Horror de Luxe: Tormented – Der Turm der schreienden Frauen (1960)

Was alles so geschehen kann, wenn ein Mann vom „sexiest ghost“ verfolgt wird, zeigt uns Regisseur Bert I. Gordon in seinem Film „Tormented“. Gordon ist in Deutschland so gut wie unbekannt, in den USA dagegen zählt er neben Roger Corman und William Castle zu den bekanntesten Trash-Ikonen, der für viele seiner Filme auch die Spezialeffekte entwickelte.

In „Tormented“ geht es um den Jazzmusiker Tom Stewart, der auf der Insel Cape Cod lebt und kurz vor seiner Heirat mit Meg Hubbard steht. Doch Tom hat es nicht so mit der Treue. Heimlich trifft er sich mit Vi Mason. Als sich beide auf dem alten Leuchtturm treffen, der demnächst abgerissen werden soll, möchte Tom die heimliche Beziehung beenden. Noch während der Auseinandersetzung gibt ein Teil des Geländers nach und Vi stürzt in die Tiefe. Und damit fängt die Geschichte eigentlich erst an. Denn Tom wird von da an vom Geist Vis, dem oben genannten sexiest ghost, wie es damals im Trailer hieß, verfolgt.

Tom Stewart (Richard Carlson) in der Zwickmühle; „Tormented“ (1960)

„Tormented“ ist ein kurzweiliger und durchaus spannender Horrorfilm, dem man sicherlich ansieht, dass nicht viel Geld für die Produktion vorhanden war, der jedoch das Beste daraus macht. Die Effekte sind witzig in Szene gesetzt, von einer Geisterhand, die Tom den Ehering stielt, bis zu dem Geist mit wehendem Gewand ist alles vorhanden. Wirklich gut wird Tom Stewart von Richard Carlson dargestellt, der selbst Regisseur und Produzent gewesen war. Er zeigt Tom als einen Mann, der zunehmend von Schuldgefühlen geplagt wird und der bald nicht mehr weiß, ob er deshalb unter Wahnvorstellungen leidet oder ob er es mit tatsächlichem Spuk zu tun hat.

Vi (Juli Reding) lässt das Spuken nicht; „Tormented“ (1960)

Gordon mischt dabei recht schön modernen Grusel mit klassischem Geisterspuk. Das zusätzliche Thema der Schuld verleiht „Tormented“ eine gewisse Tiefe, was dazu führt, dass der Film durchaus aus Gordons übrigem Werk hervorsticht, in dem es meistens um die Flucht vor riesigen Monstern geht – wie z.B. in „The Cyclops“ (1957) oder in „Attack of the Puppet People“ (1958). Natürlich ist der Film kein Meisterwerk, aber ihm gelingt eine recht schöne, teils subtile Spukatmosphäre, die unter anderem durch den alten Leuchtturm aufrechterhalten wird, der stets wie ein Symbol des Unheils und des Geheimnisvollen wirkt. Das einzige Manko, den Film gibt es zurzeit in keiner guten Bildqualität. Aber vielleicht findet sich ja einmal ein Restaurator, der sich dem annimmt.