Horror de Luxe: Arac Attack (2002)

„Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Für den neuseeländischen Regisseur Ellory Elkayem hätte „Eight Legged Freaks“ der Sprung vom Direct-To-Video-Bereich ins Kino werden sollen. Für diesen Film, der u. a. von Roland Emmerich mit produziert wurde, hatte es auch tatsächlich geklappt. Aber eben nur für diesen einen Film. Danach verschwand der Regisseur wieder in der Versenkung.

Höchstwahrscheinlich lag dies daran, dass der Film nicht den Erfolg erzielte, den sich Warner Bros. gewünscht hatte. Der Film kostete 30 Millionen Dollar und spielte 45 Millionen Dollar ein. Doch sagt das alles nichts über die Qualität von „Arac Attack“ aus. Der Film macht von Anfang bis Ende Spaß.

In der Kleinstadt Prosperity sind die Spinnen los, nachdem ein Lastwagen eine Ladung gefährlicher Chemikalien verloren hat. Denn Spinnenzüchter Joshua füttert seine Tierchen mit verseuchten Grillen, was dazu führt, dass die Spinnen riesige Ausmaße annehmen …

Man könnte „Arac Attack“ als ein Remake von „Earth vs. The Spider“ (1958) betrachten, in dem eine riesige Vogelspinne eine Kleinstadt attackiert. Die Handlung ist durchaus ähnlich, auch wenn bei Elkayems Film eindeutig mehr Spinnen ihr Unwesen treiben. Sozusagen als Gegenstück zu dem eher ernsten Tierhorrorstreifen „Arachnophobia“ (1990) von Frank Marshall, bietet „Eight Legged Freaks“ witzige Horrorunterhaltung. Zudem weist der Film auch eine erstklassige Optik und Farbgebung auf, die beide angelehnt sind an die 50er Jahre. Natürlich gab es wieder die Extremkritiker, die bemängelten, dass die Umweltthematik nicht richtig ausgearbeitet wurde, denen kann man nur antworten: Ja, es stimmt, ein Arthouse-Film sieht anders aus. „Arac Attack“ möchte nichts anderes als unterhalten und das gelingt dem Film zu über 100 Prozent.

Spinnenalram; „Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Der Fokus liegt dabei klarerweise auf den Spezialeffekten, die unglaublich gut in Szene gesetzt sind. Meistens überwiegen CGI-Effekte, doch gelegentlich taucht auch eine Plastikspinne oder ein riesiges Spinnenbein (ebenfalls aus Plastik) auf. All das ist untermalt mit einem schrägen Humor, bei dem sogar die Spinnen mitwirken. Interessant ist, während Scarlett Johansson bei „Arac Attack“ kurz vor ihrem Karrieredurchbruch stand, war es für Kari Wuhrer, die den weiblichen Sheriff der Kleinstadt spielt, die einzige Hauptrolle in ihrer Karriere. Inzwischen ist sie überhaupt nicht mehr als Schauspielerin tätig. Wie bereits erwähnt, konnte auch Regisseur Ellory Elkayem karrieremäßig nicht von dem Film profitieren. Schade, denn in „Arac Attack“ beweist er, dass er sein Handwerk richtig gut versteht.

Arac Attack (OT: Eight Legged Freaks); Regie u. Drehbuch: Ellory Elkayem, Produktion: Bruce Berman, Roland Emmerich, Darsteller: David Arquette, Kari Wuhrer, Scarlett Johansson, Scott Terra. USA/Neuseeland 2002, 99 Min.

Therapie für einen Vampir – Die Gruselkomödie aus Österreich

In Sachen Phantastik im Allgemeinen und Horror im Speziellen sind Österreichs Filmemacher ihren deutschen Kollegen einen großen Schritt voraus. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche kulturelle Bewertung des Genres. Auf diese Weise entstand bereits 2014 die Vampirkomödie „Therapie für einen Vampir“, dessen österreichischer Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“ lautet.

Erzählt wird die Geschichte von Graf Geza von Kösznöm, der in den 30er Jahren Sigmund Freud aufsucht, um mit ihm über seine Eheprobleme zu sprechen. Denn von seinem untoten Leben hat er mehr als nur genug, seitdem seine Frau Elsa sich ständig darüber beklagt, dass sie sich nicht in einem Spiegel bewundern kann. Daher soll Freuds Asssistent Viktor von Elsa ein Proträt anfertigen, damit sie sich auf diese Weise betrachten kann. Doch damit beginnt erst das Schlamassel …

„Therapie für einen Vampir“ ist eine durch und durch witzige Komödie, die sich über die zunehmende Ich-Bezogenheit, Burn-out und Glücklichsein-Tipps lustig macht. Dabei wird keineswegs moralisiert, sondern auf köstliche und vor allem unerhört leichte Weise sowohl das Vampirgenre aufs Korn genommen als auch das sog. Mental Coaching, mit dem sich manche Leute ungeheuer wichtig vorkommen.

Österreichisches Filmplakat mit dem Verleihtitel „Der Vampir auf der Couch“

Dabei bleibt der Film keineswegs oberflächlich, sondern schafft eine in seiner Symbolik liegende Tiefe, die sich immer wieder im Spiegel offenbart. Klarerweise setzt Regisseur David Rühm der Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes einen Spiegel vor. Doch geht er auch noch einen gewitzten und überaus satirischen Schritt weiter. Denn der Spiegel reflektiert nichts und das Gemälde möchte einfach nicht fertig werden. Rühm zeigt dadurch den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft, der sich in einer erschreckenden emotionalen und geistigen Leere präsentiert.

„Therapie für einen Vampir“ gewann 2015 den Internationalen Publikumspreis und blieb in Deutschland bisher dennoch ein Geheimtipp. Und dies trotz Starbesetzung. Graf Geza wird hervorragend von Tobias Moretti gespielt, und ebenso mit von der Partie ist David Bennent, der u. a. auch in Ridley Scotts Fantasyfilm „Legend“ mitwirkte. Karl Fischer erhielt für seine Rolle des Sigmund Freud den Österreichischen Filmpreis. Kurz: Wirklich sehenswert.

Therapie für einen Vampir. Regie u. Drehbuch: David Rühm, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Tobias Moretti, Jeannette Hain, Dominic Oley, Cornelia Ivancan, David Bennent, Karl Fischer. Österreich 2014, 83 Min.

Ghostbusters 2016 oder Don’t answer the Call

ghostbusters2016Als bekannt wurde, dass ein neuer Ghosbusters-Film gedreht werden würde, war die Freude bei den Fans natürlich groß. Als aber bekannt wurde, dass der Film ohne die Originalbesetzung auskommen muss und stattdessen vier Frauen die Rollen der Ghostbusters übernehmen würden, schlug die Euphorie schlagartig um in Kritik, Wut und leider auch Hass. Dies hatte zur Folge, dass der Trailer des Remakes zum Trailer mit den meisten negativen Kommentaren auf Youtube wurde. – Und schließlich verhagelte dies der Produktion auch den Umsatz.

Ich hätte erwartet, dass eben aufgrund dieses bisher noch nie dagewesenen Aufruhrs der Film viele Leute neugierig machen würde, wodurch die Produktion dann doch ein Erfolg geworden wäre. Aber Pustekuchen, viele Zuschauer mieden den Film tatsächlich, sodass er für die beteiligten Produktionsfirmen zu einem Verlustgeschäft wurde.

Die Frage lautet natürlich, ist der Film wirklich schlecht?

Regie führte der auf Komödien spezialisierte Paul Feig, der auch (zusammen mit Katie Dippold) das Drehbuch schrieb. Es geht um die beiden Freundinnen Abbigail Yates und Erin Gilbert, die beide von ihren jeweiligen Unis geschmissen werden, da sie sich mit Parapsychologie befassen, was in den akademischen Kreisen als wenig seriös bezeichnet wird und das Image der Unis schadet. Kurzerhand machen sie sich als Geisterjäger selbständig. Ihnen zur Seite steht die Ingeneurin Jillian Holzmann und die Fahrkartenverkäuferin Patty Tolan, die in der U-Bahn einen Geist gesehen hat. Als sich die Geistererscheinungen häufen, sehen alle vier darin die Chance, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen …

Da das Wort Remake nicht mehr zieht und viele Kinogänger mehr und mehr abschreckt, bezeichnen die Produktionsfirmen ihre Remakes zurzeit gerne als Neuinterpretationen. So auch bei „Ghostbusters“. In der Tat versuchte Feig, den Film anders erscheinen zu lassen als das Original, doch bleibt es beim Versuch. Denn schon nach wenigen Minuten merkt man, wie er immer wieder zurück in das Fahrwasser des Klassikers fällt, so als würde er sich doch nicht trauen, der Handlung frischen Wind zu verleihen. Genau dieser Aspekt stört, denn dadurch verliert der Film speziell an den Stellen Schwung, an denen er eigentlich in Fahrt kommen sollte. Feig zieht sozusagen jedes Mal wieder die Notbremse, aus Angst, sonst aus dem vorgegebenen Rahmen zu fallen.

Ein weiterer Punkt, der den Film im Gegensatz zum Original geradezu brav erscheinen lässt, ist das fast komplette Fehlen an satirischen Seitenhieben. Während sich der Originalfilm über sämtliche Aspekte der amerikanischen Kultur lustig macht, beschränkt sich Feig darauf, das akademische Milieu durch den Kakao zu ziehen. Und danach? Nichts. Dem Konflikt zwischen Bürgermeister und den Ghostbusters fehlt es an Schärfe, so als wollte man keinesfalls riskieren, bei der Politik in Ungnade zu fallen.

Was die Gags betrifft, so wird man am Anfang durchaus positiv überrascht. Im Laufe des Films aber verfehlen viele der eingestreuten Witze ihr Ziel oder wirken einfach nur albern. Unverständlich ist, aus welchem Grund der „Nightfever“-Tanz aus dem Film wieder entfernt wurde, aber im Nachspann quasi als Hintergrundbild herhalten muss. Dies entpuppt sich als ein Riesenpatzer und als eine der wohl schlechtesten Montagen der letzten Zeit.

Wenn man alle Kritikpunkte zusammenfassen möchte, so könnte man sagen, dass man mit dem Remake nicht wirklich warm wird. Der Film ist zwar durchaus unterhaltsam, besitzt zugleich aber zu viele Schwächen, hierbei eingeschlossen die Cameo-Auftritte der „alten Garde“. Man wollte quasi mit dem Dampfhammer einen dritten Film drehen, aus dem aber dann aufgrund interner Streitereien ein Remake wurde. Zwar machen die Darstellerinnen ihre Arbeit recht gut, doch waren sie wohl die einzigen, die voll bei der Sache waren. Die Post-Credit-Szene lässt darauf schließen, dass man eigentlich vor hatte, als Sequel die Story des Originals neu zu verfilmen. Doch daraus wird wohl nichts. Da „Ghostbusters – Answer the Call“ kein finanzieller Erfolg beschieden war, dürfte es zumindest mit diesem Team nicht weitergehen.

 

 

 

The 80s: Sundown (1989)

sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

The 80s: House (1986)

houseSean S. Cunnhingham legte mit „Freitag der 13.“ (1981) quasi den Grundstein für die Welle von Slasher-Filmen, die die 80er Jahre prägten. Mitte der 80er Jahre aber wandte er sich dem Subgenre der Horrorkomödie zu und schuf mit „House“ gleich einen weiteren Klassiker. Wie dies bei vielen anderen der damaligen Horrorfilme der Fall ist, verlegte er die Handlung von „House“ in die typische US-amerikanische Vorstadt.

Es geht um neugierige Nachbarn, Scheinheiligkeit und die Verarbeitung des Vietnamtraumas. Der Horrorschriftsteller Roger Cobb zieht in das Haus seiner verstorbenen Tante, nur um nach kurzer Zeit festzustellen, dass es darin spukt. Es kommt noch schlimmer, als ein Kamerad, den er während eines Gefechts in Vietnam im Stich gelassen hat, plötzlich als Zombie vor der Tür steht, um es Cobb heimzuzahlen.

Das Verhalten der Nachbarn, die ohne anzuklopfen unerwartet durchs Haus schleichen oder sich anbiedern, sowie die offenen und versteckten Meinungen über Cobbs Tante veranschaulichen ähnlich wie in „Poltergeist“ das Spießbürgertum, das sich in den Vorstädten entwickelt hat. Die Sichtweise von Cunningham ist aber eine andere als in Spielbergs Film. „House“ zeigt die Geschehnisse nicht aus der Perspektive früherer Hippies, sondern aus derjenigen von Menschen, welche den Vietnamkrieg am eigenen Leib erfahren mussten.

Der Figur Roger Cobb kommt somit eine Opferrolle zu. Er sucht verzweifelt einen Platz in der Gesellschaft. Seine Familie ist kaputt, sodass er auf sich allein gestellt ist. Seine Vietnamerlebnisse versucht er, in Horrorromanen zu verarbeiten. Es zeigt sich, dass Cobb durch die Teilnahme an dem Krieg stigmatisiert ist. Dies gibt ihm von Anfang an die Charakteristik eines sozialen Außenseiters. Während die Kritiker des Krieges sich nun als Neureiche etablieren, müssen sich die Opfer des Krieges ihren Platz in der Gesellschaft noch erkämpfen. Somit entwirft „House“, und darin ähnelt der Film wiederum „Poltergeist“, ein demaskierendes Bild der Post-70er.

Was allerdings klingt, als wäre „House“ überhaupt nicht lustig, sondern eher ein Sozialdrama, ist in der Tat eine überaus witzige Komödie, deren  Pointen perfekt sitzen. Bereichert wird der Film durch eine Reihe skurriler Monster, die das Haus heimsuchen: z.B. eine Hexe, ein fliegendes Skelett oder eben Cobbs Zombie-Kamerad, der immer wieder einen Spruch auf Lager hat.

„House“ folgten drei Sequels, die allerdings den köstlichen Humor des Originals nicht mehr erreichen, sondern viel eher fantasie- und motivationslos wirken. „House“ allerdings ist zurecht ein Klassiker des Horrorfilms.

House. Regie: Steven Miner, Drehbuch: Ethan Wiley, Produktion: Sean S. Cunnhingham, Darsteller: William Katt, George Wendt, Richard Moll, Kay Lenz. USA 1986, 93 Min.

The 80s: Waxwork (1988)

waxworkIm Grunde genommen könnte man das Thema Wachsfigurenkabinett als eigenes Subgenre innerhalb des Horrorfilms eingliedern. Seit den 30er Jahren taucht beinahe regelmäßig ein Film auf, der Wachsfiguren als unheimliches Beiwerk aufweist. Ende der 80er Jahre hat sich auch Trash-König Anthony Hickox (Sohn des Horrorregisseurs Douglas Hickox) an diese Thematik herangewagt und eine Horrorkomödie gedreht, die nicht nur urkomisch, sondern auch etwas origineller ist als seine Vorgänger.

In einer amerikanischen Kleinstadt wird mitten in einem Wohnort ein Wachsfigurenkabinett mit dem Namen Waxwork eröffnet. Einer Gruppe Teenager kommt dies seltsam vor. Doch noch eigenartiger wird es, als plötzlich der Besitzer vor ihnen erscheint und sie zur Mitternachtspremiere einlädt. Nach kurzem Überlegen, beschließen sie, der Einladung zu folgen. Allerdings mit fatalen Folgen. Denn die Wachsfiguren stellen die weltweit gemeinsten und bösartigsten Menschen und Monster dar, die nach Blut gieren, um ihr altes Leben zurückzuerhalten.

Der Film will nichts anderes, als den Zuschauern eineinhalb Stunden bei Laune halten. Und genau das gelingt ihm auch. Hier ist nichts ernst und wird auch nichts ernst genommen. Die eingefügten Splatterszenen sind nicht nur herrlich ironisch, sondern auch so witzig eingearbeitet, dass sie beinahe schon wie Slapstickeinlagen wirken. Gewürzt ist der Film mit einer Reihe skurriler Ideen, bei denen sich Anthony Hickox als Meister seines Fachs erweist. Er unterbricht immer wieder die eigentliche Handlung, um Platz zu machen für eine Reihe grotesker Episoden, in denen die Jugendlichen in jeder Hinsicht den Kürzeren ziehen. Als Gegner werden sie von Dracula, einem Werwolf oder auch vom Marquis des Sade empfangen, wobei die Gags gut platziert sind und speziell bei der Dracula-Episode, bei der jeder einmal über das bereits angenagte Vampiropfer stolpert, auch richtig wehtun.

Anthony Hickoxs Film kann man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Entweder man sieht darin lediglich eine Horrorkomödie oder man erkennt darin eine Andernanderreihung an Zitaten aus bekannten Horrorfilmen. Beides kombiniert Hickox im Stil einer Teeny-Komödie, wobei er den Witz fast schon bis zum Klamauk steigert, dabei aber nie den Faden verliert, sondern die Story innerhalb des vorgegebenen Rahmens auf originelle Weise vorantreibt. Die Geschehnisse geraten mehr und mehr außer Rand und Band, bis es im Finale zu einem regelrechten Monsterdurcheinander kommt. „Waxwork“ gehört zu den Klassikern des 80er Jahre Horrorfilms, in dem sich Genrestars wie Patrick Mcnee, David Warner und John-Rhys Davis die Klinke in die Hand geben. 1992 folgte das Sequel, das sich ebenfalls auf gekonnte Weise als eine Mischung aus Humor und Horrorfilmzitaten versucht.

Waxwork – Eine Reise zurück in die Zeit (OT: Waxwork), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Staffan Ahrenberg, Darsteller: Zach Galligan, Deborah Foreman, David Warner, Patrick Macnee, Dana Ashbrook, John-Rhys Davis. USA 1988, Laufzeit: 93 Min.

The 80s: Blood Diner (1987)

blooddiner1987Als „Blood Diner“ in deutschen Landen zu sehen war, war die Aufregung natürlich groß. Wie kann man nur eine solche Geschmacklosigkeit produzieren? Kurzerhand wurde der Film indiziert. Zum Glück wurde die Indizierung vor wenigen Jahren aufgehoben. Ein Pluspunkt also für unsere FSKler: sie haben den Humor in diesem Film endlich kapiert.

Im englischsprachigen Raum bezeichnete man Horrorfilme, die extrem aneckten, als „Video Nastys“. Die Filme waren hauptsächlich Direct to Video-Produktionen. Auch „Blood Diner“ lief nie in einem Kino, sondern kam direkt in die Regale der Videotheken.

Es geht um die Brüder Michael und George, die die altägyptische Göttin Sheetar zum Leben erwecken möchten. Dazu benötigen sie die Körperteile junger Frauen. Mit der Unterstützung des reanimierten Gehirns ihres verrückten Onkels Anwar verarbeiten sie die Reste ihrer Opfer in kleine Leckereien, was dazu führt, dass ihr vegetarisches Restaurant innerhalb kürzester Zeit unzählige Gäste anzieht. Michael und George planen noch mehr. Denn sie wollen Sheetar während einer riesigen Disco-Party auferstehen lassen.

Jackie Kongs Horrorkomödie gehört wahrscheinlich zu den durchgeknalltesten Filmen, die jemals produziert wurden. „Blood Diner“ steckt voller irrwitziger und abgedrehter Ideen, die wie bei einer Stand-up-Comedy unaufhörlich abgefeuert werden. Die grotesken Gags kennen keine Gnade. Sie veralbern einfach alles. Egal ob es sich um die Restaurantszene handelt, um Veganer- und Vegetarier-Trends, um Erfolg und Leistungsdruck, um die so genannte Spaßgesellschaft oder um den polizeilichen Alltag. Nichts lässt die Regisseurin aus. Ihr Sinn für Humor ist gewürzt mit derben Splattereffekten, die teilweise extrem kurios ausfallen und genau deswegen die Lachmuskeln kitzeln. Natürlich überschreitet Jackie Kong gelegentlich die Grenze zur Geschmacklosigkeit. Doch ist dies gewollt und passt daher zur eigentlichen Handlung. Als ob dies noch nicht genug wäre, setzt Kong im Finale des Films noch eins oben drauf. Disco-Besucher verwandeln sich in menschenfressende Zombies, Chaos bricht aus, und Michael und George haben alle Hände voll mit Göttin Sheetar zu tun.

„Blood Diner“ ist somit eines der besten Beispiele dafür, wenn man jemanden erklären möchte, was eine echte Trash-Granate ist.

Blood Diner – Garantiert geschmacklos (OT: Blood Diner), Regie: Jackie Kong, Drehbuch: Michael Sonye, Produktion: Jimmy Maslon, Jackie Kong, Darsteller: Rick Burks, Carl Crew, Roger Dauer, LaNetta La France. USA 1987, Laufzeit: 85 Min.

The 80s: Elmer (1988)

elmer1988Die Behauptung, dass sich innerhalb des Horrorgenres die wohl obskursten Filme tummeln, ist sicherlich nichts Neues. Doch das ist ja gerade das Schöne daran. Denn im Horrorgenre wird noch immer so etwas wie Kunst fabriziert. Ein Beispiel des grotesken Horrorfilms ist die Horrorkomödie „Elmer“, die 1988 in den Kinos lief. „Elmer“ war nicht das, was man einen Erfolg nennen darf. Doch die Zweitverwertung als Videokassette brachte ihm einen wahren Kultstatus ein.

Regie führte Frank Henenlotter, der bereits durch seinen Film „Basket Case“ innerhalb des Horrorgenres einen großen Bekanntheitsgrad erreichte. Doch auch innerhalb des Bereichs der Filmkritik sowie der Filmwissenschaft ist Henenlotter kein Unbekannter. In „Elmer“ geht es um einen wurmartigen Parasiten, der eben auf den Namen Elmer hört. Sein Lieblingsort ist der Nacken von Menschen, wo er durch eine Art Stachel seinem jeweiligen Wirt eine halluzinogene Flüssigkeit verabreicht. Dies führt zu einer drogenähnlichen Abhängigkeit. Elmer nutzt solche Situationen natürlich aus. Denn ist jemand erst einmal von ihm abhängig, so ist er auch willig, Elmers Lieblingsnahrung zu beschaffen: menschliches Hirn.

In dem Film trifft es den jungen Brian, der sich zusammen mit seinem Bruder eine Wohnung teilt. Durch die Begegnung mit Elmer gerät Brians Leben völlig außer Kontrolle. Denn wegen Elmers Droge ist er nahe daran, die völlige Erleuchtung zu bekommen. Als er jedoch merkt, was er für diesen Rausch tun muss, möchte Brian Elmer wieder loswerden. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan. Denn als Brian Elmer die gewünschte Nahrung verweigert, erhält er auch nicht mehr jene sonderbare Flüssigkeit.

Die Originalfassung von „Elmer“ ist in Deutschland noch immer indiziert. Es existiert hierzulande lediglich eine um knapp eine Minute gekürzte Fassung, da unsere FSKler mal wieder den Humor des Films nicht verstanden haben. Auf jeden Fall ist „Elmer“ eine gelungene Mischung aus schwarzem Humor, böser Ironie und teils recht blutigen Effekten. Elmer ist kein einfaches schleimiges Würmchen, sondern kann sprechen, was zur Folge hat, dass er einen Spruch nach dem anderen raus haut. In einer Szene gibt Elmer sogar ein Ständchen, das im Nachspann des Filmes als „Elmers Tune“ bezeichnet wird.

Frank Henenlotter gelingt es, eine recht fiese Satire auf Drogenkonsum und Spaßgesellschaft zu kreieren. „Elmer“ ist nie wirklich ernst. Stets präsentiert Henenlotter das Grauen mit einem gewissen Augenzwinkern. Irgendwie ähnelt er den frühen Filmen von David Cronenberg, und etwas David Lynch ist auch dabei. Allerdings kommt „Elmer“ nicht mit der Schwere einer düsteren und beklemmenden Vision daher, sondern nimmt das Groteske relativ leicht.

Elmer (OT: Brain Damage), Regie u. Drehbuch: Frank Henenlotter, Produzent: Edgar Ievins, Darsteller: Rick Herbst, Gordon MacDonald, Jennifer Lowry, Theo Barnes, Vicki Darnell. USA 1988, Laufzeit: 81 Min.

The 80s: Ghostbusters (1984)

ghostbusterÜber „Ghostbusters“ muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Der Film zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Komödien der 80er Jahre, sondern ist schlicht und ergreifend ein Klassiker. „Ghostbusters“ ist einer der wenigen Filme, bei denen einfach alles stimmt. Die Pointen sitzen, die Figurenkonstellation ist geradezu perfekt und die Effekte sind heute noch genauso faszinierend wie dazumal.

Allerdings ist „Ghostbusters“ nicht nur eine gelungene Horrorkomödie. Der Film ist zugleich eine Satire auf die US-amerikanische Kultur. Auf der ersten Ebene erzählt „Ghostbusters“ die Geschichte dreier Akademiker, die von der Universität geschmissen werden und nun versuchen müssen, sich in der freien Wirtschaft zu behaupten. Auf der zweiten Ebene lässt Reitman keinen satirischen Seitenhieb aus. Angefangen vom Universitätswesen bis hin zur Stadtpolitik und Behördenwahnsinn lässt es der Film nicht an Spott und Hohn fehlen. Doch interessanterweise zielt der Film immer wieder auf das Essverhalten der US-Amerikaner ab. Der Dämon Zuul, der aus einer anderen Dimension kommt, um die Welt in Besitz zu nehmen, taucht als erstes in einem Kühlschrank auf, in dem sich vor allem Fertigprodukte sowie Coladosen befinden. Einer der Hauptszenen spielt in einem Hotel, wo die Geisterjäger ein ganzes Buffet demolieren, während sie versuchen, einen herumschleimenden Geist zu fangen. Dieser stopft sich voll mit fettigen Würstchen, bevor er schließlich doch noch in die Falle geht. Im Finale, in dem die Gestalt gewählt werden soll, in welcher der Dämon die Welt vernichtet, erscheint dieser schließlich in Form des „allseits beliebten Marschmallow-Manns“. Die Geisterjäger machen somit nicht nur Jagd auf echte Gespenster, sondern zugleich auf die US-amerikanische (Ess-)Kultur und entpuppen sich dadurch als wahrer Bürgerschreck, da ihnen so gut wie nichts heilig ist oder Ehrerbietung einflößt.

Was den Film nicht weniger faszinierend macht, ist, dass es Reitman zugleich gelingt, eine Art Querschnitt durch die Subgenres des Horrorfilms abzuliefern, wobei er nicht nur ganz spezielle Zitate aufgreift (z.B. ist Venkmans Klavierklimpern eine Anspielung auf den Horrorklassiker „The Haunting“), sondern auch die für die jeweiligen Subgenres typische Szenen durch den Kakao zieht, was „Ghostbusters“ auch auf einer filmtheoretischen Ebene überaus interessant macht. Und nicht zu vergessen sind natürlich die Spezialeffekte, die in schön ausgedachten Farben erscheinen (grün und violett – mit diesen Farben beleuchtete Horrorikone Mario Bava seine Sets) und von denen die aufbrechende Straße damals zu den aufwendigsten Effekten gehörte, da die dafür verantwortliche Crew einen kompletten Straßenzug nachgebaut hatte.

Über das Remake soll hier nicht nochmals eingegangen werden. Nur eines vielleicht: inzwischen meint Aykroyd, dass er hoffe, dass einmal doch noch ein Sequel mit den echten Ghostbusters zustande kommt. Also doch eine heimliche Kritik an dem Reboot?

Ghostbusters, Regie u.  Produktion: Ivan Reitman, Drehbuch: Dan Aykroyd, Harold Ramis, Darsteller: Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson, Rick Moranis, Sigourney Weaver, USA 1984, Laufzeit: 105 Minuten