Das Mörderhotel – Zwischen Roman und Thriller

Mit „Das Mörderhotel“ versuchte sich Wolfgang Hohlbein am Genre des historischen Kriminalromans. Basierend auf der wahren Geschichte von Herman Webster Mudgett (1861 – 1896), der sich als Dr. Henry Howard Holmes ausgab und als einer der ersten Serienmörder der USA gilt, schuf er einen Wälzer von über 800 Seiten.

Mudgett bzw. Dr. Holmes erbaute für seine Untaten in Chicago ein riesiges Hotel, das mit Geheimgängen und Geheimräumen, einer Folterkammer, einem Säurebad und desgleichen mehr ausgestattet war. Bei der Suche nach seinen Opfern kam ihm die Weltausstellung zugute, da diese viele junge, alleinstehende Frauen nach Chicago lockte, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Manche von ihnen mieteten in dem Horrorhotel ein Zimmer – und von da an verlor sich ihre Spur. Heute wird angenommen, dass Mudgett etwa 200 Morde verübt hat. Schließlich wurde er 1894 gefasst und zwei Jahre später hingerichtet.

Hohlbeins Roman besitzt zwei Handlungsstränge, von denen einer die Geschichte Mudgetts, angefangen von seiner Kindheit, erzählt, der andere Mudgetts Umtriebe kurz vor seiner Verhaftung nachgeht. Zwar lässt der Autor dabei sämtliche historisch verbürgten Figuren auftauchen, doch die eigentliche Handlung entspringt dann doch eher der Fantasie des Autors, obwohl sie sich natürlich (jedenfalls im allgemeinen) ebenfalls auf wahre Begebenheiten bezieht.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: für eine solche Geschichte ist der Roman schlicht und ergreifend zu lang. Zwar ist der Aufbau mit den beiden Handlungssträngen recht gut gelungen, doch gibt der Roman als Ganzes für diesen Umfang nicht viel her. 400 Seiten weniger, und es wäre ein wirklich gelungenes Buch geworden. So aber ziehen sich einige Szenen unnötig in die Länge, ja manchmal scheint es, Hohlbein versuche lediglich, Seiten zu füllen. Und für einen solchen umfangreichen Roman wirken die Figuren dann doch eher oberflächlich, sie lassen sich nicht wirklich greifen, was dazu führt, dass sie einem dann auch eher egal sind.

Das ist wirklich schade, denn Hohlbein schreibt in einem sehr flüssigen Stil, der dazu führt, dass man durch den Roman regelrecht gleitet, auch dann, wenn seitenlang wenig oder gar nichts passiert. Zwischendurch schimmert ein wenig schwarzer Humor hindurch, besonders in einem der letzten Episoden des Romans, in dem Hohlbein Mudgett als Jack the Ripper agieren lässt. Doch auch hier erscheint der Roman letztendlich als viel zu lang.

Wenige Jahre zuvor erschien das Sachbuch „Der Teufel von Chicago“ des Journalisten Erik Larson. Im Gegensatz zu Hohlbein, gelingt es Larson auf knapp 400 Seiten eine spannende, erstklassige Reportage zu verfassen. Schade, dass sich Wolfgang Hohlbein nicht an diesem Umfang orientiert hat.

Sieben Lichter – Ein spannender Kriminalroman

Was im Jahr 1828 an Bord der Mary Russell geschehen ist, gehört bis heute zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Seefahrtsgeschichte. Nun hat der bekannte Übersetzer Alexander Pechmann, der erst kürzlich an dem gewaltigen Lovecraft-Band Das Werk mitgearbeitet hat, daraus einen historischen Kriminalroman geschrieben, den man nicht so schnell aus der Hand legt.

Der berühmte Arktisforscher und Theologe William Scoresby möchte unbedingt in Erfahrung bringen, was an Bord der Mary Russell tatsächlich geschehen ist. Nur so viel ist sicher: sieben Mitglieder der Besatzung wurden brutal ermordet. Der Kapitän ist verschwunden. Scoresby beginnt nun, die Überlebenden des Massakers zu befragen. Doch die Geschichte wird von Mal zu Mal mysteriöser, je mehr er über das Geschehen an Bord erfährt.

Sieben Lichter gestaltet sich als eine Mischung aus klassischem Kriminalroman und Mystery-Thriller. Alexander Pechmann gelingt es dabei, von Anfang an eine dichte und rätselhafte Atmosphäre zu gestalten, die das gesamte Buch durchzieht. Besonders gut gelingen ihm dabei atmosphärische Momentaufnahmen, wie etwa die Mischung aus Schock und Bedrückung, die Scoresby entgegen schlägt, als er zum ersten Mal an Bord des Schiffes kommt.

Verfasst in einem erstklassigen Schreibstil wird der Roman zu einem wahren Pageturner, der noch dazu bis ins kleinste Detail hervorragend recherchiert ist. Man merkt, dass sich der Autor schon seit Jahren mit der Geschichte der Seefahrt auseinandersetzt, was dem Roman eine zusätzliche realistische Note verleiht.

Die Spannung nimmt dabei von Kapitel zu Kapitel zu, sodass man kaum noch mit dem Lesen aufhören kann. Stets möchte man wissen, welche Informationen Scoresby noch herausfindet, um dadurch hinter das Geheimnis des unheimlichen Falls zu kommen. Dies macht Sieben Lichter zu einem echten Leckerbissen nicht nur für Krimifans, sondern überhaupt für Leute, die auf der Suche nach einem wirklich guten Buch sind

Alexander Pechmann. Sieben Lichter. Steidl Verlag 2017, 166 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-95829-370-0

 

Hans Stahl und der Tod der Rosen – Eine Rezension

Der Historiker Michael Kirchschlager ist längst bekannt durch seine Buchreihe „Bibliothek des Grauens“, in welcher er mysteriöse, unheimliche und schreckliche Ereignisse und Kriminalfälle zusammenträgt. Doch auch als Romanautor ist Kirchschlager kein unbekannter mehr. Mit seinen beiden Crako-Romanen („Der Crako und der Gierfraß“, „Der Crako und das Giftmädchen“) bewies er bereits sein Können darin, historische Tatsachen mit Fiktion zu verbinden.

Ein spannender und historisch erstklassig recherchierter Roman

Vor kurzem ist nun mit „Hans Stahl und der Tod der Rosen“ ein weiterer historischer Kriminalroman von Michael Kirchschlager erschienen. Es geht darin um den Hauptmann der Stadt- und Schlosswache Hans Stahl, der, kaum dass er seinen Posten erhalten hat, einen grausamen Mord aufklären muss. Eine Prostituierte wurde erwürgt, ihre Leiche in den Abort des Bordells geworfen. Während Hans Stahl versucht, den Fall mit kriminalistischem Spürsinn nachzugehen, hat der Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes bereits einen Verdächtigen gefunden: den „Säufer und Hurenfreund“ Albrecht von Ingersleben. Nach dessen Hinrichtung, kehrt jedoch keineswegs Ruhe in Arnstadt ein. Madame Apolonia, die Bordellbesitzerin, wird völlig unerwartet der Hexerei bezichtigt. Und nicht zuletzt wird noch eine weitere Leiche entdeckt.

Hans Stahl hat es wirklich gegeben. Michael Kirchschlager schickt diese historisch verbürgte Figur in eine spannende sowie grausame Geschichte, die man von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug durchliest. Während die Handlung voranschreitet, fließen Bier und Blut in Strömen und wird mit zünftigen Schimpfwörtern nur so um sich geworfen. Es kommt zu grausamen Folterungen, einer Hexenverbrennung und nicht zuletzt hält auch noch die Pest Einzug in Arnstadt.

Nicht nur die einzelnen Figuren wirken überaus lebendig. Dem Autor gelingt es, den gesamten, bis ins letzte Detail recherchierten historischen Hintergrund auf eine solch bildhafte Weise darzustellen, dass man als Leser glaubt, mitten unter den Bürgern Arnstadts kurz vor Beginn des 30jährigen Krieges zu stehen und den Geschehnissen von dieser Perspektive aus zu folgen. Somit ist dieser Roman nicht nur überaus unterhaltsam, sondern zugleich äußerst lehrreich. Der Leser erhält viele Informationen über den Alltag der damaligen Zeit und über die Aufgaben der Stadtwache, welche denen der heutigen Polizei nicht unähnlich sind.

Ein spannender Roman, den man nicht nur einmal, sondern gerne auch mehrmals hintereinander liest.  Eine der interessantesten Veröffentlichungen in diesem Jahr.

Michael Kirchschlager: Hans Stahl und der Tod der Rosen, Verlag Kirchschlager 2012, 218 Seiten,

ISBN: 978-3-934277-41-0, Preis 9,90 €