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Posts Tagged ‘Mystery-Thriller’

Bereits 2015 versuchte sich Südkoreas Filmindustrie in Sachen Exorzismus. Das Ergebnis waren damals zwei Filme, die unterschiedlich nicht hätten sein können. Mit „The Chosen – Forbidden Cave“ legte man einen spannenden und durchaus originellen Horrorstreifen vor, der einen Hauch von Hammers Klassiker „Das schwarze Reptil“ beinhaltete, während man mit „The Priest“ einen unfreiwillig komischen „Exorzist“-Abklatsch hervorbrachte, der zwar erfolgreich gewesen war, aber zurecht schnell wieder in der Versenkung verschwand.

Nun, zwei Jahre später, hat man anscheinend von diesem Thema immer noch nicht genug. Denn erneut versuchte man, das Thema Exorzismus filmisch umzusetzen. Regie und Drehbuch stammten von Thriller-Experten Na Hong-Jin, der bereits mit seinem überaus düsteren Thriller „The Chaser“ (2008) für Aufsehen gesorgt hatte. Und nun also „The Wailing“, im Original „Gokseong“, der Name des Ortes, in dem die Geschichte spielt.

Es geht um sonderbare Zwischenfälle, die sich in Gokseong ereignen. Harmlose Menschen werden von einer Sekunde auf die andere verrückt und bringen ihre Familien um, eine sonderbare Krankheit, die mit einem schmerzenden Hautausschlag einhergeht, sucht den Ort heim. Immer mehr Einheimische verdächtigen einen Japaner, der als Einsiedler in dem Wald lebt, der Gokseong umgibt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Als schließlich auch die Tochter eines der Polizisten von der Krankheit befallen wird, beschließt dessen Frau, einen Schamanen hinzuzuziehen.

Beinahe drei Jahre soll Na Hong-Jin am Drehbuch geschrieben haben. Finanziell unterstützt wurde er von 20th Century Fox, eine neue Strategie der Hollywoodstudios, die seit den 90er Jahren vergeblich versuchen, in Südkorea Fuß zu fassen. Und wie verhält es sich mit dem Film? Zum Glück ließ das Studio dem Regisseur freie Hand. Denn „The Wailing“ stellt K-Horror auf eine neue Stufe.

Originalkinoplakat zu „Gokseong“ (The Wailing)

In dem Film verbindet Na traditionelle westliche mit den traditionellen Glaubensvorstellungen Südkoreas. Kommt es in Friedkins „Exorzist“ (1973) zu einer originellen Gegenüberstellung zwischen Glauben und Wissenschaft, so stellt Na zwei verschiedene Glaubensrichtungen gegenüber, die jeweils auf ihre Weise versuchen, dem Bösen, das sich in Gokseong eingenistet hat, Herr zu werden.

Na gibt sich dabei nicht mit Oberflächlichkeiten ab, sondern geht bei den jeweiligen Riten bis ins Detail. Man merkt dem Film tatsächlich an, dass Na jahrelang an dem Drehbuch geschrieben hat. Eingefangen wird das Ganze mit den wundervollen Bildern Hong Kyung-Pos, der dem Film eine wunderbare, düstere Ästhetik verleiht, die man vor allem im koreanischen Horrorfilm der letzten Zeit eher vermisst hat.

Auf diese Weise schildert Na die Geschichte einer Gruppe einfacher Polizisten, die mit den Geschehnissen in ihrem Ort völlig überfordert sind. Vor allem Darsteller Kwak Do-Won spielt die Rolle des Polizisten Jeong Jong-Gu vollkommen überzeugend. Hin- und hergerissen zwischen seiner Stellung als Ordnungshüter und seiner Rolle als Familienvater, weiß Jeong letztendlich nicht, wie er den Fall lösen soll. Und als schließlich die Verzweiflung obsiegt, ist ihm jedes Mittel recht.

Irgendwie wird man bei der Sichtung von „The Wailing“ den Verdacht nicht los, als habe sich Na Hong-Jin von den Filmen Larry Fessendens inspirieren lassen. Dies zeigt sich vor allem in den einzigartigen Landschaftsaufnahmen, mit denen Na seinen Film würzt – ganz ähnlich wie z.B. in „Wendigo“ des New Yorker-Indieregisseurs. Für Nas Film erweist sich dies als eine ungeheure Bereicherung, schaffen diese Bilder doch einen einzigartigen Kontrast zum unheimlichen Geschehen.

Auch wenn „The Wailing“ in einer seiner Hauptszenen droht, in den Trash umzukippen, so ist der Film als Ganzes nicht nur ein optisch hervorragend gemachtes Filmerlebnis, sondern liefert zugleich eine sehr spannende und beklemmende Handlung, der man die zweieinhalb Stunden Spieldauer keineswegs anmerkt. Die Preise, mit denen der Film bisher regelrecht überhäuft wurde, hat er mehr als nur verdient. Kurz: Sehr zu empfehlen.

The Wailing – Die Besessenen (OT: Gokseong). Regie u. Drehbuch: Na Hong-Jin, Produktion: Lim Min-Sub, Darsteller: Kwak Do-Won, Hwang Jun-Min, Chun Woo-Hee, Jun Kunimura, Kim Hwan-Hee. Südkorea 2017, 156 Min.

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Band 8 der eBook-Serie „Prähuman“ ist nun erschienen. Zum Inhalt: Seltsame Dinge ereignen sich in den schottischen Highlands. Auf einer einsamen Lichtung liegen riesige, aus Holzstücken zusammengefügte Buchstaben. In unmittelbarer Nähe entdecken Frederic Tubb und sein Team zwei menschliche Skelette. Der Fall, in dem sie ermitteln sollen, wird noch sonderbarer, als unheimliche Geräusche durch die Nacht hallen und Tubb von ominösen Wahnvorstellungen heimgesucht wird. Kaum sind Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer wieder zurück in London, als es auch dort zu merkwürdigen Zwischenfällen kommt. Und von Mal zu Mal werden diese bedrohlicher …

Dieses Mal wird es recht unheimlich. Denn Frederic Tubb und sein Team haben es mit allerhand unerklärlichen Phänomenen zu tun. Auf diese Weise entpuppt sich der achte Band der erfolgreichen Serie fast schon als eine Art Mystery-Thriller. Wie auch in den vorangegangenen Bänden, so zieht auch das neueste „Prähuman“-Abenteuer den Leser von Anfang an in seinen Bann. Die dichte Atmosphäre ist beinahe zum Greifen.

Interessant hierbei ist, dass die Handlung auf einem wahren Kriminalfall beruht, der sich Ende der 80er Jahre zugetragen hat und der bis heute als ungelöst gilt. Damals entdeckte ein Kamerateam tatsächlich bei Luftaufnahmen die aus Holzstämmen gefertigten Buchstaben SOS. Später fand die Polizei in der Nähe davon zwei Skelette. Das alles ereignete sich in Japan. Denning verlegte den rätselhaften Fall in ein abgelegenes Gebiet in Schottland. Kurz: Auch „Spur ins Unbekannte“ liefert ein absolut kurzweiliges Lesevergnügen.

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Nach dem Erfolg von „Die Frau in Schwarz“ hatte man gehofft, dass Hammer Films wieder zu ihrem ursprünglichen Stil zurückgefunden haben. Doch konnten die folgenden Produktionen nicht mehr an die klassische Machart und die schaurig-schöne Eleganz heranreichen. So versuchte nun die Produktionsfirma Number 9 Films, diesem Stil wieder gerecht zu werden. Und dies mit Bravour.

Der Film spielt im Jahr 1880 und handelt von Inspector John Kildare, der einen brutalen Mörder dingfest machen soll, der in dem Londoner Stadtteil Limehouse sein Unwesen treibt. Unter den Bewohnern wird der unheimliche Mörder als der Limehouse Golem bezeichnet. Wie es scheint, wählt er seine Opfer willkürlich aus und hinterlässt an den Tatorten rätselhafte Botschaften. Der Fall erweist sich als überaus verstrickt. Es gibt mehrere Verdächtige, unter ihnen die Sängerin Elizabeth Cree, die ihren Mann vergiftet hat. Mehr und mehr steigert sich Kildare in den Fall hinein …

Regisseur Juan Carlos Medina schuf mit „The Limehouse Golem“ – seinem zweiten Spielfilm – einen stark atmosphärischen Horrorthriller, der sich an den klassischen englischen Horrorfilmen wie etwa die späte Hammer-Produktion „Hands of the Ripper“ (1971) orientiert. Als Grundlage diente der Roman „The Limehouse Golem“ des englischen Schriftstellers Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994.

Interessanterweise war es ausgerechnet Jane Goldman, die das Drehbuch für „The Limehouse Golem“ verfasst hat, hatte sie doch auch das Drehbuch für „Die Frau in Schwarz“ geschrieben und dadurch Hammer Films in gewissem Sinne reanimiert. Es wirkt daher beinahe so, als hätten Hammer kein Interesse an diesem Stoff gezeigt. Dabei hätte er so gut in das Portfolio von Hammer gepasst. Dies schon allein wegen der wunderbaren Ausstattung, die der Film aufweist.

Er schwelgt beinahe in seinen Kulissen, die das England des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen lassen, gibt sich zudem ziemlich düster und lässt auch hin und wieder seine Anerkennung gegenüber Horrorfilmmeister Mario Bava hindurchschimmern, besonders dann, wenn es um die Beleuchtung und die Farbgebung geht.

Die Story selbst ist intelligent erzählt, lässt den Zuschauer mitraten, wer denn nun der Mörder ist, und sorgt am Ende auch noch für eine regelrechte Überraschung. Somit kombiniert der Film das typische „Who’s done it?“ mit den Merkmalen des englischen Horrorkinos der 60er und 70er Jahre, was, aufgrund der sorgfältigen Produktion, überaus gut gelingt.

„The Limehouse Golem“ bietet auf diese Weise eine schön-schaurige Unterhaltung, die vor allem Fans der Hammer Film-Ära erfreuen wird.

The Limehouse Golem. Regie: Juan Carlos Medina, Drehbuch: Jane Goldman, Produktion: Elizabeth Karlson, Stephen Wolley, Darsteller: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays. England 2017, 105 Min.

 

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Graham Masterton ist der Meister des Grauens aus England. Seit seinem Debut „Manitou“ ist er aus dem Horrorgenre nicht mehr wegzudenken. In seinem neuen Roman „Bleiche Knochen“ verbindet er gekonnt Krimielemente mit Aspekten des Horrorromans.

Es geht um die Ermittlerin Katie Maguire, die es plötzlich mit einem äußerst unheimlichen Fall zu tun hat. Auf einem Bauernhof werden bei Bauarbeiten die Skelette von elf Frauen gefunden, die dort 1915 vergraben wurden. Die Untersuchung der Knochen ergibt, dass die Frauen bei lebendigem Leib entbeint wurden. Gerade als die Ermittlungen zu den Akten gelegt werden sollen, ereignet sich jedoch ein neuer Fall, der nach demselben Muster verläuft …

Wenn man es genau nimmt, gibt es nicht gerade viele Kriminalromane, die nicht nur spannend, sondern auch hervorragend geschrieben sind. „Bleiche Knochen“ ist solch eine wunderbare Ausnahme. In dem Roman stimmt einfach alles. Nicht nur der perfekte Spannungsaufbau lässt einem das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hinzu kommt ein wirklich toller Schreibstil, mit dem es Masterton gelingt, eine dichte und mysthisch angehauchte Atmosphäre zu schaffen. Aber das ist noch nicht alles, denn der Roman ist bespickt mit interessanten und vielschichtigen Figuren, denen man gerne durch die Geschichte folgt.

Besonders Katie Maguire ist Masterton sehr schön gelungen. Kein 08/15-Charakter wie in so vielen anderen Krimis und Thrillern, sondern eine komplexe Figur, die sich gegenüber der Männerwelt behaupten muss und dabei mit ihren Schwächen und Stärken beschrieben wird. Sehr überzeugend stellt Masterton dabei die Skepsis und Abneigung der traditionellen Bewohner der Stadt Cork dar, in der Maguire als Chefermittlerin tätig ist.

Doch ist „Bleiche Knochen“ ja nicht nur ein Kriminalroman, sondern genauso ein Mystery-Thriller und nicht weniger ein Horrorroman. Masterton setzt alles daran, um das Grauen nicht abwegig oder übertrieben darzustellen, sondern ihm liegt daran, sowohl mit direkten als auch mit subtilen Mitteln eine Bedrohung zu schaffen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Besser als Masterton mit „Bleiche Knochen“ kann man einen Horrorthriller nicht schreiben. Eindeutig das Highlight des Jahres.

Graham Masterton. Bleiche Knochen. Festa Verlag 2017, 441 Seiten, 13,99 Euro, ISBN: 978-3-86552-558-1

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Science Fiction-Filme aus Deutschland sind ein sehr seltenes Phänomen. Interessant ist daher, dass Regisseur Sebastian Hilger für seine Abschlussarbeit sich dieses Genre ausgewählt hat.

„Wir sind die Flut“ handelt von dem Physiker Micha, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter Gelder für ein neues Forschungsprojekt beantragen möchte. Doch schon die Vorstellung seines Projekts vor einer Handvoll Professoren sorgt für Unmut. Denn niemand möchte ihm die Gelder bewilligen. Der Grund: Micha möchte ein bisher ungelöstes Naturphänomen lösen. Vor dem kleinen Küstenort Windholm ist vor 15 Jahren das Meer verschwunden. Am selben Tag verschwanden auch die Kinder des Ortes. Seitdem wird Windholm als eine Art Sonderzone vom Militär abgeriegelt.

Micha lässt das Rätsel jedoch nicht los. Noch am selben Abend bricht er zusammen mit seiner Exfreundin Jana nach Windholm auf, um eine Lösung für das außergewöhnliche Phänomen zu finden. Dabei stößt er auf weitere Sonderbarkeiten …

In düsteren Bildern erzählt Hilger diese Geschichte, die Science Fiction mit Mystery-Elementen verbindet. Sicherlich hätte er die Story auch als Action-Thriller inklusive Schockeffekten verfilmen können, doch wählte er eine subtile Form des Unheimlichen und des Rätselhaften, wobei er sich vor allem auf die durchgehende Aufrechterhaltung einer beklemmenden Atmosphäre konzentrierte, die dem Film die passende Dichte verleiht.

Von Anfang schwelgt der Film in wunderbaren Bildern. Egal, ob weite Landschaftsaufnahmen, ob lange Korridore oder überwucherte Hausfassaden, Hilger gelingt stets eine fast vollendete Ästhetik des Mysteriösen, die den Zuschauer berauscht und ihn dadurch in ihren Bann zieht. Es scheint beinahe so, als wollte er den übrigen Filmemachern Deutschlands zeigen, wie Kino funktioniert. Denn eigentlich kommen deutsche Kinofilme nie über das Niveau eines TV-Films hinaus.

So schön alles ist, so hapert es dann doch bei der Auflösung des Ganzen. Hilger schien sich am Ende nicht entscheiden zu können, welche der möglichen Pointen er nun für das Finale wählen sollte und so kommt es zu einem Kuddelmuddel aus SF-Drama und Mystery-Kitsch, das dann doch enttäuscht, hat man sich doch eine spannendere Lösung erhofft.

Der Film an sich aber ist sehr schön gemacht und zeigt uns einen Regisseur, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

Wir sind die Flut. Regie: Sebastian Hilger, Drehbuch: Nadine Gottmann, Produktion: Anna Wendt, Darsteller: Max Mauff, Lana Cooper, Gro Swantje Kohlhof, Roland Koch. Deutschland 2016, 84 Min.

 

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gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

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27etageMan könnte annehmen, dass sich mit dem Beginn der 60er Jahre die Paranoia der 50er Jahre in Luft aufgelöst hatte. Jedenfalls, was die Filminhalte anbelangt. Doch weit gefehlt. Denn Mitte der 60er Jahre zeigte Regisseur Edward Dmytryk, dass die Paranoia noch immer existierte – und zwar ausgeprägter als zuvor.

 

Paranoides im Kino

Die Paranoia-Filme der 50er Jahre waren bestimmt von einer heimlichen Invasion fremder politischer Mächte, allen voran natürlich der Sowjetunion, welche die USA unterwandern wollten. Paradebeispiel für jene Zeit war und ist „Invasion of the Bodysnatchers“ (1956) nach dem Roman von Jack Finney, in dem ein Psychiater bemerkt, wie sich um ihn herum die Gesellschaft verändert und er dadurch zum Gejagten wird.

Alfred Hitchcock machte Schluss mit diesen Wahnvorstellungen, indem er mit „Psycho“ neue Ängste heraufbeschwor: die Angst vor dem Fremden innerhalb der eigenen Gesellschaft – und zwar ohne äußere Einflüsse. Norman Bates ist der Psychopath par excellence, doch niemand sieht es ihm von außen an. Somit schlich sich die Angst vor den Mitmenschen, die in einer modernen Gesellschaft eigentlich fast alle Fremde sind, von der Realität in die Kinosäle. Vertrauen konnte man ab da im Grunde genommen niemanden mehr. Fünf Jahre nach „Psycho“ und fast zehn Jahre nach den „Körperfressern“ griff Edward Dmytryk diese neue Paranoia auf und schuf mit „Die 27. Etage“ ein Meisterstück des Mystery-Thrillers, dessen Einfluss bis heute nicht nachgelassen hat.

 

Die 27. Etage

Eines Abends fällt in einem Bürohaus plötzlich der Strom aus. Im selben Moment befindet sich der Angestellte David Stillwell im Treppenhaus, wo er versucht, ins Erdgeschoß zu gelangen. Er trifft auf Shela, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt, die er aber zugleich nicht zu kennen scheint, und folgt ihr hinunter in das vierte Untergeschoß. Nur, wie sich später herausstellt, das Gebäude besitzt kein einziges Untergeschoss, sondern nur einen Heizungskeller. Doch damit hat es sich noch längst nicht. Stillwell sieht sich auf einmal einer unheimlichen Gefahr gegenüber, Fremde bedrohen ihn mit Pistolen, versuchen, ihn zu entführen oder ihn dazu zu bringen, mit bestimmten Menschen in Kontakt zu treten. Im Gegenzug dazu verschwinden Leute, die er kannte, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Stillwell sucht letztendlich einen Privatdetektiv auf, der ihm dabei helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen …

„Mirage“, so der Originaltitel, ist Spannung pur. Ohne langes Vorspiel, beginnt der Film mitten in der Handlung. Und ohne Durchhänger fährt Dmytryk mit dem Spiel fort, lässt den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren, was eigentlich wirklich mit Stillwell passiert ist. Allein Sheila scheint eine Verbindung zu Stillwells Vergangenheit zu sein, an die er sich, wie er plötzlich merkt, überhaupt nicht mehr erinnern kann. Doch die Frau, die ihm einerseits bekannt, andererseits völlig fremd ist, scheint mit ihm ebenfalls ein zwielichtiges Spiel zu spielen.

 

Die neue Paranoia

So als wollte Dmytryk die paranoide Atmosphäre des Films nochmals unterstreichen, erlaubte er sich einen kongenialen Scherz, indem er Kevin McCarthy, der 1956 den Psychiater in „Invasion of the Bodysnatchers“ gespielt hatte, in „Die 27. Etage“ mitagieren lässt. Gregory Peck, der den völlig zurückgezogenen David Stillwell spielt, überzeugt in dem Film auf ganzer Linie. Seine Figur wird zum Symbol von Individuen in einer modernen Gesellschaft, die niemandem und nichts mehr vertrauen können. Nicht einmal mehr sich selbst. Auf diese Weise verbindet Dmytryk die Paranoia der 50er mir derjenigen der 60er und schafft dadurch eine neue Form der sozialen Angst, die bis heute das Mystery-Genre prägt.

Auf diese Weise funktioniert der Film heute genauso gut, wenn nicht sogar noch besser als damals. Mystery-Thriller wie „The Game“ schauen gegenüber der „27. Etage“ alt aus, erreichen nicht die Intensität und keineswegs die Eleganz, die jener Klassiker aufweist. Es handelt sich schlichtweg um ein Meisterwerk, in dem eine hervorragende, teils an Hitchcock erinnernde Optik dominiert, die Reales surreal erscheinen lässt und umgekehrt. Kurz: ein erstklassiger Thriller.

Die 27. Etage (Mirage). Regie: Edward Dmytryk, Drehbuch: Peter Stone, Darsteller: Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, George Kennedy. USA 1965, 108 Min.

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