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Posts Tagged ‘Gruselkabinett’

Der Autor Amyas Northcote (1864 – 1923) veröffentlichte nur einen einzigen Erzählband. In ghostly Company versammelte sämtliche seiner unheimlichen Erzählungen, die im Stil der Gespenstergeschichten von M. R. James gehalten sind. Aus dieser Sammlung stammt auch die Geschichte „Brickett Bottom“, die nun von Marc Gruppe und Stephan Bosenius als Hörspiel umgesetzt wurde.

Es geht darin um Reverend Arthur Maydew, der zusammen mit seinen beiden Töchtern Alice und Maggie aufs Land zieht, um dort für ein Jahr die Gemeinde eines Kollegen zu betreuen. Die wunderschöne Landschaft reizt Alice und Maggie, weite Spaziergänge zu unternehmen. Eines Nachmittags erblickt Alice ein altes Backsteinhaus. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund lässt der Anblick dieses Gebäudes Alice nicht mehr los und sie beschließt, sich das Haus näher anzusehen. Mit unheimlichen Folgen …

Brickett Bottom gehört zu den besten Hörspielen, die Marc Gruppe und Stephan Bosenius bisher produziert haben. Die Produktion wird dem Konzept der Reihe Gruselkabinett voll und ganz gerecht. Von Anfang an herrscht eine dichte Atmosphäre, die u. a. auch durch die düstere Musik betont wird, welche das Geschehen untermalt. Auf diese Weise schleicht sich gleich zu Beginn das Unheimliche und Bedrohliche in die Geschichte ein.

Und diese Vorahnung soll sich dann auch im Laufe der Geschichte bestätigen. Denn auf einmal werden der Reverend und seine beiden Töchter mit einem unheimlichen Phänomen konfrontiert: einem einsam gelegenen Haus, das nur Alice sehen kann. Von diesem Moment an verhält sich Alice von Mal zu Mal sonderbarer. Maggie versucht, ihre Schwester auf andere Gedanken zu bringen, doch Alice lässt das Rätsel um das Haus nicht los, was zunehmend ihr Verhalten und ihre Psyche beeinflusst.

Wie immer überzeugen Marc Gruppes wunderbare Dialoge, welche die spannende Handlung vorantreiben und von hervorragenden Sprechern mit einer solchen Lebendigkeit erfüllt werden, dass man sich als Zuhörer wünscht, das Hörspiel möge ruhig noch eine Weile länger dauern. Man glaubt, die einzelnen Figuren direkt vor sich zu sehen, nicht anders verhält es sich mit der Landschaft und dem unheimlichen Haus, deren Beschreibungen auf wirkungsvolle Weise in die Dialoge mit einfließen.

Brickett Bottom ist ein erstklassiges Hörspiel, das einen genauso in den Bann zieht wie das Haus Alice. Die knapp über 50 Minuten Spielzeit vergehen dabei wie im Flug. Und danach? Danach hört man sich das Stück gleich nochmals an, da es so grandios umgesetzt ist.

Brickett Bottom. Buch: Marc Gruppe (nach einer Erzählung von Amyas Northcote), Produktion: Marc Gruppe, Stephan Bosenius, Sprecher: Bodo Primus, Horst Naumann, Daniela Bette, Reinhilt Schneider, Dagmar von Kurmin, Rolf Berg, Thomas Balou Martin. Titania Medien 2018, Spielzeit: ca. 51 Min. ISBN: 978-3-7857-5626-3

 

 

 

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ewigejugendGräfin Elisabeth Bathory (1560-1614) soll angeblich im Blut von Jungfrauen gebadet haben, um dadurch ihre Jugend zu erhalten. Die Schauergeschichten, die es über diese historisch verbürgte Person gibt, sind zahlreich, egal ob als Erzählung oder als Film. Nun haben sich auch Marc Gruppe und Stephan Bosenius für ihre Reihe Gruselkabinett sich dieses Stoffes angenommen, um daraus ein wunderbares Hörspiel zu schaffen.

In der Reihe Gruselkabinett tauchte die Blutgräfin bereits in dem Hörspiel „Die Blutbaronin“ auf, damals nach einer Erzählung von E.B.S. Raupach. Dieses Mal vertonten Marc Gruppe und Stephan Bosenius eine Erzählung von Leopold von Sacher-Masoch mit dem Titel „Ewige Jugend“. Bereits Folge 99 der Hörspielreihe war Sacher-Masoch gewidmet, damals wurde seine großartige Erzählung „Die Toten sind unersättlich“ erstklassig umgesetzt. „Ewige Jugend“ steht dem in nichts nach.

Es geht darin um den ungarischen Edelmann Emmerich Kemen, der Elisabeth Bathory zum ersten Mal im Wiener Stephansdom begegnet. Ihre sinnliche Ausstrahlung lässt ihn nicht mehr los. So ist er sofort Feuer und Flamme, als die Gräfin ihn auf ihr Schloss einlädt. Doch kaum dort angekommen, wird er Zeuge einer grausamen Bestrafung, als einer ihrer Untertanen mit einer mit Dornen besetzten Peitsche ausgepeitscht wird. Trotzdem Emmerich vor dem Sadismus der Gräfin zurückschreckt, ist er ihr dennoch verfallen. Doch bald gerät Emmerich selbst in Gefahr …

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Gräfin Elisabeth Bathory, genannt die Blutgräfin

Es ist offensichtlich, dass Sacher-Masoch die Geschichten um die Blutgräfin faszinierten, findet sich doch in ihnen seine Theorie von Lust und Schmerz wieder, wenn auch auf eine recht krasse Art und Weise. So setzte der Autor selbst die Grenzen, indem er seine Vorstellungen dem Sadismus der Gräfin gegenüberstellt. Und genau das macht die Geschichte überaus interessant und nicht weniger spannend.

Die Spannung rührt daher, da sich Emmerich im sinnlichen Netz der Gräfin verfängt und ihm zugleich eine immer größer werdende Gefahr von ihr droht. Auf dem Schloss verschwindet jede Vollmondnacht eine weitere Jungfrau. Emmerich möchte den abartigen Geschichten, die davon handeln, was mit den Mägden passiert, keinen Glauben schenken. All dies führt in ihm zu einem Zwiespalt. Denn immer wieder aufs Neue gelingt es der unheimlichen Gräfin, ihn für sich zu gewinnen.

Obwohl man in dem Hörspiel „Ewige Jugend“ den wunderbaren Stil der Reihe Gruselkabinett wiederfindet, ist es dennoch etwas anders gestaltet. Die einzelnen Szenen sind relativ kurz gehalten, das gesamte Stück konzentriert sich voll und ganz auf die Kernhandlung. So gleitet das Hörspiel in einem raschen Tempo voran, ohne jedoch oberflächlich zu wirken. Im Gegenteil, Marc Gruppe und Stephan Bosenius gelingt das Kunststück, dennoch eine Tiefe und eine Ästhetik zu kreieren, die dem hohen Anspruch der Reihe gerecht wird. Dies macht „Ewige Jugend“ zu einem weiteren Hörerlebnis, dem man sich – fast so wie Emmerich Kemen – nicht entziehen kann.

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allerseelenEdith Wharton (1862-1937) ist bis heute vor allem bekannt durch ihre Gesellschaftsromane. Nebenher aber verfasste sie auch eine Reihe von unheimlichen Geschichten. Mit „Allerseelen“ legen Marc Gruppe und Stephan Bosenius, nach „Verhext“, die zweite Vertonung einer Erzählung Edith Whartons vor.

Es geht um Sara Clayburn, die am ersten Novemberwochenende des Jahres 1931 vor ihrem Haus eine seltsame Begegnung hat. Sie trifft dort auf eine unbekannte junge Frau, die auf dem Weg zu Saras Haus ist. Kurz darauf aber ist sie verschwunden. Die Begegnung bleibt jedoch nicht ohne Folgen. Sara gleitet kurz vor ihrem Haus auf einer Eisfläche aus und bricht sich den Knöchel. Doch ist dies eher harmlos im Vergleich zu dem Ereignis, das noch folgen wird.

In „Allerseelen“ beweisen Marc Gruppe und Stephan Bosenius einmal mehr ihr großartiges Können, atmosphärisch dichte Hörspiele zu kreieren. Das Besondere an „Allerseelen“ ist, dass im Hauptteil der Handlung nur eine einzige Person agiert. Dies beinhaltet natürlich die Gefahr, eine gewisse Langeweile hervorzurufen. Doch der Umsetzung der gleichnamigen Erzählung gelingt es, gerade eben in dieser Situation eine großartige Dichte und eine damit einhergehende Spannung aufzubauen. In der Tat fühlt man sich teilweise in eine Folge der Serie Twilight Zone hineinversetzt.

Während man der Geschichte Sara Clayburns folgt, kommt man nicht umhin, parallel zum Zuhören mitzurätseln, was nun eigentlich los ist. Lässt sich alles doch auf irgendeine Weise rational erklären? Ist alles bloß ein Scherz? Oder ist Sara gefangen in einem Albtraum? Wie oben bereits erwähnt, ist es schon fast unglaublich, dass es Marc Gruppe und Stephan Bosenius gelingt, mit dem Erlebnis einer einzigen Figur beim Zuhörer eine überaus intensive Anspannung hervorzurufen. Dies macht das Hörspiel geradezu außergewöhnlich, und es würde mich nicht wundern, wenn das Stück für einen der nächsten Hörspielpreise nominiert werden würde.

Allerseelen (Gruselkabinett Folge 104). Buch: Marc Gruppe, Produktion: Marc Gruppe und Stephan Bosenius, Sprecher: Judy Winter, Sabina Trooger, Cathlen Gawlich, Lutz Machensey, Herma Koehn, Rainer Gerlach, Bernd Rumpf, Constantin von Jascheroff. Titania Medien 2015, Spielzeit: 59 Min.

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mrsamworthIn dem kleinen Ort Maxley geschieht so gut wie nie etwas. Doch kaum ist die lebenslustige Mrs. Amworth nach Maxley gezogen, kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Die beiden Freunde Francis Urcombe und Emmet Foster sind sich über ihre neue Nachbarin uneins. Während Foster sich darüber freut, jemanden gefunden zu haben, um Karten zu spielen, bereitet Urcombe Mrs. Amworths Art und Weise immer größeres Kopfzerbrechen.

„Mrs. Amworth“, nach einer Kurzgeschichte von E. F. Benson (1867-1940), macht von der ersten Minute an Laune. Die Handlung wird vor allem durch die beiden Hauptfiguren Emmet Foster und Francis Urcombe getragen. Die Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere führt zu viel Witz und durchaus schwungvollen Dialogen. Während Urcombe als ehemaliger Professor stets alles kritisch hinterfragt, ist für den leicht naiven Foster alles in bester Ordnung. Dies führt dazu, dass sich ihre Geister gegenüber Mrs. Amworth scheiden. Während Foster ihre aufgeschlossene Art schätzt, rätselt Urcombe darüber, wer diese Frau wirklich ist.

Es kann als große Leistung betrachtet werden, dass es Marc Gruppe und Stephan Bosenius geschafft haben, ein Hörspiel, in dem es eigentlich nur drei Figuren gibt, so zu gestalten, dass es nie langweilig wird. Dies ist natürlich auch den hervorragenden Sprechern zu verdanken, die ihre Arbeit erstklassig machen. Sven Dahlem als Emmet Foster, Eckart Dux als Francis Urcombe und Anita Lochner als Mrs. Amworth gehen in ihren Rollen förmlich auf. Der Witz, der darin besteht, dass zwei alte, gelangweilte Herren versuchen, das Geheimnis ihrer Nachbarin zu lösen, ist geradezu köstlich. Während Urcombe in Mrs. Amworths Vergangenheit herumschnüffelt (sie lebte vor ihrem Umzug nach Maxley in Indien), ist Foster darüber höchst erfreut, dass er Mrs. Amworth sein Gartenmagazin ausleihen kann. Dass Mrs. Amworth etwas Seltsames anhaften soll, kann Foster nicht nachvollziehen.

Auch als die Geschehnisse zunehmend unheimlicher werden, bleibt Foster bei seiner Einstellung, obwohl Urcombe zu höchst sonderbaren Ergebnissen bei seinen Recherchen gestossen ist. Auf diese Weise gehen Spannung, Grusel und Humor Hand in Hand, und man lässt sich gerne auf das Rätsel um Mrs. Amworth ein, das unterhaltsamer nicht hätte sein können.

Mrs. Amworth. (Gruselkabinett Folge 102). Titania Medien 2015. Laufzeit: ca. 70 Min. Buch: Marc Gruppe, Produktion: Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Sprecher: Sven Dahlem, Eckart Dux, Anita Lochner, Marius Clarén, Jochen Schröder.

 

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dietotensindunersättlichLeopold von Sacher-Masoch (1836-1895) dürfte den meisten Lesern durch seinen Roman „Venus im Pelz“ bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass sich Sacher-Masoch auch im Bereich der Schauergeschichte versuchte. Die Geschichte des Manwed Werowski, der ein altes, halb verfallenes Schloss in den Karpaten besucht, ist ein Beispiel dafür.

Marc Gruppe und Stephan Bosenius machten aus dieser Erzählung Hörspiel Nummer 99 ihrer bekannten und mehrfach ausgezeichneten Reihe Gruselkabinett. In „Die Toten sind unersättlich“ erzählt Bartek, ein Freund der Familie Bardoßoska, eine sonderbare Geschichte. Als Manwed Werowski, der Verlobte von Aniela Bardoßoska, das Gerücht über ein sensationelles Gemälde der Fürstin Marina Tartakowska mitbekommt, das in einem verfallenen Schloss in den Karpaten hängen soll, beschließt er kurzerhand, dorthin aufzubrechen, um sich das Bild anzusehen. Das Gemälde bringt ihn aufgrund der Schönheit der Fürstin beinahe um den Verstand. Doch ist das noch nicht alles, was sich in dem Schloss befindet. In einem Raum gibt es eine Statue derselben Frau, die jedoch nur in einer Vollmondnacht betrachtet werden darf. Als Manwed in der folgenden Nacht zum Schloss zurückkehrt und die Statue zu sehen bekommt, ist dies der Auslöser für eine Reihe unheimlich-erotischer Ereignisse.

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Leopold von Sacher-Masoch

Mit „Die Toten sind unersättlich“ übertreffen sich Marc Gruppe und Stephan Bosenius selbst. Das Hörspiel überzeugt durch die dichte, spannende Umsetzung der Geschichte. Der Hörer wird durch die wundervolle, bildhafte Sprache geradezu mitten in die Handlung hineingezogen. Man befindet sich zusammen mit Manwed in den abgelegenen Karpaten, spürt die eisige Kälte und betritt mit ihm zusammen das düstere, unheimliche Schloss. Die Spannung wird nach und nach durch den zunehmenden erotischen Wahn Manweds gesteigert. Er ist von der Fürstin regelrecht besessen und zwar so sehr, dass seine Unterwerfung in einen Verfolgungswahn übergeht.

Weniger provokativ wie in ihrem Hörspiel „Alraune“, aber immer noch überaus sinnlich sind die Szenen, in denen sich Manwed der Fürstin unterwirft. Marc Gruppe arbeitet in diesen Szenen gekonnt Sacher-Masochs Theorie der Erotik als eine Spielform heraus, die später in der Psychologie als Masochismus bezeichnet wurde: die dominante Fürstin und Manwed, der die Rolle ihres „Sklaven“ übernimmt.

Das Hörspiel gehört zu den besten Produktionen, welche Marc Gruppe und Stephan Bosenius bisher für ihre Reihe Gruselkabinett hergestellt haben. Hier stimmt einfach alles. Auch der im Zusammenhang mit dem stets unerwartet erscheinenden Maurizi Konopka stehende Running-Gag ist gelungen. Um es auf den Punkt zu bringen: Hörspielfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten.

 

 

 

 

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