Die Klunkerecke: Reise in die Urzeit

reiseindieurzeit2Etwa 40 Jahre bevor sich eine Gruppe hysterischer Mütter über die Dinos in „Jurassic Park“ aufregte, kam ein Film in die Kinos, der zwar keine Dinosaurier in einem Vergnügungspark präsentierte, in dem aber dennoch Kinder auf lebende Donnerechsen treffen.

Der bekannte tschechische Regisseur Karel Zeman produzierte 1955 den Film „Reise in die Urzeit“ (gelegentlich auch als „Reise in die Urwelt“ genannt). Es geht darin um die vier Freunde Petr, Jirka, Tonte und Jenda, die am Eingang einer Höhle einen versteinerten Trilobiten entdecken. Kurzerhand beschließen sie, mit ihrem Ruderboot durch die Höhle zu paddeln, in der Hoffnung, weitere Funde zu machen. Als sie am anderen Ende der Höhle wieder hinauskommen, befinden sie sich plötzlich mitten in einer eisigen Winterlandschaft. Schließlich taucht auch ein Mammut auf. Als sie später auf weitere prähistorische Tiere treffen, ist es den Jungs klar, dass der Fluss sie die Erdzeitalter zurück bis zum Beginn der Evolution trägt.

„Reise in die Urwelt“ ist eine grandiose Mischung aus Abenteuerfilm, Fantasy, Kinderfilm und Lehrfilm. In der Tat wollte Zeman nur einen Film drehen, der jungen Zuschauern auf einfache Weise die Evolutionstheorie erklärt. Wahrscheinlich hatte er dabei nicht gedacht, dass sich seine Produktion nicht nur zu einem enormen Erfolg, sondern zugleich zu einem Klassiker der Filmgeschichte entwickeln würde.

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Petr, Jirka, Tonte und Jenda schleichen sich an einen Stegosaurier heran.

Zeman verwendete allerhand Spezialeffekte, um die prähistorischen Säugetiere und die Dinosaurier zum Leben zu erwecken. Von Stop Motion-Technik über Zeichentrick bis hin zu Puppeneffekten ist alles vorhanden. Gespannt wartet man darauf, welches Tier als nächstes erscheinen wird. Neben Mammuts und Säbelzahntigern, tauchen auch prähstorische Elefanten, Riesenvögel und viele weitere Tiere auf. Eine der aufregendsten Szenen ist dabei diejenige, in der einer der Jungen vor einem dieser Riesenvögel flieht.

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Die vier Freunde treffen auf das Mammut.

Aber Karel Zeman ging es nicht um Action. Vielmehr stellt er die einzelnen Lebewesen und ihre (möglichen) Verhaltensweisen vor, wobei er sich auf den damals aktuellen Wissensstand (der 1950er Jahre) berief. Den Zuschauern wird dadurch nach und nach ein lebendiges Bild der Urzeit vermittelt. Zeman gelingen dabei viele wundervolle Szenen, wie etwa diejenige, in der das Mammut im Dämmerlicht des Sonnenuntergangs davontrottet. Nicht weniger beeindruckend ist das Ende der Reise, als sie im Präkambium ankommen und dort nichts als Sümpfe und seltsame Bäume vorfinden.

Die vier Freunde betrachten ihre Reise als Forschungsexpedition. Dies erlaubt es Zeman, den jungen Zuschauern zu erklären, wie Wissenschaftler bei ihren Forschungen vorgehen, wie die prähistorischen Tiere zu ihren Namen kamen und wieso man im Mittelalter die Skelette von Dinosauriern für die sterblichen Überreste von Drachen hielt.

Alles in allem hat Karel Zemans Film bis heute nichts von seinem Reiz verloren. Aufgrund der geschickten Methode der Wissensvermittlung wurde der Film auch immer wieder an Schulen gezeigt. Es lohnt sich also, mal wieder einen Blick darauf zu werfen.