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Posts Tagged ‘J-Horror’

carvedUm Kuchisake-Onna ranken sich in Japan so allerhand Gerüchte. Die unheimliche Frau soll vor allem Kindern und Jugendlichen erscheinen und sie fragen: „Bin ich hübsch?“ Wer die falsche Antwort gibt, um den ist es geschehen. Es handelt sich bei Kuchisake-Onna um eine urbane Legende, die sich vor allem Kinder erzählen, um sich gegenseitig Angst einzujagen. Eine Besonderheit der Frau ist, dass sie einen langen Mantel trägt und ein Mundschutz ihren aufgeschlitzten Mund verdeckt. Zudem hat sie stets eine große Schere dabei, mit der sie ihre Opfer peinigt.

Diese gespenstischen Gerüchte nahm Regisseur Koji Shiraishi als Grundlage für seinen Horrorfilm „Carved“. Dieser spielt in einer Kleinstadt, in der es auf einmal zu Kindesentführungen kommt. Kinder erzählen, sie hätten eine Frau mit einem aufgeschlitzten Mund gesehen, die die Kinder mit sich nahm. Die Lehrerin Kyoko Yamashita macht sich daran, nach den entführten Kindern zu suchen. Dabei kommt sie tatsächlich auf die Spur dieser seltsamen Person …

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Nicht mehr länger nur eine Legende; „Carved“ (2007); Copyright: Splendid Film

Carved ist ein typischer J-Horror-Film und funktioniert daher auf dieselbe Weise wie „Ringu“.  So werde am Anfang in Form einer urbanen Legende Gerüchte um eine unheimliche Frau erzählt, die später tatsächlich in Erscheinung tritt. Und schließlich wird versucht, ihrem gespenstischen Treiben ein Ende zu setzen. Regisseur Koji Shiraishi gelingt es dabei, den Zuschauer durchgehend zu unterhalten. Dabei keriert er eine durchweg bedrohliche Atmosphäre, wobei es auch nicht an unheimlichen Zwischenfällen fehlt, die recht gelungen in Szene gesetzt sind. Das bizarre Aussehen der Frau steht dabei natürlich im Mittelpunkt. Mit ihrem aufgeschlitzten Mund und dem stets starren Blick hofft man, ihr nicht gerade hinter der nächsten Ecke zu begegnen.

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Kuchisake-Onna in Aktion; „Carved“ (2007); Copyright: Splendid Film

Was dem Regisseur allerdings weniger gelingt, hängt mit den Logikfehlern zusammen. Es gibt zu viele Ungereimtheiten, die den Zuschauer mit einigen Fragezeichen zurücklassen. Dies fängt bei der Hintergrundgeschichte an und geht bei der Fähigkeit der Frau weiter, den Protagonisten Trugbilder vorzugaukeln. Die zentrale Frage, die sich stellt, lautet, wer oder besser was diese Frau nun eigentlich ist. Hierbei hilft die Erklärung, die Koji Shiraishi liefert, nicht unbedingt weiter. Dennoch ist „Carved“ aufgrund seiner interessanten Optik, dem Spannungsaufbau und nicht zuletzt der unheimlichen Figur Kuchisake-Onna einer der besten J-Horror-Filme aus der Spätphase des J-Horror.

Der Erfolg des Films verlangte damals natürlich nach einer Fortsetzung. Doch „The Slit-Mouthed Woman 2“ ist mehr Drama als Horror und eigentlich mehr Prequel als Sequel, in dem erzählt wird, wie es zu dieser urbanen Legende gekommen ist. In Sachen Optik und Spannung reicht der zweite Teil an den Originalfilm nicht heran.

Carved – The slit-mouthed Woman (OT: Kuchisake-Onna), Regie: Koji Shiraishi, Drehbuch: Koji Shiraishi, Naoyuki Yokota, Produktion: Kayoko Hanamura, Darsteller: Eriko Sato, Haruhiko Kato, Chiharu Kawai, Rie Kuwana, Japan 2007, 90 Min.

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kaidanRegisseur Hideo Nakata gehört zu den Mitbegründern des modernen japanischen Horrorfilms. Seine Romanadaption „Ring“ wurde wegweisend für viele nachfolgende Produktionen und beeinflusste nicht zuletzt den US-amerikanischen Horrorfilm. Spielen J-Horror-Filme in der Gegenwart, so verlegt Nakata in seinem „Kaidan“ die Handlung in das 18. Jahrhundert und nähert sich damit den Legenden und Märchen an, in denen das Unheimliche der J-Horror-Filme seinen Ursprung hat.

Die Geschichte erzählt davon, wie die reiche Dame Oshiga, die bekannt ist für ihren Musikunterricht, sich in den Hausierer Shinkichi verliebt. Beide heiraten, was einen großen Skandal hervorruft, da Oshiga jemanden aus einem niedrigeren Stand zum Mann nimmt. Nach und nach führt dies dazu, dass Oshigas Schülerinnen wegbleiben. Zugleich macht sich bei ihr eine schwere Krankheit bemerkbar. Shinkichi vergnügt sich inzwischen mit anderen Frauen. Als sie das mitbekommt, schreibt sie auf ihrem Sterbelager einen Fluch nieder, der Shinkichi  immer dann treffen soll, wenn er eine Beziehung zu einer anderen Frau eingehen will. Zunächst hält dieser das Schriftstück für reinen Unfug. Doch dann tritt der Fluch tatsächlich in Kraft …

Im Gegensatz zu den übrigen J-Horror-Beiträgen, ist „Kaidan“ ein eher ruhiger Film, der in wunderbaren Farben schwelgt und mit einer tollen Optik überzeugt. Er verbindet Historie mit Legende und Schauerromantik und ragt durch seinen hohen künstlerischen Anspruch aus den übrigen Produktionen deutlich hervor. Trotzdem neigt Nakata nicht gerade zur Zimperlichkeit bei den Szenen, in denen der Fluch wirksam wird. Hier kommt es zu recht blutigen und grausamen Zwischenfällen, die Shinkichi an den Rand des Irrsinns bringen. Doch Hideo Nakata wollte eben mehr, als „nur“ einen Horrorfilm drehen. So kleidet er „Kaidan“ in die Form eines Dramas, in dem es um Liebe und Hass, Wahnsinn und Rache geht.

Was bei „Kaidan“ jedoch etwas verwundert, ist der Prolog, der im Grunde genommen nicht viel mit der restlichen Geschichte zu tun hat. Jedenfalls wirkt dieser überflüssig, da er im Grunde genommen nichts erklärt und so gut wie nichts mit der Ursache des Fluchs zu tun hat.

Wenn man aber von dieser kleinen Ungereimtheit absieht, ist „Kaidan“ ein Film, der vor allem durch seine sorgfältige Produktion überzeugt

Kaidan, Regie: Hideo Nakata, Drehbuch: Satoko Okudera, Produktion: Takashige Ichise, Darsteller: Kumiko Aso, Tokoaki Enoki, Reona Hirota, Mao Inoue, Tae Kimura. Japan 2007, Laufzeit: 115 Min.

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technokratieVor kurzer Zeit wurde ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem Thema Medien in japanischen Horrorfilmen beschäftigt. Das hat uns von FILM und BUCH natürlich neugierig gemacht, da einer unserer Schwerpunkte K- und J-Horror ist.

Autor ist Lars Robert Krautschick, der über dieses Thema seine Dissertation verfasste. Die Fragestellung ist durchaus interessant und wichtig, spielen doch in manchen J-Horrorfilmen Handys, Telefone, Fernseher und auch das Internet eine zentrale Rolle. „Ring“ (1998) machte hierbei den Anfang. Krautschick untersucht nun, auf welche Weise die jeweiligen Medien in den Filmen dargestellt werden. Hierzu nahm er sich drei Filme vor: „Ring“, „One missed Call“ (2003) und „Kairo“ (2001).

Seine Darstellung umfasst als jeweiligen „Vorspann“ einen Überblick über die historischen Entwicklungen der jeweiligen Medien (im Westen, nicht in Japan), bevor er sie in den oben genannten Filmen analysiert. Originell ist hierbei, dass er zusätzlich parapsychologische Fachliteratur hinzuzieht, in denen dieselben Medien (Telefon, Fernseher, Internet) auf ihre Heimsuchungsqualitäten untersucht werden.  In den Filmen sucht er nach Parallelen zu diesen Aspekten und findet diese auch, wie etwa im Weißen Rauschen, das in „Ring“ stets die Geisterfrau Sadako ankündigt.

So gesehen macht dies die Analyse durchaus spannend. Allerdings finden sich in Krautschicks Buch auch weniger gute Aspekte. An einer Stelle, in der er kurz auf die US-Remakes eingeht, lässt er sämtliche asiatische Horrorfilme unter der Bezeichnung J-Horror erscheinen –  also auch Horrorfilme aus Südkorea und Thailand. J-Horror ist jedoch kein Überbegriff für asiatische Horrorfilme, sondern bezieht sich eben nur auf den modernen japanischen Horrorfilm, der Ende der 90er Jahr entstand. Urbane Legenden an einer anderen Stelle als urbane Märchen zu bezeichnen, ist ebenfalls weniger gelungen. Bei dieser oralen Narrationsform handelt es sich um moderne Legenden, die vor allem an Unis, Schulen oder in Feriencamps weiter erzählt werden, keinesfalls um Märchen.

Obwohl das Buch ein interessantes Thema bearbeitet, fehlen an vielen Stellen soziokulturelle Hintergründe. Zum großen Teil bleibt offen, was genau diese Medien im sozialen und kulturellen Kontext (Japans) unheimlich macht. Der Bezug auf parapsychologische Artikel, so faszinierend dieser auch ist, ist hierbei zu wenig. Beim Thema Telefon macht sich Krautschick auf einer psychologischen Ebene darüber Gedanken, auf welche Weise dieses mit dem Thema Angst in Verbindung steht. Beim Handy wird dies schon eher vage und beim Internet ebenfalls. Auch fehlen Einblicke in die japanische Gesellschaft, die seine Ergebnisse untermauern könnten. Zwar gibt es hier und da kleinere Einschübe, doch sind diese recht oberflächlich. Hier hätte sich der Autor mehr Mühe machen müssen, da sein Buch nun einmal von japanischen Filmen handelt und man diese nur ganz verstehen kann, wenn man die jeweiligen soziokulturellen Hintergründe kennt.

Doch im Hinblick darauf, wie die jeweiligen Medien in J-Horrorfilmen zur Geltung kommen, wie sie filmisch dargestellt werden, um ihnen einen unheimlichen Touch zu verleihen, liefert das Buch durchaus interessante Informationen.

Lars Robert Krautschick: Gespenster der Technokratie. Medienreflexionen im Horrorfilm. Bertz + Fischer 2015, 314 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-86505-390-9.

 

 

 

 

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Mit der FILM und BUCH-Sonderausgabe starten wir eine neue Reihe. In unregelmäßigen Abständen möchten wir umfangreichere Artikel als „Einzelausgaben“ herausbringen. Den Anfang macht ein Vergleich zwischen den J-Horrorfilmen Ringu und Ju-On und deren US-Remakes. Der Fokus liegt dabei auf den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen der Filme und wie diese sich in den jeweiligen Filmen unterscheiden. Der Download ist wie immer gratis.

OriginalundRemake-Seite001Hier der Link zum Download: Original und Remake

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zombiesFilmsoziologie ist so etwas wie das Stiefkind aller Soziologen. Es ist erstaunlich, dass sich nur wenige, sogar sehr wenige Soziologen mit Filmen auseinandersetzen, handelt es sich doch dabei um das Medium des 20. und 21. Jahrhunderts. Egal ob auf Leinwand, im Fernsehen oder im Internet, Filme sind allgegenwärtig. Sie liefern ein ungeheures Datenmaterial für mögliche Untersuchungen, aber dies ist den meisten Soziologen anscheinend völlig egal, vielleicht aber auch gar nicht bewusst.

Noch schlimmer sieht es aus, wenn es um das Thema Horrorfilm oder Phantastik im allgemeinen geht. Wer sich (jedenfalls in Deutschland) wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem wird sofort gezeigt, wo sich der Ausgang befindet. Diese akademische Engstirnigkeit wird bestraft, wie immer sind Wissenschaftler aus England und den USA die Vorreiter. Da nutzt auch nichts die Erwähnung des „Godfather“ der Filmanalyse Andrew Tudor, für den gerade Horrorfilme Ausgangsmaterial für ergiebige sozialwissenschaftliche Forschung sind.

Umso schöner ist es, dass es zwei Soziologen gewagt haben, einen Sammelband zu veröffentlichen, dessen Beiträge sich allesamt mit Horror bzw. Phantastik auseinandersetzen. Michael Dellwing und Martin Harbusch zeigen, dass sich die Beschäftigung mit diesem Thema lohnt. 14 Beiträge untersuchen Zombie- und Vampirfilme und gehen auf Fantasyspektakel ein. Untersucht wird, auf welche Weise das Andere gesellschaftlich verortet ist, wo es seinen soziokulturellen Ursprung hat und in welchem sozialen Kontext diese Filme stehen. Mit dabei u. a. auch FILM und BUCH-Herausgeber Max Pechmann, der sich mit japanischen und koreanischen Horrorfilmen auseinandersetzt.

Das Buch ist durchaus gelungen. Die einzelnen Beiträge sind interessant, sehr informativ und liefern spannende Einblicke in ein Forschungsfeld, das von so vielen „Artgenossen“ gemieden wird. Das Buch macht neugierig und vielleicht führt es dazu, dass Filmsoziologie etwas ernster genommen wird. Soziologen werden darin auf jeden Fall originelle Darstellungen finden, die zum Weiterdenken, Weiterforschen und Weiterdiskutieren anregen.

Michael Dellwing/Martin Harbusch (Hrsg). Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombieapokalypse. Verlag Springer 2014, 384 Seiten, 39,99€, ISBN: 978-3-658-01721-7

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Die Streiks bei der Bahn haben uns dazu animiert, nach Horrorfilmen zu suchen, die in einem Zug spielen. Die Anzahl solcher Produktionen ist interessanterweise äußerst gering. Wenn man es genau bedenkt, so sind Züge – außer in Westernfilmen – eher eine Randerscheinung im Kino.  Züge bieten wenig Raum für Action und da so gut wie jeder Wagon voller Fahrgäste ist, auch wenig Raum, um darin Urängste walten zu lassen. Dennoch eignet sich das Thema Zug hervorragend für Mystery-Thriller.

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„Ghost Train“ aus dem Jahr 1941. Eine Mischung aus Mystery und Komödie.

Bereits Anfang der 60er Jahre beschäftigte sich eine Folge der berühmten TV-Serie „Twilight Zone“ mit einem Zug, der den Protagonisten in einen friedlichen Ort namens Willoughby bringt. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Aussteigertum, allerdings mit ganz anderen Konsequenzen. Etwa 20 Jahre davor kam der Film „Ghost Train“ in die englischen Kinos. Darin geht es um eine Gruppe Reisender, die auf einem verlassenen Bahnhof mitten in der Pampa aussteigen müssen, um auf den nächsten Zug zu warten. Dieser aber kommt erst am nächsten Morgen. Im Laufe des Films kommen Gerüchte auf, dass es in dem Bahnhof spuken soll. Nicht nur das. Um eine bestimmte Uhrzeit soll der Phantomzug einfahren. Die Mischung aus Slapstick und Mystery hat auch heute nichts von ihrem Reiz verloren. Besonders die Gag-Einlagen des bekannten englischen Comedians Arthur Askey hat der Film viel zu verdanken.

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„Horror Express“ (1972)

1972 wurde mit „Horror Express“ einer der skurrilsten Trashfilme produziert. Mit Stars wie Christopher Lee, Peter Cushing und Telly Savalas bespickt, erzählt der Film die Geschichte eines tiefgefrorenen Monsters, das ein Wissenschaftler mit dem Transsibirenexpress nach Europa bringen möchte. Das Monster taut natürlich auf und beginnt, die Zuggäste zu dezimieren. Einer der Höhepunkte des Films ist die Sequenz, in der Telly Savalas als Zombie-Kosake den Zug in seine Gewalt bringen möchte. „Horror Express“ zählt inzwischen zu den Klassikern des Trashfilms. Beim Sitges Film Festival erhielt Regisseur und Autor Eugenio Martin den Preis für das beste Drehbuch. Doch half dies seiner Karriere nicht. Später drehte er nur noch mehr Filme fürs Fernsehen.

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„Terror Train“ (1980)

1980, zu Beginn der Slasher-Film-Welle, entstand die Produktion „Terror Train“, in der eine Gruppe Studenten eine Abschlussparty in einem Zug feiern. Die Feier ist als Kostümparty geplant. Drei Jahre zuvor kam der schüchterne Student Kenny Hampson bei einem üblen Scherz ums Leben, welche die Gruppe initiiert hatte. Bei der Party taucht immer wieder eine als Groucho Marx verkleidete Person auf, welche einen nach dem anderen umbringt. Schon bald kursiert die grässliche Vermutung, dass Kenny zurückgekommen ist, um sich an den am Scherz Beteiligten zu rächen. – Der Film ist durchaus spannend gemacht, die Schockeffekte meistens gelungen. Als Scream-Queen diente einmal mehr Jamie Lee Curtis. Bekannt wurde der Film aber vor allem durch David Copperfield, der hier eine kleine Nebenrolle innehat. Regie führte übrigens Roger Spottiswoode, der Ende der 90er Jahre für den Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ verantwortlich war.

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„Ghost Train“ (2006)

In Japan wurde 2006 ein Horrorfilm produziert, der ebenfalls in einem Zug spielt. Titel des Streifens lautet passenderweise „Ghost Train“. Es geht darin um eine Geisterfrau, die in einem Zug und auf einem bestimmten Bahnhof ihr Unwesen treibt. Angeblich basiert das Drehbuch auf einer wahren Begebenheit. Regisseur und Autor Takeshi Furusawa soll zwei Jahre lang an dem Drehbuch gearbeitet haben. Man müsste daher annehmen, einen äußerst durchdachten und ästhtetisch umgesetzten Horrorfilm vor sich zu haben. Aber leider trifft das nicht zu. Zwar gelingen dem Regisseur ein paar recht gute Szenen, doch insgesamt zählt der Film zu den schlechteren J-Horror-Varianten.

Das war es auch schon mit dem kurzen Überblick. Filme, die in einer U-Bahn spielen, haben wir bewusst ausgelassen, denn diese werden ja zurzeit nicht bestreikt. Möchte man den Rahmen aber etwas ausweiten und auch SF-Filme miteinbeziehen, so kämen noch der Mystery-Thriller „Source Code“ von „Moon“-Regisseur Duncan Jones und der koreanische SF-Film „Snowpiercer“ von Bong Joon-Ho hinzu. In „Source Code“ durchlebt ein Passagier immer wieder dieselbe Situation und versucht, aus dieser Endlosschleife zu entkommen. Gut, die Handlung ist alles andere als originell, der Film aber dennoch sehr gut gemacht. „Snowpiercer“ spielt in einem Zug, der quasi auf ewig durch eine zugeeiste Welt fährt und in dem die Unterdrückten der Macht der Elite ein Ende setzen möchten. „Snowpiercer“ war 2014 mit Sicherheit einer der interessantesten SF-Filme.

 

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Die 90er Jahre waren in Sachen Horrorkino ein irgendwie seltsames Jahrzehnt. Zum einen wurde der Stil der 80er Jahre weitergeführt, zum anderen der Stil des neuen Jahrtausends vorweggenommen. Ende der 80er Jahre wurde das Slasher-Genre zu Grabe getragen. Die Elemente dieses Subgenres aber blieben in so manchen Produktionen wie z. B. „Leprechaun“ (1993) erhalten. Erst Mitte der 90er belebte Wes Craven das Subgenre wieder. Seitdem führt es ein erfolgreiches Dasein in Kino und Videothek. Clive Barker konnte ein klein wenig von seinem Erfolg aus den 80er Jahren, den er mit „Hellraiser“ hatte, ins neue Jahrzehnt hinüberretten. Das Ergebnis waren ein paar interessante Filme, von denen „Candyman“ (hier lieferte Barker lediglich die Vorlage) die ausgefeilteste Ästhetik aufweist. Dies aus einem bestimmten Grund, orientierte man sich in den 90ern doch an klassischen Gruselvorlagen und klassischen Schauermotiven. So wurde Bram Stokers „Dracula“ neu verfilmt, ebenso wie „Frankenstein“ von Mary Shelley. Auch klassisch angehauchte Geisterfilme  – und in diese Kategorie fällt „Candyman“ – fanden ihren Weg ins Kino.

Ende der 90er Jahre versuchte man, Horror in den Mainstream zu überführen. „The Mummy“ (1999) war ein solches Experiment. Der enorme Erfolg, den dieser Film erzielte, zeigt, dass das Experiment glückte. Ende der 90er Jahre liegt auch der Ursprung von J-Horror und K-Horror. In Japan sorgte „Ring“ für viel Gänsehaut und entwickelte sich innerhaln kürzester Zeit zum erfolgreichsten japanischen Film aller Zeiten. Im selben Zeitraum begann die „Korean Hallyu“, die Welle der koreanischen Popkultur – und zwar ebenfalls mit einem Horrorfilm. „Whispering Corridors“ zeigte ein neues koreanisches Kino und legte den Grundstein für den modernen koreanischen Film.

Die Epoche des italienischen Horrorfilms war jedoch endgültig vorbei. Hin und wieder bemühte sich Dario Argento mit einer neuen Produktion oder half jungen Regisseuren bei der Realisierung ihrer Filme. Das bekannteste Ergebnis dieser Kooperationen ist die Horrorkomödie „Della Morte, Dell Amore“ (1994).

Im Folgenden wollen wir ein paar der bekanntesten Horrorfilme aus jenem Jahrzehnt nochmals Revue passieren lassen:

Hardware Death_MachineMensch gegen Maschine lautete nicht nur das Motto von „Terminator 2“. Das Special Effects Team dieses Blockbusters versuchte, das Thema auf eigene Art umzusetzen. Heraus kam „Death Machine“ (1994), dessen ungekürzte Fassung in Deutschland indiziert ist. Es geht darin um ein geheimes Militärprojekt, das sich ein geisteskranker Wissenschaftler ausgedacht hat und natürlich außer Kontrolle gerät. Vier Jahre zuvor wurde die Kammerspiel-Version dieses Themas produziert. Gemeint ist der Klassiker „Hardware“ (1990), der in Deutschland auch unter dem Titel „M.A.R.K. 13“ bekannt ist. Auch hier ist die ungeschnittene Fassung indiziert. Während „Death Machine“ eine Mischung aus SF-Groteske und Satire darstellt, ist „Hardware“ zwar recht schwarzhumorig, dennoch in der Hauptsache düster-apokalyptisch.

Clive Barker gilt in Deutschland als Pädagogen-Schreck schlechthin. „Hellraiser“, der bei dieser Klientel nicht einmal ansatzweise verstanden wurde, geriet unter die Räder so mancher (unfreiwillig komischer) akademischen Abhandlung über die angebliche Schädlichkeit von Horrorfilmen. „Hellraiser“ gilt als eines der ästhetisch ausgefeiltesten Horrorfilme der 80er Jahre. Kein Wunder also, dass das Publikum sich auf die nächsten Filme freute. 1990 adaptierte Barker seinen Roman „Cabal“ unter dem Titel „Nightbreed“. Wieder erfreuen hier wunderbare Monstermasken das Herz des Horrorfans. 1992 folgte eine weitere Adaption mit dem Titel „Candyman“. Regie führte hier Bernard Rose. Das Thema urbane Legenden wird hier hervorragend umgesetzt und sorgt zugleich für eine klassische Spukästhetik. Bei „Lord of Illusions“ schließlich führte Clive Barker wieder selbst Regie. Der Film nimmt die Magier-Welle des folgenden Jahrzehnts vorweg. Die Mischung aus Krimi und übernatürlichen Elementen war leider nicht jedermanns Sache, sodass der Film floppte.

Nightbreed Candyman Lordillusions

Die Mischung zwischen SF und Horror führte nicht nur die „Alien“-Reihe durch die 90er Jahre weiter. Es erschienen immer wieder Filme, welche sich demselben Genremix verschrieben. Als Beispiele seien hier „Species“ (1995) und „Tremors“ (1990) genannt. Beide Filme zählen inzwischen zu den Klassikern des 90s Horrors. „Species“ wurde mit einem regelrechten Staraufgebot in Szene gesetzt. Die Kunst der Darsteller führt dazu, dass sich der Film hinsichtlich seiner sexuellen Thematik nicht der Lächerlichkeit preisgibt. Das außerirdische Wesen, das auf die Erde kommt und sich unter allen Umständen fortpflanzen möchte, sorgte für zahlreiche blutige Momente für die Kopulationspartner. „Tremors“, auch bekannt unter dem Titel „Im Land der Raketenwürmer“ (damals hatten die deutschen Verleiher noch originelle Titelideen), ist ein B-Picture an und für sich. Eine kleine Wüstenstadt wird plötzlich von riesigen Sandwürmern zu Kleinholz verarbeitet. Die gelungene Komödie fiel in Deutschland leider durch. Der Erfolg kam erst durch den Videoverleih.

In den 90er Jahren durften auch Vampire nicht fehlen. „Buffy, The Vampire SpeciesBuffy_The_Vampire_Slayer Slayer“(1992) war das, was man als Trash-Granate bezeichnen kann. Ein wunderbar kurzweiliger, Action reicher Film über eine junge Frau, die auf Vampirjagd geht. Später wurde daraus eine TV-Serie. Die intellektuelle Version des Vampirs kam mit „The Addiction“ (1995) in die Kinos. Im New Yorker Akademikerzirkel schleichen Vampire herum. Philosophisch angehauchte Dialoge und eine gelungene Schwarzweiß-Ästhetik sorgen zwar nicht für Spannung, aber für ein originelles und latent witziges Filmvergnügen.

In den 90er Jahren kehrten Dracula und Frankenstein zurück auf die Kinoleinwand. Nicht in einer Low Budget-Version, sondern als Big Budget-Kino. „Bram Stoker’s Dracula“ (1992) und „Mary Shelley’s Frankenstein“ (1994) sollte weniger die Gänsehaut strapazieren, als vielmehr den Horror in den Mainstream transformieren. Man wollte die Werke so genau wie möglich visuell umsetzen. Während „Frankenstein“ jedoch überdramatisiert wirkt und ab einem bestimmten Punkt nur noch für Kopfschmerzen sorgt, ist „Dracula“ ästhtetisch ausgewogen. Im Groben und Ganzen könnte man beide Filme auch unter die Kategorie des Kostümfilms setzen. Hierbei ist auch „Sleepy Hollow“ (1999) zu erwähnen, der als freie Adaption einer Erzählung von Washington Irving durchgehen kann. Tim Burton, der eigentlich vorhatte, daraus einen Stummfilm zu drehen, lehnte sich in seiner Umsetzung an die alten Universal- und Hammer Studio-Filmen an.

Scream

1996 brachte eine eindeutige Wende in das Horrorgenre. Wes Cravens „Scream“ belebte das Slasher-Genre neu. Der riesige Erfolg führte nicht nur zu zwei Fortsetzungen, sondern zu einer nicht enden wollenden Anzahl weiterer Produktionen diesen Stils. Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend das Minimal-Maximal-Prinzip, was bedeutet, dass man mit einer sehr geringen Investition einen sehr großen Gewinn einfahren kann. Filme, die ebenfalls in diese Kategorie gehören und recht erfolgreich waren, lauteten „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (1997) und „Urban Legends“ (1998). Die Handlungen und die Figuren sind stets austauschbar. Bis heute hat sich nichts daran geändert. Dennoch erfreut sich das Subgenre bis jetzt großer Beliebtheit.

Ende der 90er Jahre wurde mit „Blair Witch Project“ (1999) das Lost Footage-Genre zwar nicht erfunden, aber immerhin auf Erfolgskurs gebracht. Auch hier häufen sich die Nachfolgeproduktionen bis zum geht nicht mehr. Manche dieser Filme sind durchaus gelungen, die Mehrheit aber sorgt vor allem für Langeweile. Siehe hierzu unseren Artikel Lost Footage.

The-Ring Whispering_CorridorsZunächst noch vom Westen unbemerkt, kamen 1998 mit „Ring“ und „Whispering Corridors“ neue japanische und koreanische Filme in die Kinos. Die Geburtsstunde von J-Horror und K-Horror war gekommen. Während J-Horror ab etwa 2009 immer weniger Erfolge einfuhren konnte, blieb der Erfolg bei K-Horrorfilmen weitestgehend erhalten. Da japanische Filme in der Hauptsache für den eigenen Markt produziert werden, hatte J-Horror so gut wie keine Auswirkung auf das übriges japanische Kino. Im Gegensatz zu K-Horror. Das moderne koreanische Kino war von Anfang an darauf aus, international erfolgreich zu sein. Das Vorhaben hat geklappt. Südkorea zählt heute zum größten Konkurrenten Hollywoods.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Filme, die in den 90er Jahren herauskamen, hier aber nicht erwähnt wurden. Dazu zählen z.B. „Flatliners“ (1990), einer Mischung aus Thriller mit grenzwissenschaftlicher Thematik und Esoterikgefasel. Sam Raimis „Army of Darkness“, dem dritten Teil seiner „Evil Dead“-Trilogie. Peter Jackson kitzelte zudem mit „Frighteners“ (1996) die Lachmuskeln. Auch „Wolf“ (1994), in der Michelle Pfeiffer sich in einen Werwolf (Jack Nickolson) verliebt, wurde in den Medien viel besprochen. Der Film selbst ist dann doch eher etwas für Romanzen-Fans. Auch wurde mit Filmen wie „The Haunted“ (1995) und „The Haunting“ (1999) das Spukhaus-Genre aus der Mottenkiste geholt. Insgesamt kann man sagen, dass die 90er Jahre sich vor allem auf klassische oder traditionelle Schauerthemen konzentrierten. Nachdem Ende der 80er Jahre die Brutalität der damaligen Slasher-Filme so überhand nahm, dass es sich damit selbt versenkte, arbeiteten die 90er Jahre verstärkt mit der Atmosphäre des Unheimlichen und Bedrohlichen. Doch so genau lassen sich die Filme jenes Jahrzehnts nicht festlegen. Ihre Machart liegt – wie der Titel des Essays sagt – irgendwo dazwischen.

Wolf

 

 

 

 

 

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