FuBs Klassikbox: Filmverrückt (1932)

Eigentlich ist jeder Film von Harold Lloyd einzigartig. In dieser Hinsicht fällt es wirklich schwer, eine Entscheidung zu treffen, welcher Film sein bester ist. Natürlich gibt es da „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ (Safety Last) aus dem Jahr 1923, der eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte beinhaltet, oder „Why Worry“ (1925), ebenfalls einer seiner besten Filme, eine Mischung aus Komödie und Politsatire.

Bei seinen Tonfilmen zählt „Movie Crazy“ (Filmverrückt) zu den besten Produktionen. In der Komödie um Harold Hall, der bei seinen Eltern lebt, überaus tollpatschig ist und von einer Karriere in Hollywood träumt, reiht sich ein Gag an den anderen. Eines Tages beschließt Hall, auf die Annonce eines Filmstudios in der Zeitung zu antworten und schickt dem Filmproduzenten O’Brian ein Bewerbungsschreiben mit Foto – nur, dass er aus Versehen nicht sein eigenes Foto in den Brief steckt, sondern das eines Schauspielers.

Prompt wird Hall wegen seines guten Aussehens zu Probeaufnahmen eingeladen. Und da fängt das Chaos schon an. Denn kaum hat Hall das Büro des Produzenten betreten, scheucht dieser  ihn auch schon wieder hinaus, da Hall so gar nicht nach dem Schauspieler auf dem Foto aussieht. Hall gerät dabei von einem Schlamassel ins nächste. Er sorgt für Wirbel bei einer Filmaufnahme, trifft die bekannte Schauspielerin Mary Sears, deren Auto er halb zerstört, und bekommt es dann auch noch mit Marys Liebhaber zu tun.

Höhepunkt des Films ist schließlich Halls vermeintliche Einladung zu einem Filmball, in dem er mächtig für Trubel sorgt, hat er doch aus Versehen das Jackett eines Zauberers angezogen. Und dann ist da natürlich auch noch das Finale, indem Hall in die Schlüsselszene eines Films hineinplatzt und sich einen Kampf mit Marys Liebhaber liefert, wobei die ganzen Kulissen zerstört werden.

„Movie Crazy“ ist ein wahres Meisterwerk in Sachen Komödie. Die rasante Handlung gleitet temporeich voran, und stets dann, wenn man glaubt, dass dem Film die Puste auszugehen droht, setzt Harold Lloyd noch eins oben drauf. Dabei besitzt „Filmverrückt“, wie der Verleihtitel in Deutschland lautete, durchaus autobiographische Züge. Auch Harold Lloyd hatte große Schwierigkeiten, ins Filmgeschäft zu kommen, und nur mit einem Trick (er maskierte sich als schwarzer Statist) konnt er überhaupt das Filmgelände betreten.

Auf diese Weise scheint es, als wäre „Movie Crazy“ Lloyds Abrechnung mit Hollywood: der herrschsüchtige Produzent, die Diva, der Star, der sich als arroganter Wichtigtuer und Alkoholiker entpuppt. Aber dann gibt es auch die andere Seite: die bekannte Schauspielerin, die sich insgeheim nach einem normalen Leben sehnt und von Halls schlichtem Verhalten so sehr fasziniert ist, dass sie sich in ihn verliebt.

Wenn man daher noch keinen Film von Harold Lloyd gesehen hat, so sollte man mit „Movie Crazy“ beginnen. Das rasante Tempo, der Witz und nicht zuletzt die spannende Handlung machen den Film immer wieder von neuem zu einem wahren Vergnügen.

Movie Crazy. Regie: Clyde Bruckman/Harold Lloyd, Drehbuch: Vincent Lawrence, Produktion: Harold Lloyd, Darsteller: Harold Lloyd, Constance Cummings, Kenneth Thomson, Spencer Charters. USA 1932, 90 Min.