Ich habe ihn getötet – Keigo Higashinos neuer Kriminalroman

Der japanische Krimiautor Keigo Higashino wurde in Deutschland durch seinen Roman „Verdächtige Geliebte“ bekannt. Higashinos Markenzeichen sind äußerst komplexe Fälle, die den Leser stets zum Miträtseln animieren. Dies trifft auch auf den neuesten Roman des Krimiautors zu.

„Ich habe ihn getötet“ lautet der Titel und erzählt die Geschichte eines Giftmordes aus der Perspektive der drei Hauptfiguren. Kurz vor seiner Hochzeit bricht der umstrittene Autor Makoto tot zusammen. Einen Tag davor nahm sich seine Ex-Geliebte das Leben. Beide starben an einer Giftkapsel. Doch wer ist der Mörder?

Der Witz des Romans besteht darin, dass die drei Figuren, aus deren jeweiliger Perspektive die Ereignisse geschildert werden, zugleich die Hauptverdächtigen sind. Denn jeder der drei – Makotos Manager Suruga, die Lektorin Kaori Yukizasa und der Bruder Miwakos Takahiro – hat ein unwiderlegbares Motiv dafür, die Tat begangen zu haben: alle drei hassten Makoto, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Makoto selbst war auch nicht der Strahlemann, als der er sich gerne ausgab, sondern ein widerlicher, überaus egoistischer Zeitgenosse. Und er musste wegen eines chronischen Schnupfens täglich mehrmals eine Tablette nehmen. Die Frage lautet nun, wer jubelte ihm die Giftkapsel unter?

Higashinos neuester Roman zieht den Leser sofort in seinen Bann. Die Spannung ergibt sich schon allein aus den ungewöhnlichen Situationen, in denen sich die Figuren befinden. Der Mord an Makoto schließlich führt dazu, dass sich die Spannung schlagartig steigert. Denn sind Suruga, Kaori Yukizasa und Takahiro zunächst froh darüber, dass Makoto nicht mehr unter den Lebenden weilt, so ergibt sich ein geradezu beißender Konflikt zwischen den Figuren, als die Polizei den Fall untersucht.

Nun versucht jeder, die Schuld von sich zu weisen und zugleich den Verdacht auf den jeweils anderen zu lenken. Dies umso vehementer, als Kommissar Kaga die Bühne betritt, um dem Fall nachzugehen. Dass sich Keigo Higashino dabei an Agatha Christie orientiert liegt quasi auf der Hand, und so ist auch das Finale zugleich eine gewitzte Anspielung auf die Queen of Crime. Higashino bringt dies mit einer sympathischen Selbstironie zur Sprache, als er den Kommissar sagen lässt, dass es sich hier beinahe wie in einem Roman von Agatha Christie verhalte, man es allerdings mit einer geringeren Anzahl von Verdächtigen zu tun habe.

„Ich habe ihn getötet“ ist ein Krimi, der zwei Aspekte gekonnt verbindet: zum einen ist er überaus originell, zum anderen ist er geradezu klassisch. Beide Aspekte ergeben einen gelungenen Kriminalroman, der aufgrund seiner Komplexität angenehm aus der Masse an Krimis heraussticht. Absolut lesenswert.

Keigo Higashino. Ich habe ihn getötet. Piper Verlag 2017, 351 Seiten, 10,00 Euro, ISBN: 978-3-492-31057-4