J-Pop: Scandal – Die Musikvideos sind wieder da

Scandal „Haruka“; © Epic Records/Her

Große Aufregung herrschte vergangenes Jahr, als von einem Tag auf den anderen beinahe alle Musikvideos der japanischen All-Girl-Rockband Scandal von sämtlichen Plattformen verschwanden. Unter den Fans ging die Angst um, dass sich die Band auflösen könnte. Doch die Wirklichkeit sah ganz anders aus.

Wie wir bereits in früheren Artikeln berichtet haben, löste sich die Band nicht auf, sondern erfand sich neu. Und dies, indem die vier Musikerinnen ein eigenes Label mit dem Namen Her gründeten, welches Anfang dieses Jahres mit dem Song „Masterpiece“ an den Start ging. Neben Musik vertreiben die vier jungen Damen nun auch eine eigene Modekollektion.

Scandal „Pin Heel Surfer“; © Epic Records/Her

In verschiedenen Interviews, die Leadsängerin Haruna Ono, Bassistin Tomomi Ogawa, Drummerin Rina Suzuki und Gitarristin Mami Sazasaki in diesem Jahr gegeben haben, erklärten sie, dass sie ihr letztes Album „Honey“ als Abschluss ihrer bisherigen Karriere betrachten und mit ihrem Label Her weg vom Mainstream zurück zur Indie-Musik kehren wollen, was bedeutet, dass sie von nun alle Songs selbst schreiben – bis dahin wurden ihnen hin und wieder bestimmte Songs von der Plattenfirma aufgedrückt.

Scandal „Harukaze“; © Epic Records/Her

Interessant hierbei ist ein neues Interview, das die Band vor wenigen Wochen gab, in dem sie etwas offener über den plötzlichen Wechsel erzählen: demnach soll Epic Records ihnen „empfohlen“ haben, sich selbständig zu machen. Dieses „empfohlen“ klingt unserer Meinung danach, da alle Musikerinnen inzwischen das 30. Lebensjahr erreicht haben und die Produktionsfirma sie daher nicht weiter unterstützen wollte – was ja vor mehreren Jahren z.B. bei der Kult-Band Vu-Den geschehen war, dort wurde die Band trotz großen Erfolgs aufgelöst, da alle drei Mitglieder 20 geworden waren.

Natürlich ist das bisher Spekulation und ein konkrete Antwort wird man in nächster Zeit garantiert nicht erhalten, dennoch ist in Japan dieses Auflösungsbestreben aufgrund eines bestimmten Alters der Protagonistinnen nichts Ungewöhnliches.

Scandal „Shouju S“; © Epic Records/Her

Mit diesem Wechsel von Epic zum eigenen Label Her erfolgte das oben bereits erwähnte Verschwinden der Videoclips und der Songs aus dem Internet. Nur in Japan selbst waren sämtliche Videos und Songs noch aufrufbar. Inzwischen scheint sich das Hickhack im Hinblick auf die Rechte der Clips und Songs gelöst zu haben. Denn seit heute sind sämtliche Videos auf den offiziellen Youtube-Kanal von Scandal „zurückgekehrt“.

Scandal „Love me do“; © Epic Records/Her

Schön ist, dass dabei auch das bis dahin schwer zu findende Video zum Song „Haruka“ mitveröffentlicht wurde, ebenso die mit narrativen Elementen versehene Version von „Harukaze“ (eine kürzere Version zeigt lediglich die Performance). „Stamp!“ ist ebenfalls dabei, genauso wie „Pin Heel Surfer“. Schade dagegen ist, dass von „Love me do“ lediglich die Kurzversion veröffentlicht wurde, d.h. lediglich ein etwas mehr als einminütiger Ausschnitt.

Auf jeden Fall hat das Warten für die Fans ein Ende. Kürzlich verkündete die Drummerin Rina Suzuki, dass sie einen neuen Song geschrieben haben und diesen auf den jährlichen Sommerkonzerten in Japan zum ersten Mal spielen werden. Man darf gespannt sein, ob es dazu ebenfalls bald ein Video geben wird.

J-Pop: Keine Videoclips mehr – Die Girl-Rockband Scandal verschreckt ihre Fans

Scandal „Platform Syndrome“; © Epic Records

Eine ziemlich seltsame Sache vollzog sich in den vergangenen Tagen bei der japanischen Girl-Rockband Scandal. Denn auf einmal wurden bis auf zwei Videoclips alle anderen Videos für das Ausland gesperrt. Weder auf der Homepage der Band noch auf ihrer Facebook-Seite gibt es einen Kommentar dazu. Die Fans macht dies jedenfall ratlos.

Was der Grund für diese Aktion auch immer sein mag, die Sperrung ereignet sich im wohl schlechtesten Augenblick. Im Sommer beginnt die Asien-Tour und im Herbst startet die Tour der Band durch die USA. Eventuell treten sie auch mal wieder in Europa auf.

Möglich wäre es, dass es bei den Videos um irgendwelche Rechtsstreitigkeiten geht. Betroffen sind interessanterweise nur die Clips, die sich auf der offiziellen Youtube-Seite der Band befinden. Clips, die von Fans hochgeladen wurden, können weiterhin gesichtet werden.

Überhaupt tut sich die Band schwer, wenn es um Gerüchte oder – wie gerade jetzt – um Ereignisse geht, welche durchaus einer Erklärung ihren Fans gegenüber bedurften. Nur immer auf die neuesten Konzerte und diverse Merchandizingprodukte hinzuweisen wirkt dann doch zu oberflächlich und fast schon lieblos. Wobei die Bandmitglieder selbst wahrscheinlich nichts dafür können, sondern eher das Management, dem wohl Geld wichtiger ist als eine funktionierende Kommunikation mit den Fans und eine Einbeziehung der Fans.

So wurde bis heute nicht auf die Gerüchte eingegangen, die besagen, dass es innerhalb der Band Streitigkeiten gebe und die Bassistin Tomomi Ogawa vor habe, aus der Band auszusteigen. Mindestens auf eine solche Gerüchtewelle hätte das Management (evtl. mit einem Dementi) reagieren müssen. Denn bei dem Auftritt der Band bei der Japan Jam 2018 merkte man eindeutig, dass es zwischen den Mitgliedern etwas kriselt. Und nun eben die Sache mit der Sperrung der Videoclips. Dem Image der Band tut das sicherlich nicht gut, denn ihre Fans werden schlicht und ergreifend alleine gelassen.

J-Pop: Ein Kuss erregt die Gemüter

Kussszene aus dem Video „Universe in Love“ der japanischen Band Scandal; Copyright: Epic Records

Die japanische Rockband Scandal probt den Skandal. Oder vielleicht ist es dann doch eher ein Skandälchen? Wenn überhaupt. Auf jeden Fall hat das neue Video seinen Zweck erfüllt und das Netz ist heftig am Diskutieren. Das Marketingkonzept ging voll und ganz auf.

Aber um was geht es konkret? Der neueste Clip der ausschließlich aus Frauen bestehenden Band wurde zu dem Song „Koisuru Universe“ konzipiert. Die englische Übersetzung des Titels lautet „Universe in Love“ und ist für sich genommen ein überaus gelungenes, extrem rockiges Liebeslied. Doch leider wird der Song als solcher kaum wahrgenommen, sondern eben nur das Video.

Der Grund ist, dass die Szenenfolge des Clips in einem Kuss zwischen der Bassistin Tomomi und der Gitarristin Mami kumuliert. Und schon klatschen alle erstaunt die Hände zusammen. Doch genau das wollten die Macher sicherlich bezwecken. Interessant ist, dass es sich hierbei um eine erste Erotisierung der Band handelt, die bisher als überaus emanzipiert beworben wurde.

Die Kussszene ist aufgesplittet in zwei getrennte Teile; Copyright: Epic Records

Bei der Kussszene machten die Produzenten sich die Gerüchte zunutzte, die behaupteten, dass Tomomi lesbisch sei. Und natürlich lauteten manche der Reaktionen, dass sie dies schon längst gewusst hätten. Leider machten sich auch in diesem Fall diejenigen bemerkbar, deren Weltbild kurz vor ihrer eigenen Nasenspitze endet, was zu einer Vielzahl widerlicher Kommentare führte. Aber J-Pop-Fans, die gegen Homosexualität sind? Ein interessantes Paradoxon, da sehr viele Konzepte japanischer (und auch koreanischer Gruppen) homoerotische Aspekte beinhalten.

Doch zurück zum Video, das wir uns natürlich eingehend angesehen haben. Gut, der Fokus liegt auf der Kussszene, die recht schön und interessant umgesetzt wurde. Doch interessant ist auch das Video als Ganzes. Denn dieses ist geradezu vollgestopft mit freudianisch anmutenden Symbolen der Erotik, angefangen von Selbstbefriedigung bis hin zu einem sog. „Three Some“.  Der Titel „Universe of Love“ wird visuell umgesetzt in der Darstellung von unterschiedlichen Formen der sexuellen Lust. Dies aber auf eine solch versteckte, fast schon brav erscheinende Weise, dass man sich den Clip mehrmals ansehen muss, um alle Symbole zu decodieren. – Am längsten benötigten wir, um die Szene mit dem Telefon zu kapieren :D .

Einerseits macht dies das Video genial, andererseits aber passt es nicht in das eigentliche Konzept der Band, über das wir bereits in einem früheren Artikel gesprochen haben. Aber wie dem auch sei, die Marketingaktion, wie oben bereits erwähnt, hat genau ins Schwarze getroffen. Etwas, was sich jede Werbeagentur erhofft. Man darf daher gespannt sein, wie sich die nächsten Clips entwickeln werden.

K-Pop: Laysha oder sells Sex tatsächlich?

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Und einmal um das Auto rum. Dance Shot aus dem Clip „Chocolate Cream“ von Laysha; Copyright: JS Enternainment.

Wir haben es in unsere K-Pop-Rubrik bereits mehrfach erwähnt: K-Pop ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Die schrillen, vollkommenen Plem Plem-Videoclips sucht man heute vergeblich. K-Pop ist seine Verspieltheit nach und nach los geworden. Grund dafür ist der internationale Musikmarkt und der Glaube daran, dass man Produkte nur durch eine gewisse Erotisierung an den Mann oder die Frau bringen kann.

In Sachen K-Pop ist das fraglich. K-Pop erregte nicht Aufsehen dadurch, dass erotische Musikvideos veröffentlicht wurden, sondern eben dadurch, dass diese Clips farbenfroh und voller durchgeknallter Ideen waren. Natürlich gab es auch zu Beginn des internationalen Erfolgs Clips, die einen Hauch von Erotik wagten, doch alles innerhalb eines Rahmens, der noch immer das kennzeichnete, was typisch für K-Pop war.

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Gleich zu Beginn möchte der Clip provozieren. Laysha „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Nun aber nehmen die erotischen Anteile in den Clips zu. K-Pop verliert dadurch seine Originalität und wird zu etwas völlig Banalem. Banal in dem Sinne, da die Erotisierung in den Medien im Grunde genommen zu etwas Normalem geworden ist. Um dennoch aufzufallen, versucht man sich skandalträchtig. Doch das Ergebnis einer solchen Methode ist meistens, dass der Schuss nach hinten losgeht.

Die Formation 4L (Four Ladies) hat es vorgemacht. Mit großem Trarar wurde ein Musikvideo präsentiert, über das sich kurz nach Veröffentlichung viele Leute aufgeregt hatten. Sowohl Video, das teilweise so schlecht produziert worden war, dass es unfreiwillig komisch wirkte. als auch die Gruppe sind inzwischen Geschichte und dies, obwohl die Produzenten damals dick auftrugen, indem sie meinten, dass das nächste Video von 4L noch freizügiger werden würde. Und wir fragen uns natürlich heute: Von welchem nächsten Video sprach denn dieser gute Mann?

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Bei all dem Durchschnitt freut man sich über ein wenig Überbelichtung. Laysha „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Statt 4L weiter zu produzieren, tauchte Ende des Frühjahrs eine neue Gruppe auf mit Namen Laysha, die ebenfalls eine Art Adult-Konzept darstellen soll. Doch sowohl Video als auch das Konzept der Girl Group sind so langweilig und geradezu überflüssig, dass Laysha mit Sicherheit genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwinden wird wie 4L. Das wäre keinesfalls etwas Außergewöhnliches, da in Südkorea neue Boy und Girl Groups wöchentlich erscheinen – und auch wieder verschwinden.

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Sieh in meine Augen! – Laysha: „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Das Video „Chocolate Cream“ von Laysha ist eine einfache Andernanderreihung von Dance Shots, man verzichtete ganz auf narrative Elemente, wahrscheinlich, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. So geht man quasi im Vergleich mit 4L einen Schritt zurück, dort war es immerhin eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung, die den narrativen Teil ausmachte und für einen Skandal sorgte. Bei Laysha möchte man dagegen kein finanzielles Risiko eingehen bzw. dieses so gering wie möglich halten. „Chocolate Cream“ hat alles andere als einen Skandal ausgelöst. Man muss sogar sagen, dass das Video im Verhältnis zu anderen dieser Art regelrecht brav, vielleicht sogar zu brav wirkt. Somit hatte man wohl so seine Schwierigkeiten, ein ausgeprägteres Konzept durchzusetzen. Allerdings sorgen die Auftritte der Gruppe wegen ihrer lasziven Choreographie für viel Gesprächsstoff. Doch war dies bei 4L derselbe Fall gewesen.

Laysha wird folglich genauso schnell in Vergessenheit geraten wie andere Gruppen vor ihnen. Was bleibt, ist die Tatsache, das K-Pop einmal mehr an Reiz verloren hat.

K-Pop: RaNia – Von Skandal zu Normal

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Szene aus dem Video „Dr. Feel Good“; Coypright: DR Music.

Die Girl Group RaNia wurde 2011 als ein koreanisch-US-amerikanisches Projekt gegründet. Die koreanische Produktionsfirma DR Music ging dabei eine Kooperation mit dem amerikanischen Produzenten und Komponisten Teddy Riley ein, der u. a. auch mit Michael Jackson zusammengearbeit hat. Die Gruppe sollte folglich sowohl auf dem koreanischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt Fuß fassen. Letztendlich wurde aus dem US-Plan nichts, die Vermarktung von RaNia blieb auf Südkorea beschränkt.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“. Copyright: DR Music.

Für Tedd Riley bedeutete dies, dass er aus dem Projekt wieder aussteigen wollte, vor allem auch deshalb, da der erwartete Erfolg nicht eintraf. Dieser Hintergrund erklärt, weswegen das erste Video der Gruppe sowohl in einer koreanischen als auch in einer englischen Version vorhanden ist. Der Titel des Songs lautete „Dr. Feel Good“ und löste in Südkorea einen Skandal aus. Das ungekürzte Video erhielt ein Aufführungsverbot und musste daher von DR Music um wenige Sekunden gekürzt werden, manche Szenen mussten mit neuen Kostümen nachgefilmt werden.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“; Copyright: DR Music.

Der Grund: In dem Clip wird zweimal eine Totale der Leistengegend der Leadsängerin gezeigt. Das war Südkoreas Erziehungsministerium zu viel. Auch die Lack und Leder-Kostüme waren den Beamten ein wenig zu anrüchig, weswegen Manches neu gedreht werden musste. Von der Musik her erinnert „Dr. Feel Good“ irgendwie an den Stil  der Eurythmics. Das Alles wäre weniger interessant, wenn nicht die Gruppe RaNia durch dieses Konzept die Entwicklung des K-Pop drastisch verändert hätte. Man kann sagen, dass das Konzept, das DR Music vorlegte, zugleich der Startschuß für die nachfolgende Erotisierung koreanischer Girl Groups darstellte. Hielt sich davor alles in kitschig-bonbonfarbenen Grenzen, wurde ab da eine Art Sexualisierungs-Wettbewerb zwischen den einzelnen Produktionsfirmen losgetreten, jeder wollte das Konzept vorlegen, das in Sachen Erotik alle vorangegangenen Konzepte in den Schatten stellte.

Die Folge davon war, dass das koreanische Erziehungsministerium strengere Altersfreigaben für Videoclips erarbeitete, die zu einer Verunsicherung unter den Produzenten führte. Somit gab es auf einmal eine Phase, welche eine Quasi-Rückkehr zum althergebrachten K-Pop einläutete, die allerdings nur von kurzer Dauer war. Denn statt sich vor dem Ministerium zu ducken, begannen die Produzenten, die Strenge der neuen Regelungen auszutesten und nahmen dabei auch Altersfreigaben „ab 19“ (nur für Erwachsene) in Kauf.

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RaNia beim Stöckeschwingen: Danceshot aus „Pop Pop Pop“; Copyright: DR Music.

Diese Entwicklung tat RaNia nicht gerade gut. Das Konzept war klar als Provokation ausgelegt, doch musste DR Music die Notbremse ziehen. Gleich das Nachfolgevideo „Pop Pop Pop“ beschränkte sich auf einzelne Danceshots, niemand räkelte sich mehr lüstern auf dem Boden. DR Music wollte daraufhin zu dem eigentlichen Erotikkonzept mit dem Song „Killer“ zurückkehren, doch da genau in dieser Planungsphase die strengeren Altersfreigaben eintraten, entschied man sich für ein eher normales, teils ironisches Konzept mit dem Titel „Style“, in dem sich die Gruppe lustig macht über typisch männliches Verhalten.

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Szene aus „Style“; Copyright: DR Music.

Mit „Just Go“ beschränkte man sich wieder auf Danceshots, ebenso wie in „Push up“, das zugleich RaNia in die „Normalo“-Ecke verfrachtete. Es handelte sich dabei um einen banalen Sommersong, den die Sängerinnen in Bikinis in einem Schwimmbad zum Besten geben. Danach herrschte erst einmal für längere Zeit Funkpause.

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Danceshot aus „Demonstrate“; Copyright: DR Music.

Erst in diesem Jahr kehrte die Gruppe mit dem Song „Demonstrate“ zurück. Drei der Sängerinnen schieden inzwischen aus, dafür kamen zwei neue Mitglieder hinzu. Das Konzept ist wiederum eine Aneinanderreihung verschiedener Danceshots, die genauso austauschbar sind wie der Song. Die Gruppe, die 2011 mit ihrem Debut Koreas Medien aufgewirbelt hat, ist nun einfacher Mainstream. Was jedoch bleibt, ist ein weiterhin existierender Einfluss von „Dr. Feel Good“ auf andere koreanische Musikvideos.

K-Pop: Stellar oder Wie Kritik ein Konzept verhagelt

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Teilweise ganz in Weiß präsentieren sich die Mitglieder von Stellar in ihrem neuen Clip und reagieren damit auf die beleidigenden Kritiken zu einem ihrer vorangegangenen Videos.

Mitte März meldete sich die Girl Gruppe Stellar mit ihrem neuen Video „Fool“ zurück auf die Bühne des K-Pop. Das Video war mit Spannung erwartet worden. Der Grund, die beiden vorangegangenen Clips, allen voran „Marionette“, sorgten in Südkorea für recht viel Furore.

„Marionette“ ist wohl eines der erotischsten Musikvideos, die bisher in Korea produziert wurden. Das Video ist keineswegs plump. Die Anspielungen sind direkt, aber zugleich durchaus kunstvoll in Szene gesetzt. „Marionette“ arbeitet mit verschiedenen Unschärfestufen, Dance Shots wechseln sich ab mit kurzen semi-narrativen Einschüben. In einem der gewagtesten Zwischenshots rinnt einer der Sängerinnen Milch in den Ausschnitt, und dies in Großaufnahme.

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Dance-Shot aus dem Video „Marionette“.

Vor „Marionette“ wurde Stellar als die schlechteste Gruppe innerhalb des K-Pop bezeichnet. Das Bild änderte sich schlagartig nach diesem Video. Auf koreanischen Plattformen mehrten sich die Schimpftiraden, welche sich sowohl auf das Video als solches als auch auf das Outfit der Sängerinnen bezog. Die Mitglieder der Gruppe wurden übelst beschimpft. Eine ähnliche Reaktion erfolgte 2014 auf das Video „Move“ der Gruppe 4 Ladies. K-Pop-Experten nehmen an, dass es sich vor allem um junge Frauen und Schülerinnen handelt, die auf ein solches Konzept überaus negativ reagieren. Eine richtige Untersuchung dazu gibt es nicht. Der einzige Hinweis dafür ist, dass bei Videos von Boy Groups, egal wie diese konzipiert sind, nie eine solche Welle an üblen Beschimpfungen erfolgt.

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Ziemlich deprimiert lesen die Sängerinnen in dem Clip „Fool“ die Kritiken zu „Marionette“.

Das Video, das nach „Marionette“ veröffentlicht wurde, trug den Titel „Mask“. Doch wurde dieses kaum wahrgenommen, der Fokus der Aufmerksamkeit richtete sich weiterhin auf „Marionette“. Erst nach mehreren Monaten wurde das am Anfang des Artikels erwähnte neue Video ausgestrahlt. Der aktuelle Clip versteht sich als direkte Reaktion auf die negativen Kommentare, die auf „Marionette“ folgten. Man sieht die Sängerinnen, die sich ihr Video im Internet ansehen, dazu die Kommentare lesen und dabei ziemlich deprimiert wirken. Interessant, ja regelrecht provozierend ist, dass das Video die tatsächlichen Plattformen mit den tatsächlichen Kommentaren (einschließlich Nicknames der Urheber) zeigt. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Aufnahmen juristische Konsequenzen haben werden.

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Dance-Shot aus dem Video „Fool“.

Ansonsten ist das Video recht harmlos, teilweise aber etwas zu kitschig. Was die Produzenten mit dem Clip eigentlich aussagen wollten, ist, dass die Zuschauer unterscheiden sollen zwischen Darstellung und den Menschen, die sich hinter der Darstellung verbergen. Eine solche Unterscheidung wird bei vielen Rezipienten nicht vollzogen. Eine Frau in Reizwäsche gilt sofort als „Schlampe“, obwohl dies nur das Kostüm ist, welches die Aura der Darstellung unterstützen soll. Es ist schade, dass einigen Fans es nicht möglich ist, zwischen diesen beiden Aspekten zu unterscheiden. Allerdings ist dies nicht nur ein Fall unserer Tage, sondern durchzieht sich durch die gesamte Medien- und Filmgeschichte. Wie dem auch sei, einen Seitenhieb auf die Kritiker können sich die Produzenten dann doch nicht verkneifen: in einer kurzen Aufnahme wird der Po einer der Sängerinnen direkt von unten gefilmt. Die Aufnahme hat beinahe Applaus verdient, zeigt sie doch das notwendige Mass an Witz und Ironie, um mit den teils hysterischen, teils beleidigenden Kritiken umzugehen. Nichtzuletzt dürfte auch der Titel „Fool“ ein eindeutiges Statement der Produzenten im Hinblick auf die Kritiker sein.

Sunny Hill oder Erfolg mit Antikapitalismus

Die K-Pop-Gruppe Sunny Hill begann eigentlich völlig unoriginell: Ein paar kitschige Liebeslieder und damit hatte es sich. Der Erfolg war zwar da, doch die Gruppe war nun einmal Durchschnitt. Aber was danach aus der Gruppe gemacht wurde, ist durchaus erwähnenswert.

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Die Formation Sunny Hill in einem Danceshot aus „Monday Blues“.

Die Formation bestand aus vier Sängerinnen und dem Sänger Janghyun, wobei letzterer auch die Songs schrieb. Zurzeit besteht Sunny Hill nur aus den vier Sängerinnen. Der radikale Wandel der Gruppe vollzog sich, nachdem sie die Produktionsfirma gewechselt hatten. Seit 2011 wird Sunny Hill von Leon Entertainment produziert. Radikal war der Wandel deswegen, da von dem vorangegangenen Konzept nichts mehr übrig blieb. Im Gegenteil, die brave Strahlemann-Gruppe wurde zu einer düsteren, mit sozialkritischen Themen ausgestatteten K-Pop-Group.

Gleich ihre erste Single „Midnight Circus“ wurde ein riesiger Erfolg, das surreale Musikvideo mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Folgevideo „Pray“ produzierten sie einen Medienskandal. Der Clip zeigt Experimente an einem deformierten Menschen. Das Musikvideo wurde für unmoralisch erachtet und indiziert, obwohl auch hier Film- und Musikkritiker den kunstvollen Gehalt des Clips über alle Maßen lobten.

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„Grasshopper Song“ setzt auf kafkaeske Büro- und Arbeitswelten.
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Der Protagonist möchte aus dieser Welt ausbrechen.

Schließlich gelangte Sunny Hill mit „Grasshopper Song“ wiederum ein enormer Erfolg. Zugleich startete die Gruppe in ihre antikapitalistische Phase. Der Song handelt von sinnloser Gleichförmigkeit in der Arbeitswelt und dem Wunsch daraus auszubrechen. Das Video besticht durch eine kafkaeske Sicht auf den Alltag eines Angestellten, der zum Schluss seine sieben Sachen packt und der Eintönigkeit entflieht. Trotz der scharfen Kritik am Kapitalismus gelangte der Song in die Top 10 der koreanischen Charts. In Südkorea, einem Land in dem Kapitalismus und Konfuzianismus eine untrennbare Verbindung eingegangen sind, ist dies durchaus erstaunlich.

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In „Waiting for the Prince“ geht es um Äußerlichkeiten, welche das Leben bestimmten.

Auch der nächste Song „Waiting for the Prince“ machte in Sachen Sozial- und Kapitalismuskritik keine halben Sachen. Es geht darum, immer der Beste sein zu müssen. Die Gruppe macht sich lustig über diesen Erfolgsstress, der sich bis hinein ins Intimleben fortsetzt. In kurzen Szenen werden skurrile Nominierungen gezeigt, in denen die Sängerinnen Opfer eines Rituals werden, das von niemandem hinterfragt wird und ohne Rücksicht auf Verluste das Leben bestimmt. Zum Schluss des Clips wird ein großes A – als Symbol für das Erfolg-haben-müssen – in den Müllwagen befördert.

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„Monday Blues“ macht sich lustig über den Büroalltag.

Mit „Monday Blues“ setzte Sunny Hill seine Kritik an Wirtschaft und Gesellschaft fort. In dem Clip wird der Büroalltag aufs Korn genommen. Mit viel Witz und Ironie werden so ernste Themen wie völlige Erschöpfung (neudeutsch Burn Out), sinnlose Aufgaben, soziale Konflikte und sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz angesprochen. Der Clip endet damit, dass sämtliche Mitarbeiter aus dem „Gefängnis“ des Büroalltags ausbrechen. In einer der radikalsten Szenen des Clips kniet der Bürochef am Boden, dabei hächelnd wie ein braver Hund, wobei ihm eine der Sängerinnen den Kopf tätschelt.

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Szene aus dem Hook des Clips „Monday Blues“.

Sunny Hill ist eindeutig eine Ausnahmegruppe innerhalb des K-Pops. Ihre düstere Weltsicht verpacken sie in Videos, die vollgepackt sind mit direkter Kritik an der koreanischen Gesellschaft und an der kapitalistisch geprägten Lebenswelt. Dass die Formation mit antikapitalistischen Statements einen so großen Erfolg erzielt, ist mehr als nur überraschend, besteht doch der Hauptteil der K-Pop-Clientel aus Jugendlichen, welche sich, kritisch gesprochen, im besten „Konsum-Animierungs“-Alter befinden und sich keine Gedanken darüber machen, was es mit dem reinen Kapitalismus auf sich hat. In TV-Dokumentationen sind zwar immer wieder kritische Töne hör- und sehbar, doch hat man Angst, zu direkt zu werden (so kritisierte eine koreanische Doku aus dem Jahr 2013 zwar den US-amerikanischen und chinesischen Kapitalismus, nicht aber den koreanischen. In der Tat wurde Südkorea überhaupt nicht erwähnt). Ein Gegensatz besteht dabei im modernen koreanischen Film, bei dem Kapitalismuskritik quasi zum guten Ton gehört. Dass jedoch in Mainstream-Songs darauf eingegangen wird, ist durchaus mutig und zeigt, dass Sunny Hill ernst genommen werden muss. Man darf gespannt sein, auf welche Weise sie in zukünftigen Songs und Clips ihren Hang zur Kapitalismuskritik fortsetzen werden.

Red Velvet – K-Pop kann auch künstlerisch sein

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Red Velvet „Happiness“. Kaldeidoskopartige Spiegelungen sind nur ein Aspekt der Ideenvielfalt des Videoclips.

Es begann überaus bunt. Gemeint ist das Debut-Video der koreanischen Girl Group Red Velvet. Man glaubte schon fast, dass die Zeit der Bonbonfarben innerhalb von K-Pop vorbei sei. Da kam mit dem Song „Happiness“ ein extremer Farbenrausch daher, der den Zuschauer zum Staunen brachte. Verbunden mit einer sehr guten Kameraführung, welche auf originelle Weise die vier Mitglieder der Gruppe vorstellt, ergab sich ein Video, das fast schon einzigartig ist in der derzeitigen K-Pop-Phase, die vor allem mit eher reduzierten, fast schon düsteren Farben und einem hohen Erotikgrad gekennzeichnet ist.

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Die 80er Jahre lassen grüßen: Fotomontage im Bildhinter- und vordergrund.

SM Entertainment, eine der drei größten Produktionsfirmen in Südkorea, suchte anscheinend nach Alternativen. Heraus kam ein Girl Group-Konzept, das einerseits verspielt und kitschig, andererseits erwachsen und ernst ist. In der Tat kreierte man hier eine Art Paradoxon. Das Ergebnis war ein faszinierender Clip, der beeinflusst ist von den Videoeffekten der 80er Jahre. Eine kunterbunte Mischung aus witzigen Dancehots, Fotomontagen und kaleidoskopartigen Spiegelungen. Bei der ersten Sichtung wird einem fast schwindelig. Beim zweiten Betrachten erkennt man die Details.

Man war gespannt, ob und wie das Konzept von Red Velvet weiterentwickelt wird. Mit „Be Natural“ kam nun die zweite Single und das zweite Video an den Start. Die Verblüffung war groß. Das Farbkonzept des ersten Clips wurde ad acta gelegt. Nun herrschen kühle, dunkle Farben. Die Gruppenmitglieder erscheinen in schwarzen Damenanzügen. Gegen Ende des Clips erscheinen sie – ihrem Namen entsprechend – in roten Kostümen. Obwohl man sich hinsichtlich der Farbgebung den übrigen K-Pop-Clips annäherte, wollte man das Konzept nicht wirklich angleichen.

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Red Velvet „Be Natural“ mit reduzierten, kühlen Farben und einer ungewöhnlich tiefen Raumoptik.

Das Besondere an dem neuen Clip sind daher die Kamerafahrten. Die Danceshots präsentieren sich ohne Schnitt. Lediglich angenehm altmodische Überblendungen führen in die nächste Kulisse. Die Kamera kreist dabei um die Sängerinnen herum, verändert dabei immer wieder ihre Höhe und die Distanz zu den Gruppenmitgliedern. Der Hintergrund besteht aus einem extrem weiten Raum, der für K-Pop-Clips ungewöhnlich ist. Die Mitglieder wirken beinahe verloren.

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Abschließender Danceshot von „Be Natural“. Die Raumtiefe setzt sich auch hier fort.

Regisseur Si versuchte, die kühlen Jazzklänge, welche den Song „Be Natural“ – der fast schon an Jamie Cullum erinnert –  prägen, visuell umzusetzen. Dies gelingt ihm auf hervorragende Weise. Die visuelle Ästhetik, mit der Si arbeitet, ist grandios. Das Konzept von Red Velvet ist derzeit einzigartig in der K-Pop-Landschaft. Man setzt auf eine Mischung aus Mainstream und Indie und einen hohen Grad an Videokunst. Es bleibt zu hoffen, dass die Kreativität, mit der das Konzept ausgestattet ist, erhalten bleibt.

Four Ladies und viele Leute, die sich darüber aufregen

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Die Schlusssequenz des umstrittenen Videos. Psychopathin oder einfach nur Vamp? Diese Frage bleibt offen. (Copyright: Jade Conent Media)

Ende Juli wurde zu später Stunde im koreanischen Fernsehen ein Videoclip gezeigt, der seitdem die Gemüter der K-Pop-Fans erregt. Der Titel des Clips lautete „Move“ und stellte zugleich die erste Single der neuen Girl-Group Four Ladies (auch als 4L bekannt) dar. Seitdem müssen sich die vier jungen Frauen übelste Schimpfwörter gefallen lassen.

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Die Dance Shots werden bestimmt von einer gewagten Choreographie. Im Ganzen aber wirkt diese eher unfreiwillig komisch als erotisch. (Copyright: Jade Content Media)

Der Clip konzentriert sich sehr auf die Sexualisierung der Sängerinnen. Die direkte Form der Choreographie lässt die Erotik allerdings über weite Teile des Videos plump und unfreiwillig komisch erscheinen. Andeutungsweise reiben sich die Sängerinnen zwischen den Beinen oder spreizen diese in einer Totalen. Die durchsichtigen Nylonkostüme verstärken dabei die Intension der Produktionsfirma. Zwischen den Dance Shots ist eine lesbische Liebesbeziehung eingeflochten, wobei der Fokus auf einem angedeuteten Liebesakt zwischen den beiden Protagonistinnen liegt. Diese kurzen Sequenzen sind – trotz Andeutung – sehr intensiv und durchaus gut gemacht. Die Deutung der narrativen Elemente bleibt offen und lässt daher verschiedene Möglichkeiten zu: eine gescheiterte Liebesbeziehung; eine Frau, die zum ersten Mal Sex mit einer anderen Frau hat; eine Psychopathin, deren Opfer gerade nochmals entkommen ist.

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Die eingewobene Narration bezieht sich auf eine lesbische Liebesbeziehung. (Copyright: Jade Content Media)
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Geküsst wird dann aber doch nur der Spiegel. (Copyright: Jade Content Media)

Nach der Erstaustrahlung des Clips im koreanischen Fernsehen, wurde die Produktionsfirma Jade Contents Media gefragt, aus welchem Grund das Musikvideo so stark erotisiert wurde. Die Antwort lautete, dass dies das grundlegende Konzept von 4L sei und sich die Zuschauer auf noch gewagtere Clips gefasst machen sollten. Nun, dahinter steckt sicher eine Menge Angeberei. Denn das Video ist – was die oben erwähnten Dance Shots betrifft – eher vulgär als gekonnt erotisch. Zudem wurden aus anderen Clips wie etwa „Marionette“ der Girl Group Stellar oder „Dr. Feel Good“ von Rania Ideen übernommen. Etwas, das typisch für 4L sein könnte, findet sich in dem Clip eigentlich nicht.

Das Basiskonzept der Gruppe spiegelt sich auf der seit Ende Juli bestehenden Facebook-Seite von 4L wider. Leicht freizügige Porträtfotos stellen die vier Mitlgieder dar. Es ist fraglich, ob das Konzept tatsächlich auf diese Weise aufrecht erhalten werden kann. Bereits die Formation Rania zeigte, dass es viel eher zu Veränderungen hin zu „harmlosen“ Varianten geben wird. Rania war die erste Girl Group, die mit direkten erotischen Anspielungen arbeitete. Das Video „Dr. Feel Good“ musste um mehrere Sekunden gekürzt werden, um einem Sendeverbot zu entgehen. Die folgenden Clips zeigten die Gruppe dann in weniger freizügigen Outfits.

Interessanterweise musste der Clip „Move“ nicht gekürzt werden. Stattdessen erhielt er eine Freigabe „ab 19“, was heißt: nur für Erwachsene. Die Aufregung wird sich schnell wieder legen. In Südkorea erscheinen und verschwinden Girl Groups wöchentlich. Nun, das Video hat zumindest für den angezielten Medienrummel gesorgt. Und das ist ja schon einmal etwas.

 

Vor uns die Zukunft – SF-Elemente in K-Pop-Videoclips

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Eine Riesenfrau sucht in dem Clip „Agma“ der Indie-Band Anyeong Bada eine Stadt heim.

Das koreanische Kino tut sich schwer mit Science Fiction. Anfang 2000 wurden gerade einmal drei Filme produziert, die jedoch ohne großen Widerhall verschwanden. Ganz anders sieht es im Bereich der Musikvideos aus. Dort werden SF-Elemente immer wieder gerne aufgegriffen. Besonders narrative Videoclips übernehmen Konzepte des Science Fiction-Genres. Manchmal kitschig, manchmal witzig, selten aber düster kreieren die Videos phantastische Welten und liefern dabei einen Einblick auf eine surreal gestaltete Zukunft.

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Gekonnt orientiert sich der Clip an Comickunst und 50er Jahre Trash.

Die Indie-Band Anyeong Bada (auf Deutsch in etwa: Hallo Meer), erzählt z.B. in ihrem Video Agma (Teufel) die Geschichte einer Riesenfrau, die eine Stadt heimsucht. Dort macht sie aus den Hochhäusern Kleinholz, bis sie endlich die Band entdeckt und sie als Zutat für ihr Abendessen mit nachhause nimmt. Schön wird dabei eine Mischung aus klassischem 50er Jahre Trash, Comic-Adaption und Mockumantary präsentiert. Viele Details fallen bei der ersten Sichtung gar nicht auf. Man muss genau aufpassen und gelegentlich auch das Bild anhalten, um in den Genuss der Ideenvielfalt zu kommen. Auch dass die Monsterfrau eine Mutation darstellt, die durch radioaktive Strahlung hervorgerufen wurde, wird erst klar, nachdem man den Clip mehrmals angesehen und somit die atomare Wüste bemerkt hat, die die Stadt umgibt.

Dal Shabet mit violetten Perücken. Eine Anspielung auf die TV-Serie UFO.

Die Girl-Group Dal Shabet deren Mitglieder in ihrem aktuellen Song nichts anderes einfällt, als über ihre Beine zu singen (Schau auf meine Beine, so die Übersetzung des Titels), machten in ihrem Debüt Pink Rocket Anspielungen auf Klassiker des SF-Genres. So finden sich darin u. a. Verweise auf Planet der Affen und auf die TV-Serie UFO. Besonders das UFO-Zitat ist nett in Szene gesetzt, tragen die Sängerinnen doch bei einem der Dance Shots violette Perücken. Bis heute ist  nicht geklärt, wieso die Frauen in der Mondstation der Fernsehserie violettfarbene Haare haben. In dem Clip von Dal Shabet kommen die Perücken ebenfalls nur in den Shots zur Verwendung, die in einer Mondstation spielen.

Die Boy-Band B.A.P. entwrift in ihrem Debüt Warrior ein recht düsteres Zukunftsbild. Verfall, soziale Konflikte und Zerstörungswut prägen die skizzierte Gesellschaft. Im Grunde genommen besteht der Clip nur aus Dance Shots, die in einer finsteren Kulisse, die Ähnlichkeiten mit einem schmuddeligen Hinterhof besitzt, spielen. Es sind jedoch gerade die Kulissen, die einen futuristischen Charakter aufweisen. Das Bild ähnelt einer Dystopie wie Carpenters Klapperschlange. Eine soziale Ordnung gibt es nicht, es gilt das Gesetz des Stärkeren. Der Clip gehört vor allem wegen seiner gelungenen Choreographie zu den besten K-Pop-Clips der letzten Zeit.

Das Video „Warrior“ der Boy-Group B.A.P. skizziert eine verrohte Gesellschaft, in der das Gesetz des Stärkeren gilt.

Die Girl-Group Stellar wird zwar generell als eine der schlechtesten K-Pop-Gruppen überhaupt bezeichnet, unternimmt in ihren Clips jedoch immer wieder Ausflüge in die Science Fiction. Bereits ihr Debüt mit dem Titel Rocket Girl ist eine interessant gefilmte SF-Story, in der es darum geht, dass die Macht in den Händen eines Konzerns liegt. Dieser kontrolliert und manipuliert die Gesellschaft. Eine Gruppe Rebellinnen (d.h. die MItglieder von Stellar) macht sich auf, um die Macht des Konzerns zu brechen. Dabei machen sie regen Gebrauch von bizarren Laserwaffen. Am Ende tragen sie natürlich den Sieg davon. Das Video nutzt gekonnt Stadtarchitektur aus, um eine Atmopshäre der Zukunft zu schaffen. Die Aspekte der Überwachung und Kontrolle sind zwar nur skizzenhaft, dennoch sehr gut umgesetzt. Auch die Handlung an sich ist, trotz ihrer Einfachheit, interessant in Szene gesetzt.

Totale Überwachung und Widerstand sind die Themen des Videoclips „Rocket Girl“ der Gruppe Stellar.

Das zweite Video von Stellar ist nicht weniger der Science Fiction zuzuordnen. Die Handlung unterscheidet sich aber grundlegend von derjenigen des Debüts. Es geht um eine junge Frau, die von ihrem Freund verlassen wird. Wenige Tage später erhält sie ein Paket, in dem sich ein humanoider Roboter befindet. Dieser ist eigentlich darauf programmiert, den Haushalt in Ordnung zu halten. Doch verliebt sich die Frau in ihn und unternimmt mit ihrem neuen „Freund“ lange Spaziergänge. Eines Tages kommt es zu einem Unfall, bei dem der Roboter zunächst außer Gefecht gesetzt wird. Als er wieder zu sich kommt, ist er endlich fähig, menschliche Gefühle zu erwidern. Der Clip ist zwar unerhört kitschig, schafft es aber andererseits die Geschichte spannend zu erzählen. Trotz Kitsch, gelingt es dem Regisseur die Geschichte an sich relativ nüchtern zu visualisieren, was das Video sehenswert macht. Auch die Einfälle sind recht nett und hätten durchaus Potential für einen Spielfilm.

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Ein Roboter als Freund. Eine SF-Lovestory in Form eines Videoclips.