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Posts Tagged ‘Krimiklassiker’

In den 50er Jahren hatte das Kino starke Konkurrenz bekommen: das Fernsehen. Immer mehr Leute blieben lieber zuhause, um sich Filme und TV-Serien anzusehen, als ins Kino zu gehen. Hollywood steckte in einer nicht zu verkennenden Krise. Um die Menschen wieder in die Kinosäle zu locken, dachte man sich neue Sensationen aus: die Riesenleinwand und 3D. Monumentalfilme im Cinemascope versprachen das ultimative Filmerlebnis, nicht weniger das 3D-Verfahren, mit dem vor allem Universal seine Monster auf das Publikum los ließ. James Dean, der noch während der Dreharbeiten zu seinem dritten Film „Giganten“ (1956) starb, wurde, neben Elizabeth Taylor, zu einer der Hollywood-Ikonen schlechthin. Die 50er Jahre waren aber auch das Jahrzehnt der Paranoia, die sich vor allem in den sog. B-Movies bemerkbar machte. In Deutschland versuchte man indessen mithilfe des Heimatfilms das vorangegangene Jahrzehnt unter den Teppich zu kehren.

1954 schuf Alfred Hitchcock einen seiner wohl interessantesten Filme. „Das Fenster zum Hof“, basierend auf einer Kurzgeschichte des Krimiautors Cornell Woolrich, handelt von dem Fotographen L. B. Jeffries, der durch einen Unfall an einen Rollstuhl gefesselt ist. Und was tut ein Fotojournalist, wenn er nicht arbeiten kann? Er beobachtet seine Nachbarschaft. Dabei wird Jeff Zeuge eines heimtückischen Mordes.

Für „The rear Window“ ließ Hitchcock eine der größten Studiofilmkulissen bauen. Gemeint ist damit natürlich der Innenhof und das gegenüberliegende Gebäude, in dem es etwa 30 Wohnungen gab, die noch dazu möbliert waren. Durch einen Zugang sieht man außerdem einen kleinen Teil einer belebten Straße samt Geschäften. Die Bauten dauerten mehrere Wochen, letztendlich verschlang die Produktion fast 2 Millionen Dollar.

Zwar ist „Das Fenster zum Hof“ als Krimi konzipiert, doch im Grunde genommen geht es vor allem um das eine: um Voyeurismus. Jeff beobachtet interessiert seine Mitmenschen in den gegenüberliegenden Wohnungen, verfolgt dabei ihre Tagesabläufe und erlebt dabei den Alltag der anderen emotional mit. Jeff macht damit genau dasselbe wie der Kinozuschauer, denn Kino ist nichts anderes als Spannen. In einem abgedunkelten Raum sitzen die Zuschauer, während sie das Leben anderer Menschen beobachten.

Die großartige Kulisse in „Das Fenster zum Hof“; „Das Fenster zum Hof“ (1954); Copyright: Paramount

Aus diesem Grund wurde „Das Fenster zum Hof“ schnell zum zentralen Bestandteil der Filmtheorie. Doch geht es in Hitchcocks Klassiker noch um viel mehr. Der Film offenbart zugleich Jeffs Distanz zu seinen Mitmenschen. Er hat keinen Kontakt zu ihnen, sondern beobachtet sie lediglich aus der Ferne. Dadurch bleiben sie Fremde für ihn – und dieser Aspekt zeichnet eine Kritik an der modernen Gesellschaft nach, in der sich die Menschen mehr und mehr entfremden, bis sich nicht einmal mehr die Nachbarn kennen. Natürlich ist diese Kritik eingepackt in eine sanfte Ironie und Witz, dennoch – sozusagen zwischen den Zeilen – ergibt sich ein recht trostloses Bild der modernen Gesellschaft.

Auf diese Weise ist es auch dem Mörder möglich, unbemerkt seine Tat zu begehen. Erst als er Jeff bemerkt, wird die Anonymität unterbrochen und die Folge davon ist ein Kontakt, der sich für Jeff bedrohlich auswirkt – letztendlich ein durchaus satirischer Aspekt, wenn man die eingewobene Gesellschaftskritik zugrunde legt.

1956 kam es im sog. Paranoia-Kino zu einem der wichtigsten Filme. Action-Regisseur Don Siegel verfilmte den Roman „The Body Snatchers“ von Jack Finney aus dem Jahr 1954. Es geht darin um einen Arzt in einer Kleinstadt, der auf einmal Zeuge eines seltsamen Phänomens wird: Menschen, die Dr. Bennell seit Jahren kennt, benehmen sich plötzlich irgendwie anders. Zunächst meint Bennell, einer Massenhysterie auf der Spur zu sein. Doch dann entdeckt er, dass dahinter eine außerirdische Invasion steckt.

Der Name Paranoia-Kino entlehnt sich aus der damals in den USA tatsächlich herrschenden Paranoia. Diese bezog sich auf die Angst vor einer heimtückischen kommunistischen Invasion, durch die das Gesellschaftssystem untergraben werden sollte. Es wurde Jagd auf vermeintliche Kommunisten gemacht, und dabei standen – wie immer – als erstes Autoren, Filmemacher und Künstler im Visier der Behörden. Drehbuchautoren erhielten Berufsverbote, Schriftsteller erhielten Besuch vom FBI.

Diese Angst machte sich vor allem das SF-Kino der 50er Jahre zunutze, um sie in beklemmende Geschichten zu verpacken. „Das Ding aus einer anderen Welt“, „It came from Outer Space“ oder eben auch „Invasion der Körperfresser“ sind wichtige Beispiele dafür. In dem letztgenannten Film geht es um eine heimtückische Gleichschaltung der Menschen. Alle agieren auf äußere Befehle hin, Individualität ist verboten und wird mit dem Tod bestraft.

Dr. Bennell und seine Freundin auf der Flucht; „Invasion der Körperfresser“ (1956); Copyright: Universal Pictures

Hinzu kommt, dass niemand Dr. Bennell glaubt. „Ich bin nicht geisteskrank!“, mit diesem verzweifelten Ausruf begegnen wir dem Arzt zum ersten Mal. Erst dann folgt die Geschichte, die die Polizei für unmöglich hält. Wie in den meisten damaligen SF-Filmen wird eine Kleinstadt von der Invasion bedroht. Der Grund, in kleineren Orten kennt noch jeder jeden, im Gegensatz zu den Großstädten, wo eine Tendenz zur Anonymität und sozialem Desinteresse herrscht.

Im dramaturgischen Sinne besäße eine solche Invasion einen geringeren Effekt als nun mal in einem kleinen Ort, wo eher noch auf Tradition gepocht wird. Auf diese Weise kann auch das Idealbild, das die USA von sich selbst hatte, am besten nach außen vermittelt werden: eine fast konfliktfreihe Gesellschaft, bestehend aus fleißigen Mitmenschen, in der noch auf Moral und Ordnung geachtet wird. Der damalige Rassenkonflikt wird radikal ausgeblendet, indem Schwarze in den Filmen so gut wie nicht auftauchen.

Doch unabhängig von all den ideologischen Faktoren, entstand in den 50er Jahren eine Vielzahl der bekanntesten SF-Filme, die  bis heute nichts von ihrer Spannung und Faszination verloren haben. „Invasion der Körperfresser“ wurde mehrfach neu verfilmt: 1978 unter dem Titel „Die Körperfresser kommen“ (statt in einer Kleinstadt, spielt die Handlung in San Francisco), 1993 als „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (wobei dort die Handlung auf einem Militärstützpunkt liegt) und 2007 unter dem Titel „Invasion“, wobei auch hier der Film in einer Großstadt spielt und aus dem Arzt eine Ärztin wurde.

 

 

 

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„When it flies, someone dies!“, lautete es in dem Kinotrailer zu dem ‚Horror-Krimi‘ „The Bat“, der in Deutschland unter dem Titel „Das Biest“ vertrieben wurde. Der Film gehört sicherlich zu den weniger gelungenen Streifen mit Vincent Price, ist aber dennoch sehr unterhaltsam.

Es geht darin um eine Krimiautorin, die ein abgelegenes Haus gemietet hat, um dort in Ruhe an ihrem neuen Roman schreiben zu können. Allerdings geht das Gerücht um, dass genau in dieser Gegend das sogenannte Biest sein Unwesen treibt, das Frauen überfällt und ihnen mit seiner Krallenhand den Garaus macht. Als bekannt wird, dass in dem Haus ein betrügerischer Banker einen Haufen Geld versteckt hat, taucht plötzlich das Biest innerhalb der vier Wände auf und sorgt für Unruhe.

Das Biest geht um; „The Bat“ (1959); Copyright: Sunfilm

„The Bat“ besitzt viel Schwung, witzige Dialoge („das war bestimmt die Katze, der das Gebiss herausgefallen ist“) und einen netten Geisterhausflair, der durch grelle Blitze und lauten Donner sowie wehende Vorhänge noch unterstrichen wird. Natürlich gibt es auch etliche Logikfehler, die jedoch nicht so sehr ins Gewicht fallen, machen diese doch überhaupt einen Film dieser Art aus. So schneidet das Biest z. B. die Telefonleitung durch, in einer der folgenden Szenen wird jedoch schon wieder munter mit der Polizei telefoniert.

Vince Price in „The Bat“ (1959); Copyright: Sunfilm

Der Film wurde nach einem Theaterstück gedreht und kursiert um die klassische Frage, ob der Butler als Täter in Frage kommt. Natürlich werden alle Figuren zwielichtig dargestellt, so dass im Grunde genommen jeder als Täter in Frage kommen kann. Sogar Sympathieträger Vincent Price, der einmal mehr in seiner wunderbar schlaksigen Gentlemanart für beste Unterhaltung sorgt.

Die Figur „The Bat“ bzw. „Das Biest“ schrieb in gewisser Weise auch Filmgeschichte. Denn Wes Craven orientierte sich an dem Aussehen dieses Wesens, als er die Idee zu Freddy Krüger konzipierte. Beiden gemeinsam ist der Klingenhandschuh sowie der prägnante Hut. Zugleich ähnelt „The Bat“ ein wenig Francis Ford Coppolas Erstling „Dementia 13“, in dem ebenfalls ein unheimlicher Schlitzer in einem alten Herrenhaus sein Unwesen treibt. Wer daher Spaß hat an alten Gruselfilmen, dem wird „The Bat“ sicherlich gefallen.

The Bat – Die Fledermaus (OT: The Bat), Regie: Crane Wilbur, Drehbuch: Avery Hopwood, Mary Roberts Rinehart, Produktion: C. J. Tevlin, Darsteller: Vincent Price, Agnes Moorhead, Gavin Gordon, John Sutton, John Bryant. USA 1959, 80 Min.

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