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Posts Tagged ‘H. G. Wells’

Mit seinem neuesten Roman spinnt der bekannte SF-Autor Stephen Baxter die Geschichte von H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ weiter. 14 Jahre sind seit dem Angriff der Marsianer auf die Erde vergangen. Die marsianische Technologie hat den sozialen Wandel und den Modernisierungsprozess der Gesellschaften beeinflusst. Doch da kommt es zu einem neuen Angriff und die Menschheit muss sich erneut gegen die Invasoren verteidigen.

Baxter schildert die Geschehnisse um diese zweite Invasion aus der Sicht einer Journalistin. Dabei entwirft er ein alternatives Geschichtsmodell, das zugleich bespickt ist mit Anspielungen auf weitere klassische SF-Romane. Zu erwähnen wäre hier vor allem Sakis „Als Wilhelm kam“. Auch bei Baxter hat Deutschland einen Krieg (alternativ zum Ersten Weltkrieg) gewonnen und herrscht nun über ganz Europa – teilweise auch über England.

Dies schafft Baxter viel Raum für ironische und satirische Anspielungen, die teils zwischen den Zeilen versteckt sind, teils offen hervortreten und nicht nur die Splendid Isolation betreffen. Sehr schön ist z.B. wie die englischen Behörden auf emanzipierte Frauen reagieren und der Journalistin am liebsten ein Einreiseverbot erteilen wollen. Durchaus interessant ist auch der Schreibstil, den Baxter für „Das Ende der Menschheit“ gewählt hat, da dieser sich an den klassischen SF-Romanen orientiert.

Auch bei den späteren Kriegsszenen bleibt Baxter diesem Stil treu. Für den einen oder anderen Leser mag dies gewöhnungsbedürftig sein. Wer sich aber mit den klassischen Romanen (nicht nur von Wells) beschäftigt, wird darin durchaus einen angenehmen Witz finden. Insgesamt ließt sich das Buch dann auch tatsächlich wie ein Roman aus den 20er Jahren, was durchaus Baxters Können unterstreicht.

„Das Ende der Menschheit“ ist bespickt mit witzigen und interessanten Ideen, manchmal wirkt die Story zwar etwas umständlich konzipiert, doch alles in allem ist „Das Ende der Menschheit“ ein spannender und durchaus gelungener SF-Roman, der irgendwo zwischen Alternativwelt- und Invasionsroman anzusiedeln ist.

Stephen Baxter. Das Ende der Menschheit. Heyne Verlag 2017, 588 Seiten, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-453-31845-8

 

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Auch während des Zweiten Weltkriegs produzierten die amerikanischen Filmstudios Horror- und SF-Filme. Neben dem Meisterwerk „Cat People“ (1942) gehört wohl „Der unsichtbare Agent“ zu den Filmen aus jener Zeit, die auch heute noch einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen.

„Invisible Agent“, so der Originaltitel, ist eine Mischung aus SF, Satire und Thriller. Die Geschichte orientiert sich an H. G. Wells’ Roman „Der Unsichtbare“. Drehbuchautor Curt Siodmak, der nicht nur im Filmgeschäft tätig war, sondern auch etliche SF-Romane schrieb (wie etwa den Klassiker „Donovans Hirn“), verfasste eine Art Fortsetzung des Stoffes. Es geht um Frank Griffin, den Enkelsohn des Unsichtbaren, der noch immer im Besitz der geheimnisvollen Tinktur ist. Dies wird ihm jedoch zum Verhängnis. Denn deutsche und japanische Agenten sind ihm auf den Fersen, um an das Geheimnis der Unsichtbarkeit zu gelangen. Als der amerikanische Geheimdienst dahinterkommt, dass Deutschland und Japan einen direkten Angriff auf die USA planen, wird Griffin dazu gedrängt, als Unsichtbarer hinter die feindlichen Linien zu gehen, um den Plan zu vereiteln.

„Der unsichtbare Agent“ ist kurzweiliges Actionkino par excellence. Der Film ist geprägt von wilden Verfolgungsjagden, Schlägereien, witzigen Dialogen („Sind Sie denn wahnsinnig?“ – „Nein, nur unsichtbar.“) und heftigen Explosionen. Bei der Sichtung dieses Werks wird klar, dass sich seit mehr als 60 Jahren im Actiongenre eigentlich nicht viel verändert hat. Die Spezialeffekte haben bis heute nichts von ihrer überraschenden Wirkung verloren und werden durchaus gewitzt eingesetzt. Dabei reizte Regisseur Edwin L. Marin die damaligen Möglichkeiten bis zum Anschlag aus.

Neben der wirkungsvollen Action und den gelungenen Effekten wird er Film zusätzlich noch von seinen hervorragenden Schauspielern getragen. Ilona Massey spielt überzeugend eine äußerst zwielichtige Spionin, während Peter Lorre in der Rolle eines sadistisch veranlagten japanischen Agenten völlig aufgeht. Natürlich sind die damaligen Propaganda-Aspekte nicht zu übersehen, dennoch liefert der Film großartige Unterhaltung.

Der unsichtbare Agent (OT: Invisible Agent), Regie: Edwin L. Marin, Drehbuch: Curt Siodmak, Produktion: Frank Lloyd, Darsteller: Ilona Massey, Jon Hall, Peter Lorre, Cedric Hardwicke, J. Edward Bromberg, Albert Bassermann. USA 1942, 77 Min.

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Thingstocome1936 produzierte Alexander Korda, der später durch seine Produktion „Der Dieb von Bagdad“ noch größere Bekanntheit erlangen sollte, einen Film, der nicht nur in die Filmgeschichte einging, sondern auch in gewissem Sinne die Zukunft „vorhersah“. Der Titel des Films lautet „Things to come“ und war eine Adaption des Romans „The Shape of Things to come“ von H. G. Wells, der 1933 erschien.

Die Handlung des Films erstreckt sich von 1940 bis 2036. Die Geschehnisse beginnen an Weihnachten 1940 in der Stadt Everytown. Die Familien finden sich zu einem fröhlichen Beisammensein ein. Doch am 23. Dezember bricht ein Weltkrieg aus. Immer modernere Kriegswaffen und Maschinen werden eingesetzt. Keiner der Gegner ist in der Lage, den Krieg für sich zu entscheiden. 1960, als die Gesellschaften vollkommen darnieder liegen, bricht eine globale Seuche aus, die zu weiteren Opfern führt. Zehn Jahre später hat sich die Gesellschaft in Everytown in eine Art mittelalterlichen Zustand zurückentwickelt. Doch wenige Jahre später beginnt die Gesellschaft, sich zu erholen. Wissenschaftler und Ingenieure bauen Everytown wieder auf. 2036 präsentiert sich Everytwon als utopischer Stadtstaat.

Die ursprüngliche Fassung des Films betrug ca. 130 Minuten. In den Kinos lief der Film in unterschiedlichen Cut-Versionen, die von ca. 77 Minuten bis ca. 118 Minuten reichen. Auch die DVD-Veröffentlichung, die (jedenfalls in Deutschland) sang- und klanglos unterging, beinhaltet nicht die ursprüngliche Version von 130 Minuten. Doch unabhängig davon, ist es wirklich erstaunlich, welche filmischen Genres bzw. Subgenres und welche heutigen technischen Errungenschaften „Things to come“ vorwegnahm.

Der Beginn des Films erinnert an die Konstruktionen heutiger Katastrophenfilme. Die Zufriedenheit und Fröhlichkeit der Protagonisten geht abrupt in Angst und Schrecken über, wobei bereits eine latente Bedrohung wahrnehmbar ist. Nach der eigentlichen Katastrophe müssen sich die Protagonisten in einer neuen Lebenslage zurecht finden. Ob es sich um Dritter Weltkriegs-Filme wie „The Day after“ handelt oder um Naturkatastrophenfilme bzw. Weltuntergangsfilme wie z.B. „2012“, das grundlegende Schema dieser Filme findet sich bereits in „Things to come“.

Ein weiteres Genre oder eher Subgenre, welches „Things to come“ bereits aufgreift, ist der Zombiefilm. In dem Teil, der von der globalen Seuche handelt, wandeln die Seuchenopfer als willenlose Kreaturen herum und werden von den Nicht-Infizierten erschossen. Dieses Merkmal findet sich in aktuellen Zombiefilmen, ob Kino oder TV, eins zu eins wieder.

An Zukunftsvorhersagen ist „Things to come“ nicht zu überbieten. So wurde der Zweite Weltkrieg vorhergesehen, es wurden Flachbildschirme, Hologramme und, besonders interessant, sogar E-Learning prognostiziert. Für den Film bedeutete dies, hochgradige Spezialeffekte einzusetzen. Bei der Sichtung kommt man nicht umhin, schlicht und ergreifend erstaunt zu sein. Die Qualität der Effekte kann durchaus mit derjenigen heutiger Filme mithalten.

Nicht weniger interessant ist der Umstand, dass „Things to come“ direkt an der Schwelle vom Stumm- zum Tonfilm hergestellt wurde. Es ist klar erkennbar, dass der Film zunächst als Stummfilm konzipiert war (Montage, Optik und Dramaturgie machen dies deutlich), dann aber als Tonfilm umgesetzt wurde. Auch aus diesem Grund ist Alexander Kordas Produktion fast schon einzigartig und von (film)historischem Interesse.

Über das Gesellschaftbild, welches der Film bietet, lässt sich natürlich streiten. Während die Wissenschaftler glorifiziert werden, wird die übrige Bevölkerung als einfach und roh geschildert. Eine heutige Sichtweise würde die wissenschaftlichen Akteure sicherlich in einem eher kritischen Licht betrachten. Dennoch ist „Things to come“ ein grandioses Werk, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat.

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