FuBs Klassikbox: Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden (1966)

Liselotte Pulver als Agda Kjerulf in der Komödie „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ (1966); © Alive

Heinz Rühmann und Liselotte Pulver galten eigentlich als Publikumsmagnet. Doch bei „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ ging dieses Mal die Rechnung nicht auf. Der Krimikomödie nach einem Theaterstück von Curt Goetz war kein Erfolg beschieden.

Die hübsche Agda Kjerulf wird beschuldigt ihren Mann, den erfolglosen Künstler Hilmar Kjerulf, bei einem Bootsausflug ermordet zu haben. Bei der Gerichtsverhandlung wird sie von dem mysteriösen Anwalt Peer Bille verteidigt, der überaus sprachgewandt sämtliche Anschuldigen ad absurdum führt. Dennoch verhält sich Agda weiterhin überaus verdächtig …

Auch wenn der Film damals floppte, so wird er heute als Komödienklassiker bezeichnet. Dabei handelt es sich nicht einmal um die erste Verfilmung des Theaterstücks von Curt Goetz. Bereits 1930 wurde „Hokuspokus“ zum ersten Mal verfilmt (im selben Jahr erfolgte eine englischsprachige Verfilmung mit Lawrence Olivier), ein Remake folgte 1953. Alle Produktionen feierten große Erfolge, wie gesagt mit Ausnahme der Version mit Heinz Rühmann und Liselotte Pulver.

Möglicherweise lag dies an den surreal angehauchten Kulissen, die dem Film einen leicht psychedelischen Touch verliehen. Für die Kulissen, die für einen deutschen Film einzigartig sind, wurde „Hokuspokus“ damals übrigens ausgezeichnet. Damalige Kritiker bemängelten jedoch an dem Film eine eher schwunglose Inszenierung. Gut, der Film kommt nicht gleich in die Gänge, doch ab dem Moment, da Peer Bille alias Heinz Rühmann auftritt, entwickelt sich der Film zu einem wunderbaren, ja grandiosen und überaus witzigen Schlagabtausch zwischen den Anwälten, dem Richter, den Zeugen und nicht zuletzt der Witwe.

Doch auch schon davor hat der Film einige spaßige Momente zu bieten, besonders dann, wenn der Kunsthändler Amundsen das Haus der Witwe betritt und hofft, das Geschäft seines Lebens zu machen. Denn seitdem der Mord an Hilmar Kjerulf bekannt ist, reißen sich die Kunstsammler um seine Gemälde.

Titelsequenz von „Hokuspokus“, der bereits auf die leicht psychedelische Machart des Films hinweist; © Alive

Da ich den Film bisher nicht kannte, war „Hokuspokus“ für mich eine wahre Entdeckung. Die Pointen sitzen, der Sprachwitz ist einfach herrlich und die Schauspieler sind erstklassig. Nicht nur Rühmann und Lilo zeigen hier ihr Können, sondern auch die Nebendarsteller bereichern den Film ungemein, allen voran Joachim Teege als Munio Eunanio, Besitzer eines Waschsalons, dessen Darbietung fast schon einem eigenen Auftritt im Kabarett gleichkommt. Kurz: „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ ist eine absolut geniale Komödie.

Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden. Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius, Produktion: Hans Domnick, Darsteller: Heinz Rühmann, Liselotte Pulver, Richard Münch, Fritz Tillmann, Klaus Miedel, Joachim Teege. Deutschland 1966

FuBs Klassikbox: Ladykillers (1955)

In „guter“ Gesellschaft; „Ladykilles (1955); © Arthouse

Man nehme eine alte, allein stehende Frau und eine Gruppe Verbrecher, die eine Wohnung im oberen Stock mieten. Mit dem Film „Ladykillers“ schuf Regisseur Alexander Mackendrick einen Meilenstein des schwarzen Humors.

Es geht um Mrs. Wilberforce, die eines Tages unerwarteten Besuch erhält. Ein gewisser Professor Marcus fragt, ob er zusammen mit seinem Streicherquartett die Wohnung im oberen Stock mieten dürfe, um dort für ihre Auftritte zu üben. Mrs. Wilberforce hat keine Ahnung, dass die Männer alles andere als Musiker sind. Denn der Psychopath Prof. Marcus und seine „Freunde“ planen, einen Geldtransporter auszurauben. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind längst zum Klassiker des britschen Humors geworden.

Für die damals 77-jährige Katie Johnson, die Mrs. Wilberforce spielt, war dies die erste Hauptrolle überhaupt. Bis dahin hatte sie ihr Leben als Schauspielerin mit Nebenrollen verbracht. Ihre Darstellung der zierlichen, alten Dame, die nicht glaubt, dass unter ihrem Dach Verbrecher der übelsten Sorte leben, ist und bleibt unvergesslich.

Nicht weniger unvergesslich ist das Ensemble, aus dem sich die Bande zusammenfügt: Alec Guinnes als Professor Marcus ist einfach einzigartig. Kein anderer Schauspieler kam bisher auf dieses Niveau, gekonnt überspitzt und ironisch zugleich einen wirklich gruseligen Psychopathen darzustellen. Ihm zur Seite stehen Herbert Lom, Cecil Parker, Peter Sellers und Danny Green.

Die Spannung und der Witz ergeben sich daraus, dass die Bande Mrs. Wilberforce ermorden möchte, da sie das gestohlene Geld ohne wenn und aber zur Polizei bringen möchte. Doch bei den Versuchen, die Tat umzusetzen, verzweifeln die Verbrecher mehr und mehr, was dazu führt, dass sie sich untereinander nicht mehr vertrauen. Jeder möchte das Geld ganz für sich behalten, während die Polizei glaubt, dass sich Mrs. Wilberforce alles nur einbildet.

Prof. Marcus und sein Streichquartett; „Ladykilles“ (1955); © Arthouse

Wer einmal „Ladykillers“ gesehen hat, behält diesen Film für ewig im Kopf. Diese wunderbaren und nicht weniger großartigen schauspielerischen Leistungen der Darsteller suchen bis heute ihresgleichen. Es ist jedes Mal von neuem ein wahrer Genuss, das Spiel zu beobachten. Dabei ist der Film genauso für Krimi- als auch für Komödienfans ein Fest, denn die Handlung ist genauso spannend wie witzig.

Stets ist da die unheimliche, ja fast schon beklemmende Bedrohung, die von Professor Marcus und seiner Bande ausgeht, doch jedes Mal schleicht sich in diese düstere Szenerie dieser herrliche, teils ironische, teils situationskomische Humor. Wie schon gesagt: „Ladykillers“ ist schlicht und ergreifend ein unvergessliches Filmvergnügen.

Ladykillers (OT: The Ladykillers). Regie: Alexander Mackendrick, Drehbuch: William Rose, Produktion: Michael Balcon, Darsteller: Alec Guinness, Katie Johnson, Herbert Lom, Peter Sellers, Cecil Parker, Danny Green. Englang 1955

The 80s: Ferris macht blau! (1986)

Ferris Bueller’s Day Off ist nicht nur eine der erfolgreichsten Komödien der 80er Jahre, sondern zugleich ein Klassiker, der erst kürzlich in den USA in das National Film Registry aufgenommen wurde. Er gehört damit zu den filmischen Werken, die von der Library of Congress als besonders erhaltenswert betrachtet werden.

Regisseur John Hughes, der mit Komödien wie Kevin allein zuhaus oder Mr. Mom ebenfalls große Erfolge erzielen konnte, erzählt in Ferris macht blau! die Geschichte dreier Freunde, die, wie der Titel schon verrät, für einen Tag die Schule schwänzen. Angezettelt wird diese Aktion von Ferris Bueller, der einfach mal aus dem System ausbrechen möchte, um das Leben zu genießen. Sein bester Freund Cameron leidet unter Depressionen und Angstzuständen. Und als Ferris den teuren Ferrari von Camerons Vater für die gemeinsame Spritztour ausleiht, ist dies für Cameron Trauma und Therapie zugleich. Die Dritte im Bunde ist Sloane, Ferris‘ Freundin, die jeden Blödsinn mitmacht, jedoch alles überlegter angeht.

Ihnen auf den Fersen ist Schuldirektor Rooney, der nicht glaubt, dass Ferris wirklich krank ist und ihn daher als Schwindler entlarven möchte. Auf diese Weise geraten Ferris, Cameron und Sloane von einer witzigen und schrägen Situation in die nächste, wobei Rooney gleichzeitig von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Während Ferris und seine Freunde in einem Nobelrestaurant zu Mittag essen, sich in einem Stadion ein Baseballspiel ansehen oder in die Kunstgallerie gehen, tappt Rooney von einem Fettnäpfchen ins nächste, wobei seine Wut auf Ferris von Mal zu Mal größer wird.

Ferris macht blau! ist jedoch alles andere als eine oberflächliche Komödie, sondern liefert zugleich einen überraschenden Tiefgang. Es geht um viel mehr, als nur darum, einen Tag von der Schule fernzubleiben und allerhand Blödsinn zu treiben. Der Film hinterfragt das kapitalistische System und den ständigen Erfolgszwang, der damit verbunden ist.

Ferris liefert eine alternative Sichtweise auf den gesellschaftlichen Zwang, etwas unbedingt tun zu müssen, indem er einfach das macht, wozu er Spaß hat. Indem Ferris (gespielt von Matthew Broderick) immer wieder mit den Zuschauern spricht, fordert John Hughes diese direkt dazu auf, sich selbst Gedanken über ihr eigenes Leben zu machen.

Auf diese Weise wirkt Ferris Bueller’s Day Off stellenweise leicht melancholisch, ohne allerdings kitschig zu werden. Denn letztendlich verweist Hughes darauf, dass es eigentlich ganz und gar unmöglich ist, aus dem System vollständig auszubrechen. Es bleibt letztendlich nur beim Versuch. Und dies hinterlässt bei allem Witz eine doch irgendwie tragische Note, vor allem, da Ferris, Cameron und Sloane kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, was für alle drei bedeutet, dass sie bald von einander getrennt leben müssen. Aber genau diese Mischung aus sprühendem Witz und einer zwischen den Zeilen verborgenen Tragik, verleiht Ferris macht blau! diesen einzigartigen Stil.

Ferris macht blau! (OT: Ferris Bueller’s Day Off). Regie, Drehbuch u. Produktion: John Hughes, Darsteller: Matthew Broderick, Alan Ruck, Mia Sara, Jeffrey Jones, Jennifer Grey, Charley Sheen. USA 1986, 103 Min.

FuBs Klassikbox: Mein Freund Harvey (1950)

„Harvey“ lautete eines der erfolgreichsten Theaterstücke, das in den 40er Jahren am Broadway gespielt wurde. Die Autorin Mary Chase erhielt dafür den Pulizter Preis. 1950, nachdem das Stück abgesetzt worden war, verfilmte Regisseur Henry Koster den Stoff, wobei er auf Teile des Theaterensembles zurückgriff. Mary Chase verfasste auch das Drehbuch.

Es geht um Elwood P. Dowd, der zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte Myrtle Mae in dem Haus seiner verstorbenen Mutter wohnt. Aufgrund Elwoods sonderbarem Verhalten, findet Myrtle Mae keinen Mann. Denn alle halten Elwood für verrückt, spricht er doch ständig mit einem unsichtbaren Riesenhasen namens Harvey. Ein Grund für seine Schwester, ihn ins Irrenhaus zu stecken. Doch damit beginnt überhaupt das Chaos …

„Harvey“ zeigt James Stewart in seiner wahrscheinlich besten Rolle. Diese unglaubliche Natürlichkeit, mit der er Elwood spielt, ist mehr als nur beeindruckend. Stewart hatte die Rolle bereits am Broadway gespielt, allerdings nur als Ersatzdarsteller. Zu dem damaligen Ensemble gehörten ebenfalls Josephine Hull, die Elwoods Schwester spielt, und Jesse White, der den Pfleger im Irrenhaus spielt.

Während James Stewart für seine Darstellung von Elwood zwar für den Oscar und den Golden Globe nominiert wurde, doch weder den einen noch den anderen Preis erhielt, wurde Josephine Hull als beste Nebendarstellerin mit beiden Preisen ausgezeichnet.

Das Besondere an „Mein Freund Harvey“ ist die absolute Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Trotz des durchaus tragischen Hintergrunds (Elwood hat der Tod seiner Mutter schwer getroffen, worauf ihm Harvey erschienen ist), scheint die Handlung regelrecht zu schweben. Harvey, als eine Art guter Geist, ist immer da, wo sich auch Elwood aufhält. Gemeinsam besuchen sie diverse Kneipen und machen sich dadurch einen schönen Tag.

Damit legt der Film eine fast schon klassische Gegenübestellung vor: den Kontrast zwischen Fantasie und grauem Alltag. Während Elwood praktisch in seiner eigenen Welt lebt, versuchen um ihn herum alle, sein Leben in eine gewisse Bahn zu lenken. Besonders seine Schwester, die auf geradezu hinterhältige Weise versucht, Elwood wegzubekommen.

Doch gerade ihr Verhalten löst so richtig ein völliges Durcheinander aus, als sie ihn wegsperren möchte, damit ihre Tochter endlich in die Gesellschaft eingeführt werden kann. Die darauf folgende Kettenreaktion ist eine wunderbare Ansammlung von Gags und erstklassiker Situationskomik, von der heutige Komödien nur träumen können. Mehr sei hier nicht verraten, da dies sonst zu sehr die Überraschung wegnimmt. Nur so viel sei gesagt, egal wie oft man den Film schon gesehen hat, die Gags zünden jedes Mal von Neuem.

Insgesamt gab es fünf Remakes von „Mein Freund Harvey“ (die letzte von 1996), doch reichte keine der späteren Versionen an das Original heran. Das American Film Institut listete „Harvey“ auf Platz 35 der besten Komödien und auf Platz 8 der besten Fantasyfilme.

Mein Freund Harvey (OT: Harvey). Regie: Henry Koster, Drehbuch: Mary Chase, Produktion: John Beck, Darsteller: James Stewart, Josephine Hull, Peggy Dow, Charles Drake, Jessie White, Victoria Horne. USA 1950, 103 Min.

FuBs Double Feature (1930 – 1940): King Kong (1933) und Dick und Doof im Wilden Westen (1937)

Die 30er Jahre gehörten zu den goldenen Jahren Hollywoods. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Weltwirtschaftskrise bot das Kino den Menschen für kurze Zeit Ablenkung von ihren Sorgen. Vor allem Hollywood baute seinen internationalen Einfluss aus. Als wichtigstes Publikum außerhalb der USA galten die deutschen Kinobesucher. In dieser Zeit setzte sich der Tonfilm vollends durch. Die Universal Studios begannen mit den Produktionen ihrer legendären Monsterfilme. Aber auch der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ (1930) sorgte national wie international für Furore. Im Bereich der Komödie waren es Stan Laurel und Oliver Hardy, die die Kinosäle füllten, nicht weniger wie die Marx Brothers mit ihren legendären Filmen.

Doch der wohl erfolgreichste Film der 30er war „King Kong„. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion), wurde „King Kong“ auf Anhieb ein Erfolg. Und trotz Wirtschaftskrise spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war „King Kong“ einfach riesig.

King Kong macht Ernst; „King Kong“ (1933); Copyright: Studio Canal

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten „King Kong“ als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Von da an lief „King Kong“ in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version von „King Kong“ eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

 

Mit Way out West, der in Deutschland unter den Titeln „Zwei ritten nach Texas“ und „Dick und Doof im Wilden Westen“ bekannt ist, produzierten Stan Laurel und Oliver Hardy ihren bekanntesten Film, der zugleich ihr eigener Lieblingsfilm war.

Die Komödie, die als Parodie auf das Westerngenre gedacht war, steckt voller Highlights. Es ist mühselig, alle Höhepunkte des Films aufzuzählen, denn sonst müsste man den kompletten Film nacherzählen. Es geht jedoch darum, dass Stan und Ollie nach Brushwood Gulch fahren, um Mary Roberts, die in einer Bar arbeitet, eine Erbschaftsurkunde zu übergeben. Ihr Vater hat ihr eine Goldmine vermacht. Doch als die Besitzer des Lokals Lola Marcel und Mickey Finn dies mitbekommt, gibt sich Lola als Mary aus und zwingt Mary, die Urkunde auf sie zu übertragen. Als Stan und Ollie dies mitbekommen, setzen sie alles daran, um das Testament zurückzubekommen.

Ob es nun die Szene ist, in der Ollie in den See plumpst, während Stan einfach hindurchstapft, als wäre es eine Pfütze, ob es das peinliche Gespräch zwischen Ollie und einer Mitreisenden ist, ob es Stans bekannte Gesangseinlage an der Theke ist, ob es Lolas Kitzelattacke auf Stan ist, ob … Ganz egal, der Film steckt voller Witz, voller Gags und ist im Grunde genommen eine geniale Aneinanderreihung von komödiantischen Höhepunkten, deren Timing perfekt funktioniert. Obwohl alle Filme des Komikerduos sehenswert sind, zeigt „Way out West“ ihr Können in der wohl ausgeprägtesten Form. Der Film war 1938 für einen Oskar für die beste Filmmusik nominiert.

 

The 80s: Sundown (1989)

sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

Herr Fuku-Chan von nebenan – Japan entdeckt seine Indie-Seite

fukuchanJapanische Komödien kommen doch eher selten bis nach Deutschland. Zu sehr hat sich die dortige Filmindustrie auf den Export von J-Horror und Animes spezialisiert. Mit „Herr Fuku-Chan von nebenan“ kommt nun aber ein Indie-Film zu uns, der u. a. von dem deutschen Vertrieb Rapid Eye Movies mitproduziert wurde.

Es geht um Fukuda Tatsuo – von allen Fuku-Chan genannt -, der als Maler arbeitet und in seiner Freizeit Papierdrachen bastelt. Stets freundlich und liebenswert steht er seinen Kollegen und skurrilen Nachbarn mit Rat und Tat zur Seite. Eines Tages taucht die Fotografin Chiho auf, in die Fukuda in seiner Schulzeit heimlich verliebt war und die bei einem üblen Schulstreich mitgewirkt hat, durch den Fukuda traumatisiert wurde. Während Fukuda ihr noch immer nicht über den Weg traut, entdeckt Chiho in ihm ihre Muse.

Erst durch die Unterstützung des britischen Produzenten Adam Toral, der sich auf die Mitfinanzierung asiatischer Filme spezialisiert hat, konnte das Projekt realisiert werden. Das Besondere an dem Film ist, dass eine Frau die Hauptrolle spielt. Herr Fukuda wird von der japanischen Darstellerin Oshima Miyuki verkörpert, die in dieser Rolle förmlich aufgeht. Sie dabei zu beobachten, wie sie die Figur spielt, macht unglaublichen Spaß. Um Herrn Fukuda herum gruppieren sich verschrobene Charaktere, allen voran seine beiden Nachbarn, beide irgendwie am Leben gescheitert. Während der eine mit einer Riesenschlange zusammenwohnt, leidet der andere unter einer ausgeprägten Paranoia. Beide bekommen sich immer wieder in die Haare, was zur Folge hat, dass Fukuda-Chan den Streit jedes Mal schlichten muss.

Um diese Gruppe herum kreiert Regisseur Fujita Yusuke eine Geschichte über Einsamkeit, Scheitern und den Mut zum Neuanfang. Nie wird der Film dabei kitschig oder sentimental, die Gags wirken nie aufgesetzt oder übertrieben. Alles kommt mit einer angenehmen Leichtigkeit daher, mit einer gelungenen Einfachheit, die dennoch keine Oberflächlichkeit vermittelt, sondern komplexe Charaktere zeigt, die versuchen, aus ihren jeweiligen Situationen das Beste zu machen. Diese Leichtigkeit setzt Fujita im gewissen Sinne auch wortwörtlich um, wenn er Fuku-Chan auf seinem Papierdrachen in die Luft steigen lässt. Die 110 Minuten Spieldauer vergehen dabei wie im Flug.

„Herr Fuku-Chan von nebenan“ ist eine liebevoll in Szene gesetzte Komödie, die ganz ohne große Töne auskommt. Genau das ist das Großartige daran.

Herr Fuku-Chan von nebenan, Regie u. Drehbuch: Fujita Yosuka, Produktion: Fujimura Keiko, Adam Toral, Darsteller: Oshima Miyuki, Arakawa Yoshiyoshi, Mizukawa Asami, Japan/Deutschland/England 2014, Laufzeit: 110 Min