Ex Libris – Die Public Library von New York

Ex Libris (USA 2017); Copyright: Koos/Good Movies

Unter Bibliothek stellt man sich vor allem Regale voller Bücher vor. Mit diesem gedanklichen Bild begann auch der bekannte Dokumentarfilmregisseur Frederick Wiseman seine Arbeit an „Ex Libris – The Public Library of New York“. Und er und nicht weniger man selbst ist erstaunt, dass die weltbekannte Bibliothek weit mehr als das ist.

Viel eher könnte man die Public Library von New York als eine Mischung aus Volkshochschule und Gemeindezentrum bezeichnen, wo von Vorträgen bis hin zu Workshops alles angeboten wird. So gibt es Seniorentanzkurse, genauso wie Jobmessen und Leserunden. Vorträge über Wirtschaftsgeschichte, Philosphopie, Literatur oder Kunst werden ebenso angeboten wie Diskussionen mit Autoren und Musikern. Daneben gibt es Hausaufgabenbetreuung, wobei sich die Library auch den sozialen Problemen der Stadt widmet und Integrationsarbeit leistet.

Der über dreistündigen Dokumentation merkt man die außergewöhnliche Länge kein bisschen an. Man beobachtet gespannt die faszinierenden Abläufe in der Bibliothek und lauscht interessiert den Vorträgen. Gut, von den Meetings der Verwaltung hätte es ruhig weniger sein können. Sie vervollständigen zwar den Ein- bzw. Überblick über die verschiedenen Aufgaben, doch zwischendurch scheint es, als würde die Doku von einer Besprechung zur nächsten springen.

Dennoch macht die Dokumentation Spaß und ist nicht nur etwas für Leseratten. Ja, eigentlich geht es hier gar nicht ums Lesen oder um Bücher, sondern eben um die verschiedenen Abläufe und Angebote, die aus der Public Library mit ihren rund 90 Zweigstellen mehr machen als nur eine Bibliothek im klassischen Sinne. Es geht natürlich in erster Linie um die Vermittlung von Wissen, doch ebenso um das Zusammenführen verschiedener Kulturen und sozialer Schichten. Wiseman selbst sagte, das die Public Library das Gegengift zu Trumps darwinistischer Ideologie sei.- So lange es daher eine solche Institution gibt, darf man noch hoffen.

2019 – Wir leben mal wieder in einem Science Fiction-Jahr

Die Reise zum Mond (1902)

Science Fiction-Fans wissen längst Bescheid: 2019 ist das Jahr, in dem Rick Deckard Jagd auf Replikanten macht. Und nun hat uns die Zukunft mal wieder eingeholt. Mal wieder, da „“2012 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ ebenfalls spurlos an uns vorbeigetrudelt ist.

2019 sieht für unsere Realität dann auch recht mau aus. Wir haben weder den Mars besiedelt noch ist Los Angeles eine japanische Kolonie geworden. Was bald hinkommen könnte, wäre, dass wir statt echten Tieren nur noch künstliche Tiere um uns herum haben werden. Jedenfalls dann, wenn es mit Umwelt und Natur weiter bergab geht.

Eigentlich steht uns daher der Film „“2022 – Die überleben wollen“ weitaus näher. Die Weltmeere sind leer gefischt, die Natur völlig im Eimer, eine reiche Elite suhlt sich in ihrer Dekadenz, während die restliche Menschheit in Armut und Elend lebt. Zu essen gibt es dann nur noch grüne Kekse.

So gesehen leben wir am Rande eine hausgemachten Dystopie, in der statt Zombies nur noch Dumpfbacken durch die Gegend torkeln. Und Idioten gibt es heutzutage schon mehr als genug. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass die Menschen in Zukunft intelligenter sein werden. Und wenn man bedenkt, dass man mit Leuten unter einer Glaskuppel leben müsste, die Sanitäter und Feuerwehrleute angreifen, die wegen nichts Leute anpöbeln und mit Sicherheit nicht einmal ihren Namen richtig schreiben können, dann wäre es doch besser, unter einer Glaskuppel auf der Rückseite des Mondes zu wohnen, weil man dort garantiert seine Ruhe hat. So gesehen, haben sich sowohl die Literaten als auch die Filmemacher seit jeher ein zu positives Bild unserer Zukunft gemacht, egal wie düster dieses in den Romanen und Filmen auch aussieht. Denn, wie das bekannte Sprichwort sagt: Schlimmer geht immer.

Die himmlische Tafel – Donald Ray Pollocks USA-Satire

Die himmlische Tafel von Donald Ray Pollock erhielt 2017 den Deutschen Krimi Preis. Etwas, das durchaus stutzig macht, ist doch Pollocks Roman eigentlich kein Krimi, sondern viel eher eine bitterböse Abrechnung auf den aktuellen Zustand der USA.

Zwar verlegt Pollock die Handlung ins Jahr 1917, doch sein Spott richtet sich eindeutig auf die Trump-Ära. Es geht um die drei Brüder Cane, Chimney und Cob, die sich auf eine Irrfahrt durch die USA begeben, nachdem ihr streng religiöser Vater gestorben ist. Das einzige Buch, das sie kennen, ist der Schundroman „Bloody Bill Buckett“ über einen kriminellen Revolverhelden, den sich die drei als Vorbild nehmen. Und so reiten sie schießend und raubend durch die USA, um sich ihren Traum zu verwirklichen: ein angenehmes Leben in Kanada zu führen …

Während sich die erste Hälfte des Romans doch eher zieht, ist die zweite Hälfte dafür umso witziger und spannender. Zwar bleibt auch hier die Frage bestehen, aus welchem Grund der Roman in Deutschland als Krimi bewertet wurde, doch tut das eigentlich nichts weiter zur Sache. Pollock konzentriert sich in Die himmlische Tafel nicht allein auf die Jewett-Brüder, auf die hinterhältige Kopfgeldjäger und andere Leute, die sich die Belohnung erhoffen, Jagd machen. Er liefert vielmehr ein Allgemeinbild der USA ab, ein satirisches Bild, in dem er keinen einzigen seiner Protagonisten gut wegkommen lässt.

Für Pollock besteht die USA in der Hauptsache aus degenerierten Vollidioten, die nur dem Geld hinterherlaufen, keine Bildung haben und sich im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck suhlen. Wie gesagt, verlegt er seine Geschichte in das Jahr 1917, kurz nachdem die USA in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, doch hält er damit der Gegenwart einen Spiegel vor.

Denn ausgerechnet die Jewett-Bande möchte sich bessern und ein normales Leben führen, während um sie herum die Gesellschaft moralisch auseinanderbricht. Sie reiten durch einen gesellschaftlichen Scherbenhaufen, in dem jeder nur noch an sich selbst denkt. Pollock beschreibt, was passiert, wenn in einer Gesellschaft vollkommener Idiotismus herrscht. Und im Grunde genommen scheinen wir ja wirklich im Zeitalter des Idiotismus zu leben. Pollock hat mit Die himmlische Tafel dieser traurigen Tatsache ein Denkmal errichtet. Kein Krimi, aber ein überaus lesenswerter Roman.