J-Pop: Scandals „Ivory“ – Der Song mit der Badewanne

Manchmal ist es auch eine Badewanne, die zum Komponieren anregt. So erging es jedenfalls Mami Sasazaki, die Gitarristin der Girl-Rockband „Scandal“. In einem Interview berichtete sie, dass sie während des Lockdowns viel über sich selbst und ihre Ängste nachgedacht habe, unter denen sie immer wieder leidet. Dann, während sie in der Badewanne saß, war ihr dadurch plötzlich die Idee zu dem Song „Ivory“ gekommen.

Scandal „Ivory“ (Szene aus dem Videoclip); © Her

Bei Scandal (die Band feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum) sind im Grunde genommen alle Songs hervorragend. Noch großartiger aber ist die Band, wie ich finde, bei ihren ruhigeren Liedern. Dies zeigt sich einmal mehr bei „Ivory“, der nicht nur von Mami Sasazaki komponiert wurde, sondern bei dem sie auch den Gesang übernahm.

„Ivory“ handelt davon, dass es ein rein glückliches Leben nicht gibt. Doch soll man sich nicht von den Sorgen überrennen lassen, sondern das Leben so akzeptieren wie es nun einmal ist. Erst dadurch wird einem bewusst, wie schön das Leben ist – daher auch der Titel.

Für Mami Sasazaki ist der Song sehr persönlich. Wie sie in dem oben erwähnten Interview sagte, ist „Ivory“ eine Art Nachdenken über sich selbst. Für sie stellt der Song eine Möglichkeit dar, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Der Song ist sehr schön geworden und schließt sich im Hinblick auf seinen Inhalt an die Vorgängersingle „Eternal“ an.

Wie die Bandleaderin Haruna Ono berichtete, hat die Band während des Lockdowns mehrere Lieder geschrieben, von denen viele persönliche Erfahrungen verarbeiten. Man darf also (hoffentlich) auf ein neues Album gespannt sein. Die neue Single macht jedenfall neugierig darauf.

FuBs Jukebox: The rough guide to Avant-Garde Japan

In Sachen Avant-Garde ist Japan sicherlich eine der ersten Adressen, besonders wenn es um Musik geht. In kaum einem anderen Land gibt es so viele abgedrehte Bands. In der Reihe „Rough Guides“ des Labels World Music Network ist nun ein Compilation-Album erschienen, das sich diesem Thema annimmt.

Das Album beinhaltet 14 außergewöhnliche Künstler, die sich voll und ganz den experimentellen Klängen verschrieben haben. Daher findet man hier alles, außer Mainstream. Die meisten der Musiker sind im Ausland kaum bekannt, in Japan jedoch besitzen sie eine feste Fan-Gemeinde.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die CD ist ein wahres Fest für Leute, die gerne Neues entdecken. Abstrakte Klänge treffen hier auf experimentellen Jazz und verbinden sich dabei zugleich mit traditioneller japanischer Musik. Das Ergebnis ist ein überaus unterhaltsames Album, ja eine wahre Entdeckungsreise in den Bereich japanischer Musik jenseits von J-Pop und J-Rock.

Leute, die Musik als akustisches Erlebnis empfinden und daher offen sind für einen Blick über den Tellerrand, für den dürfte „The rough Guide to Avant-Garde Japan“ ein echter Glücksfall sein. Hier begegnet man wirklich außergewöhnlichen Künstlern bzw. ihren außergewöhnlichen Werken. Den Anfang macht Michiyo Yogi mit „Rogue“ und liefert dabei gleich den Ansatz dafür, wohin die Reise auf diesem Album gehen soll: aus einem Wirrwarr an Klängen entwickelt sich eine einprägende sanfte Melodie, die gegen Ende wieder in dem postmodernen Anti-Rhythmus untergeht. Auf ähnliche Weise konzipieren auch die anderen Musiker ihre Stücke. Fast immer entstehen aus der Hektik und dem Chaos witzige und interessante Melodien, mit denen man sich auch nach dem Hören weiter beschäftigt.

Wunderbar an der Zusammenstellung ist, dass sie kein bisschen einseitig ist, sondern eine spannende Vielfalt präsentiert, die dem Hörer einen großartigen Blick in die japanische avantgardistische Musik bietet. Einfach großartig.