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Posts Tagged ‘Horrorfilme aus England’

Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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nightofthebigheatZwar werden die Winter von mal zu mal milder, doch wenn die Temperaturen auf über 30 Grad ansteigen, so ist dies mehr als nur außergewöhnlich. Genau dies geschieht in dem SF-Klassiker „Night of the big Heat“. Die Geschichte spielt auf der Insel Fara, wo eines Winters Temperaturen wie im Hochsommer herrschen, während es im übrigen England Minusgrade hat. In der Dorfschenke Swan treffen sich die Bewohner, um sich etwas abzukühlen. Dort hat auch der eigenartige Wissenschaftler Godfrey Hanson ein Zimmer gemietet. Er behauptet, dass die Hitze von außerirdischen Invasoren verursacht werde. Zunächst glaubt ihm niemand. Doch als immer mehr Menschen spurlos verschwinden, bricht Panik aus …

Filme, in denen die beiden Horrorikonen Christopher Lee und Peter Cushing gemeinsam auftreten, sind in der Regel immer sehenswert. Dies trifft auch auf „Brennender Tod“, so der deutsche Titel, zu. Horrorregisseur Terence Fisher gelingt es darin, eine sehr dichte und bedrohliche Atmosphäre zu schaffen, welche den ganzen Film über bestehen bleibt. Das Unheimliche macht sich zunächst nur durch seltsame Geräusche bemerkbar, deren Ursprung niemand ausmachen kann. Im Laufe des Films führen diese Geräusche bei manchen Bewohnern zu seltsamen Starrkrämpfen und Panikattacken.

Die im Ort eingeschlossenen Bewohner versuchen verzweifelt, dieser Gefahr zu entkommen und die Invasion zu verhindern. Im Grunde genommen schlägt hierbei Terence Fisher Motive an, die die Paranoia-Filme der 50er Jahre aufgegriffen haben. Zum anderen erinnert die Story an den Stil der Romane von John Wyndham und dem frühen John Christopher, deren literarische Bedrohungsszenarien sich ebenfalls immer auf einen bestimmten Ort beschränkten. Ob sich Drehbuchautor Robert Liles von beiden inspirieren ließ, kann nicht beantwortet werden, erscheint aber durchaus möglich.

Aber ganz egal, woher die Inspiration kam, „Night of the Big Heat“ ist ein durch und durch unterhaltsamer Film, das Ergebnis dreier Ikonen des Horrorfilms.

Night of the Big Heat (Dt. Titel: Brennender Tod), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Ronald Liles, Produktion: Ronald Liles, Tom Blakeley, Darsteller: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, England 1967, Laufzeit: 90 Min.

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