkörpert, schwarze Darsteller treten in der Hauptsache als Statisten im Hintergrund auf. Die Folge: Die Produktionsfirma sowie der Vertrieb Lions Gate entschuldigten sich dafür und versprachen, dass etwas in dieser Art nicht wieder vorkommen würde. Die zweite Konsequenz: Es hagelte schlechte Kritiken, die Proyas dazu veranlasste, dies als eine Art Hetze zu bezeichnen.

„Gods of Egypt“ spielt, wie es der Titel bereits impliziert, im Alten Ägypten. Doch wird hier kein Geschichtsunterricht geliefert, sondern man bezieht sich auf die damalige Mythologie, sodass der Film kein Historien-, sondern ein mythologisch angehauchter Fantasyfilm ist. Die Götter leben unter den Menschen und regeln deren Alltag. Alles funktioniert prächtig. Doch dann bricht eine Fede zwischen Horus und Set aus, die dazu führt, dass Set von nun an die Alleinherrschaft ausübt. Zusammen mit dem Dieb Bek versucht Horus, Set die Herrschaft wieder zu entreißen …

Meiner Meinung nach haben viele der negativen Kritiken etwas mit dem oben genannten Rassismusvorwurf zu tun. Denn „Gods of Egypt“ ist ein durchweg witziger und spannender Action-Fantasy-Film, der am Anfang das klassische Hollywood aufleben lässt, indem er Filme wie „Der Dieb von Bagdad“ zitiert, bevor er in die aktuelle Superhelden-Klopperei übergeht. Doch nimmt sich der Film hierbei nie wirklich ernst. Mit viel Selbstironie, gelungenen Gags und einem regelrechten Sprüchefeuerwerk gehen Bek und Horus daran, Bösewicht Set das Handwerk zu legen. Dabei überrascht es, dass „Gods of Egypt“ ein so lockerer, gut gelaunter Film ist, ist doch Proyas durch seine düster-pessimistischen Werke wie „The Crow“ oder „Dark City“ bekannt. Nein, hier zeigt der Regisseur seine spaßige Seite und dies mit Bravour. Denn der teils eigenwillige, skurrile Humor macht Laune und reißt einen regelrecht mit. Dabei übt er auch gerne Kritik an Politik und Wirtschaft, was dem Film in manchen Szenen eine gelungene satirische Note verleiht.

Gut, was auffällt, ist, dass die Spezialeffekte von unterschiedlicher Qualität sind. Sie sind zwar nie schlecht, doch wirken manche eindeutig billiger als andere im selben Film. Woran das liegt, darüber könnte man nun natürlich rätseln, auf jeden Fall scheint es hier anscheinend Produktionsprobleme gegeben zu haben. Stören tut das nicht wirklich, verleiht es dem Film doch zugleich eine sympathisch-trashige Note. Da der Film so viele schlechte Kritiken erhalten hat, dürfte „Gods of Egypt“ zu einer Art Geheimtipp werden für Leute, die sich von schlechten Kritiken nicht abschrecken lassen. Von mir erhält der Film, was den Spaßfaktor betrifft, eine glatte Eins.

Gods of Egypt, Regie u. Produktion: Alex Proyas, Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless, Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Brenton Thwaites, Chatwick Boseman, Elodie Young, Rufus Sewel, USA/Australien 2016, Laufzeit: 127 Min.