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Posts Tagged ‘Mario Bava’

„Im Wartezimmer erwarten Sie die toten Augen des Dr. Dracula“, hieß es damals im deutschen Trailer zu Mario Bavas Film, der inzwischen als sein Meisterwerk betrachtet wird. Der Originaltitel lautete „Operazione Paura“ (Aktion Angst), stammt aus dem Jahr 1966 und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten Filme Bavas.

Es geht um Dr. Paul Eswai, der in ein einsam gelegenes Dorf geholt wird, um dort einen ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Eine junge Frau hat sich vom Kirchturm gestürzt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige unheimliche Todesfall ist, sondern bereits mehrere Bewohner auf unerklärliche Weise Selbstmord begangen haben. Eswai bekommt mit, dass die Bewohner Angst vor einem Fluch haben. Denn vor einiger Zeit starb die Tochter der Baronin von Graps an ihren Verletzungen, die sie sich bei einem Unfall zugezogen hat. Seitdem soll das Mädchen in dem Dorf spuken und einen Bewohner nach dem anderen in den Tod ziehen. Eswai, der von dem Aberglauben der Bewohner nichts hält, sucht nach einer rationalen Erklärung, was ihn letztendlich in das Schloß der sonderbaren Familie von Graps führt …

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so könnte man sagen, dass „Die toten Augen des Dr. Dracula“ eine absolute Wucht ist. Von Anfang an herrscht eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, beginnend mit dem Selbstmord der jungen Frau, der auf unglaublich drastische Weise umgesetzt wurde, indem die Szene damit endet, dass die Frau von den Spitzen eines Zauns aufgespießt wird.

Dr. Eswai begegnet dem unheimlichen Mädchen. Man beachte auch die wundervolle, gemäldeartige Farbgebung; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Hierbei orientiert sich Bava an Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem einer ähnlichen Szene eine Schlüsselrolle zukommt. Geht es in Hitchcocks freudianischem Thriller um Wahn und Albträume, so führt Bava diese Themen in „Operazione Paura“ weiter und verbindet diese mit den Aspekten Aberglauben und unerklärliche Phänomene. Dabei steht bei ihm vor allem die Schaffung einer dichten, unheimlichen Atmosphäre im Vordergrund.

Gespenstische Laute, das Heulen des Windes, ein unheimliches Schloss, ein kleines, bleiches Mädchen, das immer wieder vor den Fenstern erscheint und bei den Leuten Todesangst verursacht – all dies sind nur wenige Aspekte, die die unglaublich dichte Atmosphäre des Films ausmachen. Am bekanntesten ist sicherlich das Ball-Motiv. In den entsprechenden Szenen springt der Ball des Mädchens wie von Geisterhand Treppen hinunter oder rollt einen Flur entlang. Speziell diese Szenen werden bis heute immer wieder zitiert.

Nicht weniger erstaunlich ist die surreale Ästhetik, die den Film beherrscht. Das nicht enden wollende Treppenhaus oder, noch intensiver, die Szene, in der Dr. Eswai einem Mann hinterherrennt, wobei er wie in einer Endlosscheife ständig dasselbe Zimmer passiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich selbst verfolgt hat.

Das unheimliche Schloss der Baronin von Graps; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Wenn es einen Film gibt, der sich mit Spuk in all seinen Facetten beschäftigt, dann ist es „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Kaum ein anderer Film kommt dieser Achterbahnfahrt durch das Unheimliche und das Übernatürliche näher als dieses filmische Kunstwerk. Martin Scorsese bezeichnete „Operazione Paura“ als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Auch Frederico Fellini war von Bavas Film überaus begeistert. Dario Argento nahm sich „Die toten Augen des Dr. Dracula“ als Vorbild für sein Meisterwerk „Suspiria“ (1978).

Mario Bavas Film gilt zudem als Ursprung des sog. „Child Horror“, also des Subgenres, in dem das Böse oder Unheimliche von Kindern ausgeht, wie z.B. in „Das Omen“ oder den von Bava stark beeinflussten modernen koreanischen Horrorfilmen, die ab den 90er Jahren entstanden. Somit zählt „Operazione Paura“ zu dem bedeutensten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

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Odysseus gehört zu den bekanntesten Figuren der Weltliteratur. Die vielen Abenteuer, die der tollkühne Held erlebt, und die vielen Monster, denen er begegnet, war und ist ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie. Die bekannteste Verfilmung von Homers Versepos lieferte Mario Camerini im Jahr 1954, wobei als Zweitregisseur kein Geringerer als Mario Bava agierte.

Ihm sind die Szenen zu verdanken, in der Odysseus von Kassandra verflucht wird, sowie die Szenen in der Höhle der Circe. Bereits hier macht sich Bavas wundervolles Spiel mit den Farben bemerkbar, das er in seinen Horrorfilmen aus den 60er Jahren weiterführen und geradezu vollenden sollte.

Der Film ist ein Klassiker aus den Schmieden der italienischen Filmstudios. Die Szenen, in denen Odysseus den Zyklopen Polyphem übers Ohr haut, sind genauso legendär wie die stürmische und abenteuerlustige Darstellung des Helden durch Kirk Douglas.

Circe (Silvana Mangano) im für Mario Bava typischen grünen Licht; „Die Fahrten des Odysseus“ (1954); Copyright: e-m-s

Dieser packt die Figur im Zentrum ihrer Aussage an. So sehen wir einen Menschen, der die antiken Glaubensvorstellungen hinterfragt, der beginnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nicht von den Göttern steuern zu lassen. Er möchte ausprobieren und herausfordern. Seine Abenteuerlust ist zugleich die Lust am Entdecken. Daraus, dass er mehr sieht als die anderen und hinter die „Fassade“ der antiken Glaubenswelt blickt, ergibt sich seine Tollkühnheit und seine Fähigkeit zur List.

Polyphem wird so zu seinem ersten Opfer, die Sirenen können ihn nicht zu sich ziehen, und auch Circe kann seinem ständigen Hinterfragen nicht mehr Paroli bieten. Als Odysseus am Ende alle Männer niedermetzelt, die um seine Frau buhlen, bricht jedoch wiederum sein archaisches Temperament hervor – ein Symbol dafür, dass Moderne und Barbarei trotz allem eng verzahnt sind.
„Die Fahrten des Odysseus“ ist und bleibt einer der unterhaltsamsten Abenteuerfilme. Auch wenn man die Dialoge bereits auswendig kennt, so sind das Spiel Kirk Douglas‘ sowie die faszinierenden Farben und Spezialeffekte immer wieder einen Blick wert.

Die Fahrten des Odysseus (OT: Ulysses), Regie: Mario Camerini, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Carlo Ponti, Darsteller: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podesta. USA/Italien 1954, Laufzeit: 98 Min.

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Die junge Amerikanerin Lisa Reiner verläuft sich in einem Labyrinth aus kleinen Straßen und Gassen in einer spanischen Kleinstadt. Schließlich gelangt sie zu einer seltsamen Villa, in der eine Gräfin, ihr Sohn und ein Butler wohnen. Der Sohn ist davon überzeugt, in Lisa die Reinkarnation seiner verstorbenen Frau zu sehen. Der Butler schleppt stets eine eigenartige Puppe mit sich herum. Auch die alte Gräfin scheint irgendwie nicht ganz in Ordnung zu sein. Auf Lisa wartet eine Nacht voller Schrecken und Alpträume…

Mit seinem Werk „Lisa und der Teufel“ kommt Bava dem Traumhaften so nahe wie in keinem anderen seiner Filme. „Lisa e il Diavolo“, so der Originaltitel, ist ein Film, der im Grunde genommen keine Geschichte erzählt, sondern eine Ansammlung an surrealen Elementen ist.

Lisa verliert sich immer mehr in einem Labyrinth aus seltsamen Geschehnissen, für die sie keine Erklärung findet. In dem Butler glaubt sie das Ebenbild des Teufels zu erkennen, das sie auf einem merkwürdigen Gemälde in einer Kirche gesehen hat. Sie wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, der einer menschengroßen Puppe sehr ähnlich sieht. Zugleich liegt ein tiefer Schatten über der Verträumtheit der Villa, der die düstere Atmosphäre dieses Ortes widerspiegelt. „Lisa und der Teufel“ lässt sich mit Filmen wie Jess Francos „Eugenie“ oder Jean Rollins „The Naked Vampire“ vergleichen, die ungefähr im selben Zeitraum entstanden. Aber auch „Tanz der toten Seelen“ von Herk Harvey aus dem Jahr 1962 scheint dem Film Pate gestanden zu haben, zumindest zitiert Bava vor allem am Anfang und im Finale eben diesen Klassiker.

Lisa (Elke Sommer) findet die unheimliche Puppensammlung; „Lisa und der Teufel“ (1972); Copyright: e-m-s

Bei „Lisa und der Teufel“ liegt der Fokus nicht auf einer zu erzählenden Geschichte, sondern auf einer Aneinanderreihung von surrealen Begebenheiten. In dem Film ging Bava voll in seinem Sinn fürs Schauerliche, in seiner Liebe zum Surrealen und in seiner Ästhetik auf. Das Problem jedoch war, dass damals kein Verleih diesen Film haben wollte. Produzent Alfredo Leone drehte auf rasche und völlig unprofessionelle Weise zusätzliche Szenen, die mit Bavas Werk gar nichts mehr zu tun hatten, sondern ihm einen Touch von „Der Exorzist“ verliehen, da die Vertriebe damals Filme dieser Art besser vermarkten konnten. Die veränderte Fassung kam letztendlich auch in die Kinos. Bavas ursprüngliches Werk jedoch wurde damals nie aufgeführt. Erst zu Beginn der 2000er wurde die von Bava gedrehte ursprüngliche Fassung restauriert und veröffentlicht.

Als Regieassistent agierte übrigens sein Sohn Lamberto Bava, der sich in den 80er Jahren einen Namen durch die „Demons“-Trilogie machte. Bavas Filme sind hervorragende Beispiele für die Ästhetik des Grauens und beeinflussen bis heute das Genrekino. Der Einfluss von Mario Bava ist sogar im koreanischen Horrorgenre zu bemerken. Filme wie „A Tale of Two Sisters“ oder „Wishing Stairs“ sprechen eindeutig eine bavasche Sprache. So gesehen könnte man durchaus behaupten, dass Mario Bava nicht nur der Vater des modernen italienischen Horrorfilms ist, sondern des modernen Horrorfilms überhaupt.

Lisa und der Teufel (OT: Lisa el i Diavolo), Regie: Mario Bava, Drehbuch: Mario Bava, Alfredo Leone, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Telly Savalas, Silva Koscina, Alida Valli, Alessio Orano. Italien/Deutschland/Spanien 1972, 92 Min.

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dreigesichterderfurchtItaliens Filmindustrie war in den 60er Jahren dank der Herkules-Filme im Aufwind. Parallel zu den Sandalenfilmen produzierte man zunehmend auch Horrorfilme, wobei vor allem die Filme Mario Bavas international Aufsehen erregten. Der Erfolg führte dazu, dass die US-amerikanische Produktionsfirma American International Pictures italienischen Firmen mehrere Filme in Auftrag gab, um dadurch auf dem Erfolg mitschwimmen zu können.

Einer dieser Filme war „Die drei Gesichter der Furcht“ aus dem Jahr 1963, der in den USA unter dem Titel „Black Sabbath“ in die Kinos kam. Es handelt sich dabei um eine Anthologie, bestehend aus drei kürzeren Filmen, die von den Klassikern Guy de Maupassaunt und Aleksey Tolstoy inspiriert wurden. Die Titel der drei Filme lauten „Telefon“, „Wurdulack“ und „Der Wassertropfen“. Während es sich bei „Telefon“ um einen Giallo handelt, sind die beiden anderen Filme reine Horrorfilme.

„Telefon“ erzählt die Geschichte von Rosy, einem Calldirl, das nachts plötzlich ominöse Anrufe erhält. Ihr früherer Freund Frank ist aus dem Gefängnis geflohen und droht Rosy nun damit, sie umzubringen, da sie ihn verraten hat. Aus Angst bittet Rosy ihre Freundin Mary darum, die Nacht bei ihr zu verbringen. Doch dann taucht Frank tatsächlich auf …

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Rosy (Michele Mercier) erhält einen ominösen Anruf. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

In „Telefon“ geht es um Rache, um Täuschung und um eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung. Bava zeigte in dem Film, dass er auch hervorragende Thriller drehen konnte, die im Vergleich zu Hitchcock in nichts nachstanden. Der einzige Unterschied: die erotischen Zwischentöne sind bei Bava weitaus direkter. In „Telefon“ beherrscht die unterschwellige Erotik den ganzen Film, schafft dadurch neben der dichten Spannung eine zusätzliche Sinnlichkeit, die von der Gestik der Darstellerinnen bis hin zur Farbgebung und Beleuchtung alles vereinnahmt. So gesehen ist „Telefon“ ein echtes, kleines Meisterwerk.

„Der Wurdulak“ orieniert sich ziemlich genau an der Erzählung „Die Rache des Wurdulak“ des Schriftstellers Aleksey Tolstoy (nicht zu verwechseln mit dem „Krieg und Frieden“-Tolstoy). Ein anderes bekanntes Werk Tolstoys ist der Marsroman „Aelita“. In Film und Erzählung geht es um einen Reisenden, der zu einem abgelegenen Haus kommt. Da es schon spät ist, bittet der Reisende die Bewohner darum, in dem Haus übernachten zu dürfen. Dabei stellt sich heraus, dass die Bewohner befürchten, noch in derselben Nacht von einem Vampir heimgesucht zu werden …

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Der Wurdulak nähert sich dem Haus. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

„Der Wurdulak“ ist ein spannender, unheimlicher und recht drastisch in Szene gesetzter Horrorfilm. Im Gegensatz zu den damaligen Horrorfilmen aus Hollywood, zeigten die italienischen Filme mehr Blut und Gewalt. Boris Karloff spielte den Wurdulak, der eigentlich der Vater der Familie ist, die in dem Haus wohnt, und nun als Vampir zurückkehrt. Es wird erstochen und geköpft, die in Angst lebende Familie geht dabei zu Grunde, die einzelnen Mitglieder verwandeln sich nach und nach selbst zu Vampiren. Der Film ist zum einen sehr düster, zum anderen hoch spannend und entwickelt eine wunderschöne Gruselästhetik, die weit über das Können der US-Kollegen hinausragt.

„Der Wassertropfen“ schließlich erzählt die Geschichte einer Krankenschwester, die in einer Gewitternacht in das unheimliche Haus eines Mediums geholt wird, die während einer ihrer Sitzungen gestorben ist. Da die Krankenschwester nichts mehr für die Frau tun kann, macht sie den leblosen Körper zurecht, bevor er von den Sanitätern abgeholt wird. Dabei stielt sie einen Ring. Wieder zuhause, hört sie immer wieder das Tropfen von Wasser. Und schließlich erscheint der schreckliche Leichnam in ihrer Wohnung …

Der letzte Film der Anthologie hat es in sich. Zum einen ist wiederum die Story überaus spannend und dicht umgesetzt. Hinzu kommt Bavas Spiel mit Licht und Farben, das die einzelnen Szenen teilweise surreal erscheinen lässt. Das Augenmerkt aber liegt vor allem auf dem Leichnam des Mediums, dessen verzerrtes Gesicht einem auch heute noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Mario Bavas Vater hatte diese gruselige Puppe aus Wachs gefertigt.

Während „Die drei Gesichter der Furcht“ in Italien und anderen europäischen Ländern ungeschnitten gezeigt wurde, musste der Film für den US-amerikanischen Filmmarkt gekürzt werden, da, wie vorhin bereits bemerkt, manche Anspielungen und Darstellungen zu direkt und zu brutal waren. Dennoch wurde der Film ein großer Erfolg.

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dämonunddiejungfrauWenn man so will, begann in den 60er Jahren ein Wettbewerb zwischen den US-amerikanischen und den europäischen Filmstudios. Während Hollywood in den 50er Jahren den B-Picture-Bereich dominierte, sprangen in den 60er Jahren England, Frankreich, Italien und auch Deutschland (in der Regel als Coproduzent) mit auf den Zug. In England entstanden die von den Fans so sehr geliebten Horrorfilme der Hammer Studios, auf dem europäischen Festland war es vor allem Italiens Cinecitta, die u. a. mit den Filmen Mario Bavas für Furore sorgte.

Es war die Hochzeit des Gothic-Horror. Die Handlungen spielten in der Regel im 18. Jahrhundert. Die American International Pictures konnten sich auf Vince Price als ihren Stammschauspieler verlassen. Gelegentlich übernahmen auch Peter Lorre, Boris Karloff und Barbara Steele eine Rolle. Technicolor sorgte für satte Farben, die heute genauso faszinieren wie damals. Der Unterschied zu den europäischen Filmen lag in den Darstellungen von Gewalt und Sex. Während in den USA stets nur angedeutet wurde, wagten sich Hammer und Co. an durchaus provokante Szenen heran. Als die AIP-Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff nach Italien fuhren, um sich dort über die Machart italienischer Horrorfilme zu informieren, sollen beide schier erstaunt gewesen sein über die freizügige Art der Darstellung.

Ein Beispiel dieser Freizügigkeit ist „La frusta e il corpo“ aus dem Jahr 1963, der in Deutschland unter dem Titel „Der Dämon und die Jungfrau“ in den Kinos lief. Regie führte Mario Bava, dessen Einfluss auf den Horrorfilm bis heute anhält. Bava, der eigentlich Maler werden wollte, setzte seine malerischen Fähigkeiten stets in wunderbaren Farbspielen um, die seine Filme zu wahren Kunstwerken machen. Erst vor kurzem wird sein Werk auch von etablierten Filmkritikern ernst genommen, davor galt Bavas Oeuvre als trivial, was zur Folge hatte, dass sich lange Zeit niemand damit beschäftigte.

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Kurt Menliff (Christopher Lee) schwingt gleich die Peitsche. In: „Die Jungfrau und die Peitsche“ (1963).

In seinem Film „Die Jungfrau und die Peitsche“ setzte Mario Bava alle Register. Es handelt sich im Grunde genommen um eine Familiengeschichte. Kurt Menliff wurde von seinem Vater verstoßen, da er eine Beziehung zu einem Dienstmädchen hatte. Nach Jahren kehrt Kurt wieder in das alte Schloß der Menliffs zurück. Während sein Bruder Christian als auch sein Vater über die Rückkehr bestürzt sind, entwickelt Christians Frau Nevenka ganz andere Gefühle. Kurt merkt schnell, dass Nevenka daran leidet, dass sie ihre Sexualiät nicht ausleben kann. Zwischen beiden entwickelt sich eine heimliche Beziehung, die bestimmt ist von sado-masochistischen Praktiken. Später wird Kurt ermordet aufgefunden. Von da an geschehen auf dem Schloß unheimliche Dinge. Die Bediensteten glauben, dass Kurt von den Toten zurückgekehrt ist, um Rache zu nehmen.

Die sexuellen Anspielungen in „Die Jungfrau und die Peitsche“ waren so direkt, dass der Film zunächst nur für Erwachsene freigegeben wurde. Die Folge davon war, dass Mario Bava den Film kürzen musste. In Deutschland wurde versucht, die SM-Thematik ganz unter den Tisch fallen zu lassen, was dazu führte, dass die Auspeitschszenen aus dem Film genommen wurden. Erst vor ca. zehn Jahren erschien zum  ersten Mal eine ungeschnittene Fassung des Films auf DVD. In der Tat lässt einen Bavas Umsetzung von Nevankas Lust auf Schmerz auch heute noch erstaunen. Die Szenen, in der sich Nevanka unter den Peitschenhieben Kurt Menliffs lustvoll rekelt, haben es durchaus in sich.

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Nevanka (Daliah Lavi) während einer „SM-Sitzung“. Schön zu sehen: Bavas Spiel mit den Farben. „Die Jungfrau und die Peitsche“ (1963).

Gespielt wurde Nevanka von dem israelischen Fotomodel Daliah Lavi, die hier in ihrer mit Sicherheit sinnlichsten Rolle zu sehen ist. Christopher Lee übernahm die Rolle des Kurt. Wie oben bereits angedeutet, ist „Die Jungfrau und die Peitsche“ nicht nur ein Horrorfilm. Es handelt sich zugleich um ein prächtiges Farbenspiel, in dem Bava wie ein Maler auf einer Palette das farbige Licht der Scheinwerfer mischt. So gibt es nicht nur satte Rotfarben, sondern wunderbare Blau- und Violetttöne sowie unterschiedliche Variationen von Grün.

„Die Jungfrau und die Peitsche“ veranschaulicht, dass Horrorfilme keineswegs trivial sind, sondern diese vielmehr eine Kunstform darstellen – eine spezielle Form innerhab der Filmkunst. Bavas Schüler war u. a. Dario Argento, der 1978 mit „Suspiria“ seinem Meister huldigte. Böse Zungen behaupten, dass Bava den Film teilweise mitgedreht habe. Doch Belege dafür gibt es nicht. Sicher ist nur, dass Bava das Horrorfilmgenre sehr stark beeinflusste. Sein Einfluss reicht bis nach Südkorea. So ist z.B. „A Tale of two Sisters“ (2004) eine klare Verneigung von Regisseur Kim Jee-Won vor dem italienischen Meister.

 

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In keinem anderen Genre sind Frauen von so zentraler Bedeutung wie im Trash. Oder anders ausgedrückt: Trash ohne Frauen funktioniert einfach nicht. Von Gender-Kritikern immer wieder gerne als sexistisch verurteilt, ist die Darstellung der Frau in diesen Filmen alles andere als das. Natürlich spielt Erotik eine wesentliche Rolle. Doch bereits der französische Filmessayist André Bazin meinte, dass Film und Erotik zusammengehören, und damit meinte er nicht allein das Trash-Genre.

So ist es kein Wunder, dass im Laufe der Geschichte des Trash manche Schauspielerinnen zu wahren Ikonen empor gehoben wurden. Ob Barbara Steele, Daliah Lavi oder Maria Rohm, sie alle werden bis heute von Fans des Genres geliebt und verehrt.

99womenDie ehemalige Burgschauspielerin Maria Rohm debutierte in dem Krimi „Blonde Fracht für Sansibar“ (1965). Bekannter dürfte sie Trash-Fans aber durch ihre Auftritte in den Fu Man Chu-Filmen sein. Mit dem Trash-Spezialisten Harry Allan Towers verheiratet, erhielt sie immer wieder kleinere Rollen in seinen Filmen, so u. a. auch in der Agatha Christie-Verfilmung „Ein Unbekannter rechnet ab“ (1974), in dem sie neben Stars wie Gert Fröbe, Oliver Reed und Elke Sommer zu sehen ist. Auch Jess Franco engagierte sie für ein paar seiner Filme, wie etwa „Der Hexentöter von Blackmoor“ (mit Christopher Lee in einer seiner „härtesten Rollen“; 1969) oder dem Skandalfilm „99 Women“ (1968), einem sog. „Knastjulenfilm“, der damals nur in geschnittener Fassung gezeigt werden durfte. Stets sinnlich und irgendwie geheimnisvoll, spezialisierte sie sich auf zwielichtige Rollen, also alles andere als eine typische Scream-Queen.

shirleyeatonShirley Eaton, mit der Maria Rohm in „Die sieben Männer der Sumuru“ (1969) zu sehen war, wurde durch ihre Rolle der vergoldeten Jill Masterton in dem James Bond-Film „Goldfinger“ (1964) weltberühmt. Doch war dies dann auch schon ihr einziger Auftritt im Mainstream-Kino. Neben Komödien wie „Endstation Harem“ (1954) oder der „Ist ja irre“-Serie, spielte sie später vor allem in klassischen Trash-Streifen mit. Wie Maria Rohm, tauchte sie ebenfalls in den Fu Man Chu-Filmen auf. Interessanterweise spielte sie in der Agatha Christie-Adaption „Das Geheimnis im blauen Schloss“ (1965) mit, die sich wie auch „Ein Unbekannter rechnet ab“ auf den Roman „Zehn kleine Negerlein“ bezieht und von Maria Rohms Ehemann Harry Allan Towers ebenfalls produziert wurde. Besonders erwähnt werden muss ihre Rolle als Sumuru in „Sumuru – Tocher des Satans“ (1967), in dem sie eine Art weiblichen Fu Man Chu spielt, gerne die Peitsche schwingt und als einziges Mal in schwarzen Haaren zu sehen ist. Aber auch „Unter Wasser rund um die Welt“ (1966), in dem sie die verführerische Meeresforscherin Magaret Hanfort spielt, ist immer wieder sehenswert.

daliahlaviDaliah Lavi ist Trash-Fans hauptsächlich durch den Film „Der Dämon und die Jungfrau“ (1963) bekannt. Regie führte Mario Bava. Ihre Rolle als Frau, die ihre SM-Leidenschaft mit dem geheimnisvollen Curt („Mylord, Curt ist wieder da!“) teilt (gespielt von Christopher Lee), gehört mit Sicherheit zu den sinnlichsten Figuren, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren. Auch heute hat der Film nichts von seiner düsteren Erotik eingebüßt. Davor spielte sie in Harald Reinls „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“ (1961) mit. Komödienfans dürfte ihr Auftritt in „Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen“ (1966) erfreuen. Während sie ihre Filmkarriere an den Nagel hängte, ist sie bis heute als Sängerin tätig.

meikokajiAuch Japan hat eine Trash-Queen. Es handelt sich um die Schauspielerin und Sängerin Meiko Kaji. Bekannt wurde sie durch diverse Schmuddelfilme aus den 70er Jahren. Doch ihren Kultstatus erreichte sie allein durch ihre Rolle der sich rächenden Sasori. Die „Sasori“-Reihe, die Anfang der 70er Jahre produziert wurde, wird fälschlicherweise immer in das Genre Frauenknastfilm eingeteilt. Tatsächlich handelt es sich um eine Manga-Adaption. Auch die Umsetzung sprengt bei weitem den Rahmen des üblichen Knastjulen-Geschmuddel. „Sasori“ ist eine Mischung aus Action, Horror und Erotikfilm, mit einem starken Hang zum Surrealen. Bis heute gibt Meiko den Titelsong der Serie zum besten. Eine weitere Rolle, die ihr quasi auf den Leib geschrieben war, bezog sich auf die der Lady Snowblood, die sich quasi als feudale Version von Sasori durch die japanische Meiji-Ära (1868-1912) kämpft und parallel zur Sasori-Reihe produziert wurde. Heute tritt sie nur noch gelegentlich in TV-Serien auf.

barbarasteeleBarbara Steele ist eine wahre Königin des Trash. Sie selbst möchte nie als Trash-Star bezeichnet werden. Dennoch lieben sie ihre Fans gerade wegen ihrer düsteren und unheimlichen Rollen, die sie in den 60er Jahren inne hatte. Hier besonders zu erwähnen ist ihre Darstellung der sinnlich-bösartigen Vampirgräfin in Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (1960). Die Szene, in der sie vom Henker eine mit Dornen versehene Maske auf das Gesicht geschlagen bekommt, schmerzt Zuschauer bis heute. Neben Vincent Price spielte sie 1961 in der Edgar Allan Poe-Verfilmung „Die Grube und das Pendel“ mit. Ihre Rolle der sonderbaren Margaret Hitchcock in dem italienischen Horrorklassiker „The Ghost“ (1963) darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Der Film ist in deutschen Landen längst vergessen. Zu Unrecht, denn die freie Emile Zola-Adaption ist unglaublich spannend und in einer hervorragenden Optik in Szene gesetzt. Wie auch Meiko Kaji, so tritt Barbara Steele heute ab und zu in TV-Filmen und Serien auf.

 

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