Die Dämonen, die ich rief oder M. R. James im Film

mrjamesMontague Rhodes James (1862 – 1932) war nicht nur ein bekannter Gelehrter, sondern auch ein erfolgreicher Verfasser von Geistergeschichten. Seine Popularität führte dazu, dass er in England auch unter dem Namen „Gespenster-James“ bekannt war. Das Besondere seiner Geschichten liegt darin, dass sie wie tatsächliche Begebenheiten wirken. James fand die Ideen für seine Geschichten auf seinen Reisen durch Europa, wo er mündlich überlieferte Gespenstergeschichten sammelte. In seinen unheimlichen Erzählungen, die in der Regel mitten auf dem Land spielen, geht es nicht selten um Kirchen und deren schreckliche Geheimnisse. Über diese Geheimnisse erfährt der Protagonist in der Regel in alten Büchern oder Manuskripten.

Trotz seines Erfolges betrachtete sich James stets bescheiden als Hobbyautor. Dies verhinderte jedoch nicht, dass er viele professionelle Schriftsteller bis heute beeinflusst. Auch H. P. Lovecraft war seinerzeit von den Gespenstergeschichten des englischen Gelehrten sehr angetan.

nightofthedemonM. R. James‘ Ideen sollten später auch von Drehbuchautoren aufgegriffen und filmisch umgesetzt werden. Eine der bekanntesten Adaptionen einer James-Geschichte (die Umsetzung basiert auf „Casting the Runes“) ist Jacques Tourneurs „Night of the Demon“ aus dem Jahr 1957. Es geht darin um den bekannten Psychiater Hamond, der in London an einem wissenschaftlichen Kongress teilnehmen soll. Kaum ist er dort angekommen, als er erfährt, dass einer seiner Kollegen auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen ist. Der verstorbene Wissenschaftler stand in engem Kontakt mit einem Mann namens Karswell, der einen satanischen Zirkel leiten soll. Nicht nur das, denn Karswell selbst soll ein echter Hexenmeister sein. Hamond, ein Skeptiker, versucht, Karswell als Betrüger zu entlarven. Dabei gerät er jedoch zunehmend in Zwischenfälle, die er sich rational  nicht mehr erklären kann.

„Night of the Demon“, der in den USA unter dem Titel „Curse of the Demon“ lief und dort um 13 Minuten gekürzt wurde, gilt bis heute als einer der besten Horrorfilme, die je gedreht wurden. Das liegt zum einen sicherlich an den Fähigkeiten des Regisseurs, der in den 40er Jahren mit seinem Film „Katzenmenschen“ berühmt geworden war. Doch auch die Schauspieler erweisen sich in dem Film als erstklassig. Auch heute noch schafft der Film eine unheimlich-mysteriöse Dichte, die vor allem von den konfliktreichen Begegnungen zwischen Hamond und Karswell und deren intensiven Dialogen am Leben erhalten wird.

thechurch1989 kam es zu einer weiteren Adaption einer Geschichte von M. R. James. Es handelt sich dabei um den italienischen Horrorfilm „The Church“ von Michael Soavi. Dario Argento war für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich. Böse Zungen behaupten, dass Soavi den Film gar nicht gedreht hat, sondern viel mehr Argento selbst die Zügel in der Hand hielt. In der Tat verweisen sehr viele Szenen auf die Arbeiten Argentos, sodass das Gerücht durchaus als eine Tatsache bewertet werden kann.

Der Film basiert auf der Geschichte „The Treasure of Abbot Thomas“. Soavi bzw. Argento machte daraus ein wahres Kunstwerk. Es ist eine Ansammlung surrealer Ideen, die sich um das Geheimnis einer alten Kirche drehen. Die Kirche wurde auf einem mittelalterlichen Massengrab errichtet. Ein Ritterorden hatte ein Dorf überfallen und sämtliche Bewohner ermordet. In einem alten Schriftstück, das eine Restauratorin entdeckt, wird auf das Geheimnis hingewiesen. Doch die Kirche beginnt ein unheimliches Eigenleben. Die Portale schließen sich plötzlich und die Besucher sehen sich einer tötlichen Gefahr gegenüber.

Der Film führt bis heute leider ein Schattendasein unter den Werken Argentos. Vor allem in Deutschland ist dieser Film so gut wie unbekannt. „The Church“ ist wahre Filmkunst, ein Rausch aus Farben, traumartiger Sequenzen und einer spannend inszenierten Handlung. Soavi, der mit seinem Film „Dela Morte, Del Amore“ einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hatte, gelang nach „The Church“ nichts Erwähnenswertes mehr.

The BorderlandsIm Jahr 2013 wurde mit „The Borderlands“ eine weitere James-Geschichte frei adaptiert. Es handelt sich dabei um eine Low-Budget-Produktion im Stil des Lost Footage-Genres. Zwei Parapsychologen erhalten den Auftrag, seltsame Geschehnisse in einer alten Dorfkirche zu untersuchen. Der Film ist im Groben und Ganzen nicht schlecht. Regisseur Elliot Goldner gelingt es, eine klassisch angehauchte Gespensteratmosphäre zu schaffen. Doch leider fällt ihm nicht sonderlich viel ein, sodass sich sowohl der Anfang als auch das Ende ziehen. Das ist sicherlich schade, denn Goldner zeigt, dass er sein Handwerk versteht.

Die Geschichten von M. R. James erfreuen sich auch heute noch einer großen Leserschaft. In Deutschland sind seine Geschichtensammlungen nur noch antquarisch zu bekommen. Vielleicht ändert sich dies ja wieder. Seine Geschichten sind auf jeden Fall immer wieder lesenswert.