Stürmische Ernte – James Francos Versuch einer Adaption

Mit „Stürmische Ernte“ legte 2016 James Franco bereits seine 16. Regiearbeit vor. Dieses Mal versuchte er sich an John Steinbecks gleichnamigen Roman, in dem es um Wanderarbeiter geht, die während der Großen Rezession in Streik treten, um dadurch mehr Geld zu erhalten.

Der Film bleibt bei einem Versuch. Dies fängt schon damit an, dass Franco sich nicht entscheiden konnte, ob er nun den Film fürs Fernsehen oder fürs Kino drehen sollte. Dementsprechend wirkt die Optik des Films regelrecht unentschlossen. Das Vorhaben, eines epischen Werks ist schon allein dadurch zum Scheitern verurteilt.

Ein zweites Problem, das er Film hat, hängt mit Franco selbst zusammen, der darin gleichzeitig eine der beiden Hauptrollen spielt. Trotzdem er  die Hauptrolle innehat, versucht er beinahe krampfhaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen, was zur Folge hat, dass man nicht genau weiß, welche Geschichte Franco nun eigentlich erzählen möchte: die des Aktivisten Mac McLeod (James Franco) oder die seines Freundes Jim Nolan (Nat Wolff).

Die Folge davon ist, dass beide Figuren darunter leiden und beide dadurch an Interesse verlieren. Zwar enthält „Stürmische Ernte“ durchaus dramatische und spannende Momente, doch überwiegt im Groben und Ganzen Francos Unsicherheit. Auf diese Weise wird man nicht wirklich in die Geschichte hineingezogen, sondern bleibt als reiner Beobachter davor stehen.

Klarerweise ist ein Film, der sich mit dem Schicksal der Wanderarbeiter der 30er Jahre beschäftigt, verbunden mit einer starken Kapitalismuskritik. Damals entstanden in den USA verschiedene sozialistische und kommunistische Bewegungen, die teilweise untereinander zerstritten waren. Geient hat alle lediglich der Umstand, dass sie von den Behörden und der Polizei auf brutalste Weise gejagt und misshandelt wurden.

Franco stellt dies in Ansätzen auch richtig dar und sein Film ist auch eine klare Ansage gegen die Auswüchse des Kapitalismus. Doch Franco scheint sich auch hier rechtfertigen zu müssen. Denn immer mal wieder schreit jemand „Ich bin kein Kommunist!“ und dies auf eine solche Weise, als würde Franco selbst dies gegenüber dem Publikum klar machen wollen, was an manchen Stellen ein bisschen lächerlich wirkt.

Insgesamt wirkt daher „Stürmische Ernte“ eher unbeholfen. Hier muss man unbedingt noch ein Wort über die Zugfahrt verlieren, bei der Mac und Jim an der offenen Wagontür sitzen. Der Wagon bewegt sich kein bisschen, nur die Windmaschine bläst ein hauchzartes Lüftchen und die Kamera fährt immer mal wieder hin und her. Eine solche schlecht gemachte Szene habe ich, muss ich ehrlich sagen, schon lange nicht mehr gesehen.

Nein, James Francos Steinbeck-Adaption möchte einfach nicht gefallen. Der Regisseur macht einfach zu viel falsch. Das liegt nicht daran, dass das Budget gering war, sondern dass Franco nicht wusste, wie er den literarischen Stoff umsetzen sollte.

Stürmische Ernte (OT: In Dubious Battle). Regie u. Produktion: James Franco, Drehbuch: Matt Rager, Darsteller: James Franco, Nat Wolff, Selena Gomez, Robert Duvall, Ed Harris, Sam Shepard, Vincent D’Onofrio. USA 2016, 114 Min.

Der Winter unseres Missvergnügens – John Steinbecks letzter Roman

Kommt man im Leben weiter, wenn man sich an die moralischen Grundsätze hält? Diese Frage beschäftigt Ethan Allen Hawley, der als Verkäufer in einem kleinen Lebensmittelgeschäft arbeitet. Seine Familie war reich gewesen, jedenfalls so lange, bis sein Vater das ganze Vermögen verloren hat. Außer Geld und Land verlor die Familie eben auch den Laden, in dem Ethan nun angestellt ist.

Ethan versucht, sich nichts aus Geld zu machen. Doch nagen an ihm immer wieder Gewissensbisse, wenn er an seine Frau Mary und seine Kinder denkt. So sind sie die einzige Familie in New Baytown, die keinen Fernseher besitzt. Doch alles ändert sich, als Marys Freundin Marge ihr die Karten legt und dabei prophezeit, dass sie großer Reichtum erwartet. Und als der Bankangestellte Joey Morphy ihm erklärt, wie man am besten eine Bank überfällt, keimt in Ethan nach und nach ein Plan.

„Der Winter unseres Missvergnügens“, John Steinbecks letzter Roman aus dem Jahr 1961, nimmt eine Thematik vorweg, die in den 70er Jahren eine zentrale Rolle in Büchern und Filmen spielen sollte: Das Hinterfragen gesellschaftlicher Werte in den USA, verbunden mit einer Kritik am Kapitalismus.

Nachdem sich Ethan einmal dazu entschlossen hat, zu Geld zu kommen, nimmt das Drama seinen Lauf. Und genau hier stellt sich Steinbeck auch immer wieder die Frage, wie Kapitalismus eigentlich funktioniert. Seine Antwort lautet: Menschen, die sich an die moralischen Vorstellungen halten, kommen nicht weit. Wer es in den USA zu etwas bringen möchte, muss sich ganz und gar unmoralisch verhalten, bis er seine Ziele erreicht hat.

Auf diese Weise bleibt es nicht nur bei Ethans Plan, die Bank auszurauben. Sein Verhalten wird von Mal zu Mal verwerflicher und hinterhältiger, selbst seinem Freund, dem Obdachlosen Danny, gegenüber.

Eingewebt in John Steinbecks wunderbare Sprache, ergibt sich daraus eine intensive Tragödie, die präzise Ethans moralischen Unter- oder Werdegang schildert. Besonders stechen hierbei die großartigen Dialoge hervor, welche den Figuren eine besondere Lebendigkeit verleihen. Man gleitet regelrecht durch diesen tollen Roman und kann dabei kaum innehalten, da man stets wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht. Und durch seine Thematik wirkt „Der Winter unseres Missvergnügens“ heute aktueller denn je.

John Steinbeck. Der Winter unseres Missvergnügens. Manesse Verlag 2018, 604 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-7175-2432-8