Eifel-Bilder: Der kritische Realist Gunter Lorenz – Ein Beitrag von Richard Albrecht

Ausführlich gewürdigt wurde der Künstler Gunter Lorenz (*1942) bereits Mitte der 1990er Jahre als „Landschaftsmaler in der Eifel.“[i] Und zuletzt 2012 als ´kritischer Realist´ so vorgestellt: „In den 1970er und 1980er Jahren [waren] im Zusammenhang mit neuen sozialen Bewegungen wie Friedens- und Ökologiebewegung(en) neue zeitkritische Künstler nachgewachsen. Sie hinterfragten den „schönen Schein“ idyllischer Eifellandschaft auch mithilfe von Verfremdungseffekten; zu verweisen ist in diesem Zusammenhang etwa auf Arbeiten des 1966/70 an der Düsseldorfer Kunstakademie von Ru- precht Geiger ausgebildeten, seit 1976 in Blankenheim(erdorf) lebenden, politisch engagierten Malers Günter Lorenz (*1942)[ii]. Lorenz´ Bilder wie etwa sein Holzschnitt „Die Bleikuh“ (1982) oder sein damals höchstaktueller Kaltnadel-Stich „Die Tschernobyl-Kuh“ (1986) präsentieren die zahlreich idyllisch vernutzte leitmotivische Eifel-Kuh als bürgerliche Sehnsucht nach „heiler Welt“ und „einfachem Leben“ (Ernst Wiechert) mehrfach verfremdet und konfrontiert mit zeitgenössischer Landschaftszerstörung durch Elektrizität, Kraftwerke und Atommeiler.“[iii]

Im September 2012 ist Gunter Lorenz 70 Jahre alt geworden. Dies war Anlaß einer vierwöchigen Lorenz-Werkschau (als Auswahl) im Nettersheimer Kulturbahnhof KuBa.[iv] Die Ausstellung gab unter dem doppelbödigen Motto EinVerführung zum Werk einen Querschnitt durch das 1965/66 begonnene, inzwischen so umfangreiche wie vielfältige, Schaffen des Künstlers. Die Werkschau wurde in Anwesenheit von Gunter Lorenz durch eine gutbesuchte sonntagsnachmittägliche Vernissage am 23. 9. 2012 von Agnes Harff-Hilger, die auch für einen zeitgleich erschienen Kleinstkatalog verantwortlich zeichnet[v], eröffnet.

Ausstellung im Kulturbahnhof Nettersheim Gunter Lorenz zum 70. Geburtstag. Ausstellung vom 23. September bis 21. Oktober 2012 deutscher Nachkriegsmaler

Ergänzend zum kleinen Ausstellungskatalog mit seinem gelungenen, weil auch behutsam-knapp kommentierten, Werk-Kaleidoskop mögen hier stellvertretend für den auch

Gunter Lorenz: Mechernicher Bleikuh (Holzschnitt 1981)

ästhetisch unterfütterten Kritischen Realismus und das politische Engagement des Künstlers drei schwarz-weiß-Reproduktionen stehen: zuerst Gunter Lorenz´ Holzschnitt Mechernicher Bleikuh (1981)[vi], in dem Eifel sowohl als Landschaft wie auch als gesellschaftliches Verhältnis begriffen und dargestellt wird.

Das zweite Beispiel veranschaulicht Lorenz´ politästhetische Montage: das nur im Papierkorb angemessen zu entsorgende Hakenkreuz[vii]. Es ist zugleich die weitverbreitetste handlungsleitende Graphik des Künstlers. Sie steht in der historischen Tradition antifaschistischer Bildersprache.[viii]

Gunter Lorenz: [Weg mit dem Hakenkreuz] 1995
Das dritte Beispiel ist ein dem Ausstellungskatalog entnommener Ausschnitt aus der Euskirchener Kreisausgabe der Kölnischen Rundschau (13.12.1988; vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren). Hier plädierte der engagierte (Berufs-) Künstler sowohl für Veröffentlichung von Gegenwartskunst als auch nach dem bekannten Motto Fördert Eure lebenden Künstler solange sie leben. Denn sie werden nächst lange tot sein für Künstlerförderung durch den Kreis Euskirchen und seine Institutionen. Zugleich konterkariert Gunter Lorenz damals weitsichtiges Plädoyer für Kulturtourismus in der und Kulturtouristen in die Eifel ein bekanntes geflügeltes Wort: auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben …

Gunter Lorenz

Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler und lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel. Bio-Bibliographie des Autors -> http://wissenschaftsakademie.net


[i] Conrad-Peter Joist, Landschaftsmaler in der Eifel: Gunter Lorenz – ein kritischer Realist; in: Eifeljahrbuch 1996: 37-52.

[ii] http://www.gunterlorenz.de/

[iii] Wilma Ruth Albrecht, Eifel-Landschafts-Malerei – Otto Pankok und seine Kollegen; in: Kreis Euskirchen. Jahrbuch 2013: 183-187, Zitat 187.

[v] Agnes Harff-Hilger, Gunter Lorenz. Dann hole ich ein Stück von dem Grün draussen zu mir herein. EinVerführung zum Werk. O.O. [Nettersheim/Eifel] 2012 [Ausstellungskatalog, unpaginiert, 12 p.; in Farbe, Format 14.5 X 14.5 cm; mit 27 stark verkleinerten Arbeiten des Künstlers].

[vi] ©Gunter Lorenz; mit freundlicher Genehmigung des Künstlers hier honorarfrei veröffentlicht.

 [vii] ©Gunter Lorenz; mit freundlicher Genehmigung des Künstlers hier honorarfrei veröffentlicht.

 [viii] Richard Albrecht, Schwarz-Weiss & Gegen den Strom: Gerd Arntz (1900-1988); in: liberal, 38 (1996) 4: 75-86; um aktuelle Links ergänzte kostenfreie Netzversion (2012): https://filmundbuch.wordpress.com/2013/02/01/schwarz-weis-gegen-den-strom-gerd-arntz-1900-1988-ein-portrat-von-richard-albrecht/