Trash der 60er (10): Die Bande des Captain Clegg

captaincleggDie Produktionen der Hammer-Studios prägten das Gesicht des Horrorfilms in den 60er Jahren. Schauspieler wie Peter Cushing, Christopher Lee oder auch Oliver Reed begannen ihre Karrieren mit Filmen dieser inzwischen legendären Produktionsfirma. Mit „Die Bande des Captain Clegg“ verbindet Regisseur Peter Graham Scott ein Piratenabenteuer mit den schaurig-schönen Elementen einer viktorianischen Geistergeschichte.

Die Handlung erzählt von einer kleinen Küstenstadt, die im Rufe steht, dem berüchtigten Piratenkapitän Captain Clegg Unterschlupf zu bieten. Aus diesem Grunde wird der Marine-Hauptmann Captain Collier in diesen Ort geschickt, um den Gerüchten nachzuspüren. Doch mit der Kleinstadt scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Dies liegt nicht allein an den Piratengeschichten, sondern auch an einer nagenden Angst der Bewohner vor Moorgeistern, die dort ihr Unwesen treiben sollen.

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Plakat mit dem alternativen Filmtitel „Night Creatures“.

Wie in den meisten Fällen der Hammer-Produktionen, bietet auch dieser Film aus dem Jahr 1962 beste Unterhaltung. Was zunächst wie ein Piratenabenteuer beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte über Gespenster, Geheimgänge und sonderbare Geheimnisse. Wie in einem Roman von Sheridan LeFanu oder Wilkie Collins bewegt sich die Story zwischen unheimlichem Schauer, rätselhaften Morden und tragischen Familienschicksalen. Hierbei geht Scott stark auf die Zwielichtigkeit der einzelnen Charaktere ein. Nichts ist so wie es zunächst scheint. Diese Thematik durchzieht den gesamten Film. Egal ob es sich um Gräber, Wandverzierungen oder eben Menschen handelt. Alles bzw. jeder besitzt einen sprichwörtlichen doppelten Boden. Aus diesem Spiel zwischen Schein und Sein kreiert Peter Graham Scott eine dichte Spannung, die nichts zu wünschen übrig lässt.

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Wem man im Moor so begegnen kann … „Captain Clegg“ (1962); Copyright: Hammer Productions

Die Kulissen sind wie in fast allen Hammer-Filmen äußerst liebevoll und bis ins kleinste Detail gestaltet. Schon allein die düsteren, windgepeitschten Häuser der Kleinstadt machen dem Zuschauer deutlich, dass hier unheimliche Dinge vor sich gehen. Die Szenen, die auf dem Moor spielen, sind teilweise in einer gelungenen Gespensterästhetik photographiert, die an die unheimlichen Geschichten eines M. R. James erinnert. „Die Bande des Captain Clegg“ ist dadurch ein schönes Beispiel für die Kunst der Hammer-Studios.

Trash der 60er (6): Der Satan mit den langen Wimpern

nightmareNeben den klassischen Gruselfilmen, in denen es um Geister, Hexen, Vampire und andere unheimliche Geschöpfe geht, produzierten die Hammer-Studios auch eine Reihe Psychothriller, welche an Hitchcocks Kassenschlager „Psycho“ anknüpfen sollten. Dadurch kam es zu Filmen wie „Ein Toter spielt Klavier“ (Scream of Fear) oder „Das Haus des Grauens“ (Paranoiac). Ein weiteres Beispiel dieser anderen Seite von Hammer ist „Der Satan mit den langen Wimpern“. Wie auch in den beiden anderen erwähnten Filmen, schrieb Hammers Drehbuchstar Jimmy Sangster das Script.

In gewisser Weise kann man behaupten, dass es sich bei „Scream of Fear“, „Paranoiac“ und „Nightmare“ um eine lose Trilogie handelt. Denn im Grunde genommen wird in allen drei Filmen dieselbe Geschichte erzählt, allerdings in unterschiedlichen Variationen.

„Der Satan mit den langen Wimpern“ erzählt die Geschichte der jungen Janet, die seit ihrer Kindheit unter Wahnvorstellungen und Angstträumen leidet. Ständig glaubt sie, von ihrer wahnsinnigen Mutter verfolgt zu werden. Janet wird daher aus der Schule entlassen, um sich in ihrem Familienwohnsitz zu erholen. Hier jedoch werden ihre Alpträume und Halluzinationen noch schlimmer. Oder sind es vielleicht gar keine Vorstellungen? Niemand schenkt Janets Angst, dass ihre Mutter aus der Irrenanstalt geflohen sein könnte, Glauben. Dadurch sinkt sie immer tiefer in den Wahnsinn.

Der Film verknüpft gekonnt Psychothriller mit den Aspekten des Haunted-House-Genres. Bereits die gewaltige Fassade von Janets Elternhaus weist daraufhin, dass es innen unübersichtlich ist und man sich in dem Gebäude durchaus verlaufen kann. Dieser Eindruck wird in der Innenausstattung fortgesetzt. Tiefe, undurchdringliche Schatten machen Janets  Zuhause zu einem unheimlichen und ungemütlichen Ort. Obwohl das Haus durch seine enorme Größe hervorsticht, kreieren die Schatten eine Art von Klaustrophobie, die Janets Ängste auf den Zuschauer überträgt.

Janet stößt in ihrem Heim keineswegs auf Geborgenheit. Vielmehr herrschen in den vier Wänden Gefühlskälte, die Erinnerungen an einen grausamen Mord und Scheinheiligkeit. Es kommt zu einem nicht enden wollenden Familienstreit. Dieser wird teilweise so heftig ausgetragen, dass einzelne Szenen auch heute noch recht drastisch wirken. Auch die Schockeffekte erzielen durchaus ihre Wirkung.

Jimmy Sangster und Regisseur Freddie Francis gelingt es, der Story völlig überraschende Wendungen zu geben. Auch wenn man bei Vorkenntnis der anderen beiden Filme weiß, auf was alles letzten Endes hinausläuft, führen Handlungsdichte und Spannungsmomente keineswegs zu Langeweile.

Hammer drehte seine Psychothriller konsequent in Schwarzweiß. Dies erweist sich sehr zum Vorteil der Optik. Die Schatten erscheinen wie mit einem dicken Pinsel aufgetragen. Angst und Wahnsinn bekommen durch das Spiel aus Licht und Schatten eine intensivere Note. Jimmy Sangster behauptete einmal, dass er viel lieber Thriller schreibe, als Drehbücher zu gewohnten Horrorfilmen. Seine Vorliebe stellte er in diesem Film gekonnt unter Beweis.

Der Satan mit den langen Wimpern (OT: Nightmare), Regie: Freddie Francis, Drehbuch u. Produktion: Jimmy Sangster, Darsteller: David Night, Moira Redmond, George A. Cooper. England 1964, 83 Min.

The Quiet Ones – Klassischer Grusel, aber mehr nicht

the quiet onesSeit 2007 versucht man, die Hammer Studios zu reanimieren. Bisher kamen ein paar interessante Produktionen heraus, von denen „Die Frau in Schwarz“ die bisher erfolgreichste ist. Mit „The Quiet Ones“ versucht Regisseur John Pogue, die Hammer-Ära der 70er Jahre wieder aufleben zu lassen.

Es geht um den Psychologieprofessor Joseph Coupland, der beweisen möchte, dass es das Übersinnliche nicht gibt. Um seine Theorie zu untermauern, hat er sich einer jungen Frau angenommen, die angeblich von einem bösen Geist besessen ist. Das Experiment wird an der Universität nicht gut geheißen. Kurzerhand beschließt Coupland, das Vorhaben in einem abgelegenen Haus weiterzuführen. Ihm zur Seite stehen seine beiden Mitarbeiter und ein Kameramann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle…

„The Quiet Ones“ könnte man als eine Art Hommage an die Okkult-Thriller der 70er Jahre bezeichnen. In der Tat basiert das Drehbuch auf einem Fall, der sich Mitte der 70er Jahre in Toronto zugetragen haben soll. Pogue verlegte die Handlung nach England. Der Film beginnt mitten im Geschehen. Dem Zuschauer bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den einzelnen Situationen zu folgen, die jedoch recht schnell ein klares Bild abliefern. Während der Handlung wandelt Pogue stets zwischen bloßen Andeutungen paranormaler Phänomene und eindeutigen Ereignissen. Am Anfang macht dies noch Spaß. Die Geräusche sind hervorragend und die Schockeffekte, die zum großen Teil rein akustisch inszeniert sind, haben es in sich. Ab der Hälfte des Films aber fällt Pogue nichts mehr Großartiges ein, um seine Zuschauer zu erschrecken. Die unvermeidliche Folge: die Situationen wiederholen sich und werden eher langweilig als unterhaltsam.

Dennoch ist es falsch, zu behaupten, der Film sei schlecht. Die Optik ist gut und orientiert sich – wie oben bereit erwähnt – an den Produktionen der 70er Jahre. Dies betrifft auch die Farbgebung des Films. Doch Pogue gelingt es nie, richtigen Grusel zu erzeugen. Dafür wirkt dann doch alles etwas zu flach. Die Idee, einen altmodischen Gruselfilm zu drehen, ist durchaus sympathisch. Die Umsetzung dagegen nicht wirklich gelungen.