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Posts Tagged ‘Mystery-Thriller’

Science Fiction-Filme aus Deutschland sind ein sehr seltenes Phänomen. Interessant ist daher, dass Regisseur Sebastian Hilger für seine Abschlussarbeit sich dieses Genre ausgewählt hat.

„Wir sind die Flut“ handelt von dem Physiker Micha, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter Gelder für ein neues Forschungsprojekt beantragen möchte. Doch schon die Vorstellung seines Projekts vor einer Handvoll Professoren sorgt für Unmut. Denn niemand möchte ihm die Gelder bewilligen. Der Grund: Micha möchte ein bisher ungelöstes Naturphänomen lösen. Vor dem kleinen Küstenort Windholm ist vor 15 Jahren das Meer verschwunden. Am selben Tag verschwanden auch die Kinder des Ortes. Seitdem wird Windholm als eine Art Sonderzone vom Militär abgeriegelt.

Micha lässt das Rätsel jedoch nicht los. Noch am selben Abend bricht er zusammen mit seiner Exfreundin Jana nach Windholm auf, um eine Lösung für das außergewöhnliche Phänomen zu finden. Dabei stößt er auf weitere Sonderbarkeiten …

In düsteren Bildern erzählt Hilger diese Geschichte, die Science Fiction mit Mystery-Elementen verbindet. Sicherlich hätte er die Story auch als Action-Thriller inklusive Schockeffekten verfilmen können, doch wählte er eine subtile Form des Unheimlichen und des Rätselhaften, wobei er sich vor allem auf die durchgehende Aufrechterhaltung einer beklemmenden Atmosphäre konzentrierte, die dem Film die passende Dichte verleiht.

Von Anfang schwelgt der Film in wunderbaren Bildern. Egal, ob weite Landschaftsaufnahmen, ob lange Korridore oder überwucherte Hausfassaden, Hilger gelingt stets eine fast vollendete Ästhetik des Mysteriösen, die den Zuschauer berauscht und ihn dadurch in ihren Bann zieht. Es scheint beinahe so, als wollte er den übrigen Filmemachern Deutschlands zeigen, wie Kino funktioniert. Denn eigentlich kommen deutsche Kinofilme nie über das Niveau eines TV-Films hinaus.

So schön alles ist, so hapert es dann doch bei der Auflösung des Ganzen. Hilger schien sich am Ende nicht entscheiden zu können, welche der möglichen Pointen er nun für das Finale wählen sollte und so kommt es zu einem Kuddelmuddel aus SF-Drama und Mystery-Kitsch, das dann doch enttäuscht, hat man sich doch eine spannendere Lösung erhofft.

Der Film an sich aber ist sehr schön gemacht und zeigt uns einen Regisseur, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

Wir sind die Flut. Regie: Sebastian Hilger, Drehbuch: Nadine Gottmann, Produktion: Anna Wendt, Darsteller: Max Mauff, Lana Cooper, Gro Swantje Kohlhof, Roland Koch. Deutschland 2016, 84 Min.

 

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gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

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27etageMan könnte annehmen, dass sich mit dem Beginn der 60er Jahre die Paranoia der 50er Jahre in Luft aufgelöst hatte. Jedenfalls, was die Filminhalte anbelangt. Doch weit gefehlt. Denn Mitte der 60er Jahre zeigte Regisseur Edward Dmytryk, dass die Paranoia noch immer existierte – und zwar ausgeprägter als zuvor.

 

Paranoides im Kino

Die Paranoia-Filme der 50er Jahre waren bestimmt von einer heimlichen Invasion fremder politischer Mächte, allen voran natürlich der Sowjetunion, welche die USA unterwandern wollten. Paradebeispiel für jene Zeit war und ist „Invasion of the Bodysnatchers“ (1956) nach dem Roman von Jack Finney, in dem ein Psychiater bemerkt, wie sich um ihn herum die Gesellschaft verändert und er dadurch zum Gejagten wird.

Alfred Hitchcock machte Schluss mit diesen Wahnvorstellungen, indem er mit „Psycho“ neue Ängste heraufbeschwor: die Angst vor dem Fremden innerhalb der eigenen Gesellschaft – und zwar ohne äußere Einflüsse. Norman Bates ist der Psychopath par excellence, doch niemand sieht es ihm von außen an. Somit schlich sich die Angst vor den Mitmenschen, die in einer modernen Gesellschaft eigentlich fast alle Fremde sind, von der Realität in die Kinosäle. Vertrauen konnte man ab da im Grunde genommen niemanden mehr. Fünf Jahre nach „Psycho“ und fast zehn Jahre nach den „Körperfressern“ griff Edward Dmytryk diese neue Paranoia auf und schuf mit „Die 27. Etage“ ein Meisterstück des Mystery-Thrillers, dessen Einfluss bis heute nicht nachgelassen hat.

 

Die 27. Etage

Eines Abends fällt in einem Bürohaus plötzlich der Strom aus. Im selben Moment befindet sich der Angestellte David Stillwell im Treppenhaus, wo er versucht, ins Erdgeschoß zu gelangen. Er trifft auf Shela, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt, die er aber zugleich nicht zu kennen scheint, und folgt ihr hinunter in das vierte Untergeschoß. Nur, wie sich später herausstellt, das Gebäude besitzt kein einziges Untergeschoss, sondern nur einen Heizungskeller. Doch damit hat es sich noch längst nicht. Stillwell sieht sich auf einmal einer unheimlichen Gefahr gegenüber, Fremde bedrohen ihn mit Pistolen, versuchen, ihn zu entführen oder ihn dazu zu bringen, mit bestimmten Menschen in Kontakt zu treten. Im Gegenzug dazu verschwinden Leute, die er kannte, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Stillwell sucht letztendlich einen Privatdetektiv auf, der ihm dabei helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen …

„Mirage“, so der Originaltitel, ist Spannung pur. Ohne langes Vorspiel, beginnt der Film mitten in der Handlung. Und ohne Durchhänger fährt Dmytryk mit dem Spiel fort, lässt den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren, was eigentlich wirklich mit Stillwell passiert ist. Allein Sheila scheint eine Verbindung zu Stillwells Vergangenheit zu sein, an die er sich, wie er plötzlich merkt, überhaupt nicht mehr erinnern kann. Doch die Frau, die ihm einerseits bekannt, andererseits völlig fremd ist, scheint mit ihm ebenfalls ein zwielichtiges Spiel zu spielen.

 

Die neue Paranoia

So als wollte Dmytryk die paranoide Atmosphäre des Films nochmals unterstreichen, erlaubte er sich einen kongenialen Scherz, indem er Kevin McCarthy, der 1956 den Psychiater in „Invasion of the Bodysnatchers“ gespielt hatte, in „Die 27. Etage“ mitagieren lässt. Gregory Peck, der den völlig zurückgezogenen David Stillwell spielt, überzeugt in dem Film auf ganzer Linie. Seine Figur wird zum Symbol von Individuen in einer modernen Gesellschaft, die niemandem und nichts mehr vertrauen können. Nicht einmal mehr sich selbst. Auf diese Weise verbindet Dmytryk die Paranoia der 50er mir derjenigen der 60er und schafft dadurch eine neue Form der sozialen Angst, die bis heute das Mystery-Genre prägt.

Auf diese Weise funktioniert der Film heute genauso gut, wenn nicht sogar noch besser als damals. Mystery-Thriller wie „The Game“ schauen gegenüber der „27. Etage“ alt aus, erreichen nicht die Intensität und keineswegs die Eleganz, die jener Klassiker aufweist. Es handelt sich schlichtweg um ein Meisterwerk, in dem eine hervorragende, teils an Hitchcock erinnernde Optik dominiert, die Reales surreal erscheinen lässt und umgekehrt. Kurz: ein erstklassiger Thriller.

Die 27. Etage (Mirage). Regie: Edward Dmytryk, Drehbuch: Peter Stone, Darsteller: Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, George Kennedy. USA 1965, 108 Min.

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derAndere

Das Leben des Schriftstellers Jo Peterson könnte eigentlich ganz angenehm sein. Gleich sein erster Roman wurde ein Bestseller. Außerdem ist er mit einer äußerst attraktiven Frau verheiratet. Plötzlich wird sein Literaturagent Harry Roth ermordet. Sein Alltag gerät zunehmend aus den Fugen und er wird verdächtigt, den Mord begangen zu haben. Als seine Frau Laura obszöne Briefe erhält und beinahe vergewaltigt wird, nimmt eine unheimliche Bedrohung mehr und mehr Gestalt an.

„Der Andere“ ist ein Mystery-Thriller von Max Pechmann, Autor des Hörbuchs „Celeste – Das Geisterschiff“ und des Kurzromans „Zeitkabinett“. Dieses Jahr wird noch ein weiterer Horror-Thriller von ihm im Sieben Verlag erscheinen sowie ein neues Hörbuch im Action-Verlag.

 

Max Pechmann „Der Andere“. AAVAA-Verlag 2013, 199 Seiten, 11,95€. ISBN: 978-3-8459-0432-0730-7

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