Horror de Luxe: Leprechaun (1993)

Wer ein bisschen in den 90er Jahren herumgräbt, der wird irgendwann einmal auf das witzige Horrorfilmchen „Leprechaun“ von Regisseur Mark Jones stoßen, bei dem selbst die Produzenten sich wunderten, dass er an den Kinokassen ein so großer Erfolg wurde.

Von den Filmkritikern völlig verrissen, wurde „Leprechaun“ dennoch zu einer Art Kultfilm, der fünf weitere Filme nach sich zog, von denen jedoch alle nicht mehr der Rede wert sind. „Leprechaun“ dagegen ist eine wahre Trashperle, die von Anfang an köstlich unterhält. Es geht darin um einen Schatz, bestehend aus 100 Goldmünzen, den Dan O’Grady aus Irland nach North Dakota bringt. Dummerweise aber hat er diesen Schatz einem Leprechaun, einem Kobold, abgenommen, und dieser ist ihm bis in die USA gefolgt – mit üblen Konsequenzen für O’Grady und dessen Frau.

Ein paar Jahre später zieht Tory zusammen mit ihrem Vater in das leer stehende Haus der O’Gradys. Bei den Renovierungsarbeiten findet der Anstreicher Ozzie den Goldschatz, was dazu führt, dass von da an Tory und die Handwerker von dem Leprechaun verfolgt werden.

Viele Kritiker wunderten sich damals, dass es sich bei „Leprechaun“ tatsächlich um einen Kinofilm handelte. Denn die Produktion wirkt eher, als wäre sie allein für den Videomarkt gedreht worden. Auch unterliefen dem Regisseur allerhand Fehler, die er aber einfach beibehielt, in der Hoffnung, dass sie niemand merkt. Ein Beispiel wäre das Telefon, mit dem Tory die Polizei anruft, um kurz darauf festzustellen, dass sie niemanden anrufen können, da das Telefon kaputt sei.

Witzig auch der Kostümfehler in der Szene, in der Ozzie zusammen mit Alex einen Juwelier aufsucht, um eines der Goldstücke schätzen zu lassen. Die Hosenträger des Juweliers haben sich auf der Rückseite vom Hosenbund gelöst. Kurz darauf sind sie wieder befestigt. Unerwähnt lassen darf man auch nicht die unglaublich schlechte Montage des Films, die an manchen Stellen fast schon weh tut. All diese Merkmale lassen „Leprechaun“ daher eher in die Kategorie Trash fallen, als in die des Horrorfilms.

Doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht natürlich der Leprechaun selbst, köstlich gespielt von Warwick Davis. Die Koboldmaske und das Kostüm sind hervorragend und stehen im vollen Gegensatz zum eigentlichen Film. Gelungen ist ebenfalls, wie Mark Jones, der u. a. auch die TV-Serie „Knight Rider“ mitproduzierte, die Legendenmerkmale des Leprechauns in die Handlung des Films eingewebt hat. So muss der Leprechaun z.B. sofort Schuhe putzen, wenn er welche sieht, was sich in einer Szene Tory und ihre Freunde zunutze machen.

Der Film spielte an den Kinokassen beinahe das Zehnfache seiner Produktionskosten ein. Bei den nachfolgenden „Leprechaun“-Filmen war Mark Jones zwar noch als Drehbuchautor und Produzent tätig, führte aber selbst nicht mehr Regie.

Leprechaun. Regie u. Drehbuch: Mark Jones, Produktion: Jeffrey B. Mallian, Darsteller: Warwick Davis, Jennifer Aniston, Ken Olandt, Mark Holton. USA 1993, 92 Min.