30 Jahre „Mama, Papa, Zombie“ – Ein echtes Stück Mediengeschichte

zombiehingamglockenseilGut, eigentlich sind es 31 Jahre, die seit der Erstaustrahlung der Doku „Mama, Papa, Zombie“ vergangen sind. Die Sendung platzte mitten hinein in den Videoboom, der zu rückläufigen Einnahmen an den Kinokassen führte. Fasst man den Inhalt der Reportage zusammen, so könnte man sagen, dass es darin um die Verdammung von Horrorfilmen geht.

Wieso die Sendung eine Art „Kultstatus“ erreichte, hängt mit der teilweise unfreiwillig komischen Inszenierung zusammen. Um es vorweg zu nehmen, in der Sendung wird nicht nur dummes Geschwätz von sich gegeben. Ein paar Dinge sind auch heute noch aktuell und heute genauso in der Schwebe wie damals. So z.B. die Forderung eines Kunstprofessors, das Fach Film in den Schulunterricht aufzunehmen, damit Kinder den Umgang mit diesem Medium lernen. Eine solche Forderung gibt es seit den 60er Jahren (I. C. Jarvie verweist darauf in seinem Buch „Film und Gesellschaft“) und wurde bisher nur an wenigen Schulen umgesetzt.

Auch die Aussagen darüber, dass letztendlich die Eltern verantwortlich dafür sind, was ihre Kinder sehen dürfen, hat nichts von ihrer Aktualität verloren.

muttertag
Mit Szenen aus diesem Film begann die damalige Doku „Mama, Papa, Zombie“.

Dennoch ist da eben diese unfreiwillige Komik, die in der Sendung mitschwingt. Höhepunkt ist das Interview mit einem Pädagogikprofessor, der einen kurzen Vortrag über die angebliche Schädlichkeit von Horrorfilmen hält, wobei in Zwischenszenen ein Junge zu sehen ist, der vor einem TV-Gerät sitzt oder besser liegt, während aus den Lautsprechern die Geräuschkulissen von Karate- oder Zombiefilmen hallen. Nach dem jeweiligen Schnitt zurück zum Professor, blickt dieser mit bierernster Miene von links (Zuschauerseite) zurück in die Kamera, so als habe er gerade selbst den kurzen Ausschnitt mitangesehen, und führt seinen Vortrag weiter. Speziell dieses Interview erinnert stark an die Gags in „Monthy Pythons Flying Circus“, obwohl die ZDF-Reportage natürlich völlig ernst gemeint war.

Auch der Elternabend, der am Ende der Sendung das Finale bildet, hat sich in das mediale Gedächtnis eingeprägt. Vorgeschoben ist ein Unterricht in der vierten Klasse, in der die Klassenlehrerin den Kindern die Videokassettenhülle von „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zeigt und sie fragt, wer von ihnen weiß, was Zombies sind, worauf ein paar der Kinder ihre Hände heben. Am Abend findet dann die Besprechung mit den Eltern statt, bei dem die Lehrerin den Film vorführt (übrigens ein grober Copyrightverstoß). Die Lehrerin erklärt daraufhin den Eltern latent zickig, dass fast die Hälfte der Kinder wüssten, was ein Zombie sei. Die Betonung aber liegt darauf, dass die Kinder eben nur wussten, was ein Zombie ist. Um das zu wissen, muss man keine Zombiefilme gesehen haben. Zudem ist ja der Begriff Zombie keine Erfindung des Horrorgenres, sondern Bestandteil der haitianischen Folklore.

„Mama, Papa, Zombie“ vollführte damals eine Art „Horror-Bashing“. Horrorfilme wurden einfach als abscheuliche Machwerke bezeichnet, ohne überhaupt einen Filmexperten zu Wort kommen zu lassen, der über das Genre referiert hätte. Dadurch wurde die Reportage zu einer sehr einseitigen Informationsvermittlung, die zum Inhalt hatte, dass Horrorfilme widerlich und pervers sind und deren Zuschauer psychisch krank.

Was die Sendung dabei indirekt vermittelte, war, dass die Horrorfilmgegner mit diesem Genre nichts anzufangen wissen und auch die Filminhalte nicht verstehen, sie also überhaupt nicht objektiv beurteilen können. Und noch etwas sei erwähnt: Die Sendung führte zu einer der wohl irrwitzigsten Debatten, die es jemals unter Juristen in Deutschland gegeben hatte: Sind Zombies Menschen oder nicht?