Suspiria (2018) – Ein Remake, das keines sein will

Bereits frühere Versuche, Dario Argentos Überfilm „Suspiria“ (1977) neu zu verfilmen scheiterten. Das Projekt wurde dennoch  nie aufgegeben, und schließlich war es der italienische Regisseur Luca Guadagnino, der das Vorhaben 2018 verwirklichte. Von Anfang an gab Guadagnino bekannt, dass sein Film kein Remake sei, sondern viel eher als Neuinterpretation verstanden werden soll.

Nun ja, mit Dario Argentos Meisterwerk hat Luca Guadagninos Version tatsächlich nicht mehr viel am Hut. Nur die Grundhandlung ist die gleiche: eine junge Frau kommt nach Deutschland, um an einer Tanzschule Ballettunterricht zu nehmen, und stößt dabei auf ein tödliches Geheimnis. Liegt diese Schule bei Argento in München, so hat sich Guadagnino für Berlin entschieden, genauer für eine verwahrloste Seitengasse, wo die Tanzschule als einstiger Prachtbau erscheint. Die jugendstilartige Fassade ist ebenfalls ein Hinweis auf das Original.

Die Handlung spielt im Jahr 1977, also dem Jahr, in dem Argentos „Suspiria“ in die Kinos kam. Und so entdecken aufmerksame Zuschauer dann auch den kleinen Hinweis an der U-Banhstation, als die linke Anzeigetafel die Richtung Suspiria angibt. Doch steckt darin zugleich ein weiterer Hinweis, denn der Zug geht in die andere Richtung, was so viel bedeutet wie, dass Kenner des Originals nicht damit rechnen müssen, eine typische Neuverfilmung zu erleben. Und das ist Guadagninos Version auch nicht.

Luca Guadagnino und Drehbuchautor David Kajganich versuchen, einen eigenen Film zu präsentieren, der sich mit dem Original gar nicht messen möchte. Auf diese Weise kreiert er eine Mischung aus Arthouse und Horror, wobei er sich hierbei vor allem an den europäischen Horrorfilmen der 70er Jahre orientiert. In der Tat kommt es einem dann so vor, als habe Regisseur Jean Rollins einen Argento-Stoff umgesetzt. Denn Ausstattung und Farbgebung erinnern dann doch er an Filme wie Rollins „The naked Vampire“ und weniger an Argentos surreale Kompositionen.

Beim Blick auf die Schauspieler, bleibt die Aufmerksamkeit schlicht und ergreifend an Tilda Swinton hängen, die hier zwei Rollen innehat: zum einen Madame Blanc, zum anderen den schuldgeplagten Psychiater Josef Klemperer, beide Figuren verkörpert sie einfach nur hervorragend. Ihr gegenüber muss man die anderen Darsteller eigentlich nicht erwähnen, da diese ihre Rollen nicht richtig ausfüllen und dadurch oberflächlich bleiben.

Ob der Film wirklich eine Länge von beinahe zweieinhalb Stunden haben musste, sei einmal dahingestellt. Denn trotz eben dieser Länge wird der Film zwar nie langweilig, doch möchte sich darin einfach keine Dichte einstellen. Dies liegt unter anderem auch daran, dass Luca Guadagnino von Anfang an unsicher an den Stoff herangegangen ist, was sich in einer grundlegenden Ideenlosigkeit und einer deutlichen Unschlüssigkeit verdeutlicht, worum es in dem Film eigentlich gehen soll.

Insgesamt ist Luca Guadagninos „Suspiria“ zwar kein schlechter Film, aber er lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück. Aber gut, das lange Kapitel „Neuverfilmung von ‚Suspiria'“ ist damit beendet und mit Sicherheit wird sich Guadagnino  nun nicht mehr an eine Neuinterpretation von Argentos „Inferno“, der ja die Fortsetzung von „Suspiria“ darstellt, wagen. Hoffen wir es jedenfalls.

Trash der 60er (18): Planet der Vampire

Im Jahr 1965 wechselte der italienische Meisterregisseur Mario Bava kurz einmal das Genre. Statt eines reinen Horrorfilms, lieferte er eine Mischung aus SF und Horror ab, die in Deutschland unter dem Titel „Planet der Vampire“ (der Originaltitel lautet „Terrore nello spazio“) erst 1968 in die Kinos kam. Der Film entstand im Auftrag der American International Pictures, die in den 60er Jahren eng mit den italienischen Filmstudios zusammenarbeiteten.

Es geht darum, dass die Besatzungen zweier Raumschiffe, Argos und Galliot, plötzlich ein Notsignal empfangen, dessen Ursprung auf dem Planeten Aura liegt. Während die Galliot abstürzt, wird das zweite Raumschiff durch eine unbekannte Macht zur Landung gezwungen. Für einen Moment verliert die Besatzung das Bewusstsein. Als alle wieder zu sich kommen, ist klar, dass die Argos nicht sofort wieder starten kann. Während der Reparaturen, beschließt Captain Markarys den Planeten zu erkunden und stößt dabei auf ein vor Jahren auf dem Planeten gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Zugleich beginnen sich manche Mitglieder von Markarys Mannschaft sonderbar zu benehmen …

Obwohl Ridley Scott behauptet, dass „Alien“ nichts mit Bavas „Planet der Vampire“ zu tun habe, sind die Ähnlichkeiten doch überraschend groß. Das Notsignal, das fremde Raumschiff, ja sogar die Überreste der fremdartigen Außerirdischen finden sich in Scotts Klassiker aus dem Jahr 1979 wieder. Der Ideenklau ist nicht zu übersehen, auch wenn dies nur den Anfang von „Alien“ betrifft.

Die Reste eines der seltsamen Außerirdischen in „Planet der Vampire“, verbunden mit Bavas intensiver Farbgebung; „Planet of the Vampires“ (1965); Copyright: MGM

Doch unabhängig davon, schuf Bava mit „Planet der Vampire“ einen sehr spannenden und dichten SF-Horrorfilm, der alles hat, was einen typischen Mario Bava-Film ausmacht: wundervolle Farben, surreale Kulissen und gespenstische Laute. Die Spannung erhöht sich noch dadurch, da es zu Konflikten innerhalb der Mannschaft von Captain Markarys kommt, da einer nach dem anderen von einer unbekannten Macht beeinflusst wird.

Dies führt dazu, dass die Reparaturen an dem Raumschiff sabotiert werden, um einen Abflug zu verhindern. Und schließlich tauchen auch noch die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Raumschiffes Galliot auf, die sich wie Zombies auf die Argos zubewegen.

Bava lässt in seinem Film nichts aus, um die Spannung noch höher zu schrauben. Nicht weniger faszinierend ist Captain Markarys Erkundung des fremden Raumschiffes. Hierbei arbeitet Bava vor allem mit Andeutungen im Hinblick auf die Fremdartigkeit der Außerirdischen, was speziell diese Szenen herausragend macht. Denn Bava spielt dabei mit der Fantasie der Zuschauer, ein wundervoller Aspekt, der in heutigen Produktionen leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Man ist geradezu gefesselt von der Handlung, die geradezu rasant von einem unheimlichen Moment zum nächsten führt, dabei jedoch nie den Faden verliert, sondern alles innerhalb des vorgegebenen Rahmens behält. All dies macht „Planet der Vampire“ zu einem faszinierenden Filmerlebnis, auch wenn man Bavas Klassiker bereits unzählige Male gesehen hat.

 

Trash der 60er (17): Die toten Augen des Dr. Dracula

„Im Wartezimmer erwarten Sie die toten Augen des Dr. Dracula“, hieß es damals im deutschen Trailer zu Mario Bavas Film, der inzwischen als sein Meisterwerk betrachtet wird. Der Originaltitel lautete „Operazione Paura“ (Aktion Angst), stammt aus dem Jahr 1966 und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten Filme Bavas.

Es geht um Dr. Paul Eswai, der in ein einsam gelegenes Dorf geholt wird, um dort einen ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Eine junge Frau hat sich vom Kirchturm gestürzt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige unheimliche Todesfall ist, sondern bereits mehrere Bewohner auf unerklärliche Weise Selbstmord begangen haben. Eswai bekommt mit, dass die Bewohner Angst vor einem Fluch haben. Denn vor einiger Zeit starb die Tochter der Baronin von Graps an ihren Verletzungen, die sie sich bei einem Unfall zugezogen hat. Seitdem soll das Mädchen in dem Dorf spuken und einen Bewohner nach dem anderen in den Tod ziehen. Eswai, der von dem Aberglauben der Bewohner nichts hält, sucht nach einer rationalen Erklärung, was ihn letztendlich in das Schloß der sonderbaren Familie von Graps führt …

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so könnte man sagen, dass „Die toten Augen des Dr. Dracula“ eine absolute Wucht ist. Von Anfang an herrscht eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, beginnend mit dem Selbstmord der jungen Frau, der auf unglaublich drastische Weise umgesetzt wurde, indem die Szene damit endet, dass die Frau von den Spitzen eines Zauns aufgespießt wird.

Dr. Eswai begegnet dem unheimlichen Mädchen. Man beachte auch die wundervolle, gemäldeartige Farbgebung; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Hierbei orientiert sich Bava an Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem einer ähnlichen Szene eine Schlüsselrolle zukommt. Geht es in Hitchcocks freudianischem Thriller um Wahn und Albträume, so führt Bava diese Themen in „Operazione Paura“ weiter und verbindet diese mit den Aspekten Aberglauben und unerklärliche Phänomene. Dabei steht bei ihm vor allem die Schaffung einer dichten, unheimlichen Atmosphäre im Vordergrund.

Gespenstische Laute, das Heulen des Windes, ein unheimliches Schloss, ein kleines, bleiches Mädchen, das immer wieder vor den Fenstern erscheint und bei den Leuten Todesangst verursacht – all dies sind nur wenige Aspekte, die die unglaublich dichte Atmosphäre des Films ausmachen. Am bekanntesten ist sicherlich das Ball-Motiv. In den entsprechenden Szenen springt der Ball des Mädchens wie von Geisterhand Treppen hinunter oder rollt einen Flur entlang. Speziell diese Szenen werden bis heute immer wieder zitiert.

Nicht weniger erstaunlich ist die surreale Ästhetik, die den Film beherrscht. Das nicht enden wollende Treppenhaus oder, noch intensiver, die Szene, in der Dr. Eswai einem Mann hinterherrennt, wobei er wie in einer Endlosscheife ständig dasselbe Zimmer passiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich selbst verfolgt hat.

Das unheimliche Schloss der Baronin von Graps; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Wenn es einen Film gibt, der sich mit Spuk in all seinen Facetten beschäftigt, dann ist es „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Kaum ein anderer Film kommt dieser Achterbahnfahrt durch das Unheimliche und das Übernatürliche näher als dieses filmische Kunstwerk. Martin Scorsese bezeichnete „Operazione Paura“ als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Auch Frederico Fellini war von Bavas Film überaus begeistert. Dario Argento nahm sich „Die toten Augen des Dr. Dracula“ als Vorbild für sein Meisterwerk „Suspiria“ (1978).

Mario Bavas Film gilt zudem als Ursprung des sog. „Child Horror“, also des Subgenres, in dem das Böse oder Unheimliche von Kindern ausgeht, wie z.B. in „Das Omen“ oder den von Bava stark beeinflussten modernen koreanischen Horrorfilmen, die ab den 90er Jahren entstanden. Somit zählt „Operazione Paura“ zu dem bedeutensten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

DellaMorte DellAmore – Einfach ein Klassiker

dellamortedellamoreItaliens Horrorruhm war schon längst vergangen, als in eben diesem Land ein Film gedreht wurde, der bereits kurz nach seiner Kinopremiere als moderner Klassiker des Genrefilms gefeiert wurde.

Es handelt sich dabei um die Geschichte des einsamen Friedhofswärters Francesco Dellamorte, der zusammen mit seinem stummen Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Und dies ist alles andere als leicht. Denn Menschen, die hier begraben werden, kommen sieben Tage nach ihrer Beerdigung wieder aus ihren Gräbern, um dort ihren kannibalischen Neigungen nachzugehen. Als Francesco eine Frau, in die er sich kopfüber verliebt hat, als Zombie erschießen muss, gleitet er in eine immer stärkere geistige Verwirrung hinein, bis er schon bald nicht mehr die Lebenden von den Toten unterscheiden kann.

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Eine Wahnvorstellung oder Wirklichkeit? Die Friedhofsstatue wird lebendig. „DellaMorte, DellAmore“ (1994); Copyright: Medusa Home Entertainment

DellaMorte, DellAmore ist eine geradezu vollendete Mischung aus Komödie, Drama, Horror, Splatter und poetischer Gruselmär. Soavi bringt in seinem Werk so unterschiedliche Aspekte wie Zombiefilm und Tragikomödie unter einen Hut, ohne dabei verkitscht oder trashig zu wirken, und dabei gelingt es ihm zugleich, sich in der Ästhetik des europäischen Kinos zu schwelgen. Man glaubt es nicht, doch alles passt zusammen.

Die liebevoll erdachten Charaktere besitzen eine ungeheure Tiefe und wirken dadurch überzeugend und lebendig zugleich. Es gibt eine hohe Anzahl an Untoten, die Dellamorte und sein Freund Gnaghi mit Revolver und Gewehr wieder in ihre Gräber befördern. Die dabei verwendeten Splattereffekte sind hervorragend und lassen den Charme des italienischen Horrorkinos der 80er Jahre auferstehen.

DellaMorte, DellAmore war nicht nur Michele Soavis größter Wurf, sondern für lange Jahre auch sein letzter.  Mit seinen späteren Filmen konnte er weder an den Erfolg noch an die Kunst seines Meisterwerks anknüpfen. Dellamorte, Dellamore ist und bleibt aber ein Klassiker des Horrorfilms, dessen schön-schaurige Ästhetik immer wieder fasziniert, egal wie oft man den Film bereits gesehen hat.

Dellamorte, Dellamore, Regie: Michele Soavi, Drehbuch: Gianni Romoli, Produktion: Michele Soavi, Gianni Romoli, Darsteller: Rupert Everett, Francois Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica. Italien 1994, 99 Min.

Das Geheimnis von Schloss Monte Christo (1970)

schlossmontechristo1Ab Ende der 60er Jahre wurde das italienische Horrorkino unter Genrefans immer beliebter, gefolgt von den Genrefilmen aus Spanien. Eine Ursache dafür waren die Filme von Mario Bava, dem Begründer des modernen Horrorfilms. Durch Filme wie Die Stunde wenn Dracula kommt, Baron Blood oder Die drei Gesichter der Furcht setzte Bava im internationalen Vergleich sehr hohe Maßstäbe, sodass selbst Vertreter der American International Pictures, welche Vincent Price unter Vertrag hatten und mit Filmen wie Der Untergang des Hauses Usher oder Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes für volle Kinokassen sorgten, vor Staunen kein Wort mehr herausbrachten, als sie sich bei den italienischen Produktionsfirmen umsahen.

Der Grund, weswegen die amerikanischen Produzenten aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, war ganz einfach der, dass man im italienischen Horrorkino den Zuschauern viel mehr Blut, Sex und Gewalt zumutete als in den damaligen amerikanischen Filmen, die im Vergleich zu den italienischen Produktionen einfach zu brav wirkten.

Ein Beispiel für das italienische Horrorkino Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ist Das Geheimnis von Schloss Monte Christo des sonst im Italowestern beheimateten Regisseurs José Luis Merino. Der Film erzählt die Geschichte der Chemikerin Ivana Rakowsky, die eine Anstellung auf Schloss Dalmar angenommen hat. Sie soll helfen, ein Elixier zu suchen, das den toten Bruder des Grafen wieder lebendig werden lässt. Doch kaum ist Ivana bei der Arbeit, als sie beginnt, unter bizarren Alpträumen zu leiden, in denen sie von einem Fremden auf einer Folterbank gequält wird. Als zu diesen Träumen auch noch unheimliche Morde geschehen, lässt Ivana ihre Arbeit ruhen und beginnt, nach der Lösung des Geheimnisses von Schloss Dalmar zu suchen.

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Graf Dalmar reitet aus. Ein Beispiel für die hervorragende Optik des Films.

Typisch für italienische Horrorfilme der 60er und 70er Jahre ist, dass 1. der deutsche Titel nichts mit dem Film zu tun hat und 2. unzählige internationale Alternativtitel zu diesem Film bestehen. So lautet der Originaltitel ganz einfach Ivanna. Mit Schloss Monte Christo hat dies nun wirklich nichts zu tun. Andere internationale Verleihtitel lauten z.B. Altar of Blood oder Scream of the Demon Lover.

Zum Film selbst ist zu sagen, dass Regisseur Merino einen recht guten und spannenden Horrorfilm im Stile der Gothic Novels kreierte. Vor allem fallen die überdurchschnittlich guten Dialoge auf. Besondere Spannung erhält der Film durch den Konflikt zwischen der überaus selbstbewussten Protagonistin und dem charismatischen Grafen Dalmar. Seine Herrschsucht trifft bei ihr zum ersten Mal in seinem Leben auf Widerstand. Dieser Streit zwischen der Chemikerin und dem Grafen ist von Merino sehr einfühlsam und mitreißend in Szene gesetzt worden, im entfernten Sinne erinnert die Figurenkonstellation an diejenige zwischen Jane und Lord Rochester in dem Roman Jane Eyre. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Film aus, erhalten Ivana und Graf Dalmar dadurch eine gewisse Tiefe, die in anderen Filmen dieses Genres größtenteils fehlt.

Die Szenen im Folterkeller erweisen sich geradezu typisch für damalige Horrorfilme und dienen hier eher dazu, dem Film einen Hauch von Sexploitation zu verleihen, was von den Produzenten zwecks Vermarktungsstrategie stets verlangt wurde. dabei liefern die teils natürlichen Kulissen des geheimnisvollen Schlosses einen passenden Hintergrund für die Geschichte. Man merkt, dass sich Merino für diesen Film viel Mühe gegeben hat. Das Geheimnis von Schloss Monte Christo ist somit auf jeden Fall eine kleine Entdeckung für Horrorliebhaber.

The 80s: Inferno (1980)

infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

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Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

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Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

Trash der 60er (8): Die Mühle der versteinerten Frauen

muehlecoverDer Name Pierre Briece ist unweigerlich verbunden mit Winnetou. Diese Figur machte den französischen Schauspieler zum Star in Deutschland. Dass seine eigentliche Karriere allerdings mit einem Horrorfilm begann, dürfte den wenigsten bekannt sein.

1960 erhielt Pierre Briece die Hauptrolle in dem Gothic-Horror „Die Mühle der versteinerten Frauen“. Dieser Film, der auf einer flämischen Erzählung beruht, beinhaltet das gesamte Repertoire der englischen Hammer-Produktionen, der Poe-Filme von Roger Corman sowie des italienischen Horrorfilms. Die stilvolle, satte Farbgebung, die düsteren, detaillierten Kulissen sowie die originellen Kameraeinstellungen lassen den ganzen Film als echtes Kunstwerk erscheinen. Einzelne Szenen erinnern an die Gemälde flämischer Meister. Und dies hat auch seinen Sinn, hat doch der gesamte Film Kunst zum Thema.

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Professor Wahl (Wolfgang Preiss) begrüßt seine Besucher.

Pierre Briece spielt darin den Architekturstudenten Hans van Harnim, der eine Arbeit über das „Carillon der versteinerten Frauen“, welches unheimliche Frauenstatuen auf einem Mühlrad zeigt, schreiben möchte. Dieses befindet sich in einer einsam gelegenen Mühle. Er trifft auf seinen Lehrer Professor Wahl, dem die Mühle gehört. Dessen Tochter leidet jedoch unter einer seltsamen Krankheit. Um überleben zu können, benötigt sie ständig frisches Blut. Als Hans van Harnims Verlobte spurlos verschwindet, versucht er, auf eigene Faust, sie wieder zu finden. Dabei kommt er dem Geheimnis der Mühle und jenes seltsamen Kunstwerks mehr und mehr auf die Spur.

Gerüchten zufolge soll der bekannte italienische Horrorregisseur Mario Bava bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben. Für Filmhistoriker scheint diese These plausibel, da dadurch die spezielle Farbgebung sowie der dramaturgische Stil des Films erklärt werden könnten. Diese tauchen erst wieder in Bavas eigenen Werken und in denen seines Schülers Dario Argento auf.

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Hans von Harnim (Pierre Briece) entdeckt das schreckliche Geheimnis des Kunstwerks.

Der Film selbst lief zwar durchaus erfolgreich in den europäischen Kinos, entwickelte sich allerdings keineswegs, wie etwa Cormans „Die Verfluchten“, der im selben Jahr erschien, zum Kassenschlager. Dies hatte zur Folge, dass „Die Mühle der versteinerten Frauen“ sehr schnell wieder wieder in Vergessenheit geriet, sodass nach ein paar Jahren das Gerücht kursierte, dass der Film verschollen sei. Nur einzelne Szenenfotos zeugten überhaupt von der Existenz dieses Meisterwerks. Zum Glück jedoch entpuppte sich dieses Gerücht als Trugschluss. Denn die Filmrollen staubten seelenruhig in einem Archiv vor sich hin.

Obwohl der Film im Grunde genommen eine weitere Variation des „Wachsfigurenkabinett“-Themas darstellt, erweitert er dieses durch eine Art moderne Form des Vampirismus. Auf diese Weise gelingen Giorgio Ferroni viele unheimliche Momente, angefangen von dem schrillen Schrei, der hinter einem tiefroten Vorhang hervordringt, bis hin zu eben jenem unheimlichen Kunstwerk, das von allen bestaunt wird. Für Liebhaber klassischer Horrorfilme sind die „versteinerten Frauen“ daher ein wahrer Genuss.

Die Mühle der versteinerten Frauen (OT: Il Mulino delle Donne di Pietra), Regie u. Drehbuch: Giorgio Ferroni, Produktion: Giampaolo Bigazzi, Darsteller: Pierre Briece, Wolfgang Preiss, Scilla Gabel, Dany Carrel. Italien/Frankreich 1960, 90 Min.

Trash der 60er (6): Die drei Gesichter der Furcht

dreigesichterderfurchtItaliens Filmindustrie war in den 60er Jahren dank der Herkules-Filme im Aufwind. Parallel zu den Sandalenfilmen produzierte man zunehmend auch Horrorfilme, wobei vor allem die Filme Mario Bavas international Aufsehen erregten. Der Erfolg führte dazu, dass die US-amerikanische Produktionsfirma American International Pictures italienischen Firmen mehrere Filme in Auftrag gab, um dadurch auf dem Erfolg mitschwimmen zu können.

Einer dieser Filme war „Die drei Gesichter der Furcht“ aus dem Jahr 1963, der in den USA unter dem Titel „Black Sabbath“ in die Kinos kam. Es handelt sich dabei um eine Anthologie, bestehend aus drei kürzeren Filmen, die von den Klassikern Guy de Maupassaunt und Aleksey Tolstoy inspiriert wurden. Die Titel der drei Filme lauten „Telefon“, „Wurdulack“ und „Der Wassertropfen“. Während es sich bei „Telefon“ um einen Giallo handelt, sind die beiden anderen Filme reine Horrorfilme.

„Telefon“ erzählt die Geschichte von Rosy, einem Calldirl, das nachts plötzlich ominöse Anrufe erhält. Ihr früherer Freund Frank ist aus dem Gefängnis geflohen und droht Rosy nun damit, sie umzubringen, da sie ihn verraten hat. Aus Angst bittet Rosy ihre Freundin Mary darum, die Nacht bei ihr zu verbringen. Doch dann taucht Frank tatsächlich auf …

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Rosy (Michele Mercier) erhält einen ominösen Anruf. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

In „Telefon“ geht es um Rache, um Täuschung und um eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung. Bava zeigte in dem Film, dass er auch hervorragende Thriller drehen konnte, die im Vergleich zu Hitchcock in nichts nachstanden. Der einzige Unterschied: die erotischen Zwischentöne sind bei Bava weitaus direkter. In „Telefon“ beherrscht die unterschwellige Erotik den ganzen Film, schafft dadurch neben der dichten Spannung eine zusätzliche Sinnlichkeit, die von der Gestik der Darstellerinnen bis hin zur Farbgebung und Beleuchtung alles vereinnahmt. So gesehen ist „Telefon“ ein echtes, kleines Meisterwerk.

„Der Wurdulak“ orieniert sich ziemlich genau an der Erzählung „Die Rache des Wurdulak“ des Schriftstellers Aleksey Tolstoy (nicht zu verwechseln mit dem „Krieg und Frieden“-Tolstoy). Ein anderes bekanntes Werk Tolstoys ist der Marsroman „Aelita“. In Film und Erzählung geht es um einen Reisenden, der zu einem abgelegenen Haus kommt. Da es schon spät ist, bittet der Reisende die Bewohner darum, in dem Haus übernachten zu dürfen. Dabei stellt sich heraus, dass die Bewohner befürchten, noch in derselben Nacht von einem Vampir heimgesucht zu werden …

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Der Wurdulak nähert sich dem Haus. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

„Der Wurdulak“ ist ein spannender, unheimlicher und recht drastisch in Szene gesetzter Horrorfilm. Im Gegensatz zu den damaligen Horrorfilmen aus Hollywood, zeigten die italienischen Filme mehr Blut und Gewalt. Boris Karloff spielte den Wurdulak, der eigentlich der Vater der Familie ist, die in dem Haus wohnt, und nun als Vampir zurückkehrt. Es wird erstochen und geköpft, die in Angst lebende Familie geht dabei zu Grunde, die einzelnen Mitglieder verwandeln sich nach und nach selbst zu Vampiren. Der Film ist zum einen sehr düster, zum anderen hoch spannend und entwickelt eine wunderschöne Gruselästhetik, die weit über das Können der US-Kollegen hinausragt.

„Der Wassertropfen“ schließlich erzählt die Geschichte einer Krankenschwester, die in einer Gewitternacht in das unheimliche Haus eines Mediums geholt wird, die während einer ihrer Sitzungen gestorben ist. Da die Krankenschwester nichts mehr für die Frau tun kann, macht sie den leblosen Körper zurecht, bevor er von den Sanitätern abgeholt wird. Dabei stielt sie einen Ring. Wieder zuhause, hört sie immer wieder das Tropfen von Wasser. Und schließlich erscheint der schreckliche Leichnam in ihrer Wohnung …

Der letzte Film der Anthologie hat es in sich. Zum einen ist wiederum die Story überaus spannend und dicht umgesetzt. Hinzu kommt Bavas Spiel mit Licht und Farben, das die einzelnen Szenen teilweise surreal erscheinen lässt. Das Augenmerkt aber liegt vor allem auf dem Leichnam des Mediums, dessen verzerrtes Gesicht einem auch heute noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Mario Bavas Vater hatte diese gruselige Puppe aus Wachs gefertigt.

Während „Die drei Gesichter der Furcht“ in Italien und anderen europäischen Ländern ungeschnitten gezeigt wurde, musste der Film für den US-amerikanischen Filmmarkt gekürzt werden, da, wie vorhin bereits bemerkt, manche Anspielungen und Darstellungen zu direkt und zu brutal waren. Dennoch wurde der Film ein großer Erfolg.