Ewige Jugend – Sacher-Masochs Version der Blutgräfin als Hörspiel

ewigejugendGräfin Elisabeth Bathory (1560-1614) soll angeblich im Blut von Jungfrauen gebadet haben, um dadurch ihre Jugend zu erhalten. Die Schauergeschichten, die es über diese historisch verbürgte Person gibt, sind zahlreich, egal ob als Erzählung oder als Film. Nun haben sich auch Marc Gruppe und Stephan Bosenius für ihre Reihe Gruselkabinett sich dieses Stoffes angenommen, um daraus ein wunderbares Hörspiel zu schaffen.

In der Reihe Gruselkabinett tauchte die Blutgräfin bereits in dem Hörspiel „Die Blutbaronin“ auf, damals nach einer Erzählung von E.B.S. Raupach. Dieses Mal vertonten Marc Gruppe und Stephan Bosenius eine Erzählung von Leopold von Sacher-Masoch mit dem Titel „Ewige Jugend“. Bereits Folge 99 der Hörspielreihe war Sacher-Masoch gewidmet, damals wurde seine großartige Erzählung „Die Toten sind unersättlich“ erstklassig umgesetzt. „Ewige Jugend“ steht dem in nichts nach.

Es geht darin um den ungarischen Edelmann Emmerich Kemen, der Elisabeth Bathory zum ersten Mal im Wiener Stephansdom begegnet. Ihre sinnliche Ausstrahlung lässt ihn nicht mehr los. So ist er sofort Feuer und Flamme, als die Gräfin ihn auf ihr Schloss einlädt. Doch kaum dort angekommen, wird er Zeuge einer grausamen Bestrafung, als einer ihrer Untertanen mit einer mit Dornen besetzten Peitsche ausgepeitscht wird. Trotzdem Emmerich vor dem Sadismus der Gräfin zurückschreckt, ist er ihr dennoch verfallen. Doch bald gerät Emmerich selbst in Gefahr …

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Gräfin Elisabeth Bathory, genannt die Blutgräfin

Es ist offensichtlich, dass Sacher-Masoch die Geschichten um die Blutgräfin faszinierten, findet sich doch in ihnen seine Theorie von Lust und Schmerz wieder, wenn auch auf eine recht krasse Art und Weise. So setzte der Autor selbst die Grenzen, indem er seine Vorstellungen dem Sadismus der Gräfin gegenüberstellt. Und genau das macht die Geschichte überaus interessant und nicht weniger spannend.

Die Spannung rührt daher, da sich Emmerich im sinnlichen Netz der Gräfin verfängt und ihm zugleich eine immer größer werdende Gefahr von ihr droht. Auf dem Schloss verschwindet jede Vollmondnacht eine weitere Jungfrau. Emmerich möchte den abartigen Geschichten, die davon handeln, was mit den Mägden passiert, keinen Glauben schenken. All dies führt in ihm zu einem Zwiespalt. Denn immer wieder aufs Neue gelingt es der unheimlichen Gräfin, ihn für sich zu gewinnen.

Obwohl man in dem Hörspiel „Ewige Jugend“ den wunderbaren Stil der Reihe Gruselkabinett wiederfindet, ist es dennoch etwas anders gestaltet. Die einzelnen Szenen sind relativ kurz gehalten, das gesamte Stück konzentriert sich voll und ganz auf die Kernhandlung. So gleitet das Hörspiel in einem raschen Tempo voran, ohne jedoch oberflächlich zu wirken. Im Gegenteil, Marc Gruppe und Stephan Bosenius gelingt das Kunststück, dennoch eine Tiefe und eine Ästhetik zu kreieren, die dem hohen Anspruch der Reihe gerecht wird. Dies macht „Ewige Jugend“ zu einem weiteren Hörerlebnis, dem man sich – fast so wie Emmerich Kemen – nicht entziehen kann.

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Mrs. Amworth – Ein Hörspiel nach E. F. Benson

mrsamworthIn dem kleinen Ort Maxley geschieht so gut wie nie etwas. Doch kaum ist die lebenslustige Mrs. Amworth nach Maxley gezogen, kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Die beiden Freunde Francis Urcombe und Emmet Foster sind sich über ihre neue Nachbarin uneins. Während Foster sich darüber freut, jemanden gefunden zu haben, um Karten zu spielen, bereitet Urcombe Mrs. Amworths Art und Weise immer größeres Kopfzerbrechen.

„Mrs. Amworth“, nach einer Kurzgeschichte von E. F. Benson (1867-1940), macht von der ersten Minute an Laune. Die Handlung wird vor allem durch die beiden Hauptfiguren Emmet Foster und Francis Urcombe getragen. Die Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere führt zu viel Witz und durchaus schwungvollen Dialogen. Während Urcombe als ehemaliger Professor stets alles kritisch hinterfragt, ist für den leicht naiven Foster alles in bester Ordnung. Dies führt dazu, dass sich ihre Geister gegenüber Mrs. Amworth scheiden. Während Foster ihre aufgeschlossene Art schätzt, rätselt Urcombe darüber, wer diese Frau wirklich ist.

Es kann als große Leistung betrachtet werden, dass es Marc Gruppe und Stephan Bosenius geschafft haben, ein Hörspiel, in dem es eigentlich nur drei Figuren gibt, so zu gestalten, dass es nie langweilig wird. Dies ist natürlich auch den hervorragenden Sprechern zu verdanken, die ihre Arbeit erstklassig machen. Sven Dahlem als Emmet Foster, Eckart Dux als Francis Urcombe und Anita Lochner als Mrs. Amworth gehen in ihren Rollen förmlich auf. Der Witz, der darin besteht, dass zwei alte, gelangweilte Herren versuchen, das Geheimnis ihrer Nachbarin zu lösen, ist geradezu köstlich. Während Urcombe in Mrs. Amworths Vergangenheit herumschnüffelt (sie lebte vor ihrem Umzug nach Maxley in Indien), ist Foster darüber höchst erfreut, dass er Mrs. Amworth sein Gartenmagazin ausleihen kann. Dass Mrs. Amworth etwas Seltsames anhaften soll, kann Foster nicht nachvollziehen.

Auch als die Geschehnisse zunehmend unheimlicher werden, bleibt Foster bei seiner Einstellung, obwohl Urcombe zu höchst sonderbaren Ergebnissen bei seinen Recherchen gestossen ist. Auf diese Weise gehen Spannung, Grusel und Humor Hand in Hand, und man lässt sich gerne auf das Rätsel um Mrs. Amworth ein, das unterhaltsamer nicht hätte sein können.

Mrs. Amworth. (Gruselkabinett Folge 102). Titania Medien 2015. Laufzeit: ca. 70 Min. Buch: Marc Gruppe, Produktion: Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Sprecher: Sven Dahlem, Eckart Dux, Anita Lochner, Marius Clarén, Jochen Schröder.

 

FILM und BUCH 6 – Zum kostenlosen Download

FILM und BUCH 6 ist endlich erschienen. Auch dieses Mal haben wir viele interessante und spannende Beiträge für euch. Wir konnten mit dem bekannten deutschen Regisseur Sebastian Niemann (Das Jesus Video, 7 Days to live, Mord ist mein Geschäft, Liebling) ein Interview über seine Arbeit und den deutschen Film führen. Auch war es uns möglich, den beiden preisgekrönten Hörspielproduzenten Stephan Bosenius und Marc Gruppe (Gruselkabinett) von Titania Medien ein paar Fragen zu stellen.

Zusätzlich gibt es noch Artikel über den Kultregisseur Tod Browning (Dracula, Freaks, London after Midnight), über die skurrilen Hintergründe, die dazu geführt haben, dass die Burg Frankenstein in Zusammenhang mit dem Roman Frankenstein gebracht wurden, über Carlo von Mierendorffs Essay „Hätte ich das Kino!“ und über koreanische Schulhorrorfilme.

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Den kostenlosen Download gibt es hier: Film und Buch 6

Inhalt

Jahrmarkt der Grausamkeiten – Regisseur Tod Browning (Sabine Schwientek)

„Für mich muss ein Film als Ganzes funktionieren“ – Ein Interview mit Regisseur Sebastian Niemann

Entstehung eines Mythos (Jörg Heléne)

Atmosphärische Hörspiele – Ein Interview mit Stephan Bosenius und Marc Gruppe

Carlos Kino (Richard Albrecht)

„Ich würde für dich sterben!“ – Memento Mori und der koreanische Schulhorrorfilm (Max Pechmann)