Die Klunkerecke: Die Insel des Dr. Moreau (1977)

Die Tiermenschen proben den Aufstand; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Auch Leute, die den Roman von H. G. Wells nie gelesen haben, kennen die Insel, auf der Dr. Moreau seine Tiermenschen züchtet. Mehrfach verfilmt, gilt vor allem die Version von Regisseur Don Taylor als herausragend.

Die 70er Jahre waren das Jahrzehnt des Öko-Horrorfilms. Innerhalb dieses Rahmens wurde King Kong wiederbelebt und natürlich passte eine Insel, auf der ein verrückter Wissenschaftler Gott spielt ebenso ins Raster. Michael York spielt darin den Schiffsingenieur Andrew Braddock, der zusammen mit zwei Besatzungsmitgliedern eines untergangenen Schiffes an die Küste der unheimlichen Insel gespült wird. Schnell merken er und seine Freunde, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und schon bald kommt Andrew hinter das Geheimnis der eigenartigen Tiermenschen …

Dr. Paul Moreau wurde von Burt Lancaster gespielt, der in dieser Rolle absolut überzeugt. Auch Michael York geht in seiner Rolle des gestrandeten Schiffbrüchigen voll und ganz auf. Bondgirl und Trash-Ikone Barbara Carrera spielte Maria, Moreaus hübsche Tochter. Das berühmt gewordene Foto, das seitdem quasi eine Art Eigenleben führt, zeigt sie umringt von mehreren Tiermenschen.

Damals gingen die Kritiken weit auseinander. Die einen fanden den Film schlicht und ergreifend dämlich, die anderen für zu altmodisch und wieder andere fanden ihn einfach nur großartig. Wie auch immer, Don Taylor, der davor 1971 mit „Flucht vom Planet der Affen“ den dritten Film dieser Serie drehte und 1980 für den Science Fiction-Film „Der letzte Countdown“ verantwortlich war, liefert mit seiner Version von Wells‘ Roman die durchaus düsterste Version ab.

Maria (Barbara Carrera) umringt von ihren Lieblingen – eines der bekanntesten Filmbilder der 70er Jahre; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Andrew Braddock ist Dr. Moreau nicht nur völlig ausgeliefert, sondern wird selbst Teil des Experiments, während die Tiermenschen die Gesetze, die ihnen der Wissenschaftler aufgezwungen hat, mehr und mehr in Frage stellen. Der Film beschäftigt sich Jahre vor tatsächlichen Genmanipulationen mit eben diesem Thema und betrachtet dieses aus unterschiedlichen Perspektiven. Daraus ergibt sich eine wunderbare und spannende Diskussion zwischen Für und Wider dieser Wissenschaft, die in heutigen Filmen lediglich stichwortartig abgehandelt werden würde. „Die Insel des Dr. Moreau“ erhält aber auch durch die feine Charakterisierung der Figuren eine Tiefe, welche Dr. Moreau und Braddock eine faszinierende Vielschichtigkeit verleiht. Ist Dr. Moreau einfach nur wahnsinnig oder verfolgt er tatsächlich Ziele, welche die Menschheit in ihrer Entwicklung weiterbringen könnte?

Diese Fragen ziehen sich durch den ganzen Film, sodass Burt Lancasters Darbietung die klassische Rolle des verrückten Wissenschaftlers sprengt und stattdessen eine düstere, nachdenkliche und auch verbitterte Version schafft, die durch die ständige Beschäftigung mit diesem Thema in eine Art Wahn verfallen ist. Erst wenn es um seine Tochter Maria geht, wird Moreau zum „normalen“ Menschen.

Angeblich war für den Film ein ganz anderes Ende vorgesehen. Bis heute kursiert das Gerücht, dass für das Ende des Films eine Szene gedreht wurde, in der Maria ein Tiermenschenbaby zur Welt bringt. Don Taylor sagte später, dass eine solche Szene tatsächlich einmal besprochen, die Idee aber wieder fallen gelassen wurde, da man befürchtete, das Ende könnte dadurch überaus lächerlich wirken. Aber auch ohne Monsterbaby ist „Die Insel des Dr. Moreau“ aus dem Jahr 1977 immer wieder sehenswert.