Ghostbusters 2016 oder Don’t answer the Call

ghostbusters2016Als bekannt wurde, dass ein neuer Ghosbusters-Film gedreht werden würde, war die Freude bei den Fans natürlich groß. Als aber bekannt wurde, dass der Film ohne die Originalbesetzung auskommen muss und stattdessen vier Frauen die Rollen der Ghostbusters übernehmen würden, schlug die Euphorie schlagartig um in Kritik, Wut und leider auch Hass. Dies hatte zur Folge, dass der Trailer des Remakes zum Trailer mit den meisten negativen Kommentaren auf Youtube wurde. – Und schließlich verhagelte dies der Produktion auch den Umsatz.

Ich hätte erwartet, dass eben aufgrund dieses bisher noch nie dagewesenen Aufruhrs der Film viele Leute neugierig machen würde, wodurch die Produktion dann doch ein Erfolg geworden wäre. Aber Pustekuchen, viele Zuschauer mieden den Film tatsächlich, sodass er für die beteiligten Produktionsfirmen zu einem Verlustgeschäft wurde.

Die Frage lautet natürlich, ist der Film wirklich schlecht?

Regie führte der auf Komödien spezialisierte Paul Feig, der auch (zusammen mit Katie Dippold) das Drehbuch schrieb. Es geht um die beiden Freundinnen Abbigail Yates und Erin Gilbert, die beide von ihren jeweiligen Unis geschmissen werden, da sie sich mit Parapsychologie befassen, was in den akademischen Kreisen als wenig seriös bezeichnet wird und das Image der Unis schadet. Kurzerhand machen sie sich als Geisterjäger selbständig. Ihnen zur Seite steht die Ingeneurin Jillian Holzmann und die Fahrkartenverkäuferin Patty Tolan, die in der U-Bahn einen Geist gesehen hat. Als sich die Geistererscheinungen häufen, sehen alle vier darin die Chance, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen …

Da das Wort Remake nicht mehr zieht und viele Kinogänger mehr und mehr abschreckt, bezeichnen die Produktionsfirmen ihre Remakes zurzeit gerne als Neuinterpretationen. So auch bei „Ghostbusters“. In der Tat versuchte Feig, den Film anders erscheinen zu lassen als das Original, doch bleibt es beim Versuch. Denn schon nach wenigen Minuten merkt man, wie er immer wieder zurück in das Fahrwasser des Klassikers fällt, so als würde er sich doch nicht trauen, der Handlung frischen Wind zu verleihen. Genau dieser Aspekt stört, denn dadurch verliert der Film speziell an den Stellen Schwung, an denen er eigentlich in Fahrt kommen sollte. Feig zieht sozusagen jedes Mal wieder die Notbremse, aus Angst, sonst aus dem vorgegebenen Rahmen zu fallen.

Ein weiterer Punkt, der den Film im Gegensatz zum Original geradezu brav erscheinen lässt, ist das fast komplette Fehlen an satirischen Seitenhieben. Während sich der Originalfilm über sämtliche Aspekte der amerikanischen Kultur lustig macht, beschränkt sich Feig darauf, das akademische Milieu durch den Kakao zu ziehen. Und danach? Nichts. Dem Konflikt zwischen Bürgermeister und den Ghostbusters fehlt es an Schärfe, so als wollte man keinesfalls riskieren, bei der Politik in Ungnade zu fallen.

Was die Gags betrifft, so wird man am Anfang durchaus positiv überrascht. Im Laufe des Films aber verfehlen viele der eingestreuten Witze ihr Ziel oder wirken einfach nur albern. Unverständlich ist, aus welchem Grund der „Nightfever“-Tanz aus dem Film wieder entfernt wurde, aber im Nachspann quasi als Hintergrundbild herhalten muss. Dies entpuppt sich als ein Riesenpatzer und als eine der wohl schlechtesten Montagen der letzten Zeit.

Wenn man alle Kritikpunkte zusammenfassen möchte, so könnte man sagen, dass man mit dem Remake nicht wirklich warm wird. Der Film ist zwar durchaus unterhaltsam, besitzt zugleich aber zu viele Schwächen, hierbei eingeschlossen die Cameo-Auftritte der „alten Garde“. Man wollte quasi mit dem Dampfhammer einen dritten Film drehen, aus dem aber dann aufgrund interner Streitereien ein Remake wurde. Zwar machen die Darstellerinnen ihre Arbeit recht gut, doch waren sie wohl die einzigen, die voll bei der Sache waren. Die Post-Credit-Szene lässt darauf schließen, dass man eigentlich vor hatte, als Sequel die Story des Originals neu zu verfilmen. Doch daraus wird wohl nichts. Da „Ghostbusters – Answer the Call“ kein finanzieller Erfolg beschieden war, dürfte es zumindest mit diesem Team nicht weitergehen.