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Im Jahr 2008 brachten die Toho-Studios mit der Manga-Verfilmung „20th Century Boys“ den bisher teuersten japanischen Film in die Kinos. Die Investition aber hat sich anscheinend gelohnt, denn die Comic-Adaption wurde zugleich zu einem der erfolgreichsten japanischen Filme der letzten zehn Jahre.

Die Geschichte ist wie folgt: 1969 gründet Kenji zusammen mit seinen Freunden eine Jugendbande. In einem geheimen Lager gehen sie ihrer Comicbegeisterung nach. Sie beschließen, ein eigenes Comic zu zeichnen, in dem sie als Helden die Welt vor einer gigantischen Bedrohung retten. Das Buch nennen sie „Buch der Prophezeiungen“. Dreißig Jahre später kommt es zu einer sonderbaren Situation. Denn auf einmal treten genau die Ereignisse und Zwischenfälle auf, die sie in ihrem Comic skizziert haben. Ein mysteriöser Kult breitet sich schnell in Japan aus. Der Name des Anführers lautet einfach nur „Freund“. Seltsamerweise verwendet der Kult dieselben Symbole, die auch die Jugendbande verwendet hat. Kenji führt daher seine Freunde von damals wieder zusammen, um gegen diesen ominösen Kult anzutreten.

Der Roboter greift Tokio an; „20th Century Boys“ (2008); Copyright: Toho

Obwohl sich die Gruppe selbst als „20th Century Boys“ bezeichnet, ist jeder Einzelne von ihnen alles andere als heldenhaft. Aus den Kindern von damals sind Durchschnittsmenschen geworden, die völlig normalen Berufen nachgehen. Nur langsam erinnern sie sich an ihre Kindheit und daran, was sie damals unternommen haben. Als es offensichtlich wird, dass jemand die Ideen ihres geheimen Comics von damals verwendet und sogar ihr Geheimsymbol benutzt, schließt sie das erneut zu einer Gruppe zusammen, da sie glauben, dass nur sie die Bedrohung beseitigen können. Zugleich zeigt der Film, wie machtlos sie gegenüber dieser plötzlichen globalen Bedrohung sind. Terroranschläge werden verübt, künstliche Viren als biologische Waffen eingesetzt und schließlich kreuzt sogar ein Riesenroboter auf, der Tokio vernichten will.

Regisseur Yukihiko Tsutsumi erzählt diese Geschichte über Freundschaft sehr feinfühlig, zugleich aber auch mit einiger Ironie und etwas Humor. Gleichzeitig verarbeitet er darin Ängste gegenüber religiösem Fundamentalismus und einer Zunahme faschistischer Gruppierungen, die dem Film zusätzlich eine aktuelle Thematik verleihen. Alles zusammen verwebt Tsutsumi in eine Rahmenhandlung, in der sich in einem zum Faschismus zurückgekehrten Japan zwei Gefangene unterhalten. Dadurch erhält der Film zuweilen einen recht düsteren und pessimistischen Unterton. „20th Century Boys“ ist sozusagen ein etwas anderer Superheldenfilm.

Die einzig maskierte Figur ist „Der Freund“, der erst Japan und anschließend die übrige Welt unter seine Herrschaft bringen will. Dabei kreist die Geschichte stets um das Geheimnis der Identität dieser Figur. Ist es ein früherer Freund der Gruppe oder einfach irgendeine Person, die dahinter steckt? Auch wenn die Action in diesem Film eher knapp bemessen ist, so wird der Film mit seinen über zwei Stunden Spieldauer nie langweilig. Tsutsumi kreiert gekonnt eine zunehmende Spannung, die ihren Höhepunkt in dem Angriff des Roboters erreicht. „20th Century Boys“ macht dies zu einem sehr interessanten Beitrag zur Superhelden-Manie.

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kunoichiWenn man sich einen japanischen Schwertkampffilm ansieht, in dem Frauen Blitze aus ihren Brüsten schießen lassen – und auch aus Stellen, die unterhalb der Gürtellinie liegen – , so weiß man, dass man hier einen etwas anderen Genrefilm vor sich hat.

Regisseur Hitoshi Ozawa schuf mit der zweiteiligen Roman- bzw. Manga-Adaption „Kunoichi“ einen Fantasyfilm, der sich selbst nicht ganz so ernst nimmt und daher mit einigen originellen Ideen daherkommt. Ninja-Trick Busenwelle sowie Ninja-Trick Talecho lassen die Bösen durch die Bank weg explodieren und das Blut spritzt in hohen Fontänen. Die Low-Budget-Produktion „Kunoichi“ zeigt also, wie man Liebhaber von Trash-Filmen bei Laune hält, denn unterhaltsamer und sehenswerter kann ein Film kaum sein.

Die Handlung in Kürze: Der dekadente Shogun zieht mit einer Herrschar dämonischer Halbwesen durch die Lande und foltert und missbraucht mit Vorliebe junge Frauen. Als er ein Nonnenkloster überfällt, beschließen die sieben überlebenden Schwestern, sich an dem Shogun zu rächen. Mithilfe eines Schwertmeisters machen sie sich auf, den Shogun zu erledigen …

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Kisagai (Yuko Moriyama) in der Klemme. „Kunoichi“ (1996). Copyright: Toei Company

Regisseur Ozawa gelingt in seinem Zweiteiler eine Mischung aus Splatter-, Sexploitation- und Schwertkampffilm, wobei er zwischen den Extremen Kitsch und Ästhetik ohne Wenn und Aber hin- und herpendelt. Dadurch wird „Kunoichi“ den durchgeknallten Werken von Regisseur Takeshi Miike nicht unähnlich. Trash vermischt sich ohne weiteres mit gespenstischer Gruselästhetik. Ruhige Aufnahmen wechseln abrupt mit rasanten Schnitten. Im selben Maß wechselt ebenfalls die Musik von traditionell zu Hardrock, ohne Übergänge zu beachten.

Bei so vielen Ninja-Frauen in Miniröckchen und Lederstiefeln ist es nicht verwunderlich, dass Regisseur Ozawa auch gleich selbst mitspielen wollte. Aus diesem Grunde sind wahrscheinlich auch die Handlungsstränge gelegentlich etwas durcheinander geraten und manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Doch das durchgeknallte Spektakel besitzt gerade darin seinen Reiz, indem Ozawa in der Wirrnis eine Ästhtetik findet, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Das lässt „Kunoichi“ beinahe als modernen Klassiker erscheinen.

Kunoichi 1: Lady Ninja/Kunoichi 2: Blutige Rache (OT: Kunoichi ninpô chô Yagyà gaiden: Edobana jigoku-hen), Regie & Drehbuch: Hitoshi Ozawa, Darsteller: Yuko Moriyama, Hitoshi Ozawa, Momoka Saeki, Kaoru Okawa, Fuyu Ohba, Japan 1998, 74 Min. & 82 Min.

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