Die 90er: Robin Hood – König der Diebe (1991)

Robin Hood (Kevin Costner) bei der Arbeit; „Robin Hood“ (1991); © Warner Bros.

Wahrscheinlich löse ich einen Shitstorm ungeahnten Ausmaßes aus, wenn ich verrate, dass ich immer dann das Radio ausschalte, wenn Brian Adams‘ Sülzballade „Everything I do I do it for you“ läuft. Man sollte jedoch nicht von dem Song auf den Film schließen, denn „Robin Hood – König der Diebe“ aus dem Jahr 1991 gehört zu den unterhaltsamsten und actionreichsten Robin Hood-Verfilmungen.

Robin von Locksley kann in Jerusalem aus der Kriegsgefangenschaft fliehen – zusammen mit dem Mauren Azeem. Jahre später gelangen beide nach England, wo Robin zurück zu seinem Vater kehren möchte. Doch als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde und der Sheriff von Nottingham das Land drangsaliert, schließt er sich einer Räuberbande an, die in den tiefen Wäldern haust. Von dort aus nimmt Robin zusammen mit seinen neuen Freunden den Kampf gegen den Sheriff auf.

Zurück zu Brian Adams‘ Song, der sich auf die Liebesbeziehung zwischen Robin und Lady Marian bezieht. Im Grunde genommen ist das erstaunlich, denn das Thema spielt im ganzen Film eine eher untergeordnete Rolle. Vor allem geht es Regisseur Kevin Reynolds darum, Robins Aufstieg zum legendären Robin Hood nachzuverfolgen. Und dies geschieht mit viel Witz und Action, was „Robin Hood“ zu einem überaus gelungenen Abenteuerfilm macht.

Kevin Costner verleiht der Figur den dafür notwendigen Heldencharakter, Morgan Freeman als Maure hat immer wieder Seitenhiebe auf die nicht vorhandene Hygiene im Mittelalter auf Lager und Alan Rickman spielt auf köstliche Weise den bösen Sheriff. Demgegenüber verblasst die Rolle der Lady Marian beinahe, besonders auch aus dem Grund, da sie im Verhältnis zu den anderen Figuren, überraschend wenig auftaucht.

„Robin Hood – König der Diebe“ war 1991 der zweiterfolgreichste Film – geschlagen wurde er nur durch „Terminator 2“. Nach diesem Erfolg legte Regisseur Kevin Reynolds mit dem Abenteuerdrama „Rapa Nui“ (1994) und dem mit Kevin Costner zusammen gedrehten SF-Film „Waterworld“ (1995) zwei Flops hin. Mit seiner Version von Robin Hood jedoch schuf er einen Klassiker der 90er Jahre.

Robin Hood – König der Diebe (OT: Robin Hood – Prince of Thieves). Regie: Kevin Reynolds, Drehbuch u. Produktion: Pen Densham, Darsteller: Kevin Costner, Morgan Freeman, Alan Rickman, Mary Elizabeth Mastrantonio. USA 1991, 137 Min.

The 80s: Flesh + Blood (1985)

felshandbloodÜber den Sommer hinweg gibt es bei uns ein Special, das sich mit Filmen aus den 80er Jahren beschäftigt. Den Anfang machte „Invasion vom Mars“. Als zweites stellen wir euch den Ritterfilm „Flesh + Blood“ vor. Viel Spaß und einen schönen Sommer.

Die Ritterfilme der 40er und 50er Jahre zeigten in der Regel strahlende Helden, die stets für eine gute Sache eintraten und den Bösewicht spätestens beim Schwertduell zur Strecke brachten. Ein völlig anderes Bild lieferte Paul Verhoeven Mitte der 80er Jahre mit seinem Film Flesh + Blood. Keine strahlenden Helden, keine sauberen Burgen und Tischmanieren gibt es auch nicht. Im Gegensatz zu den früheren Ritterfilmen wollte Verhoeven ein realistischeres Bild der damaligen Zeit liefern. Das Ergebnis war bzw. ist ein moderner Klassiker dieses Genres.

Es geht um den Söldnerführer Martin, der sich zusammen mit seinen Leuten gegen seinen früheren Auftraggeber Lord Arnolfini stellt. Dieser hat ihn nach einem ausgeführten Auftrag betrogen. Aus Rache entführt er Prinzessin Agnes, die für dessen Sohn als Frau vorgesehen war. Nach schweren Misshandlungen verliebt sich Agnes in Martin. Doch Arnolfinis Sohn zieht mit einem Ritterheer gegen Martins Festung, um die Prinzessin zu befreien.

Verhoeven liefert ein extrem düsteres, schmutziges und blutiges Bild des Mittelalters. Die Brutalität nimmt stellenweise solche Ausmaße an, dass die FSK-Stelle den Film indizierte. Erst eine Neuprüfung im Jahr 2013 ließ eine Veröffentlichung der ungekürzten Version mit einer Altersbeschränkung ab 18 zu. Einen richtigen Helden gibt es nicht. Es bleibt den Zuschauern überlassen, zu entscheiden, ob sie sich mit dem Sohn Arnolfinis identifizieren, der seine Zukünftige aus den Fängen der Söldner befreien möchte, oder mit Martin, dem Anführer der Söldner, der einerseits hintergangen wurde, andererseits aber auch nicht das ist, was man als einen Helden bezeichnen könnte. Genau das aber macht Verhoevens Film interessant. Die Charaktere sind keine klischeehaften Stereotypen wie in den Klassikern der 40er und 50er Jahre, sondern verhalten sich ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Milieu entsprechend, wobei sie auch dessen jeweilige moralischen bzw. unmoralischen Vorstellungen übernehmen. Die Figuren wirken damit realer als ihre Hollywood-Vorgänger.

Action und Spannung kommen in dem Film ebenfalls nicht zu kurz. Gleich der Beginn des Films zeigt eine Schlacht, in der Martin und seine Söldner versuchen, eine Burg einzunehmen. Nicht nur mit dieser Anfangssequenz wird der Film seinem Titel gerecht. Mordend und kämpfend geht es weiter bis zum großartigen Finale.

Flesh + Blood gehört zu den besten Ritterfilmen, die bisher gedreht wurden. Es war zudem Verhoevens letzte europäische Produktion, bevor er von Hollywood engagiert wurde.

Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven, Produktion: Gijs Versluys, Darsteller: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Brion James, Jack Thompson. USA/Niederlande/Spanien 1985, Laufzeit: 123 Minuten