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Im Jahr 1954 erblickte eines der berühmtesten Filmmonster das Licht der Welt. Das Besondere dabei ist, dass dieses Ungetüm diesmal nicht aus den USA, sondern aus Japan kam, um von da aus die Welt zu erobern. Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Godzilla, der in Japan unter seinem eigentlichen Namen Gojira bekannt ist. Godzilla eroberte recht schnell die Herzen der Zuschauer und wandelte sich von einem unbarmherzigen Monster zum Helfer in der Not, der die Menschheit stets vor gemeingefährlichen Kreaturen rettete, egal ob sie aus dem Weltraum oder aus den Tiefen der Erde kamen.

Dies ist um so erstaunlicher, als der Urgodzilla ein durch und durch pessimistischer und medienkritischer Film ist, der versucht, die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die sich in Japan durch ein völlig niedergebranntes Tokio sowie durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki am eindringlichsten zeigten, zu verarbeiten. Regisseur Ishiro Honda, der selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg diente und in China in Kriegsgefangenschaft geriet, schuf mit „Godzilla“ einen dramatischen Appell gegen Krieg und vor allem gegen den Einsatz atomarer Sprengkörper. Die Bilder der Zerstörung, die Godzilla hinterlässt, gleichen den Fotos von Nagasaki und Hiroshima nach ihrer atomaren Vernichtung. Die Musik, die jene Szenen untermalt, hat keinen Monstercharakter mehr, sondern ist eine Vertonung von Trauer und Ohnmacht, das Resultat eines verheerenden Krieges. Die Medienkritik zeigt sich in den Sensationsreportern, die auf dem Tokiotower verharren, um das Grauen live zu senden, und sich dabei in einen Katastrophenrausch hineinsteigern, bis sie selbst von dem Monster erschlagen werden. Nicht zuletzt kritisieren diese Szenen den Aufopferungswillen japanischer Arbeitnehmer, gegenüber ihren Firmen einfach alles zu geben. Auch heute haben sie nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren.

Godzilla räumt auf; „Godzilla“ (1954); Copyright: Toho

In Deutschland kam „Godzilla“ 1956 in die Kinos und wurde damals als „der sensationellste Film der Gegenwart“ bezeichnet. Dieser Satz stellt natürlich die Tricktechnik in den Vordergrund, die sich völlig von derjenigen Hollywoods unterschied. Während in den USA die Stop-Motion-Technik den Ungeheuern Leben einhauchte, waren es in Japan Studenten in Gummianzügen, die als Monster ein liebevoll und bis ins Detail übereinstimmendes Modell einer Großstadt dem Erdboden gleich machten. Kombiniert wurde dies mit einem extrem lauten Sound, der Godzilla auch für das Trommelfell zu einer Urgewalt werden ließ. Diese Idee entwickelte Ishiro Honda gemeinsam mit dem Effektkünstler der Toho-Studios Eiji Tsuburaja, der bis hinein in die 70er Jahre die Effekte für die nachfolgenden Godzilla-Filme weiterentwickelte.

„Godzilla gegen King Kong“ (1974), einer von vielen „Godzilla“-Nachfolgefilmen

Der Erfolg des Filmes war enorm. Dies führte einerseits zu einer überflüssigen US-Version des Filmes aus dem Jahr 1954. Hollywood tat dabei nichts anderes, als den Originalfilm umzuschneiden und selbst gedrehte Szenen einzufügen. Jedoch führte „Godzilla“ auch zu einem Vorwurf Hollywoods an Toho, die Idee für den Film „The Beast from 20.000 Fathoms“ einfach übernommen zu haben. Dieser Film, der auf Deutsch unter den beiden Alternativtiteln „Panik in New York“ und „Dinosaurier in New York“ bekannt ist, war eine Adaption der Erzählung „Das Nebelhorn“ von Ray Bradbury. Da sowohl hier als auch bei „Godzilla“ das Monster aus dem Meer steigt, um eine Großstadt heimzusuchen, warfen die amerikanischen Produzenten ihren japanischen Kollegen Ideenklauerei vor. Rein filmhistorisch kann dies bis heute jedoch nicht belegt werden.

Nichtsdestotrotz konnte dies den Siegeszug des Monsters nicht aufhalten. Eine Vielzahl weiterer „Godzilla“-Filme wurden produziert, in denen er nicht mehr alleine zu sehen war, sondern King Kong (egal ob als Lebewesen oder als Riesenroboter), Mothra und allerhand anderes Getier verkloppen musste. Natürlich konnte es Hollywood nicht lassen und drehte zwei Remakes (1998 und 2014) des Klassikers, wobei beide Filme zwar eine hervorragende Optik bieten, dennoch nicht an den echten Godzilla herankommen.

Mit dem Film „Godzilla – Final Wars“ (2004) wollte die japanische Produktionsfirma Toho das Monster eigentlich in Rente schicken. Allerdings gab es natürlich Gerüchte. Und diese verwandelten sich in eine überraschende Tatsache, als im Juli 2016 ein neuer Godzilla-Film in die japanischen Kinos kam. Der Titel lautete „Shin Godzilla“ und ist mit einem Umsatz von 40 Millionen Dollar der erfolgreichste Godzilla-Film aus Japan. Kein Wunder, dass zurzeit an einem weiteren Film gebastelt wird.

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labyrinthTerry Jones schrieb das Drehbuch, George Lucas produzierte den Film und David Bowie schrieb die Songs.  – Dennoch floppte „Labyrinth“ von Regisseur Jim Henson gewaltig. Er brachte damals gerade einmal die Hälfte der Produktionskosten rein, und diese beliefen sich auf 25 Millionen Dollar.

Nach dem Erfolg von „Der dunkle Kristall“ (1982) wollte Henson auf eben diesem Erfolg anknüpfen. Dieses Mal aber sollten nicht nur Puppen die Hauptdarsteller sein. Neben David Bowie, der hier in der Rolle des Koboldkönigs zu sehen ist, spielte Jeniffer Conelly die Rolle der jungen Sarah, die sich nach der erneuten Heirat ihres Vaters vernachlässigt vorkommt. Die Schuld dafür gibt sie ihrem Halbbruder Toby. Um dem Alltag zu entfliehen, flüchtet sie sich immer wieder in eine Fantasiewelt. Doch eines Abends gehen Realität und Fantasie ineinander über, als sie sich wünscht, dass die Kobolde Toby, um den sie sich kümmern soll und der nicht aufhört zu weinen, holen sollen. Tatsächlich geht ihr Wunsch in Erfüllung. Doch bereut sie ihre Tat sofort und wünscht sich Toby wieder zurück. Der Koboldkönig gibt ihr 13 Stunden Zeit, um ihren Halbbruder in der Koboldstadt zu finden …

Wie schon bei „Der dunkle Kristall“, ließ Jim Henson von Handpuppen über Marionetten bis hin zu Ganzkörperkostümen alles in Erscheinung treten. Doch dieses Mal weitaus aufwendiger. So agierten z.B. in einer Szene, in der Bowie einen seiner Songs zum Besten gibt, 80 Puppenspieler auf einmal. Das Ungeheuer Ludo musste abwechselnd von zwei Puppenspielern bewegt werden, da die Konstruktion zu schwer geworden war. Im Gegensatz zu „Der dunkle Kristall“ ist „Labyrinth“ weitaus schneller und witziger. Dank des Humors von Monthy Python-Mitglied Terry Jones wird die Handlung durch ständige, teils skurrile Gags aufgelockert. Erstklassig sind die Kulissen des Films, die so konstruiert sind, dass sie nicht nur zweckgebunden den Hintergrund ausfüllen, sondern zugleich mit der Wahrnehmung der Zuschauer spielen. Hierbei bediente sich Henson und sein Team am Surrealismus und, was die Koboldstadt angeblagt, auch am Expressionismus. Die schiefen Häuser und verschnörkelten Straßen erscheinen wie eine Anlehnung an „Das Kabinett des Dr. Caligari“. Das Eschersche Labyrinth, das zum Schluss als Highlight präsentiert wird, darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Es ist erstaunlich, dass der Film ein Misserfolg wurde. Damalige Kritiker betrachteten „Labyrinth“ teilweise als zu altmodisch. Im Nachhinein lag es wohl eher daran, da „Labyrinth“ in einer Phase veröffentlicht worden war, als die Fantasy-Welle langsam zurückging. Dennoch entwickelte sich der Film im nachhinein zu einem heimlichen Klassiker, der nicht nur Bowie-Fans immer wieder erfreut.

Die Reise ins Labyrinth (Labyrinth), Regie: Jim Henson, Produktion: George Lucas, Drehbuch: Terry Jones, Darsteller: David Bowie, Jenniffer Conelly. USA/England 1986, Laufzeit: 97 Minuten.

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