Marie Duplessis alias Die Kameliendame

Marie Duplessis, besser bekannt als „Die Kameliendame“.

Marie Duplessis‘  literarischer Name dürfte den Lesern wahrscheinlich eher bekannt sein: Marguerite Gautier. Alexandre Dumas d. Jüngere verhalf ihr zu posthumen Weltruhm. Geboren wurde Marie Duplessis als Alphonsine Plessis am 15. Januar 1824. Sie verdiente ihr Geld zunächst als Wäscherin, bevor sie zu einer der bekanntesten und reichsten Kurtisanen von Paris wurde. Obwohl sie aus ärmlichen Verhältnissen stammte, eignete sie sich innerhalb kurzer Zeit eine beispiellose Bildung an, was dazu führte, dass zu ihren Freunden und Gebliebten nicht wenige Schriftsteller, Künstler und Komponisten zählten. So soll Franz Liszt einer ihrer Bekannten gewesen sein. Auch Theophile Gautier zählte zu ihren Stammgästen (von Kunden zu sprechen wird dem Ansehen Marie Duplessis‘ nicht gerecht).  Und nicht zuletzt auch der bereits erwähnte Sohn Alexandre Dumas‘, der seine Beziehung zu Marie Duplessis nach ihrem frühen Tod in dem autobiographischen Roman Die Kameliendame verarbeitete.

Alexandre Dumas d. Jüngere

So reich und angesehen Marie Duplessis zeit ihres Lebens war, so einsam und verarmt starb sie am 7. Februar 1847 an Tuberkulose. Alexendre Dumas d. J. nennt sich in seinem Roman Armand Duval (man beachte die Alliteration). Ein Freund macht Duval auf Marguerite Gautier aufmerksam. Die Folge davon: Duval verliebt sich von einer Sekunde auf die andere in Marguerite. Trotz Marguerites Warnungen, dass ihr Lebensstil nicht zu seinen Gefühlen, die Duval ihr entgegenbringt, passt,  lässt der junge Mann nicht locker, bis sie sich schließlich ebenfalls in ihn verliebt. Was daraufhin folgt ist eines der berühmtesten Liebesdramen überhaupt.

Dennoch sollte Alexandre Dumas d. J. sein Leben lang im Schatten seines Vaters stehen. Gegen einen Graf von Monte Christo oder den bereits erwähnten Drei Musketiere kam er nicht an. Trotz Probleme mit der Zensur oder wohl eher wegen dieser Probleme war der Kameliendame von Anfang an ein großer Erfolg beschieden. Der Autor selbst arbeitete den Roman um in ein Theaterstück, welches nicht weniger erfolgreich auf den Pariser Bühnen gespielt wurde. Später schuf Guiseppe Verdi daraus seine berühmte Oper La Traviata.

„Kameliendame 2000“ galt im Jahr 1969 noch als Skandalfilm.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts folgten schließlich diverse Verfilmungen, u. a. mit Marlene Dietrich oder auch Greta Garbo als Marguerite Gautier. Die skandalöseste Adaption kam 1969 unter dem Titel Kameliendame 2000 in die Kinos, ein Beitrag des sog. Porn Chic, (soft)pornographischer Filme, welche in den 70er Jahren ihren Weg in die normalen Kinos fanden.  Trotzdem der Film, wie der Titel bereits vorwegnimmt, im Jahr 2000, sprich in der Zukunft (von damals), spielt, hält sich Schmuddelregisseur Radley Metzger ziemlich genau an die literarische Vorlage. Der einzig große Unterschied liegt in der Figur Marguerite Gautiers. Ihre Tuberkulose wandelt Metzger um in eine Drogensucht.

Marie Duplessis, auch wenn ihr eigentlicher Name nur selten auftaucht, ist aus der Literatur- und Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken. Ohne sie wäre die Welt der Klassiker um Einiges ärmer.

Bis heute finden sich auf Marie Duplessis‘ Grab frische Blumen.