FILM und BUCH Sonderausgabe 2: Frankenstein

Die zweite Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit Mary Shelleys Frankenstein. Der bekannte Autor und Übersetzer Alexander Pechmann liefert in diesem Magazin jede Menge interessanter Informationen über die Entstehungsgeschichte des wohl bekanntesten Schauerromans der Literatur. Zudem enthält die Ausgabe eine Auswahl von Rezensionen aus dem Jahr 1818 – dem Erscheinungsjahr des Romans – sowie Mary Shelleys Eindrücke zur ersten Theateradaption Frankensteins. Wichtige biographische Daten zu Leben und Werk der Autorin sowie eine Liste zahlreicher Frankenstein-Verfilmungen runden die Sonderausgabe ab.

Das Magazin gibt es zum Gratis-Download hier: frankenstein

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Mein Freund Lovecraft – Eine Biographie über den Meister des Unheimlichen

lovecraftbuchDer Horror- und Fantasy-Autor Frank Belknap Long (1903-1994) begegnete in seinem Leben so ziemlichen allen bekannten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. So auch Howard Philip Lovecraft, mit dem er eng befreundet war. 1975 verfasste er daher eine Biographie oder – wie Long dies in seinem Buch bezeichnet – eine Denkschrift über den Meister des Unheimlichen, die nun zum ersten Mal auf Deutsch im Festa Verlag erschienen ist.

„Mein Freund H. P. Lovecraft“ lautet der passende Titel der Übersetzung, denn Frank Belknap Long erzählt darin vor allem über seine Begegnungen mit Lovecraft in New York und in Providence. Long war Mitglied einer Gruppe von Amateurschriftstellern, dem KALEM-Club, zu der auch Lovecraft gehörte. Die Treffen fanden meistens in Lovecrafts Haus, in dem er zusammen mit seiner Frau Sonia Green lebte, oder in Longs Wohnung statt. Und das, was Long über seinen Freund Lovecraft zu berichten weiß, macht die Biographie nicht nur zu einem gelungenen Stück bester Unterhaltung, sondern zu einem regelrechten Leseerlebnis.

Denn Long erzählt nicht nur, sondern gibt die damaligen Gespräche, die er mit Lovecraft führte, wieder. Somit lässt er vor den Augen des Lesers teilweise filmreife Erinnerungen aufleben, wie etwa diejenige, als Lovecraft sich einen neuen Füllfederhalter kaufen wollte und dabei fast den Ladenbesitzer um den Verstand brachte, da er 50 Stück ausprobierte, bis er den richtigen gefunden hatte.

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Frank Belknap Long und H. P. Lovecraft 1931 in Boston.

Long stellt uns den „Einsiedler von Providence“ als einen überaus liebevollen, witzigen und ziemlich schrulligen Menschen dar, der zu jedem Thema etwas zu sagen wusste, ja fast schon so etwas wie ein wandelndes Lexikon war. Er traf Houdini, für den er eine Geschichte schrieb und der ihn dafür zu einer seiner Vorstellungen einlud, als auch den späteren Sektengründer Ron Hubbard. Seine Angewohnheit war es, stets von sich als einen alten Gentleman zu sprechen und den Namen seiner Freunde eine lateinische Form zu geben. So nannte er z.B. Frank Belknap Long immer Belknapius.

Das Buch geht zwar auch auf die Geschichten Lovecrafts ein, doch im Mittelpunkt steht Lovecraft als Mensch, wobei Long zugleich versucht, gegen die Gerüchte, die über Lovecraft existieren, anzugehen. So erklärt er z.B. auf eine sehr interessante Weise, wieso Lovecraft eigentlich kein Rassist gewesen ist, was ja immer wieder behauptet wird. Auch auf die Ehe mit Sonia Green, die bei Lovecrafts Freunden für mehr als nur bloßes Erstaunen gesorgt hat, geht Long ein.

„Mein Freund H. P. Lovecraft“ (im Original: Howard Philip Lovecraft – Dreamer on the Nightside) ist schlicht und ergreifend das, was man ein wunderbares Buch bezeichnet. Nicht nur Lovecraft-Fans kommen hier auf ihre Kosten, sondern einfach jeder, der einmal wieder etwas richtig Gutes lesen möchte.

Frank Belknap Long. Mein Freund H. P. Lovecraft. Festa Verlag 2016, 270 Seiten, 36,80 Euro, ISBN: 978-3-86552-478-2

 

Die Bücherträume der Achilla Presse – Ein Beitrag von Alexander Pechmann

achilla1Die Verlagsbuchhandlung Achilla Presse, 1990 gegründet von dem Hamburger Grafiker Mirko Schädel und dem Bremer Buchhändler Axel Stiehler, schließt bis zum Ende des Jahres ihre Pforten. Diese Meldung vom Ende eines ganz und gar unabhängigen Kleinverlags, dem wir so viele bibliophile Schätze verdanken, ist bedauerlich genug, was jedoch noch mehr schmerzt, ist das anhaltende Schweigen, das auf die Ankündigung folgte – als würde ein solcher Verlust niemanden interessieren. Die Achilla Presse existierte freilich immer schon abseits der Branche, veröffentlichte in unregelmäßigen Abständen, verkaufte nur über Verlag und einige ausgewählte Buchhandlungen und verzichtete in den letzten Jahren sogar auf ISBN-Nummerierung, doch schon ein flüchtiger Blick auf ihr Programm zeigt, dass hier nicht nur irgendein unrentables Unternehmen das Handtuch wirft. Mit der Achilla Presse endet ein Traum: Der Traum, Begeisterung zu wecken mit Büchern, die sich keinem massentauglichen Trend unterordnen, die aber auch keinem akademischen Kanon entsprechen – Bücher, die in einem alternativen Universum vielleicht gefeierte Klassiker sind, aber in unserem mutwillig vergessen und ignoriert wurden – Bücher wie den satirischen Reiseroman „Die Monikins“ von James Fenimore Cooper, den liebenswerten „Kenelm Chillingly“ von Edward Bulwer-Lytton oder Herman Melvilles poetische Südseephantasie „Mardi“.

achilla2Durch das letztgenannte Buch, in der schwungvollen Übersetzung von Rainer G. Schmidt, wurde 1997 das Interesse an Melville in Deutschland neu entfacht und weitere Erst- und Neuübersetzungen ermöglicht. Die Achilla Presse bot nach diesem Überraschungserfolg den weithin unbekannten, übersehenen, zurückgewiesenen, aber immer auch erstaunlichen und lesenswerten Werken bedeutender Autoren – Sherwood Anderson, Gertrude Stein, Joseph Sheridan Le Fanu, W. H. Hudson, Robert Louis Stevenson, Victor Hugo, William Godwin, Hubert Selby, Edgar Allan Poe, Joseph Conrad und Ford Madox Ford – ein gepflegtes Zuhause. Sie präsentierte aber auch obskure Perlen der deutschsprachigen Phantastik in einmalig schön illustrierten Ausgaben: Franz Kreidemann, Arno Hach, Leopold Günther-Schwerin, Hans Georg Wegener und Karl von Schlözer wären ohne den verlegerischen Mut und der Sammelleidenschaft Mirko Schädels wohl für immer aus dem Gedächtnis wie aus den Bücherregalen verschwunden.

achilla4Mit den großen Bibliographien zur Kriminalliteratur, zur phantastischen-utopischen Literatur und zum Leihbuchwesen in Deutschland haben Verlag und Verleger zudem eine kulturwissenschaftliche Pionierarbeit geleistet, die wohl nur von echten Kennern und Sammlern angemessen gewürdigt werden kann. Dass ein solches Engagement irgendwann an die Grenzen des menschlich Machbaren und Finanzierbaren stößt, ist verständlich, doch sollte das Ende der Achilla Presse nicht von Grabesgesängen begleitet werden, sondern Anlass sein, um Danke zu sagen für all die Entdeckungen und Kostbarkeiten, die uns kein anderer Verlag hätte schenken können. Diese kleine Würdigung ist kein verfrühter Nachruf, aber vielleicht ein später Weckruf an alle Freunde schöner und guter Bücher, die nächsten Wochen und Monate zu nutzen, die Homepage des Verlags (http://www.achilla-presse.de) oder das zugehörige Kriminalmuseum in Butjadingen zu besuchen und vielleicht noch den ein oder anderen Schatz nach Hause zu holen.

Copyright: Alexander Pechmann

Alexander Pechmann ist Übersetzer vor allem klassischer englischsprachiger Literatur, Herausgeber und Essayist. Zuletzt von ihm erschienen sind die Bücher „Das Paradies der kleinen Dinge“ von Sophia und Nathaniel Hawthorne und „Ned Myers oder Ein Leben vor dem Mast“ von James Fenimore Cooper.

Das übernatürliche Grauen in der Literatur – Lovecrafts berühmter Essay

lovecraftH. P. Lovecraft, der die phantastische Literatur wie kaum ein anderer Autor beeinflusste, verfasste 1925 einen Essay, der sich mit der Geschichte der unheimlichen Literatur beschäftigte. 1927 wurde der Essay in dem Magazin The Recluse veröffentlicht, einer Zeitschrift, die von einem Kreis Amateurjournalisten herausgegeben wurde, zu denen sich auch Lovecraft zählte. Nach der Erstveröffentlichung arbeitete Lovecraft den Essay mehrmals um. So erschien zwischen den Jahren 1933-1935 der Text als Serie in dem Magazin Fantasy Fan.

Bis heute zählt seine historische Aufarbeitung der unheimlichen Literatur zu den besten Werken, die es zu diesem Thema gibt. Angefangen von der Antike bis hinein in die 30er Jahre reicht sein Überblick über die Merkmale und Werke der unterschiedlichen Formen der Schauerliteratur. Es ist dabei erstaunlich, was für ein Fachwissen Lovecraft dabei an den Tag legte. So beginnt sein Essay mit den Frühformen der Horrorgeschichte, die sich z. T. in antiken Dramen wiederfinden. Daraufhin setzt er sich mit der Schauerliteraur, d.h. den Gothic Novels auseinander und bespricht in einem weiteren Kapitel die „Erben der Schauerliteratur“. In den folgenden Kapiteln teilt er die Historie der Horrorliteratur geographisch auf. So bespricht er die Entwicklung der Schauerliteratur in Frankreich und Deutschland gesondert von der Entwicklung der Horrorliteratur in Amerika. Ein weiteres Kapitel setzt sich mit englischen Gespenstergeschichten auseinander.

Lovecraft verfasste sein Essay in einem flüssigen, geradezu spannenden Stil. Im gelang es, die Themen und Handlungen der einzelnen Romane auf den Punkt zu bringen und Verbindungen zu anderen Werken herzustellen. Ein weiteres wesentliches Merkmal des Essays ist, dass Lovecraft bei seiner Abhandlung keineswegs neutral bleibt, sondern es sich nicht nehmen lässt, die Leistung eines jeden Autors zu würdigen bzw. auch zu kritisieren. Dies macht dieses Werk unglaublich lebendig und sympathisch. In einem angenehm netten Plauderton erfährt der Leser so ziemlich alles, was es über die Geschichte der Horrorliteratur zu wissen gibt.

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Lovecraft 1934

Lovecrafts Essay wurde bereits mehrmals ins Deutsche übersetzt. Die aktuellste Übertragung stammte von dem bekannten Übersetzer Alexander Pechmann und ist im Golkonda Verlag erschienen. Neben einer ausführlichen Einleitung S. T. Joshis, die sich mit der Entstehungsgeschichte des Essays beschäftigt, enthält der Text Lovecrafts Fußnoten sowie zusätzliche Anmerkungen Joshis, die wiederum durch hilfreiche Anmerkungen des Übersetzers ergänzt werden. Lovecraft-Leser und Fans erhalten somit eine kritische Ausgabe des Textes, wie es sie bisher noch nicht auf Deutsch gegeben hat. Eine ausführliche Bibilographie der besprochenen Werke runden den Text ab. Das Besondere dieser Auflistung, die von S. T. Joshi und Robert N. Bloch erstellt wurde, liegt darin, dass sie auf deutsche Ausgaben der Bücher sowie auf Sekundärliteratur zu den jeweiligen Autoren verweist. Zugleich wurden die Bücher gekennzeichnet, die Lovecraft in seiner Bibliothek besaß. Kurz: mehr Mühe kann man für eine solche Ausgabe nicht aufwenden. Die Neuübersetzung des berühmten Essays von H. P. Lovecraft wird dadurch nicht nur zu einem wunderbaren und lehrreichen Lesevergnügen, sondern zugleich zu einem biographischen Dokument des Meisters des übernatürlichen Grauens.

H. P. Lovecraft Das übernatürliche Grauen in der Literatur. Übersetzt von Alexander Pechmann. Golkonda Verlag 2014, 241 Seiten, 16,90€. ISBN: 978-3-944720-21-0