Hwayi – Ein bemerkenswerter Thriller aus Südkorea

Hwayi (Kinoplakat)

Hwayi – A Monster Boy lautet der neueste Thriller, der im Herbst in Korea in die Kinos gekommen ist. Besuchten die Zuschauer die Vorstellungen zunächst eher zögerlich, so entwickelte sich der Film mit inzwischen etwas mehr als 3 Millionen Besuchern zu einem Kassenmagnet. Der englische Unterttitel „A Monster Boy“ ist etwas unglücklich gewählt. Es handelt sich um keinen Horror- oder Mystery-Thriller. Regisseur Jang Joon-Hwan liefert mit seinem neuesten Werk einen ultraharten Gangsterthriller ab.

Erzählt wird darin die Geschichte des Jungen Hwayi, der als Kind von fünf Gangstern entführt und danach von ihnen aufgezogen wurde. Allerdings besuchte Hwayi nie eine Schule. Die fünf „Väter“ brachten ihm kriminelle Handfertigkeiten bei, erzogen ihn zum Scharfschützen und Fahrprofi. Eines Tages überfallen die fünf Gangster das Haus eines Immobilienmaklers. Hwayi wird gezwungen, den Mann zu erschießen. Nach und nach bekommt Hwayi heraus, dass er seinen eigenen Vater erschossen hat. Hwayi beschließt, an seinen fünf Vätern Rache zu nehmen.

Hwayi (alternatives Werbeplakat)

Es ist erstaunlich, dass der Hauptdarsteller des Films gerade einmal 16 Jahre alt ist. Er spielt die Rolle des Jungen absolut überzeugend und stellt dabei beinahe sämtliche Profidarsteller in den Schatten. Seine überragende Darstellungsweise brachte ihm im November auch den Blue Dragon Award als bester neuer Darsteller ein. Einen zweiten Award erhielt Hwayi für die beste Filmmusik.

Regisseur Jang beginnt den Film wie einen der üblichen koreanischen Gangsterfilme, sodass man zunächst an der Originalität des Werkes zweifelt. Immerhin wird der koreanische Filmmarkt davon regelrecht überflutet, egal ob als Thriller oder Komödie. Auch dass Jang aus dem Gangsterfilm eine Rachestory werden lässt, lässt Hwayi zunächst nicht aus der Flut an für den koreanischen Filmmarkt typischen Racheplots herausragen. Was den Film schließlich interessant und packend macht, ist der interne Konflikt, der hier auf zwei Ebenen stattfindet. Zum einen innerhalb der Gruppe der Gangster, zum anderen in Hwayi selbst, nachdem er seine wahre Identität erkannt hat. Diesen Konflikt baute Jang radikal aus und zog jede Menge Make up-Effektler heran, welche die Brutalität von Hwayis Rache drastisch in Szene setzten. Halb klassisches Drama, halb postmodernes Actionkino zieht der Film fast sämtliche Register, wobei er angenehm altmodische 80er Jahre Shoot outs zitiert und hin und wieder ironische Seitenhiebe auf die korrupte Immobilienbranche Koreas macht.

Hwayi liefert einen gelungenen Abschluss für das koreanische Kinojahr 2013, das mit durchaus positiven Überraschungen aufwartete. Es bleibt zu hoffen, dass der Film bald auch in Deutschland veröffentlicht wird.

 

Killer Toon – Die Wende im koreanischen Horrorfilm?

killer toon
„Killer Toon“ – Kinoplakat

Seit fast drei Jahren herrscht in den südkoreanischen Horrorfilmproduktionsstätten so etwas wie Lustlosigkeit und Einfallslosigkeit. Filme wie „White“ (2011), „Cat“ (2011) oder der groß angekündigte „Sector 7“ gehören eigentlich in die Kategorie Filme, die keiner braucht. Schlecht gemacht, motivationslos gefilmt und konfuse Storys, die sich ein oder mehrere Drehbuchautoren verzweifelt aus der Nase gezogen haben. Ein kleiner Lichtblick war 2011 zumindest „Ghastly“, der es jedoch aus unerfindlichen Gründen nicht bis nach Deutschland geschafft hat. Überhaupt sucht man zurzeit deutsche Veröffentlichungen aktueller koreanischer Horrorfilme beinahe vergeblich. Anders sieht es bei koreanischen Thrillern aus, die durch ihre hervorragende Machart glänzen.

Anfang 2013 wurde erneut ein Horrorfilm groß angekündigt. Die koreanische Werbetrommel wurde kräftig gerührt, um auf einen Film mit dem Titel „Web Toon“ aufmerksam zu machen. Kurzfristig wurde der Film jedoch in „Killer Toon“ umbenannt. Da die ästhetische Talfahrt des koreanischen Horrorfilms nicht zu übersehen ist, erfolgte unsere Sichtung daher mit äußerst gemischten Gefühlen. Doch dieses Mal waren wir umso mehr erstaunt, einen qualitativ erstklassigen Film zu sehen, der zusätzlich eine in sich geschlossene, intelligent konstruierte Handlung aufweist.

„Killer Toon“ – alternatives Kinoplakat

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine sonderbare Mordserie sucht Seoul heim. Die Morde gleichen den blutrünstigen Zeichnungen eines Internet-Comics (Web Toon), die von der Künstlerin Kang Ji-Yoon geschaffen wurden. Der Polizist Lee Ki-Cheol sucht nach einer Verbindung zwischen der Frau und den Opfern und kommt dabei einem unheimlichen Geheimnis auf die Spur.

„Killer Toon“ ist in Form eines Episodenfilms erzählt, dessen einzelne Geschichten jedoch eng miteinander in Verbindung stehen. Aus den einzelnen Bausteinen ergibt sich letzten Endes eine komplette, in sich geschlossene und durchaus interessante Story, in der beinahe jegliche Logikfehler ausgemerzt wurden. Man hat sich redlich Mühe gegeben, um dem Publikum nichts Halbgegorenes aufzutischen. Durch die einzelnen Comiczeichnungen, die wie eine Rahmengeschichte sämtliche Episoden zusammenhalten, erinnert „Killer Toon“ ganz entfernt an den Film „Creepshow“. Zum Glück aber kopierte Regisseur Kim Yong-Gyun nicht den Klassiker aus den 80er Jahren, sondern liefert eine düstere, teils ironische Gruselgeschichte ab, die mit den Aspekten urbaner Legenden hantiert.

Zusammen mit dem Horrorthriller „Doctor“, der die diesjährige koreanische Horrorsaison eröffnete, haben wir dieses Jahr bereits einen zweiten hervorragend gemachten Horrorfilm. Man stellt sich die Frage, aus welchem Grund in den letzten paar Jahren hauptsächlich Mist produziert wurde. Koreas Horrorfilmer können es noch immer. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Filme im kommenden Jahr entwickeln werden. „Killer Toon“ zählte dieses Jahr zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen. Im Sommer erreichte er Platz 2, gleich hinter „World War Z“. Vielleicht spornt dies ja Koreas Filmemacher dazu an, weiter an der Qualität ihrer Storys zu arbeiten.

killer toon screenshot
Durch die Verbindung von Comickunst und Horrorästhetik ist „Killer Toon“ ein Lichtblick in der derztigen koreanischen Horrorfilmflaute.

Hanyo – Das koreanische Meisterwerk

Es ist kaum zu glauben, doch erst kurz nach der Jahrtausendwende wurden westliche Filmkritiker und Regisseure auf einen Film aufmerksam, der 1960 in Südkorea produziert wurde. Gemeint ist Hanyo (Das Hausmädchen) des Regisseurs Kim Ki-Young. Inzwischen wird Hanyo als der beste koreanische Film aller Zeiten bewertet. In Deutschland wartet man dennoch (oder eigentlich wie in den meisten Fällen) vergeblich auf eine DVD-Veröffentlichung.

hanyo
Hanyo (1960) gilt als der beste koreanische Film aller Zeiten.

Hanyo erzählt die Geschichte eines Musiklehreres, der Arbeiterinnen einer Stofffirma Gesangsunterricht erteilt. Seine hochschwangere Frau, die mit Näharbeiten etwas Geld hinzuverdient, erleidet plötzlich einen Zusammenbruch. Daher beschließen beide, eine Haushaltshilfe anzustellen. Diese entpuppt sich jedoch als eine femme fatale, die den Musiklehrer in ihren Bann zieht. Daraus resultiert ein Konflikt, der von Kim Ki-Young mit äußerster Radikalität in Szene gesetzt wird. Das Hausmädchen erwartet ebenfalls ein Kind. Doch die Ehefrau des Lehrers zwingt sie zur Abtreibung. Daraufhin rächt sich das Hausmädchen an der Familie.

Woman of Fire (1972). Kim Ki-Youngs erstes Remake seines Klassikers „Hanyo“.

Hanyo ist eine Mischung aus Horrorfilm und Psychothriller. Das Gewitter als dramaturgische Untermalung fehlt hier ebensowenig wie expressionistische Bildkompositionen. Das Hauptaugenmerk aber liegt ganz klar auf Schauspielerin Lee Eun-Shim, welche das Hausmädchen verkörpert. Ihrem Aussehen nach käme sie beinahe als koreanische Barbara Steele durch. Ihre unheimliche wie sinnliche Ausstrahlung beherrscht die Atmosphäre des Films. Diese wird durch die Kulissen des Films noch verstärkt. Obwohl der Musiklehrer zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein zweistöckiges Haus bewohnt, wirken die Räume unglaublich eng. Die dadurch provozierte Klaustrophobie lässt die Bedrohung, die von dem Hausmädchen ausgeht, überproportional erscheinen. Für die Familie gibt es in dieser Enge kein Entkommen. Der Lehrer, seine Frau und seine beiden Kinder sind in ihrem eigenen Heim wie in einem Gefängnis gefangen. Regisseur Kim Ki-Young nutzt diese Atmosphäre bis ins letzte Detail aus. Klassische Krimielemente mischen sich dabei mit Erotikthrill und Gruseleffekten. All dies ist mit einem unglaublich hohen Tempo erzählt. Der Film lässt den Zuschauer nicht zu Atem kommen. Man sitzt da wie gebannt und ist bei jeder neuen unerwarteten Wende wahrscheinlich genauso sckockiert wie die Zuschauer von damals.

„Hanyo“ als Remake aus dem Jahr 2010.

Kim Ki-Young war geradezu fokusiert auf das Thema sexuelle Obsession. So ist es nicht verwunderlich, dass er selbst zwei Remakes seines eigenen Klassikers anfertigte. Woman of Fire und Woman of Fire `82 erzählen dieselbe Geschichte, nur mit dem Unterschied, dass sich die Handlung auf einer Hünerfarm abspielt. Alle drei Filme zusammen werden innerhalb von Kims Oeuvre als die Hanyo-Trilogie bezeichnet.

2010 drehte Im Song-Soo ein weiteres Remake zu Hanyo. Dieses ist zwar auch künstlerisch hochwertig in Szene gesetzt, reicht jedoch nicht an das Original heran. Regisseur Im nutzt die Geschichte, um dadurch seiner Kritik am Kapitalismus Raum zu geben, welche er später in Taste of Money fortsetzte. Es fehlt die klaustrophobische Dichte, stattdessen spielt Im mit dunklen Farben, die bis hinein ins tiefe Schwarz reichen. Ähnlich wie das Original ist auch dieser Film eine Mischung aus Psychothriller und klassischem Schauerfilm, der den Konflikt bis ins Surreale hinein treibt.

Während man in Frankreich, den USA und England Kim Ki-Youngs Hanyo in regelmäßigen Publikationen huldigt, herrscht in Deutschland gnadenlose Funkstille. Dies liegt zum großen Teil darin, da sich deutsche Filmexperten kaum oder gar nicht mit koreanischen Filmen auseinandersetzen. Es ist an der Zeit, dass dieses Meisterwerk auch hierzulande seine Zuschauer findet.

Running Man – Eine Filmrezension

RunningMan
„Running Man“

Hollywood hat es in Korea schwer. Aufgrund des koreanischen Vertriebssystems ziehen Filme aus den USA gegenüber den einheimischen Produktionen stets den Kürzeren. Dies hat Hollywood dazu veranlasst, seine Strategie gegenüber der südkoreanischen Filmwirtschaft zu ändern. US-amerikanische Produktionsfirmen produzieren koreanische Filme mit, um dadurch in den Genuss der „Korean Hallyu“ zu kommen.  Der Film „Running Man“ ragt hinsichtlich dieses strategischen Umdenkens heraus, da er komplett von 20th Century Fox produziert wurde.

Der Film handelt von Jong-Woo, der tagsüber in einer Autoreperaturwerkstatt arbeitet und sich nachts als privater Taxifahrer etwas Geld hinzu verdient. Eines nachts wird in seinem Auto ein Mann ermordet, der sich später als amerikanischer Spion erweist. Jong-Woo wird verdächtigt, den Mann ermordet zu haben und von da an nicht nur von der Polizei, sondern auch vom koreanischen Geheimdienst gejagt.

Die Handlung klingt für einen Actionfilm viel versprechend. Das Handlungsmuster lässt darauf schließen, dass hier ein Treatment aus Hollywood für den koreanischen Filmmarkt in ein Drehbuch umgesetzt wurde. Und genau daran hapert es. Irgendwie kommt „Running Man“ nie richtig in die Gänge. Er beginnt zwar durchaus witzig und fulminant – man denke nur an die Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines alten Stadtteils von Seoul. Doch dann wird der Film auf einmal uninteressant. Hin und wieder gelingt es Regisseur Jo Dong-Oh gelungene Gags zu präsentieren, doch reichen diese nicht, um einen Film mit einer Länge von zweieinhalb Stunden auszufüllen. Dafür hätte es mehr aufregende Stunts und einer besseren Optik bedurft. Hauptdarsteller Shin Ha-Kyun beweist zwar hier einmal mehr, dass er zurecht einer der besten Schauspieler Koreas ist – und in der Tat verblassen ihm gegenüber alle anderen Darsteller -, aber auch sein Engangement reicht nicht, um dem Film das zu geben, was er gebraucht hätte: Stil und Klasse. Im Gegenteil, „Running Man“ wirkt wie Durchschnittsware, die hinter Filmen wie „Company Man“ (2012) weit zurückliegt. Er erinnert eher an den Actionfilm „Quick“ (2011). Und wird wahrscheinlich genauso schnell wieder vergessen sein. Schade. Man hätte viel aus dem Film machen können.

Running Man. Regie u. Drehbuch: Jo Dong-Oh, Produktion: Jeong Jong-Hun, Darsteller: Shin Ha-Kyun, Lee Min-Ho, Jo Eun-Ju. Südkorea 2013. Spielzeit: 127 Min.

 

The Berlin File – Eine Rezension

berlin file
The Berlin File ist ein erstklassiger Agententhriller aus Südkorea.

Kaum ist das Feuer in dem fulminanten Blockbuster The Tower gelöscht, schon liefert Südkoreas Filmindustrie den nächsten Kassenschlager. The Berlin File ist die erste koreanische Produktion, die fast vollständig in Europa gedreht wurde. Hauptschauplatz ist, wie der Titel bereits verrät, Berlin. Dort drehte Regisseur Ryoo Seung-Wan am Brandenburger Tor und weiteren Originalschauplätzen. Die Besetzung ist dementsprechend international. Neben den koreanischen Stars treten sowohl deutsche als auch amerikanische Schauspieler auf.

Der Film handelt von Jong-Seung, einem nordkoreanischen Spion, der plötzlich zwischen die Fronten gerät. Schuld daran ist zum einen ein missglücktes Waffengeschäft, durch das südkoreanische Agenten auf seine Spur kommen, und zum anderen ein nordkoreanischer Botschaftsmitarbeiter, der versucht, überzulaufen. Anscheinend ist Jong-Seungs Frau, die Agentin Jung-Hee, ebenfalls in den geplanten Seitenwechsel verwickelt. Die Regierung in Nordkorea bekommt davon mit und schickt daraufhin einen weiteren Agenten nach Berlin, der für „klare Verhältnisse“ sorgen soll…

Ryoo Seung-Wan gelingt mit seinem selbst produzierten Agententhriller ein spannendes und actionreiches Spektakel. Die Geschichte ist konsequent erzählt, wenn sie auch hin und wieder aufgrund der Vielzahl an Geheimdiensten etwas wirr wird. Doch Ryoo behält stets die Kontrolle und verliert sich nicht in einem Kuddelmuddel. Dabei zitiert er gerne klassische Agententhriller wie etwa Der Spion, der aus der Kälte kam. Als kleiner Gag überrreicht ein südkoreanischer Agent einem Mitarbeiter des CIA dann auch ein Buch von John Le Carre. Viel verdankt der Film natürlich den Originalschauplätzen, die der Handlung die notwendige Atmosphäre verleiht. Die Actionszenen sind erstklassig choreographiert. Einer der Höhepunkt hierbei ist der Sturz Jong-Seungs durch ein Glasdach. Aber auch die Dramatik kommt in diesem Film keineswegs zu kurz. Ha Jong-Woo spielt die Rolle des gegenüber seiner Frau hin- und hergerissenen Agenten Jong-Seung ungeheuer gut.  Er hat die Pflicht, gegen sie vorzugehen, zugleich kann er sich nicht dazu überwinden. Jung-Hee, gespielt von „Sassy Girl“ Jeon Ji-Hyeon, ist ebenfalls gekennzeichnet durch einen gebrochenen Charakter, da sie immer wieder Aufträge bekommt, mit anderen Männern ins Bett zu gehen, um an wichgtige Informationen zu gelangen. Beide Schauspieler wirken in ihren Rollen absolut überzeugend, sodass der Film keineswegs oberflächliches Popkornkino ist, sondern eine dramatische Tiefe erhält, die in vielen Hollywood-Filmen fehlt.

The Berlin File (Originaltitel: Berlin), Regie, Drehbuch, Produktion: Ryoo Seung-Wan, Darsteller: Ha Jung-Woo, Jeon Ji-Hyeon, Han Suk-Kyu, Ryoo Seung-Bum, John Keogh. Südkorea 2013. Laufzeit: 120 Min.

 

 

Das koreanische Filmjahr 2012 – Ein kurzer Überblick über die Thriller- und Horrorreleases

Zunächst einmal die Frage: war 2012 für Südkorea ein gutes Filmjahr? Die Antwort besteht aus einem ganz klaren Ja. 2012 zeigte die südkoreanische Filmindustrie einmal mehr, auf welche Weise man Hollywood in die Ecke drängen kann. Thriller im Stile des Cinema du Look fuhren hochgradige Erfolge ein. Interessante Geschichten verbanden sich mit hervorragender Optik – die Regisseure lernten aus ihren früheren Fehlern und schufen Filme wie aus dem Lehrbuch.

A Company Man

Einer der erfolgreichsten Produktionen war The Company Man, ein Film über einen Mann, der vorgibt, ein einfacher Angestellter in einer Stahlfabrik zu sein. In der Tat jedoch dient dieses Unternehmen nur als Tarnung für eine Firma ganz anderer Art: bei den vermeindlichen Angestellten handelt es sich um Auftragskiller. Als Hyeong-do einen Auftrag nicht ausführt, wird er zum Gejagten. In diesem Film zeigt Regisseur Im Sang-Yoon vor allem eines: durchgestylte Action in der Fünf-Sterne-Kategorie. Mit Sicherheit muss man nicht lange auf das US-Remake warten.

The Taste of Money

Nicht weniger stylisch ist das düstere Thriller-Drama Taste of Money. Einmal mehr erzählt Regisseur Im Sang-Soo eine makabre Familiengeschichte über eine dekadente Großfamilie. Sie ist die reichste Familie Koreas, doch ein amerikanischer Vertreter kommt hinter das Geheimnis, welches die Familie belastet und droht, mit seinen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Unfreiwillig wird einer der Bodyguards in die Sache mit hineingezogen.  – Wie auch in seinem Film Das Hausmädchen setzte Im Sang-Soo auf düstere, bis ins tiefe Schwarz reichende Farben und gibt sich einer Art postmodernen Variante der Schauerromantik hin.

Helpless

Genauso dem Cinema du Look verschrieben ist der Thriller Helpless des Regisseurs Byun Young-Ju. Byun erzählt darin die Geschichte des Tierarztes Jang Mun-Ho, dessen Frau kurz vor der Hochzeit spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihr kommt er hinter das Geheimnis seiner Fast-Ehefrau. Man kann sich denken, dass die Erkenntnisse nicht gerade zu Gunsten der Frau sprechen.  – Der Film erinnert stark an die französischen Thriller der 70er Jahre (sogar den Blick auf den obligatorischen Kreisverkehr hat Byun nicht vergessen), eine Art Das Geheimnis der falschen Braut auf koreanisch. Wunderbar in Szene gesetzt.

Deranged

Deranged gehörte zu den Blockbustern des Jahres 2012. Regisseur ist Park Jung-Woo, der hiermit gleichzeitig sein Debut abliefert. Es handelt sich hierbei um einen Seuchenthriller, in dem der Biochemiker Jae-Hyuk versucht, das Rätsel von parasitären Würmern zu lösen, welche immer mehr Einwohner Seouls befallen. – Der Film ist gut in Szene gesetzt, zugleich aber unglaublich naiv, was ihn jedoch auch wieder sympathisch macht. Park verzichtet auf Kitsch, der bei koreanischen Katastrophenfilmen sonst immer den Ton angibt, sondern konzentriert sich auf das Vorantreiben der Handlung. Ergebnis: ein spannender, wenn auch ein in seiner Dramatik einfacher Film.

Pietà

Den international angesehendsten Film lieferte einmal mehr Koreas Provokateur Kim Ki-Duk mit seinem Werk Pietà ab. In diesem extrem düsteren Thriller geht es um den Geldeintreiber Kand-Do, der vor allem unter einem leidet: seiner Einsamkeit. Eines Tages taucht plötzlich eine ältere Frau auf, die behauptet, seine Mutter zu sein. Was daraus folgt ist ein ästhetisches Drama, vor dem sich sicherlich Ingmar Bergman tief verneigt hätte. Zurecht wurde der Film mehrfach ausgezeichnet. Zugleich zeigt Kim Ki-Duk, dass man kein großartiges Budget braucht, um erstklassige Filme zu drehen.

Horro Stories

Waren die Thriller im Jahr 2012 gut bis sehr gut inszeniert, so machte  sich im Horrorgenre, welches seit 2011 einen ordentlichen Dämpfer erhielt, erneut ein qualitativer Rückgang bemerkbar. Über Don’t Click wurde bereits in einem früheren Artikel gesprochen. Nach diesem Machwerk erschienen zwei weitere Horrorfilme, welche jedoch genauso wenig Originalität aufwiesen. Es handelt sich um Horror Stories und um Two Moons. Beide Filme überzeugen in keiner Weise. Horror Stories ist, wie der Titel bereits sagt, ein Episodenfilm, der jedoch genauso einfallslos wie langweilig ist. Two Moons, ein Film über eine Frau und zwei Männer, die plötzlich in einem einsam gelegenen Haus mitten im Wald wieder zu sich kommen und von unheimlichen Zwischenfällen geplagt werden, ist völlig uninspiriert in Szene gesetzt. Es scheint so, als wollten die Produzenten den Horror-Fans halbherzig ihre drei versprochenen Filmchen abliefern. An Filmkunst reicht dieses Vorgehen nicht mehr heran. Wir befürchten, dass sich dies 2013 nicht ändern wird. Sollten wir uns irren, würden wir uns über unseren Irrtum freuen.

Two Moons