Historische Serienmörder Band IV

historischeserienmoederivBand eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt.  1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1

Totmacher 3 – Gerd Frank auf den Spuren russischer Serienmörder

totmacher3Nach den ersten beiden „Totmacher“-Bänden, welche historische Kriminalfälle aus Deutschland (Band 1) und Europa (Band 2) beinhalteten, beschäftigt sich Autor Gerd Frank in seinem dritten Band mit historischen Fällen aus Russland. Die Zeitspanne reicht von 1921 – 2012.

Es ist die Rede von Kannibalen, Würgern und Kindesmördern. Es ist erstaunlich, wie oft die Fälle in Zusammenhang mit kannibalischen Trieben stehen. Nicht weniger erstaunlich ist die Tatsache, dass das Phänomen Serienmörder in Russland verhältnismäßig häufig auftritt und sich – ein Fakt, der bisher noch nicht genau untersucht wurde – an bestimmten Orten mehr in Erscheinung tritt als an anderen.

Die einzelnen Fälle stellen teilweise unglaublich grausame Taten dar. Doch wie auch in den vorangegangenen Bänden bedient Gerd Frank keineswegs den plumpen Voyeurismus. Die Fälle sind präzise recherchiert. Der Autor geht den Hintergrundgeschichten nach, um Gründe für die Untaten und das abartige Verhalten der Täter zu finden. Dennoch sind die 28 Fälle äußerst spannend erzählt, sodass es schwer fällt, mit dem Lesen aufzuhören. Viele Fälle sind zugleich überaus unheimlich, sodass einem regelrecht eine Gänsehaut über den Rücken läuft.

Der Historiker Michael Kirchschlager verfasste zu dem Band ein sehr interessantes Vorwort, das sich mit der allgemeinen Geschichte und der Rechtsgeschichte Russlands beschäftigt. Die Einleitung dient als Grundlage, die es dem Leser hilft, die nachfolgenden Fälle besser verstehen zu können. Gerd Frank ergänzt Kirchschlagers Analyse durch ein Nachwort, in dem er selbst nach Gründen für die Grausamkeiten der Fälle sucht.

„Totmacher 3“ ist wie auch die beiden vorangegangenen Bände ein spannender und hoch interessanter Beitrag zur Kriminalgeschichte.

Gerd Frank: Totmacher 3 – Kolja der Menschenfresser und andere unheimliche Kriminalfälle russischer Serienmörder (1921-2012). Kirchschlager Verlag 2015, 197 Seiten, 12,80€, ISBN: 978-3-934277-51-9.