The 80s: Ferris macht blau! (1986)

Ferris Bueller’s Day Off ist nicht nur eine der erfolgreichsten Komödien der 80er Jahre, sondern zugleich ein Klassiker, der erst kürzlich in den USA in das National Film Registry aufgenommen wurde. Er gehört damit zu den filmischen Werken, die von der Library of Congress als besonders erhaltenswert betrachtet werden.

Regisseur John Hughes, der mit Komödien wie Kevin allein zuhaus oder Mr. Mom ebenfalls große Erfolge erzielen konnte, erzählt in Ferris macht blau! die Geschichte dreier Freunde, die, wie der Titel schon verrät, für einen Tag die Schule schwänzen. Angezettelt wird diese Aktion von Ferris Bueller, der einfach mal aus dem System ausbrechen möchte, um das Leben zu genießen. Sein bester Freund Cameron leidet unter Depressionen und Angstzuständen. Und als Ferris den teuren Ferrari von Camerons Vater für die gemeinsame Spritztour ausleiht, ist dies für Cameron Trauma und Therapie zugleich. Die Dritte im Bunde ist Sloane, Ferris‘ Freundin, die jeden Blödsinn mitmacht, jedoch alles überlegter angeht.

Ihnen auf den Fersen ist Schuldirektor Rooney, der nicht glaubt, dass Ferris wirklich krank ist und ihn daher als Schwindler entlarven möchte. Auf diese Weise geraten Ferris, Cameron und Sloane von einer witzigen und schrägen Situation in die nächste, wobei Rooney gleichzeitig von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Während Ferris und seine Freunde in einem Nobelrestaurant zu Mittag essen, sich in einem Stadion ein Baseballspiel ansehen oder in die Kunstgallerie gehen, tappt Rooney von einem Fettnäpfchen ins nächste, wobei seine Wut auf Ferris von Mal zu Mal größer wird.

Ferris macht blau! ist jedoch alles andere als eine oberflächliche Komödie, sondern liefert zugleich einen überraschenden Tiefgang. Es geht um viel mehr, als nur darum, einen Tag von der Schule fernzubleiben und allerhand Blödsinn zu treiben. Der Film hinterfragt das kapitalistische System und den ständigen Erfolgszwang, der damit verbunden ist.

Ferris liefert eine alternative Sichtweise auf den gesellschaftlichen Zwang, etwas unbedingt tun zu müssen, indem er einfach das macht, wozu er Spaß hat. Indem Ferris (gespielt von Matthew Broderick) immer wieder mit den Zuschauern spricht, fordert John Hughes diese direkt dazu auf, sich selbst Gedanken über ihr eigenes Leben zu machen.

Auf diese Weise wirkt Ferris Bueller’s Day Off stellenweise leicht melancholisch, ohne allerdings kitschig zu werden. Denn letztendlich verweist Hughes darauf, dass es eigentlich ganz und gar unmöglich ist, aus dem System vollständig auszubrechen. Es bleibt letztendlich nur beim Versuch. Und dies hinterlässt bei allem Witz eine doch irgendwie tragische Note, vor allem, da Ferris, Cameron und Sloane kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, was für alle drei bedeutet, dass sie bald von einander getrennt leben müssen. Aber genau diese Mischung aus sprühendem Witz und einer zwischen den Zeilen verborgenen Tragik, verleiht Ferris macht blau! diesen einzigartigen Stil.

Ferris macht blau! (OT: Ferris Bueller’s Day Off). Regie, Drehbuch u. Produktion: John Hughes, Darsteller: Matthew Broderick, Alan Ruck, Mia Sara, Jeffrey Jones, Jennifer Grey, Charley Sheen. USA 1986, 103 Min.

The 80s: Nummer 5 lebt! (1986)

nummer5Eigentlich sind ja die Roboter (fast) immer die Bösen. Man denke nur an „Terminator“, „M.A.R.K. 13“ oder „Death Machine“. John Badham geht in seiner SF-Komödie „Short Curcuit“ einen etwas anderen Weg. Denn was zunächst als böse oder besser gefährlich erscheint, ist es nicht.

Der Film erzählt die Geschichte des Roboters S.A.I.N.T. 5, der durch einen Blitzschlag plötzlich lebendig wird. Eigentlich wurde er zusammen mit vier anderen Maschinen von dem Rüstungskonzern Nova Robotics entwickelt, und zwar als Waffe für zukünftige Kriege. Doch bei der Vorstellung der neuen Entwicklung zieht ein Gewitter auf und ein Blitz trifft den Stromverteiler, an den Nummer 5 gerade angeschlossen ist. Nachdem der Roboter durch den Stromschlag ein eigenes Bewusstsein erlangt hat, verlässt er das Firmengelände. Zum Schrecken der Entwickler und Militärs, die glauben, dass Nummer 5 alles um sich herum pulverisieren wird …

„Nummer 5 lebt!“ ist eine nette und durch und durch witzige Komödie, die es schafft, schwere Fragestellungen einfach und unterhaltsam umzusetzen. Schließlich geht es um nicht weniger als um die Grundfragen unserer Existenz: Was ist Leben? Was ist Bewusstsein? Badham beschäftigt sich mit diesen Fragen innerhalb einer fast 90 Minuten dauernden Verfolgungsjagd. Denn Nummer 5 ist ständig auf der Flucht vor General Schroeder, der den Roboter ohne wenn und aber außer Gefecht setzen möchte. Während Firmenchef Marner nur Angst davor hat, Geld zu verlieren, wollen sich seine beiden Mitarbeiter Newton Crosby und Ben Jabituya davon überzeugen, dass Nummer 5 tatsächlich lebt.

Die einzelnen Situationen sprühen nur so vor lauter Sprachwitz, hierbei ist vor allem der indische Programmierer Jabituya der Renner, der sämtliche Redewendungen durcheinander bringt. Aber auch die Dialoge zwischen Schroeder und Marner haben etwas für sich, zum Klassiker wurde der Gag, wieso niemand Marner darüber informiert habe, weswegen die Hubis nun Helis heißen würden.

Schutz findet Nummer 5 eigentlich nur bei der Tierliebhaberin Stephanie Speck, die den Roboter zunächst für einen Außerirdischen hält. Hierbei macht sich der Film indirekt lustig über die damalige Esoterikwelle. Vor allem aber ist „Nummer 5“ eine Satire auf Militär und Wirtschaft, die er gehörig durch den Kakao zieht. G. W. Bailey, der vor allem durch die „Police Academy“-Filme bekannt ist,  geht regelrecht auf in der Rolle des schreiwütigen Generals, der nur ans Zerstören denkt.

„Nummer 5 lebt!“ gelingt es, tiefgründig zu sein, ohne aber schwer zu wirken. Die Leichtigkeit, mit der diese oben genannten Thematiken abgehandelt werden, ist ein wahres Kunststück und verblüfft immer wieder aufs Neue. Der Erfolg des Films führte klarerweise zu einem Sequel. Doch „Nummer 5 gibt nicht auf“ war weit weniger erfolgreich, als die Produzenten gedacht hatten. Vor wenigen Jahren kamen allerdings Gerüchte auf, dass ein Remake geplant sei. Anscheinend aber wurde die Produktion wieder auf Eis gelegt.

Nummer 5 lebt! (OT: Short Circuit), Regie: John Badham, Drehbuch: Brent Meddock, S. S. Wilson, Produktion: David Foster, Darsteller: Ally Sheedy, Steve Guttenberg, Fisher Stevens, G. W. Bailey, Austin Pendleton. USA 1986, 94 Min.