Die Klunkerecke: Krabat

krabatfilm„Krabat“ gehört nicht nur zu Ottfried Preußlers bekanntesten Romanen, sondern ist ein Klassiker schlechthin. 1977, also dreißig Jahre vor der Realverfilmung, produzierten die Bavaria-Studios gemeinsam mit ihren tschechischen Kollegen einen Trickfilm, der schnell ebenfalls zu einem Klassiker wurde, zu einem Klassiker des Kinderfilms.

Die bekannte Geschichte handelt von dem Waisenjungen Krabat, der in die schwarze Mühle kommt, wo zwölf Jungen nicht nur das Müllerhandwerk lernen, sondern ebenso in schwarze Magie eingeweiht werden. Jedes Jahr muss einer der Müllersburschen sterben. Krabat, der sich zunächst den Regeln des Meisters unterwirft, versucht nach und nach, diese zu umgehen. Natürlich ruft er dabei den Zorn des Meisters heraus, der letztendlich Krabat als diesjähriges Opfer auswählt.

Karel Zemans Verfilmung besticht durch ihre Schlichtheit. Alles erscheint mehr angedeutet, als konkret ausgefeilt. Die Figuren bewegen sich wie in einem Scherenschnitttheater. Diese Form der Andeutung findet sich auch in der sprachlichen Umsetzung wieder. Denn „Krabat“ kommt beinahe vollständig mit nur einer einzigen Erzählerstimme aus.

Doch wird der Film dadurch keineswegs langweilig. Im Gegenteil, Zeman, der ja vor allem durch seine Jules Verne-Verfilmungen bekannt ist, übernimmt die düster-unheimliche Stimmung des Buches und fügt ihr zudem eine teils recht drastische Note hinzu. Die Duelle zwischen den Lehrlingen und dem Hexenmeister gleiten teilweise ins Psychedelische über, besonders was Farben, Muster und die Darstellung der Verwandlungen anbelangt. Der Film, der zunächst als ein Drama beginnt, erhält dadurch alptraumhafte Zwischentöne, die sich von Mal zu Mal verstärken. Diese finden sich zum Beispiel in der Szene wieder, in welcher einer der Müllersburschen alleine mit einem Spaten ausgeschickt wird, um sein eigenes Grab zu schaufeln, oder in derjenigen, in der die in Raben verzauberten Gesellen die Osternacht auf einem Galgengerüst verbringen müssen.

Die Trickfilmversion von „Krabat“ erscheint in diesem Licht gar nicht mehr als ein reiner Kinderfilm, sondern mehr noch als ein Kunstfilm für Kinder und Erwachsene. Ein Klassiker eben.

Krabat, Regie, Drehbuch: Karel Zeman, Produktion: Karel Hutecka, Stimmen: Christian Brückner, Friedrich Schütter, Tschechoslowakei/Deutschland 1977, Laufzeit: 73 Min.