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Posts Tagged ‘Horrorfilme aus Deutschland’

Wer in Deutschland einen Horrorfilm machen möchte, steht zunächst einmal vor verschlossenen Türen. Viele Produzenten rümpfen vor diesem Genre die Nase, da sie Horror von Anfang an in die Schmuddelecke verbannen. Daher werden in Deutschland kaum Horrorfilme produziert. Und die, die produziert werden, müssen mit sehr wenig Geld auskommen.

So erging es auch Regisseur Andreas Marschall mit seinem Film „Tears of Kali“ aus dem Jahr 2004. Die Handlung: Anfang der 80er Jahre gründen sich in Indien eine Reihe esoterischer Gruppen, die Anlaufstellen für Geistesschwache, Drogensüchtige und Leute auf der Suche nach Selbsterfahrung sind. Eine dieser Gruppen trägt den Namen Taylor-Eriksson-Group. Diese Sekte treibt die Suche nach Selbsterfahrung und Selbstfindung weit über die Grenzen des menschlichen Verstandes hinaus. Eines Tages jedoch sind alle Mitglieder der Sekte spurlos verschwunden. Ihre abartigen Methoden aber werden von manchen Menschen weiterhin praktiziert …

Ein Beispiel für die tolle Optik: „Tears of Kali“ (2004); Copyright: Anolis Entertainment

Das extrem kleine Budget, das Marschall zur Verfügung stand, gab er nicht für Effekte aus, sondern konzentrierte sich mehr auf die Schaffung einer bedrohlichen, dichten Atmosphäre. Sein Film „Tears of Kali“ ist aus dieser Sicht ein genialer Horrorfilm, der es durchaus  – im Hinblick auf die unheimliche Charakterisierung – mit Genrelichtern wie „Ring“ aufnehmen kann. Der Episodenfilm ist in drei Geschichten aufgeteilt, die jedoch alle durch die Machenschaften der Taylor-Eriksson-Group zusammenhängen. Dabei geht Andreas Marschall in lovecraftscher Manier vor, indem er immer wieder Leute auftauchen lässt, die über ein bizarres Wissen verfügen, das letztendlich nur dazu dient, die Menschen ins Chaos zu stürzen. Dadurch deutet der Film  – ebenfalls im Sinne Lovecrafts – ein kosmisches Grauen an, das jenseits des menschlichen Verstandes liegt.

Aufgebaut sind alle drei Geschichten wie Kammerspiele. Durch einfallsreiche Kameraperspektiven und unterschiedliche Schnittfolgen aber gelingt es Marschall, über das geringe Budget hinwegzutäuschen. Durch die Enge der Räume, in denen sich die Protagonisten aufhalten, wird von Beginn an eine alptraumhafte Atmosphäre erzeugt, die dadurch verstärkt wird, dass den Figuren jeglicher Fluchtweg verwehrt bleibt. Hinzu kommen sehr gute und intensive Dialoge, in denen die Erfahrungen der Taylor-Eriksson-Group zu einer Art kosmischen Bedrohung aufgebaut werden.

„Tears of Kali“ ist sehr spannend und kurzweilig inszeniert und bietet eine Reihe recht unheimlicher Szenen. Spätestens dann, wenn die Patientin einer Irrenanstalt ständig von einem „toten Mädchen“ faselt, wird es dem Zuschauer zunehmend ungemütlich …

Marschalls Film wurde in Deutschland kaum beachtet. Im übrigen Europa dagegen, ja sogar in den USA erhielt „Tears of Kali“ auf Filmfestivals diverse Preise und wurde mehrfach nominiert. Ein überaus sehenswerter Horrorfilm, der zeigt, dass für Qualität kein großes Budget notwendig ist.

Tears of Kali, Regie und Drehbuch: Andreas Marschall, Produktion: Olivera Becker, Heiner Thimm, Darsteller: Mathieu Carriere, Peter Martell, Cora Chilcott, Vronie Kiefer, Deutschland 2004, 90 Min.

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