Martin Eden – Jack Londons autobiographischer Roman

Cover der deutschen Neuübersetzung bei dtv

Von einem der auszog, das Schreiben zu lernen. Jack London machte dies später in seinem Roman „König Alkohol“ (1913) zum Thema, auch wenn es, wie der Titel schon sagt, mehr um seine Alkoholsucht ging. Der 1909 erschienene „Martin Eden“ dagegen konzentriert sich voll und ganz darauf, mit welchen Schwierigkeiten einer zu kämpfen hat, der seinen Traum, Schriftsteller zu werden, verwirklichen möchte.

Seiner eigenen Aussage zufolge, hegte London bereits als Kind den Wunsch, freier Autor zu werden. Nach einem recht abenteuerlichen Leben wurde er dies dann auch, ja wurde er sogar zu einem der meist gelesenen Autoren der USA. In dem Roman übernimmt diese Rolle sein Alter Ego Martin Eden, ein Seemann, der während seines Landgangs in San Francisco den Studenten Arthur vor einer Bande Raufbolde rettet. Als Dank nimmt dieser Martin mit nachhause, wo Martin Arthurs Schwester Ruth begegnet, in die er sich Hals über Kopf verliebt.

Jack London (1903)

Angestachelt durch ihre Liebe zur Literatur, beginnt Martin Eden, selbst zu lesen und hegt bereits nach kurzer Zeit die Idee, selbst zu schreiben. Dafür opfert er nicht nur seine Zeit, sondern auch sein ganzes Geld. In völliger Armut kämpft er darum, Texte zu verfassen und diese verschiedenen Magazinen anzubieten. Mit für ihn katastrophalen Folgen. Denn immer wieder muss er zum Pfandleiher, um zu Geld zu kommen. Nicht nur das, denn hat er es endlich geschafft, einen Text bei einem Magazin unterzubringen, so wartet er vergeblich auf das Honorar.

Doch ist „Martin Eden“ noch viel mehr als eine Aufarbeitung seines eigenen Lebens. Denn Jack London lässt kein gutes Haar an der sogenannten Bildungselite. Im Gegenteil, er entlarvt Professoren und Literaturkritiker als Nichtwisser und Angeber, er macht sich lustig über die „feine“ Gesellschaft, die sich nur in Oberflächlichkeiten ergeht und er zieht den gesamten Literaturbetrieb gehörig durch den Kakao.

Cover der Erstauflage von 1909

Obwohl der Roman nun schon gute 110 Jahre auf dem Buckel hat, so hat sich seitdem so gut wie nichts geändert. Seine Kritik an der Gesellschaft im allgemeinen und dem Verlagswesen im speziellen trifft heute noch genauso zu. Und genau diese Kritik, gepaart mit vielen satirischen Seitenhieben, sind eindeutig die Stärken des Buches. Hier geht Jack London wirklich auf und liefert einen interessanten, witzigen und nicht weniger packenden Bericht ab.

Auch wenn sich der Roman anfangs ein wenig zieht, so wird die Geschichte um Martin Eden, der seinem Weg trotz aller Mahnungen und Kritik treu bleibt von Seite zu Seite besser, lebendiger und rasanter. Kurz: sehr zu empfehlen.

Jack London: Martin Eden. DTV 2018, 526 Seiten, 12,90 Euro

 

Die Reise mit der Snark – Jack Londons Fahrt auf einem selbstgebauten Boot

jacklondonAm 7. April 1907 stach Jack London endlich in See. Endlich deswegen, da sich seine Abfahrt aufgrund diverser Mängel an seinem selbstgebauten Boot verzögert hatte. Eigentlich hatte London etwas Anderes zu tun, doch auf einmal – mitten in einem Gespräch – beschloss er, zusammen mit seiner Frau Charmian eine Weltumsegelung auf einem kleinen, selbstgebauten Boot zu wagen. Gesagt, getan. Denn tatsächlich setzte London alles daran, in See zu stechen.

Doch das Pech verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Die Lieferanten schickten ihre Waren zu spät (waren aber äußerst pünktlich bei der Versendung der Rechnungen) und das Boot leckte an so ziemlich jeder Stelle. Der Schiffsmotor funktionierte nicht, die Kombüse stand knietief unter Wasser und der Schiffskoch konnte nicht nur nicht kochen, sondern war zudem auch noch seekrank. Nichtzuletzt war der Navigator felsenfest davon überzeugt, dass sie sich im Inneren einer Hohlwelt befänden.

londonundcharmian
Jack London und seine Frau Charmian.

Schließlich aber stach London zusammen mit seiner Frau doch noch in See. Ziel ihrer Reise war zunächst Hawaii. Genauso amüsant wie sein Bericht beginnt, setzt sich dieser auch fort. London trifft auf alle möglichen Exzentriker, lernt das Surfen – und sein Bericht über dieses Freizeitvergnügen machte Surfen in den USA überhaupt erst bekannt. Nicht weniger unterhaltsam ist sein Besuch in der Leprakolonie. Der Leiter dieser Kolonie bat London, einen wahren Bericht über die dort lebenden Menschen zu schreiben, da in den Zeitungen nur Unwahrheiten veröffentlicht wurden. Das Eregbnis war ein erstaunlicher Einblick in eine Art Parallelgesellschaft, in der es den Mitglieder so gut geht, dass sie hoffen, nicht geheilt zu werden, denn sonst müssten sie die Kolonie wieder verlassen.

Jack Londons Bericht ist von der ersten bis zur letzten Seite überaus witzig. Ein weiteres Highlight sind die Bewerbungsbriefe unterschiedlichster Leute, die ihn auf seiner Reise begleiten wollten. Man merkt dabei, dass sich an der Mentalität der Menschen im Grunde genommen nie etwas geändert hat.

Das Buch liest man praktisch in einem durch. Es ist schade, dass London nicht tatsächlich auf der Snark die Welt umsegeln konnte. Denn das Ergebniss wären sicherlich noch mehr unterhaltsame und humorvolle Berichte gewesen.

Jack London. Die Reise mit der Snark. Übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann. Mare Verlag 2016, 350 Seiten, 28,00 Euro.