Horror de Luxe: Die Prophezeiung (1979)

Pu der Bär einmal anders; „Die Prophezeiung“ (1979); © Paramount Pictures

Als „Die Prophezeiung“ von Regisseur John Frankenheimer 1979 in die Kinos kam, wurde er von manchem Kritiker als schlechtester Film aller Zeiten bewertet. Frankenheimer selbst schob damals alles auf seine Alkoholprobleme. Und dennoch: „Die Prophezeiung“, wobei in dem Film überhaupt nicht klar wird, was das eigentlich für eine Prophezeiung sein soll, ist Unterhaltung pur.

Einerseits verhaftet im typischen Tierhorror der 70er Jahre, geht der Film noch einen Schritt weiter, indem er keine „normalen“ Tiere zeigt, die es auf die Menschheit abgesehen haben, sondern einen mutierten Monsterbären, der durch die Wälder Maines streift und Wanderern und Holzfällern eines auf die Rübe gibt.

Während die dort ansässigen Indianer einer Papierfabrik die Schuld für diverse Todesfälle geben, weist Isley, der Chef der Fabrik, sämtliche Schuld von sich. Schließlich soll der Mediziner Robert Verne untersuchen, ob durch die Fabrik Giftstoffe in die Erde bzw. ins Wasser gelangen. Zusammen mit seiner Frau macht er jedoch unliebsame Bekanntschaft mit einem Monsterbären, der Jagd auf sie macht …

Wie gesagt, der Film ist Unterhaltung pur. David Seltzer, der das Drehbuch zu „Das Omen“ verfasst hat, schrieb auch das Skript für diese Mischung aus Trash und Öko-Horror-Thriller. In dem Monsterbärenkostüm steckte Kevin Peter Hall, der Ende der 80er Jahre auch in die Ganzkörpermaske des Predator schlüpfte. Leider wollte John Frankenheimer, dass das Monster mehr wie ein Bär als wie ein echtes Monster aussehen soll, was dem Aussehen der Kreatur ein wenig schadet.

Was den Film letztendlich so bemerkenswert macht, ist, dass hier eine teils tolle Optik mit teils albern gefilmten Situationen kombiniert wurde – ein echtes Paradoxon, aber Frankenheimer und sein Team haben es geschafft. Dies führt dazu, dass manche Szene, in der das Monster seine Opfer angreift, unfreiwillig komisch wirkt. So zum Beispiel die Szene, in der ein Junge in einem Schlafsack davonhüpft und dabei eines von dem Monsterbären verpasst bekommt, sodass er gegen einen Felsen geschleudert wird. Obwohl die Szene ernst gemeint war, fällt man jedes Mal, wenn man sie sieht, vor Lachen halb vom Stuhl.

Die Öko-Botschaft scheint den Machern von „Die Prophezeiung“ auch nicht so wichtig gewesen zu sein. Sie brauchten nun mal einen Aufhänger, um damit den Monsterfilm besser vermarkten zu können. Das Augenmerk liegt ganz klar auf Monster-jagt-Menschen-durch-den-Wald. Von Anfang an legt der Film dabei ein rasantes Tempo vor. Wenn man einen Vergleich mit einem anderen Film suchen müsste, so würde mir daher als erstes „Komodo“ (1999) einfallen, der nicht weniger eine Mischung aus Trash, guter Optik und rasanter Handlung aufweist.

„Die Prophezeiung“ hat es jedenfalls geschafft zu einer Art Trash- und Monsterklassiker zu werden. Damals war der Film ein großer Erfolg, trotz aller schlechter Kritiken. Zugleich war „Die Prophezeiung“ einer der ersten Hollywoodfilme, der in Kanada gedreht wurde und die dortige Filmwirtschaft ankurbelte.

Die Prophezeiung (OT: The Prophecy). Regie: John Frankenheimer, Drehbuch: David Seltzer, Produktion: Robert L. Rosen, Darsteller: Talia Shire, Robert Foxworth, Armand Assante, Richard Dysart. USA 1979, 98 Min.

Horror de Luxe: Das Landhaus der toten Seelen (1976)

Der unheimliche Chauffeur (Anthony James) in „Burnt Offerings“; © NSM

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der toten Seelen“ ist hierzulande kaum bekannt. Ganz anders in den USA, wo Dan Curtis‘ Film als Klassiker des Genres bezeichnet wird.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Marasco handelt von dem Ehepaar Ben und Marian Rolf, die zusammen mit ihrem Sohn David und Tante Elizabeth den Sommer in einem abgelegenen Landhaus verbringen wollen. Die Miete für das Haus ist überraschend günstig. Die einzige Bedingung, die die Geschwister Allardyce, denen das Haus gehört, machen, lautet, dass sich die Rolfs um ihre alte Mutter kümmern müssen, die unter dem Dach eine eigene Wohnung hat.

Alles läuft hervorragend. Doch nach und nach geschehen sonderbare Dinge. Noch seltsamer ist, dass sich Mrs. Allardyce nicht zeigt und auch keinen Mucks von sich gibt. Als Ben beginnt, unter Wahnvorstellungen zu leiden, gerät die Lage mehr und mehr außer Kontrolle …

Um genau zu sein, stellt sich das Grauen, das in dem Haus herrscht, eher zwischen den Zeilen dar. Ein Grund, weswegen das Ehepaar Rolf quasi eine Paraderolle für Karen Black und Oliver Reed war. Denn hier zeigen beide ihr ganzes Können, indem sie Figuren darstellen, die nach und nach ihren Verstand verlieren. Dies geschieht langsam, beinahe unmerklich. Die Konflikte zwischen Ben und Marian nehmen zu, es scheint sich um ein Ehedrama zu handeln, doch die Ursache für die sich steigernde Wut der beiden aufeinander, hat ganz andere Ursachen.

Deutsches Kinoplakat von „Burnt Offerings“

Bette Davis als Tante Elizabeth wirkt dagegen eher blass und fast schon überflüssig. Wahrscheinlich hoffte Dan Curtiz, dadurch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können, der Film selbst hätte jedoch auch ohne die Hollywood-Diva funktioniert. Vielleicht hätte er sogar besser funktioniert, da sich dann der Fokus ganz auf den Konflikt des Ehepaars konzentriert hätte.

Obwohl Filmkritiker mit „Burnt Offerings“ nicht viel anfangen konnten, entwickelte sich der Film nach und nach zu einem Klassiker des Geisterhausfilms. Besonders die Figur des unheimlichen Chauffeurs, dem Ben in seinen Wahnvorstellungen begegnet, entwickelte sich zu einer Art Kultfigur. Wie bereits erwähnt, nicht in Deutschland, wo der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Gedreht wurde der Film übrigens im und um Dunsmuir House, einem neoklassizistischem Gebäude, das immer wieder als Drehort benutzt wird, so etwa 1979 für den Horrorfilm „Phantasm“ oder 1985 für den James Bond-Streifen „Im Angesicht des Todes“.

Landhaus der toten Seelen (OT: Burnt Offerings), Regie u. Produktion: Dan Curtiz, Drehbuch: Dan Curtiz, William F. Nolan, Darsteller: Karen Black, Oliver Reed, Bette Davis, Lee Montgomery, Burgess Meredith. USA 1976,

Horror de Luxe: The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (1973)

Sylvia Tortosa als Leherin Elke Ackermann bringt selbst die ärgsten Filmkritiker zum Schwärmen. „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Amando de Ossorio wollte es anscheinend nochmals wissen. Berühmt geworden durch die „Reitenden Leichen“-Filme, drehte er 1973 den Horrorstreifen „The Loreley’s Grasp“, der in Deutschland den Zusatztitel „Die Bestie im Mädchenpensionat“ erhielt, um möglichst viele Zuschauer in die Bahnhofskinos zu locken.

Basierend auf Clemens Brentanos Kunstmärchen über die Lorelei, einer Nixe, die durch ihre Schönheit Männern den Tod bringt, verfasste er ein Drehbuch, in dem eben diese Nixe ein Mädchenpensionat am Rheinufer unsicher macht. Jäger Sigurd wird angeheurt, um dem Ungeheuer den Garaus zu machen. Doch ist das leichter gesagt als getan. Denn das Lorelei-Monster lässt sich nicht so leicht lumpen …

Kritiker teilen sich bis heute in genau zwei Lager, was diesen Film betrifft. Die einen halten ihn für unterirdisch schlecht, die anderen für eine vergessene Perle des Horrorfilms. Nun, irgendwie trifft bei „The Loreley’s Grasp“ beides zu. Denn der Film ist einerseits schlecht, andererseits unfreiwillig komisch und drittens wiederum wirklich gut.

Zuschauer, die sich mit dem europäischen Trash-Kino der 70er Jahre nicht auskennen, werden mit Sicherheit auch mit diesem Film nichts anfangen können. Für alle anderen aber dürfte Ossorios unbekannter Streifen eine echte Entdeckung sein. Die Optik des Films ähnelt derjenigen der „Reitenden Leichen“. Es gibt tolle, atmosphärische Aufnahmen, die an die Schilderungen klassischer Gespenstergeschichten erinnern, und dann natürlich wieder die typischen Trash-Sequenzen – für beides liebt man Ossorios Filme.

Jäger Sigurd (Tony Kendall) pirscht sich an die Lorelei (Helga Liné) heran; „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Überraschend gelungen sind die Szenen, in denen das Ungeheuer sein Unwesen treibt. Zwar ist das Monster selbst nicht wirklich gut getroffen, doch seine Angriffe auf die Bewohner des Mädchenpensionats besitzen ein erstaunlich hohes Tempo, die Schnittfolge dabei ist großartig, sodass man gelegentlich an die Meister des italienischen Horrorkinos denken muss.

Für eher Heiterkeit sorgt Hauptdarsteller Tony Kendall, der nicht wirklich in die Rolle passt bzw. vergeblich versucht, diese darzustellen. Doch dafür sind die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnern geradezu einzigartig: sowohl im Hinblick auf ihre Darstellungsweise als auch ihr Aussehen. Silvia Tortosa spielt Elke Ackermann, die Lehrerin des Mädchenpensionats, wobei selbst die ärgsten Kritiker des Films nicht umhin konnten und können, ihre faszinierende Attraktivität zu würdigen. Nicht anders verhält es sich bei Helga Liné, welche die Wassernixe spielt.

Alles zusammen macht „The Loreley’s Grasp“ zu einem interessanten Film, der zwar nie wirklich spannend wird, aber dennoch hervorragend unterhält. Für Liebhaber des europäischen Horrorfilms ist dies mit Sicherheit eine nette Entdeckung.

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (OT: Las Garras de Lorelei). Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produkion: Ricardo Munoz Suay, Darsteller: Tony Kendall, Silvia Tortosa, Helga Liné. Spanien 1973, 85 Min.

 

Die Klunkerecke: Die Körperfresser kommen (1978)

Eigentlich gilt stets folgende Regel: Ein Remake ist schlechter als das Original. Und es wäre keine Regel, wenn es da keine Ausnahme gäbe. Eine solche ist der SF-Thriller „Die Körperfresser kommen“, das sowohl Remake des Films von 1956, als auch eine Neuadaption des gleichnamigen Romans von Jack Finney (erschienen 1955) ist.

Der Film von Don Siegel gilt als Inbegriff des Paranoia-Kinos. Wie kein anderer Film stellt er die Angst vor einer ideologischen Unterwanderung der USA dar, die damals vorherrschte. 1978 nahm sich dann Philip Kaufman des Stoffes an, um dadurch die heimtückische Invasion ein zweites Mal auf die USA loszulassen.

Dieses Mal betrifft es San Francisco. Aus dem Psychiater Peter Benell wurde ein Inspektor der Gesundheitsbehörde, der es auf einmal mit sonderbaren Zwischenfällen zu tun hat. Seine Mitarbeiterin Elizabeth behauptet, dass ihr Mann nicht mehr ihr Mann sei. Diese Wahnvorstellung scheint gerade in Sa Francisco zu grassieren. Denn immer mehr Menschen leiden unter der Angst, dass ihre Angehörigen sich plötzlich völlig anders verhalten. Nach und nach kommt Bennell dabei auf die Spur einer außerirdischen Invasion.

„Die Körperfresser kommen“ reicht nicht nur an den Originalfilm heran, sondern übertrifft ihn sogar teilweise. Mit einer unglaublich tollen Optik, bei der zwischendurch immer mal wieder zur wackeligen Handkamera gegriffen wird, überträgt Philip Kaufmann Jack Finneys Klassiker von der Moderne in die Postmoderne, ohne dabei Federn zu lassen. Natürlich dürfen dabei auch nicht die Anspielungen auf den Originalfilm fehlen. Als kleine Gag rennt daher Kevin Mc Carthy, der 1956 Bennell gespielt hat, wieder warnend durch die Straßen.

Aufbau der Spannung, die sich sich entwickelnde Handlung – alles wie aus dem Lehrbuch und darüber hinaus, denn „Die Körperfresser kommen“ wirkt gelegentlich wie heutige Zombiefilme, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich heutige Regisseure eben an diesem Meisterwerk orientieren.

Und dennoch floppte der Film damals an den Kinokassen. Die Post-Hippie-Ära war wohl an Paranoia-Themen nicht sonderlich interessiert. In der Tat passt der Film thematisch besser in unsere Zeit, in der durch zunehmende Entfremdungsprozesse die Angst vor dem Anderen zunimmt. Ein genialer Film, ein Meisterwerk.

Die Körperfresser kommen (OT: Invasion of the Bodysnatchers). Regie: Philip Kaufmann, Drehbuch: W. D. Richter, Produktion: Robert H. Solo, Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright. USA 1978, 113 Min.

Die berühmteste Kettensäge der Welt – Zum Tod von Regisseur Tobe Hooper

Tobe Hooper meinte immer, dass es sich bei „Texas Chainsaw Massacre“ eigentlich um eine Komödie handelte. Tatsächlich findet man in dem Horrorfilm eine ganze Reihe von schwarzhumorigen Gags, die jedoch den damaligen Kritikern nicht auffielen. Die meisten von ihnen fanden den Film damals „abscheulich“. Heute ist „Blutgericht in Texas“, so der deutsche Verleihtitel, nicht nur ein Klassiker des Horrorgenres, sondern überhaupt ein Klassiker des US-amerikanischen Kinos.

Der Witz an dem Film ist, dass er zwar äußerst brutal tut, in Wirklichkeit aber kaum etwas Brutales geschieht. Die Montage des Films ist dermaßen genial, dass sich das Grauen mehr in der Vorstellung der Zuschauer abspielt, als auf der Leinwand. Zusammen mit „Nacht der lebenden Toten“ (1969) und „Last House on the Left“ (1973) zählt „Texas Chainsaw Massacre“ (1974) zu denjenigen Filmen, welche nicht nur den postmodernen Horrorfilm einläuteten, sondern überhaupt die postmoderne Phase im US-amerikanischen Film vorbereiteten.

Beeinflusst von den Protesbewegungen gegen den Vietnamkrieg, gegen Rassismus und gegen sexuelle Ungleichheit setzte Hooper diese Kritik in seinem Film fort, in dem er die USA nicht mehr als Idealbild stilisierte, sondern als ein Ort der Verunsicherung, der Unsicherheit und der sozialen Konflikte. Er zeigte eine degenerierte Familie, lieferte aber für diesen Zustand eine damals unerhörte Erklärung: denn Schuld für das Verhalten von Leatherface und Co. ist die Modernisierung, die die USA angeblich voranbringen soll.

„Texas Chainsaw Massacre“ wurde ein riesiger Erfolg, von dem die Macher jedoch nicht viel mitbekamen, da die Verleihfirma sie mit obskuren Verträgen übers Ohr haute. An den Stil und die Ästhetik, kurz an die Meisterklasse seines Debuts, sollte Hooper nicht mehr herankommen. Er gehört zu den Regisseuren, die ihren besten Film gleich am Anfang ihrer Karriere drehten.

Steven Spielberg engagierte ihn für die Dreharbeiten zu „Poltergeist“, doch ist eindeutig, dass Spielberg stets das Zepter in der Hand behielt und den Namen Hooper nur als Marketing-Gag gebrauchte. Zwar schuf Hooper in den 80er Jahren mit dem Remake „Invasion vom Mars“ (1986) und „Lifeforce“(1985) zwei Klassiker des Trash-Films und vor allem zwei Klassiker der legendären Cannon-Produktionsfirma, doch brachte dies seine Karriere nicht wesentlich weiter.

Im Laufe der Zeit verlegte er sich daher auf TV- und Low-Budget-Filme, wobei er aber auch als Produzent tätig war. Nun starb der Erfinder von Leatherface im Alter von 75 Jahren.

 

Die Klunkerecke: The Wicker Man (1974)

Obwohl der Film damals die Zuschauer maßlos entsetzte, floppte „The Wicker Man“ an den Kinokassen. Bis heute gilt Robin Harrys‘ Werk als nicht nur bahnbrechend, sondern als einer der verstörendsten Horrorfilme überhaupt. Viele Regisseure inspiriert dieser Film bis heute, vor allem Eli Roth, der seine eigenen Produktionen im Stil von „The Wicker Man“ sieht.

Doch um was geht es überhaupt in diesem sonderbaren, überaus beklemmenden Film? „The Wicker Man“ handelt von einem verschwundenen Mädchen. Inspektor Neil Howie hat den Auftrag, zu ergründen, was mit dem Mädchen geschehen ist. Die Suche führt ihn letztendlich auf die Insel Summerisle, die von einem eigenartigen Kult beherrscht wird. Die Bewohner glauben nicht an Gott, sondern an diverse Naturgötter, die sie in verschiedenen Ritualen verehren. Doch da vergangenes Jahr die Ernte überaus schlecht ausfiel, sehen sich die Bewohner dazu gezwungen, dieses Mal ihren stärksten Zauber durchzuführen. Dieser gelingt jedoch nur durch ein Menschenopfer …

Die Grundidee des Films basiert auf Caesars „Gallischen Krieg“, in dem er an einer Stelle von einer riesigen, aus Weiden geflochtenen Figur berichtet, in die Menschen eingepfercht wurden, um sie daraufhin zu verbrennen. Ob dies tatsächlich stimmt oder es sich um eine Art von antiker Propaganda handelt, darüber sind sich Historiker bis heute uneins. Jedenfalls war damit die Idee zu „The Wicker Man“ geboren.

Eigentlich sollte der Film  auf den Roman „Ritual“ von David Pinner basieren. Doch Robin Harrys und Drehbuchautor Anthony Shaffer veränderten den Stoff so stark, dass von der ursprünglichen Geschichte kaum noch etwas übrig blieb. Nur der Grundkonflikt blieb gleich, indem ein religiöser Polizeibeamter auf eine Sekte trifft, die die Natur anbetet.

Der Star des Films: die unheimliche Wicker Man-Figur; „The Wicker Man“ (1974); Copyright: Studiocanal

Man merkt, dass speziell bei den Szenen, in denen es um die Diskussion zwischen Neil Howie (gespielt von Edward Woodward) und dem Sektenführer Lord Summerisle (gespielt von Christopher Lee) Jacques Tourneurs Klassiker „Night of the Demon“ (1956) Pate gestanden hat. Während es bei Tourneur um die Gegenüberstellung von rationalem Wissen und Aberglauben ging, so geht es in den entsprechenden Szenen bei Robin Harrys um die Frage, was nun eigentlich der wahre Glaube ist.

Auf diese Weise treffen in „The Wicker Man“ zwei Extreme aufeinander: der Polizeibeamte, der neben seinem Glauben keinen anderen Glauben gelten lassen möchte, und Lord Summerisle, der nicht weniger von seiner Naturreligion überzeugt ist. Dass es dadurch zu keiner Einigung kommen kann, sondern sich der Konflikt dadurch nur verschärft, liegt quasi auf der Hand.

Doch „The Wicker Man“ geht noch einen originellen Schritt weiter. Die Bewohner der Insel nutzen die moralischen und religiösen Einstellungen Howies aus, um mit ihm ein bösartiges Spiel zu treiben. Und genau hier kommen die beklemmenden und bedrohlichen Aspekte des Films ins Spiel, die „The Wicker Man“ bis heute so einzigartig machen.

Alternatives Kinoplakat von „The Wicker Man“

Hinzu kommt ein weiteres wichtiges Merkmal des Films: er ist nicht nur als Mystery-Thriller und Horrorfilm konzipiert worden, sondern ebenso als Musical. Besonders einprägend ist hierbei der „Wicker Man Song“. Die Musical-Sequenzen und die damit verbundene alternative Lebensführung legt nahe, dass hier die Hippie-Bewegung aufs Korn genommen werden sollte. In dieser Hinsicht war der Film seiner Zeit voraus, denn die satirische Sichtweise auf die Hippies nahm das Horrorgenre erst ab Anfang der 80er Jahre vor (wie z.B. in „Poltergeist“).

Wie gesagt, floppte „The Wicker Man“ und dies war natürlich schlecht für die Produktionsfirma, die kurz vor dem bankrott stand. Wahrscheinlich ging die Rechnung nicht auf, da der Film sich in keine vorgefertigte Schablone stecken lässt. Er hält sich nicht an Genrevorgaben, sondern rührt alles durcheinander. Was damals die Kinogänger abschreckte (die Zuschauer, die den Film sahen, erschreckte er), gilt heute als einer der wichtigsten Filme der britischen Filmgeschichte, da er in England genau den Schnitt zwischen den Filmen von Hammer und den postmodernen Horrorfilmen markiert und dadurch zugleich das postmoderne Kino im allgemeinen einläutet.

Aus heutiger Sicht könnte man „The Wicker Man“ in die Protestfilme der 70er Jahre einordnen, also vor allem Filme wie „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Last House on the Left“, die die konservativen Moralvorstellungen hinterfragten. „The Wicker Man“ geht dabei noch einen Schritt weiter, indem er Menschen zeigt, die sich gegen die staatlichen Behörden wenden.

Doch ganz egal, wie man den Film sehen möchte und vor allem was man in dem Film sehen möchte, „The Wicker Man“ ist ein Film, der einen nicht mehr loslässt, über den man immer weiter nachdenken muss und der einen mit einem mulmigen Gefühl zurücklässt. Kurz: einzigartig.

The Wicker Man. Regie: Robin Hardy, Drehbuch: Anthony Shaffer, Produktion: Peter Snell, Darsteller: Edward Woodward, Christopher Lee, Ingrid Pitt, Britt Ekland. England 1974, 89 Min.

 

Baron Blood (1972)

baronbloodNachdem Mario Bava 1971 mit Im Blutrausch des Satans den Prototyp des Teeny-Slashers gedreht hatte, kehrte er ein Jahr später mit Baron Blood zu seinen eigentlichen Wurzeln des Gothic Horrors zurück. Diesmal aber spielt die Handlung nicht wie sonst im 18. Jahrhundert, sondern, da sich inzwischen das Horrorgenre stark gewandelt hatte, in der Gegenwart.

Ort der Handlung ist Österreich. Der Student Peter von Kleist kehrt nach Österreich zurück, um bei der Versteigerung des Schlosses seiner Vorfahren zugegen zu sein. Das Schloss ist unter der Bevölkerung als das „Schloss des Teufels“ bekannt, da im 16. Jahrhundert darin der Blutbaron von Kleist gehaust hat, der dort unzählige Menschen zu Tode foltern ließ. Gemeinsam mit Eva, einer Kunsthistorikerin, findet Peter eine seltsame Beschwörungsformel, mit deren Hilfe man den Blutbaron wieder zum Leben erwecken kann. Aus Neugier sprechen beide um Mitternacht die Formel aus. Kurz darauf scheint der blutrünstige Baron tatsächlich wieder ins Leben zurückgekehrt zu sein, um neue Opfer für seine Folterkammer zu suchen …

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Gestatten, Baron Blood. „Baron Blood“ (1972); Copyright: ems.

Mit Sicherheit ist Baron Blood nicht der beste Film Mario Bavas, dennoch ist er sehr spannend und kurzweilig inszeniert. Im Grunde genommen gibt sich Baron Blood als eine genau abgestimmte Mischung aus typisch italienischem Horrofilm und den Produktionen der American International Pictures der 60er Jahre, in denen vor allem Vince Price auftrat. Das Monster, das Eva und Peter aus seinem Grab holen, hat einen recht hohen Gruselfaktor und wurde von niemand anderem als Carlo Rambaldi geschaffen, der sich etwa zehn Jahre später ebenfalls für das E.T.-Design auszeichnen sollte. Als Kulisse für das Schloss wurde das Museum Burg Korneuberg in Österreich gewählt, wo auch der gesamte Film gedreht wurde.

Baron Blood versucht zwar, die Aspekte des postmodernen Horrorfilms aufzugreifen, bleibt aber zu sehr den klassischen Aspekten treu. Dies führt dazu, dass er für einen klassischen Horrorfilm recht brutal, für einen postmodernen Horrorfilm, der 1969 durch „Nacht der lebenden Toten“ ins Leben gerufen wurde, jedoch zu naiv wirkt. Die Nahaufnahmen der Untaten des Barons sowie das von einer Eisernen Jungfrau durchbohrte Gesicht seines Dieners sind Beispiele für diesen Stil. So gesehen bewegt sich Baron Blood exakt entlang einer der prägendsten filmhistorischen Übergangsphasen.

Baron Blood, Regie: Mario Bava, Drehbuch: Vincent Fotre, Mario Bava, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Joseph Cotten, Massimo Girotti, Luciano Pigozzi. Italien/Deutschland 1972, 94 Min.