Die Klunkerecke: Frankenstein – Wie er wirklich war (1973)

Regisseur Jack Smight und Autor Christopher Isherwood gelang es Anfang der 70er Jahre, einen Frankensteinfilm zu schaffen, der mit der Romanvorlage von Mary Shelley so gut wie nichts zu tun hat und zugleich oder eher dennoch einen Meilenstein des TV-Films darstellt.

Ausgestattet mit einem großen Budget, konnte man nicht nur auf Stars wie James Mason, Jane Seymour oder John Gielgud zurückgreifen, sondern auch tolle Kulissen und großartige Explosionen kreieren. Isherwood übernahm dabei lediglich die Grundhandlung des berühmten Schauerromans, der Rest ist eine rasante Gruselstory, die teils überraschend blutig ausgefallen ist und sich von einem dramatischen Höhepunkt zu nächsten hangelt.

Victor Frankenstein (Leonard Whiting) und Dr. Clerval (David McCallum) bei einem Experiment; „Frankenstein – The true Story“ (1973); © Universal Pictures

Victor Frankenstein trifft hier auf den genialen Chirurgen Henry Clerval, der Totes wiederbeleben möchte. Nach ein paar Experimenten an toten Tieren, baut er aus Leichenteilen einen Menschen zusammen. Clerval bittet bei diesem letzten Arbeitsschritt Victor um Hilfe, was dazu führt, dass sich dieser immer mehr in das Vorhaben hineinsteigert. Das Resultat ist bekannt: ein Monster. Clerval stirbt und Frankenstein versucht, den künstlichen Menschen in die Gesellschaft einzuführen.

Doch steht Frankenstein dabei vor zwei Problemen: zum einen verfällt der Körper des Monsters und zweitens ist ihm Dr. Polidori auf den Fersen, der ihn dazu bringen will, zusammen mit ihm eine Frau zu erschaffen. Auch das gelingt, doch nach und nach gerät die Situation für Frankenstein und Polidori außer Kontrolle, was tragische und tödliche Konsequenzen mit sich bringt …

„Frankenstein – The true Story“ ist packend, dramatisch und zugleich tiefgründig und, wie bereits erwähnt, reiht dabei einen Höhepunkt an den anderen. Schon die Schaffung des Monsters ist eine wahre Sensation, wenn dabei die ganzen Instrumente explodieren. Unglaublich toll, wenn bei der Schaffung der Frau bunte Farbblasen das Bild ausfüllen und dabei dem Prozess einen leicht psychedelischen Touch verleihen. Nicht weniger originell, wenn das Monster einen Tanzabend aufmischt, um die künstliche Frau namens Prima zu entführen – mit einem wahrhaft grausamen Höhepunkt. Und schließlich das Finale auf einem Segelschiff mitten auf dem Atlantik und bei starkem Sturm, während das Monster Amok läuft.

Der Film liefert bei all dem eine grandiose Optik, sodass man nicht glaubt, einen Fernsehfilm vor sich zu haben. Die Schauspieler gehen dabei voll in ihren Rollen auf. Besonders James Mason, der wie immer einen zwielichtigen Charakter mimt. Nicht weniger grandios sind Bond-Girl Jane Seymour als Prima, der künstlichen Frau, oder auch U.N.C.L.E.-Veteran David McCallum als Chirurg Clerval. Kurz: ein absolutes Meisterstück.

Frankenstein – Wie er wirklich war (OT: Frankenstein – The true Story). Regie: Jack Smight, Drehbuch: Christopher Isherwood, Produktion: Ian Lewis, Darsteller: James Mason, Leonard Whiting, Jane Seymour, David McCallum, Michael Sarrazin, Nicola Pagett. England/USA 1973, 182 Min.