The 80s: Flesh + Blood (1985)

felshandbloodÜber den Sommer hinweg gibt es bei uns ein Special, das sich mit Filmen aus den 80er Jahren beschäftigt. Den Anfang machte „Invasion vom Mars“. Als zweites stellen wir euch den Ritterfilm „Flesh + Blood“ vor. Viel Spaß und einen schönen Sommer.

Die Ritterfilme der 40er und 50er Jahre zeigten in der Regel strahlende Helden, die stets für eine gute Sache eintraten und den Bösewicht spätestens beim Schwertduell zur Strecke brachten. Ein völlig anderes Bild lieferte Paul Verhoeven Mitte der 80er Jahre mit seinem Film Flesh + Blood. Keine strahlenden Helden, keine sauberen Burgen und Tischmanieren gibt es auch nicht. Im Gegensatz zu den früheren Ritterfilmen wollte Verhoeven ein realistischeres Bild der damaligen Zeit liefern. Das Ergebnis war bzw. ist ein moderner Klassiker dieses Genres.

Es geht um den Söldnerführer Martin, der sich zusammen mit seinen Leuten gegen seinen früheren Auftraggeber Lord Arnolfini stellt. Dieser hat ihn nach einem ausgeführten Auftrag betrogen. Aus Rache entführt er Prinzessin Agnes, die für dessen Sohn als Frau vorgesehen war. Nach schweren Misshandlungen verliebt sich Agnes in Martin. Doch Arnolfinis Sohn zieht mit einem Ritterheer gegen Martins Festung, um die Prinzessin zu befreien.

Verhoeven liefert ein extrem düsteres, schmutziges und blutiges Bild des Mittelalters. Die Brutalität nimmt stellenweise solche Ausmaße an, dass die FSK-Stelle den Film indizierte. Erst eine Neuprüfung im Jahr 2013 ließ eine Veröffentlichung der ungekürzten Version mit einer Altersbeschränkung ab 18 zu. Einen richtigen Helden gibt es nicht. Es bleibt den Zuschauern überlassen, zu entscheiden, ob sie sich mit dem Sohn Arnolfinis identifizieren, der seine Zukünftige aus den Fängen der Söldner befreien möchte, oder mit Martin, dem Anführer der Söldner, der einerseits hintergangen wurde, andererseits aber auch nicht das ist, was man als einen Helden bezeichnen könnte. Genau das aber macht Verhoevens Film interessant. Die Charaktere sind keine klischeehaften Stereotypen wie in den Klassikern der 40er und 50er Jahre, sondern verhalten sich ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Milieu entsprechend, wobei sie auch dessen jeweilige moralischen bzw. unmoralischen Vorstellungen übernehmen. Die Figuren wirken damit realer als ihre Hollywood-Vorgänger.

Action und Spannung kommen in dem Film ebenfalls nicht zu kurz. Gleich der Beginn des Films zeigt eine Schlacht, in der Martin und seine Söldner versuchen, eine Burg einzunehmen. Nicht nur mit dieser Anfangssequenz wird der Film seinem Titel gerecht. Mordend und kämpfend geht es weiter bis zum großartigen Finale.

Flesh + Blood gehört zu den besten Ritterfilmen, die bisher gedreht wurden. Es war zudem Verhoevens letzte europäische Produktion, bevor er von Hollywood engagiert wurde.

Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven, Produktion: Gijs Versluys, Darsteller: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Brion James, Jack Thompson. USA/Niederlande/Spanien 1985, Laufzeit: 123 Minuten

Monster des Mittelalters – Eine kulturhistorische Spurensuche

monsterimmittelalterDer Germanist Rudolf Simek beschäftigt sich am liebsten mit dem Problem der Monsterdarstellungen in mittelalterlichen Texten und Bildern. Die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, hatte er bereits Anfang der 80er Jahre. Doch erst jetzt konnte er sein Projekt zu einem erfolgreichen Ende bringen.

„Monster im Mittelalter“, so der Titel des Werkes, beschäftigt sich mit den kulturhistorischen Hintergründen von Beschreibungen sog. Wundervölker und Fabelwesen aus dem Mittelalter. Simek geht dabei der Frage nach, aus welchem Grund diese Monster überhaupt beschrieben bzw. in Bildern dargestellt wurden. Handelte es sich dabei um Darstellungen realer Ungeheuer oder steckte dahinter etwas völlig Anderes?

Die Spur führt Simek und den Leser bis zurück in die Antike, als zum ersten Mal Berichte über Fabelrassen z.B. bei Plinius auftauchen. Richtig populär wurden die Beschreibungen dann in der „Alexanderdichtung“, welche den Feldzug Alexander des Großen beschreibt. Simek zufolge hatten die Darstellungen speziell in diesem Text die Aufgabe, den oder das Fremde zu stilisieren und dadurch einen Kontrast zwischen Alexander dem Großen und dem Anderen zu betonen. Es wurden, statt reale Beschreibungen abzuliefern, Sozialutopien geschaffen.

Da sich aber die Darstellungen der diversen Monster immer gleichen und sogar die Namen oder Bezeichnungen dieser Kreaturen immer wieder aufgelistet wurden, musste wohl mehr dahinterstecken als bloße Fantastereien.

So geht Simek der Frage nach, auf welche realen Umstände die jeweiligen Darstellungen zurückzuführen sind, ob auf genetische Defekte oder auf verallgemeinerte Missgeburten.  Eine weitere Frage lautet, ob diese Monster eher einen religiös-moralischen Zweck zu erfüllen hatten.

Rudolf Simeks Untersuchung über die Monster im Mittelalter ist eine spannende und informationsreiche Reise in ein bisher kaum erforschtes Sachgebiet. Lebendig und detailreich geht der Autor auf die unterschiedlichen Ungeheuer und ihre kulturhistorischen Wurzeln ein, lässt dabei auch nicht die Meeresungeheuer aus, und findet zum Schluss sogar eine Verbindung zu heutigen SF- und Fantasy-Romanen und Filmen, wobei dieses letzte Kapitel das eindeutig schwächste im ganzen Buch darstellt. In diesem Kapitel gibt es nicht nur falsche Angaben (z.B. nennt Simek als Autor von „Krieg der Welten“ den Schauspieler und Regisseur Orson Welles und nicht H. G. Wells), sondern die germanistische Perspektive schränkt den Blickwinkel stark ein. Obwohl der Ansatz durchaus interessant ist. Die eigentliche Untersuchung aber, die zum Schluss mit einem „Lexikon der menschlichen Monster im Mittelalter“ aufwartet, ist nicht nur für Monsterliebhaber von großem Interesse.

Rudolf Simek. Monster im Mittelalter. Die phantastische Welt der Wundervölker und Fabelwesen. Böhlau Verlag 2015, 345 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 978-3-412-21111-0.