Totmacher 5 – Gerd Frank auf den Spuren amerikanischer Serienmörder

totmacher5Gerd Frank beschäftigt sich in Band 5 seiner auf sechs Bände angelegten Serie über historische Serienmörder mit Fällen aus den USA. Die zeitliche Spannbreite reicht dabei vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 1990er Jahre.

In diesem Band geben sich die wohl bekanntesten Serienmörder der Kriminalgeschichte die Klinke in die Hand. Den Anfang macht ein Bericht über Henry Howard Holmes, der in Chicago ein Hotel bauen ließ, dass nur zu einem einzigen Zweck diente: ahnunglose Gäste zu ermorden. Hierfür ließ Holmes Geheimzimmer, Falltüren und vieles mehr in das Gebäude einbauen, sodass es sich letztendlich als eine einzige Falle entpuppte.

Aber auch Namen wie Charles Starkweather, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer haben in dem Buch ihre eigenen Kapitel. Sie sind nicht nur bekannt aufgrund ihrer Untaten, sondern auch – und dies ist eine makabre Reaktion darauf – Bestandteil der Popkultur geworden. Ihre Untaten dienten als Grundlage für Thriller und Horrorromane und wurden mehrfach verfilmt. Starkweather fuhr in den 50er Jahren zusammen mit seiner Freundin durch die USA und brachte dabei willkürlich Menschen um. Bundy, Gacy und Dahmer gehören zu den brutalsten Serienmördern in den USA. Zu den Opfern Ted Bundys zählten vor allem Studentinnen, weswegen er auch als der „Campus-Mörder“ bekannt wurde. Der „Killer-Clown“ John Wayne Gacy trat bei Parteiverantsaltungen immer wieder als Clown verkleidet auf. Niemand wusste, dass er in seinem Haus homosexuelle Männer umbrachte. Jeffrey Dahmer lockte seine Opfer mit Geldversprechungen in seine Wohnung, wo er sie dann brutal ermordete.

In dem Buch ebenfalls enthalten ist der Fall um Charles Manson, der mit einer Gruppe seiner „Jünger“ das Haus der Schauspielerin Sharon Tate (Roman Polanskis damalige Ehefrau) überfiel und alle Bewohner umbrachte. Insgesamt beschäftigt sich Gerd Frank mit 19 der bekanntesten Fälle, die sich innheralb von 100 Jahren in den USA zugetragen haben. Wie immer ist Gerd Frank nicht darauf bedacht, den Voyeurismus zu bedienen. Die überaus spannenden Kapitel setzen sich sachlich mit den jeweiligen Tätern und ihren Untaten auseinander. Gerd Frank sucht nach den Ursachen, welche Ted Bundy und alle anderen Serienmörder zu den unheimlichen Bestien machten. Er geht dabei auf die Biographien der jeweiligen Mörder ein und untersucht deren Familienverhältnisse. Chronologisch verfolgt er daraufhin die jeweiligen Taten, wobei er diese stets mit der parallel verlaufenden Polizeiarbeit verknüpft.

Bereits mit den vier vorangegangenen Bänden hat Gerd Frank bewiesen, mit welchem Geschick er kriminalhistorische Begebenheiten spannend und zugleich informationsreich schildern kann. Genau diese gekonnte Mischung aus Spannung und Informationsreichtum findet der Leser auch in Band 5 „Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder“ wieder.

Gerd Frank. Totmacher 5. Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder. Kirchschlager Verlag 2015, 199 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3-934277-57-1.

Totmacher 4 – Gerd Frank auf den Spuren asiatischer Serienmörder

totmacher4In den drei vorangegangenen Bänden beschäftigte sich der Autor Gerd Frank mit deutschen Serienmördern (Band 1), europäischen Serienmördern (Band 2) und russischen Serienmördern (Band 3). In Band vier nimmt sich Frank Kriminalfälle aus Asien vor.

Um es vorweg zu nehmen, die Rechercheleistung des Autors kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Es ist erstaunlich, wie viele Informationen Gerd Frank über Kriminalfälle aus dem Jemen, aus Indien, Iran und sogar Israel zusammengetragen hat. Frank wertete bei seiner Arbeit vor allem Zeitungsberichte aus. Neben Kriminalfällen aus dem Nahen Osten, recherchierte er auch über die Untaten von Serienmördern in China, Japan und Südkorea, sodass der Band in der Tat den gesamten asiatischen Raum abdeckt. Denn Thailand, Indonesien und die Philippinen sind in dem Buch ebenfalls enthalten.

In dieser Hinsicht ist der Band „Totmacher 4 – Die Kobra von Henan“ einzigartig in der deutschen Literaturlandschaft. Gerd Frank füllte damit einen weißen Fleck der Kriminalgeschichte. In Indien tritt das Phänomen Serienmörder vor allem in den Armenvierteln auf. Nicht selten werden dabei Kinder zu Opfern. Im Jemen ermordete ein Angestellter an der Universität mehrere Studentinnen. Der einzig bekannte Fall eines Serienmörders in Israel spielte sich in Haifa ab. Im Jahr 2005 wurden mehrere russsische Juden Opfer eines heimtückischen Mörders.

Eines der „skurrilsten“ Verbrechen vollführte ein Japaner, der für seine Straftat nicht verurteilt wurde, sondern noch immer auf freiem Fuß ist. In Paris ermordete und verspeiste er eine Kommilitonin. Ironischerweise war er in Japan später u. a. als Restaurantkritiker tätig. In Südkorea erregte eine Mordserie an mehreren Prostituierten großes Aufsehen. Im Laufe der Ermittlungen unterstützten sogar die Zuhälter die Polizei bei ihrer Arbeit. Der Fall wurde später unter dem Titel „The Chaser“ verfilmt (in Hollywood wird zurzeit ein Remake produziert).

Wie in den anderen Bänden bleibt Gerd Frank nicht einfach bei den eigentlichen Mordfällen stehen, sondern sucht nach Hintergrundinformationen zu den Mördern und deren Opfer. Hierbei ist vor allem die Erläuterung des südkoreanischen Rechtssystems von großem Interesse. Alles in allem liefert Band vier der Reihe spannende und unheimliche Lesekost, die man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legt.

Gerd Frank. Totmacher 4 – Die Kobra von Henan und andere unheimliche Kriminalfälle asiatischer Serienmörder (1906 – 2012). Verlag Kirchschlager 2015, 200 Seiten, 12,80€, ISBN: 978-3-934277-52-6.

Totmacher 2 – Gerd Frank auf den Spuren europäischer Serienmörder

totmacher2Im Sommer 2014 erschien im Verlag Kirchschlager von Gerd Frank der Band „Totmacher 1“, der sich mit deutschen Kriminalfällen aus den Jahren 1945 bis 1977 beschäftigte. Der Fokus lag dabei auf Serienmörder. In „Totmacher 2“ legt der Autor das Augenmerk auf europäische Serienmörder, wobei die Fälle den Zeitraum von 1910 bis 1987 abdecken.

Dem Leser begegnen solch unheimliche Gestalten wie Henri Landru, der zwischen 1914 und 1919 in Paris Frauen spurlos verschwinden ließ, oder Marcel Petiot, der zwischen 1942 und 1944 Flüchtlingen, die nach Südamerika reisen wollten, auf kaltblütige Weise umbrachte. Seine Untaten wurden ürbigens 1990 verfilmt, mit Michael Serrault als Doktor Petiot. Auch mehrere Fälle aus Österreich sind in dem Buch enthalten. So versuchte die Wiener Polizei Anfang der 60er Jahre verzweifelt, einen Mord in der Oper aufzuklären. Zwischen den Jahren 1951 und 1957 kam es in und um Steyr zu einer Reihe von Morden und Mordversuchen.

Einer der wohl unheimlichsten Fälle spielte sich 1951 in Dänemark ab, wo ein hypnotisierter Mörder umging. Im London der frühen 80er Jahre sorgte ein Mann für Schrecken, der seine ermordeten Opfer bei sich zuhause aufbewahrte.

Die Fälle, die Gerd Frank in seinem zweiten Band zusammengetragen hat, sind überaus spannend geschrieben. Wie auch in „Totmacher 1“ belässt es der Autor nicht nur bei der Schilderung der Fälle, sondern sucht nach Ursachen dafür, wie es überhaupt zu diesen Untaten kommen konnte. Die Biografien der Mörder zeigen dabei meist ein tragisches Schicksal. Gerd Frank verurteilt nicht, er schildert objektiv die jeweiligen Sachverhalte. Zugleich verleiht er den jeweiligen Berichten eine intensive Lebendigkeit und Dichte, sodass es schwer fällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Gerd Frank. Totmacher 2. Massenmord ohne Leichen und andere unheimliche Kriminalfälle europäischer Serienmörder (1910-1987). Kirchschlager Verlag 2014, 199 Seiten, 12,80€, ISBN: 978-3-934277-50-2

Mordfälle im Bezirk Gera – Wahre Kriminalfälle, die unter die Haut gehen

geraDas neue Buch aus dem Hause Kirchschlager beschäftigt sich mit Mordfällen aus dem Bezirk Gera, die sich zwischen den Jahren 1973 und 1990 zugetragen haben. Verfasst hat es der ehemalige Kriminalrat Hans Thiers, der mehrere Jahre lang die Morduntersuchungskommission in Gera leitete.

Es sind 47 Fälle, über die Hans Thiers berichtet und in denen er selbst ermittelte. Fälle, die tragisch, grausam und nicht selten überaus schrecklich sind. Die Stärke der einzelnen Texte liegt in ihrer nüchternen und objektiven Berichterstattung. Der Leser ist geradezu „live“ dabei, wenn Thiers zusammen mit seinen Kollegen Tatorte besucht oder Täter verhört. Bei vielen Taten spielte Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist geradezu erschreckend, wie schnell sich Menschen dadurch in wahre Bestien verwandeln können und sich selbst und ihre Mitmenschen ins Unglück stürzen. Doch die Texte konzentrieren sich nicht nur auf die jeweiligen Taten, sondern geben immer wieder interessante und spannende Einblicke in die Arbeit der Polizei der ehemaligen DDR. Die Aufklärugsquote lag damals bei 98%. Das heißt, kaum ein Täter, der nicht gefasst wurde. Hans Thiers widmet dem Abteilungsaufbau der Polizei und ihrer jeweiligen Zuständigkeiten ein eigenes Kapitel.

Zu manchen Berichten liefert Hans Thiers Abschriften der Tätergeständnisse. Diese wurden, was Rechtschreibung und Grammatik betrifft, in ihrem Originalzustand belassen, sodass der Leser einen Einblick in die Psyche verschiedener Täter erhält. Zudem enthält das Buch zahlreiche Fotos der Tatorte, welche die Schilderungen nochmals unterstreichen.

Hans Thiers‘ „Mordfälle im Bezirk Gera“ ist nicht nur ein spannendes und interessantes Kriminalbuch. Es ist zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Es zu lesen, lohnt sich auf jeden Fall.

Hans Thiers. Mordfälle im Bezirk Gera (1973-1990). Verlag Kirchschlager 2014, 289 Seiten, 18,95€, ISBN: 978-3-934277-47-2.

 

 

 

Karl Denke – Der Kannibale von Münsterberg

denke reziIn der kleinen Stadt Münsterberg jagt bis heute der Name Karl Denke den Bewohnern einen Schauer über den Rücken. Denke lebte dort bis 1924 recht zurückgezogen. Jeder hielt ihn für einen harmlosen Eigenbrötler. Doch dann kam es zu einer grauenvollen Entdeckung: Karl Denke hatte zwischen 1903 und 1924 immer wieder arbeitslose Männer in seine Einzimmerwohnung gelockt, indem er ihnen Arbeit versprach. Dort wurden sie zu seinen Opfern. Doch Denke war nicht nur ein heimtückischer Mörder. Er war ein Kannibale.

Der Kriminalhistoriker Armin Rütters ist den Spuren dieses grauenvollen Falls nachgegangen und hat dabei höchst interessante Fakten zutage gefördert. Seit vielen Jahren beschäftigte er sich mit dem Mann, der in Münsterberg als Vater Denke bekannt war, bevor er sich als menschliches Ungeheuer offenbarte. Armin Rütters sichtete unzählige Dokumente, spürte Zeitungsartikel und andere Schriften auf, die sich mit dem Fall beschäftigen und korrespondierte sogar mit noch lebenden Zeitzeugen.

Das Ergebnis seiner Arbeit ist ein überaus sorgfältig recherchiertes Buch über einen der außergewöhnlichsten Kriminalfälle der deutschen Geschichte. Armin Rütters liefert einen genauen Bericht über das Leben Denkes und seine Untaten. Bereits dieser Text ist sehr spannend und äußerst interessant. Stets muss man sich vergegenwärtigen, dass dies wirklich geschehen ist. Der Anhang des Buches ist jedoch nicht weniger faszinierend. Hier präsentiert Rütters Text- und Bildquellen zu dem Fall. Unter den Texten befinden sich u. a. Überlegungen eines damaligen Psychologen zum geistigen Zustand Denkes sowie die Broschüre „Mein Kampf mit Denke“ von Vincenz Olivier, der Denkes hinterhältigen Angriff überlebte und die Polizei alarmierte, was schließlich zur Aufdeckung der grauenvollen Taten führte. Damalige Gerichtsbeschlüsse und Gutachten über den Fall runden die Textquellen ab. Der Bildteil beinhaltet Polizeifotos sowie Ansichten des Ortes, sodass in dem Buch der Fall Denke auch visuell dokumentiert wird.

Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke liefert in einem eigens für das Buch geschriebenen Aufsatz eine genaue Analyse zur Psyche Denkes. Ein Interview mit dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke liefert zudem Vergleiche zu anderen Serienmördern.

Alles in allem ist der dritte Band aus der Reihe „Historische Serienmörder“ ein Buch, das sowohl Krimifans als auch historisch interessierte Leser in seinen Bann zieht.  

Armin Rütters: Karl Denke – Der Kannibale von Münsterberg. Kirchschlager Verlag 2013, 288 Seiten, 24,00€, ISBN: 978-3-934277-42-7