Horror de Luxe: Apartment 1303 (2007)

Mariko (Noriko Nakagoshi) hat einen unliebsamen Mitbewohner (Apartment 1303; © MonteCristo International)

Wie wurde nicht über diesen Film hergezogen. Dass er amateurhaft sei, dass die Schauspieler schlecht seien und so weiter und so fort. Dementsprechend skeptisch ging ich an „Apartment 1303“ heran – und war überrascht, was für ein hervorragender Film dies doch ist.

„Apartment 1303“ stammt aus der Endphase von J-Horror, sprich aus dem Jahr 2007. Natürlich existiert J-Horror weiterhin, doch ist die Glanzzeit dieses Genres, das 1998 mit „Ring“ begann, vorbei – ab 2007 dümpelte J-Horror dann auch eher vor sich hin, anstatt weitere Meisterwerke zu liefern. Wie man es sich bei dem Titel denken kann, geht es um eine unheimliche Wohnung in einem Bau namens Blue Palace. Immer wieder haben dort junge Frauen Selbstmord begangen. Als auch Marikos Schwester sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen hat, versucht sie, hinter das Geheimnis der Wohnung zu kommen.

Originalolakat von „Aparment 1303“

Der Film fasziniert von Anfang an durch seine unglaublich gute Optik. Regisseur Ataru Oikawa hat bereits in „Tomie“ (1999) gezeigt, dass ihm in Sachen Bildkomposition nicht jeder die Hand reichen kann, und genau diese Kunstfertigkeit setzt er in „Apartment 1303“ fort. Elegante Kamerafahrten, sorgfältige Einstellungen, eine wundervolle Farbgebung und nicht zuletzt ein erstklassiger Sound sorgen dafür, dass einen der Film vollkommen in seinen Bann schlägt.

Dabei kommt die Handlung unglaublich düster daher. Die Hintergrundgeschichte besitzt einerseits eine tiefe Tragik, andererseits nimmt sie Aspekte urbaner Legenden für sich in Anspruch. Die Kombination aus beidem macht die Geschichte überaus interessant. Besonders deshalb, da es Oikawa in „Apartment 1303“ um eine vehemente Gesellschaftskritik geht. Er zeigt zerstörte Familien, alkoholkranke Mütter, Misshandlung von Kindern. Alles in allem also harter Tobak, besonders für eine Gesellschaft, in der letzt genannter Punkt immer wieder unter den Teppich gekehrt wird.

Mariko (Noriko Nakagoshi) vor dem Blue Palace; (Apartment 1303; © MonteCristo Inernational)

Aus all dem schafft Oikawa ein kleines optisches Meisterwerk, in dem er auch eine leise, aber witzige Liebesgeschichte miteinwebt. Gut, bei einer Szene, in der Studenten von einer Geisterfrau heimgesucht werden, kratzt Oikawa etwas arg am Trash. Doch stört dieses kleine Zwischenspiel kaum. Anscheinend war den Produzenten der Film zu ruhig, sodass sie Oikawa drängten, ein bisschen mehr Hektik in das Ganze zu bringen.

Nein, die negativen Kritiken kann ich kein bisschen nachvollziehen. „Apartment 1303“ ist ein schöner Geisterfilm, der am Ende sogar klassische Züge annimmt, was einem noch mehr für diesen Film einnimmt. Wer sich diesen Film ansehen möchte, sollte dies übrigens im japanischen Original tun, da die deutsche Synchro den Schauspielern nicht wirklich gerecht wird. – Eine kleine, aber feine Perle des japanischen Horrorfilms.

2012 drehte übrigens Michael Taverna das gleichnamige Remake, landete damit aber nicht nur einen Flop, sondern wurde von negativen Kritiken nur so überhäuft.

Aparment 1303. Regie u. Drehbuch: Ataru Oikawa, Produktion: Chiaki Harada, Darsteller: Eriko Hatsune, Yuka Itaya, Noriko Nakagoshi, Naoko Otani, Arata Furuta. Japan 2007, 91 Min.

J-Horror: Carved – The Slit-Mouthed Woman

carvedUm Kuchisake-Onna ranken sich in Japan so allerhand Gerüchte. Die unheimliche Frau soll vor allem Kindern und Jugendlichen erscheinen und sie fragen: „Bin ich hübsch?“ Wer die falsche Antwort gibt, um den ist es geschehen. Es handelt sich bei Kuchisake-Onna um eine urbane Legende, die sich vor allem Kinder erzählen, um sich gegenseitig Angst einzujagen. Eine Besonderheit der Frau ist, dass sie einen langen Mantel trägt und ein Mundschutz ihren aufgeschlitzten Mund verdeckt. Zudem hat sie stets eine große Schere dabei, mit der sie ihre Opfer peinigt.

Diese gespenstischen Gerüchte nahm Regisseur Koji Shiraishi als Grundlage für seinen Horrorfilm „Carved“. Dieser spielt in einer Kleinstadt, in der es auf einmal zu Kindesentführungen kommt. Kinder erzählen, sie hätten eine Frau mit einem aufgeschlitzten Mund gesehen, die die Kinder mit sich nahm. Die Lehrerin Kyoko Yamashita macht sich daran, nach den entführten Kindern zu suchen. Dabei kommt sie tatsächlich auf die Spur dieser seltsamen Person …

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Nicht mehr länger nur eine Legende; „Carved“ (2007); Copyright: Splendid Film

Carved ist ein typischer J-Horror-Film und funktioniert daher auf dieselbe Weise wie „Ringu“.  So werde am Anfang in Form einer urbanen Legende Gerüchte um eine unheimliche Frau erzählt, die später tatsächlich in Erscheinung tritt. Und schließlich wird versucht, ihrem gespenstischen Treiben ein Ende zu setzen. Regisseur Koji Shiraishi gelingt es dabei, den Zuschauer durchgehend zu unterhalten. Dabei keriert er eine durchweg bedrohliche Atmosphäre, wobei es auch nicht an unheimlichen Zwischenfällen fehlt, die recht gelungen in Szene gesetzt sind. Das bizarre Aussehen der Frau steht dabei natürlich im Mittelpunkt. Mit ihrem aufgeschlitzten Mund und dem stets starren Blick hofft man, ihr nicht gerade hinter der nächsten Ecke zu begegnen.

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Kuchisake-Onna in Aktion; „Carved“ (2007); Copyright: Splendid Film

Was dem Regisseur allerdings weniger gelingt, hängt mit den Logikfehlern zusammen. Es gibt zu viele Ungereimtheiten, die den Zuschauer mit einigen Fragezeichen zurücklassen. Dies fängt bei der Hintergrundgeschichte an und geht bei der Fähigkeit der Frau weiter, den Protagonisten Trugbilder vorzugaukeln. Die zentrale Frage, die sich stellt, lautet, wer oder besser was diese Frau nun eigentlich ist. Hierbei hilft die Erklärung, die Koji Shiraishi liefert, nicht unbedingt weiter. Dennoch ist „Carved“ aufgrund seiner interessanten Optik, dem Spannungsaufbau und nicht zuletzt der unheimlichen Figur Kuchisake-Onna einer der besten J-Horror-Filme aus der Spätphase des J-Horror.

Der Erfolg des Films verlangte damals natürlich nach einer Fortsetzung. Doch „The Slit-Mouthed Woman 2“ ist mehr Drama als Horror und eigentlich mehr Prequel als Sequel, in dem erzählt wird, wie es zu dieser urbanen Legende gekommen ist. In Sachen Optik und Spannung reicht der zweite Teil an den Originalfilm nicht heran.

Carved – The slit-mouthed Woman (OT: Kuchisake-Onna), Regie: Koji Shiraishi, Drehbuch: Koji Shiraishi, Naoyuki Yokota, Produktion: Kayoko Hanamura, Darsteller: Eriko Sato, Haruhiko Kato, Chiharu Kawai, Rie Kuwana, Japan 2007, 90 Min.

Die Klunkerecke: Kaidan

kaidanRegisseur Hideo Nakata gehört zu den Mitbegründern des modernen japanischen Horrorfilms. Seine Romanadaption „Ring“ wurde wegweisend für viele nachfolgende Produktionen und beeinflusste nicht zuletzt den US-amerikanischen Horrorfilm. Spielen J-Horror-Filme in der Gegenwart, so verlegt Nakata in seinem „Kaidan“ die Handlung in das 18. Jahrhundert und nähert sich damit den Legenden und Märchen an, in denen das Unheimliche der J-Horror-Filme seinen Ursprung hat.

Die Geschichte erzählt davon, wie die reiche Dame Oshiga, die bekannt ist für ihren Musikunterricht, sich in den Hausierer Shinkichi verliebt. Beide heiraten, was einen großen Skandal hervorruft, da Oshiga jemanden aus einem niedrigeren Stand zum Mann nimmt. Nach und nach führt dies dazu, dass Oshigas Schülerinnen wegbleiben. Zugleich macht sich bei ihr eine schwere Krankheit bemerkbar. Shinkichi vergnügt sich inzwischen mit anderen Frauen. Als sie das mitbekommt, schreibt sie auf ihrem Sterbelager einen Fluch nieder, der Shinkichi  immer dann treffen soll, wenn er eine Beziehung zu einer anderen Frau eingehen will. Zunächst hält dieser das Schriftstück für reinen Unfug. Doch dann tritt der Fluch tatsächlich in Kraft …

Im Gegensatz zu den übrigen J-Horror-Beiträgen, ist „Kaidan“ ein eher ruhiger Film, der in wunderbaren Farben schwelgt und mit einer tollen Optik überzeugt. Er verbindet Historie mit Legende und Schauerromantik und ragt durch seinen hohen künstlerischen Anspruch aus den übrigen Produktionen deutlich hervor. Trotzdem neigt Nakata nicht gerade zur Zimperlichkeit bei den Szenen, in denen der Fluch wirksam wird. Hier kommt es zu recht blutigen und grausamen Zwischenfällen, die Shinkichi an den Rand des Irrsinns bringen. Doch Hideo Nakata wollte eben mehr, als „nur“ einen Horrorfilm drehen. So kleidet er „Kaidan“ in die Form eines Dramas, in dem es um Liebe und Hass, Wahnsinn und Rache geht.

Was bei „Kaidan“ jedoch etwas verwundert, ist der Prolog, der im Grunde genommen nicht viel mit der restlichen Geschichte zu tun hat. Jedenfalls wirkt dieser überflüssig, da er im Grunde genommen nichts erklärt und so gut wie nichts mit der Ursache des Fluchs zu tun hat.

Wenn man aber von dieser kleinen Ungereimtheit absieht, ist „Kaidan“ ein Film, der vor allem durch seine sorgfältige Produktion überzeugt

Kaidan, Regie: Hideo Nakata, Drehbuch: Satoko Okudera, Produktion: Takashige Ichise, Darsteller: Kumiko Aso, Tokoaki Enoki, Reona Hirota, Mao Inoue, Tae Kimura. Japan 2007, Laufzeit: 115 Min.

Gespenster der Technokratie oder Medien im J-Horror

technokratieVor kurzer Zeit wurde ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem Thema Medien in japanischen Horrorfilmen beschäftigt. Das hat uns von FILM und BUCH natürlich neugierig gemacht, da einer unserer Schwerpunkte K- und J-Horror ist.

Autor ist Lars Robert Krautschick, der über dieses Thema seine Dissertation verfasste. Die Fragestellung ist durchaus interessant und wichtig, spielen doch in manchen J-Horrorfilmen Handys, Telefone, Fernseher und auch das Internet eine zentrale Rolle. „Ring“ (1998) machte hierbei den Anfang. Krautschick untersucht nun, auf welche Weise die jeweiligen Medien in den Filmen dargestellt werden. Hierzu nahm er sich drei Filme vor: „Ring“, „One missed Call“ (2003) und „Kairo“ (2001).

Seine Darstellung umfasst als jeweiligen „Vorspann“ einen Überblick über die historischen Entwicklungen der jeweiligen Medien (im Westen, nicht in Japan), bevor er sie in den oben genannten Filmen analysiert. Originell ist hierbei, dass er zusätzlich parapsychologische Fachliteratur hinzuzieht, in denen dieselben Medien (Telefon, Fernseher, Internet) auf ihre Heimsuchungsqualitäten untersucht werden.  In den Filmen sucht er nach Parallelen zu diesen Aspekten und findet diese auch, wie etwa im Weißen Rauschen, das in „Ring“ stets die Geisterfrau Sadako ankündigt.

So gesehen macht dies die Analyse durchaus spannend. Allerdings finden sich in Krautschicks Buch auch weniger gute Aspekte. An einer Stelle, in der er kurz auf die US-Remakes eingeht, lässt er sämtliche asiatische Horrorfilme unter der Bezeichnung J-Horror erscheinen –  also auch Horrorfilme aus Südkorea und Thailand. J-Horror ist jedoch kein Überbegriff für asiatische Horrorfilme, sondern bezieht sich eben nur auf den modernen japanischen Horrorfilm, der Ende der 90er Jahr entstand. Urbane Legenden an einer anderen Stelle als urbane Märchen zu bezeichnen, ist ebenfalls weniger gelungen. Bei dieser oralen Narrationsform handelt es sich um moderne Legenden, die vor allem an Unis, Schulen oder in Feriencamps weiter erzählt werden, keinesfalls um Märchen.

Obwohl das Buch ein interessantes Thema bearbeitet, fehlen an vielen Stellen soziokulturelle Hintergründe. Zum großen Teil bleibt offen, was genau diese Medien im sozialen und kulturellen Kontext (Japans) unheimlich macht. Der Bezug auf parapsychologische Artikel, so faszinierend dieser auch ist, ist hierbei zu wenig. Beim Thema Telefon macht sich Krautschick auf einer psychologischen Ebene darüber Gedanken, auf welche Weise dieses mit dem Thema Angst in Verbindung steht. Beim Handy wird dies schon eher vage und beim Internet ebenfalls. Auch fehlen Einblicke in die japanische Gesellschaft, die seine Ergebnisse untermauern könnten. Zwar gibt es hier und da kleinere Einschübe, doch sind diese recht oberflächlich. Hier hätte sich der Autor mehr Mühe machen müssen, da sein Buch nun einmal von japanischen Filmen handelt und man diese nur ganz verstehen kann, wenn man die jeweiligen soziokulturellen Hintergründe kennt.

Doch im Hinblick darauf, wie die jeweiligen Medien in J-Horrorfilmen zur Geltung kommen, wie sie filmisch dargestellt werden, um ihnen einen unheimlichen Touch zu verleihen, liefert das Buch durchaus interessante Informationen.

Lars Robert Krautschick: Gespenster der Technokratie. Medienreflexionen im Horrorfilm. Bertz + Fischer 2015, 314 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-86505-390-9.

 

 

 

 

Sonderausgabe 1/2015: Japanische Horrorfilme und deren Remakes

Mit der FILM und BUCH-Sonderausgabe starten wir eine neue Reihe. In unregelmäßigen Abständen möchten wir umfangreichere Artikel als „Einzelausgaben“ herausbringen. Den Anfang macht ein Vergleich zwischen den J-Horrorfilmen Ringu und Ju-On und deren US-Remakes. Der Fokus liegt dabei auf den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen der Filme und wie diese sich in den jeweiligen Filmen unterscheiden. Der Download ist wie immer gratis.

OriginalundRemake-Seite001Hier der Link zum Download: Original und Remake

Zombies im Fachformat – Filmsoziologie einmal anders

zombiesFilmsoziologie ist so etwas wie das Stiefkind aller Soziologen. Es ist erstaunlich, dass sich nur wenige, sogar sehr wenige Soziologen mit Filmen auseinandersetzen, handelt es sich doch dabei um das Medium des 20. und 21. Jahrhunderts. Egal ob auf Leinwand, im Fernsehen oder im Internet, Filme sind allgegenwärtig. Sie liefern ein ungeheures Datenmaterial für mögliche Untersuchungen, aber dies ist den meisten Soziologen anscheinend völlig egal, vielleicht aber auch gar nicht bewusst.

Noch schlimmer sieht es aus, wenn es um das Thema Horrorfilm oder Phantastik im allgemeinen geht. Wer sich (jedenfalls in Deutschland) wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem wird sofort gezeigt, wo sich der Ausgang befindet. Diese akademische Engstirnigkeit wird bestraft, wie immer sind Wissenschaftler aus England und den USA die Vorreiter. Da nutzt auch nichts die Erwähnung des „Godfather“ der Filmanalyse Andrew Tudor, für den gerade Horrorfilme Ausgangsmaterial für ergiebige sozialwissenschaftliche Forschung sind.

Umso schöner ist es, dass es zwei Soziologen gewagt haben, einen Sammelband zu veröffentlichen, dessen Beiträge sich allesamt mit Horror bzw. Phantastik auseinandersetzen. Michael Dellwing und Martin Harbusch zeigen, dass sich die Beschäftigung mit diesem Thema lohnt. 14 Beiträge untersuchen Zombie- und Vampirfilme und gehen auf Fantasyspektakel ein. Untersucht wird, auf welche Weise das Andere gesellschaftlich verortet ist, wo es seinen soziokulturellen Ursprung hat und in welchem sozialen Kontext diese Filme stehen. Mit dabei u. a. auch FILM und BUCH-Herausgeber Max Pechmann, der sich mit japanischen und koreanischen Horrorfilmen auseinandersetzt.

Das Buch ist durchaus gelungen. Die einzelnen Beiträge sind interessant, sehr informativ und liefern spannende Einblicke in ein Forschungsfeld, das von so vielen „Artgenossen“ gemieden wird. Das Buch macht neugierig und vielleicht führt es dazu, dass Filmsoziologie etwas ernster genommen wird. Soziologen werden darin auf jeden Fall originelle Darstellungen finden, die zum Weiterdenken, Weiterforschen und Weiterdiskutieren anregen.

Michael Dellwing/Martin Harbusch (Hrsg). Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombieapokalypse. Verlag Springer 2014, 384 Seiten, 39,99€, ISBN: 978-3-658-01721-7

Der Zug fährt ab – oder auch nicht! – Unheimliches auf falschen Gleisen

Die Streiks bei der Bahn haben uns dazu animiert, nach Horrorfilmen zu suchen, die in einem Zug spielen. Die Anzahl solcher Produktionen ist interessanterweise äußerst gering. Wenn man es genau bedenkt, so sind Züge – außer in Westernfilmen – eher eine Randerscheinung im Kino.  Züge bieten wenig Raum für Action und da so gut wie jeder Wagon voller Fahrgäste ist, auch wenig Raum, um darin Urängste walten zu lassen. Dennoch eignet sich das Thema Zug hervorragend für Mystery-Thriller.

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„Ghost Train“ aus dem Jahr 1941. Eine Mischung aus Mystery und Komödie.

Bereits Anfang der 60er Jahre beschäftigte sich eine Folge der berühmten TV-Serie „Twilight Zone“ mit einem Zug, der den Protagonisten in einen friedlichen Ort namens Willoughby bringt. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Aussteigertum, allerdings mit ganz anderen Konsequenzen. Etwa 20 Jahre davor kam der Film „Ghost Train“ in die englischen Kinos. Darin geht es um eine Gruppe Reisender, die auf einem verlassenen Bahnhof mitten in der Pampa aussteigen müssen, um auf den nächsten Zug zu warten. Dieser aber kommt erst am nächsten Morgen. Im Laufe des Films kommen Gerüchte auf, dass es in dem Bahnhof spuken soll. Nicht nur das. Um eine bestimmte Uhrzeit soll der Phantomzug einfahren. Die Mischung aus Slapstick und Mystery hat auch heute nichts von ihrem Reiz verloren. Besonders die Gag-Einlagen des bekannten englischen Comedians Arthur Askey hat der Film viel zu verdanken.

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„Horror Express“ (1972)

1972 wurde mit „Horror Express“ einer der skurrilsten Trashfilme produziert. Mit Stars wie Christopher Lee, Peter Cushing und Telly Savalas bespickt, erzählt der Film die Geschichte eines tiefgefrorenen Monsters, das ein Wissenschaftler mit dem Transsibirenexpress nach Europa bringen möchte. Das Monster taut natürlich auf und beginnt, die Zuggäste zu dezimieren. Einer der Höhepunkte des Films ist die Sequenz, in der Telly Savalas als Zombie-Kosake den Zug in seine Gewalt bringen möchte. „Horror Express“ zählt inzwischen zu den Klassikern des Trashfilms. Beim Sitges Film Festival erhielt Regisseur und Autor Eugenio Martin den Preis für das beste Drehbuch. Doch half dies seiner Karriere nicht. Später drehte er nur noch mehr Filme fürs Fernsehen.

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„Terror Train“ (1980)

1980, zu Beginn der Slasher-Film-Welle, entstand die Produktion „Terror Train“, in der eine Gruppe Studenten eine Abschlussparty in einem Zug feiern. Die Feier ist als Kostümparty geplant. Drei Jahre zuvor kam der schüchterne Student Kenny Hampson bei einem üblen Scherz ums Leben, welche die Gruppe initiiert hatte. Bei der Party taucht immer wieder eine als Groucho Marx verkleidete Person auf, welche einen nach dem anderen umbringt. Schon bald kursiert die grässliche Vermutung, dass Kenny zurückgekommen ist, um sich an den am Scherz Beteiligten zu rächen. – Der Film ist durchaus spannend gemacht, die Schockeffekte meistens gelungen. Als Scream-Queen diente einmal mehr Jamie Lee Curtis. Bekannt wurde der Film aber vor allem durch David Copperfield, der hier eine kleine Nebenrolle innehat. Regie führte übrigens Roger Spottiswoode, der Ende der 90er Jahre für den Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ verantwortlich war.

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„Ghost Train“ (2006)

In Japan wurde 2006 ein Horrorfilm produziert, der ebenfalls in einem Zug spielt. Titel des Streifens lautet passenderweise „Ghost Train“. Es geht darin um eine Geisterfrau, die in einem Zug und auf einem bestimmten Bahnhof ihr Unwesen treibt. Angeblich basiert das Drehbuch auf einer wahren Begebenheit. Regisseur und Autor Takeshi Furusawa soll zwei Jahre lang an dem Drehbuch gearbeitet haben. Man müsste daher annehmen, einen äußerst durchdachten und ästhtetisch umgesetzten Horrorfilm vor sich zu haben. Aber leider trifft das nicht zu. Zwar gelingen dem Regisseur ein paar recht gute Szenen, doch insgesamt zählt der Film zu den schlechteren J-Horror-Varianten.

Das war es auch schon mit dem kurzen Überblick. Filme, die in einer U-Bahn spielen, haben wir bewusst ausgelassen, denn diese werden ja zurzeit nicht bestreikt. Möchte man den Rahmen aber etwas ausweiten und auch SF-Filme miteinbeziehen, so kämen noch der Mystery-Thriller „Source Code“ von „Moon“-Regisseur Duncan Jones und der koreanische SF-Film „Snowpiercer“ von Bong Joon-Ho hinzu. In „Source Code“ durchlebt ein Passagier immer wieder dieselbe Situation und versucht, aus dieser Endlosschleife zu entkommen. Gut, die Handlung ist alles andere als originell, der Film aber dennoch sehr gut gemacht. „Snowpiercer“ spielt in einem Zug, der quasi auf ewig durch eine zugeeiste Welt fährt und in dem die Unterdrückten der Macht der Elite ein Ende setzen möchten. „Snowpiercer“ war 2014 mit Sicherheit einer der interessantesten SF-Filme.