Horror de Luxe: Das Landhaus der toten Seelen (1976)

Der unheimliche Chauffeur (Anthony James) in „Burnt Offerings“; © NSM

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der toten Seelen“ ist hierzulande kaum bekannt. Ganz anders in den USA, wo Dan Curtis‘ Film als Klassiker des Genres bezeichnet wird.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Marasco handelt von dem Ehepaar Ben und Marian Rolf, die zusammen mit ihrem Sohn David und Tante Elizabeth den Sommer in einem abgelegenen Landhaus verbringen wollen. Die Miete für das Haus ist überraschend günstig. Die einzige Bedingung, die die Geschwister Allardyce, denen das Haus gehört, machen, lautet, dass sich die Rolfs um ihre alte Mutter kümmern müssen, die unter dem Dach eine eigene Wohnung hat.

Alles läuft hervorragend. Doch nach und nach geschehen sonderbare Dinge. Noch seltsamer ist, dass sich Mrs. Allardyce nicht zeigt und auch keinen Mucks von sich gibt. Als Ben beginnt, unter Wahnvorstellungen zu leiden, gerät die Lage mehr und mehr außer Kontrolle …

Um genau zu sein, stellt sich das Grauen, das in dem Haus herrscht, eher zwischen den Zeilen dar. Ein Grund, weswegen das Ehepaar Rolf quasi eine Paraderolle für Karen Black und Oliver Reed war. Denn hier zeigen beide ihr ganzes Können, indem sie Figuren darstellen, die nach und nach ihren Verstand verlieren. Dies geschieht langsam, beinahe unmerklich. Die Konflikte zwischen Ben und Marian nehmen zu, es scheint sich um ein Ehedrama zu handeln, doch die Ursache für die sich steigernde Wut der beiden aufeinander, hat ganz andere Ursachen.

Deutsches Kinoplakat von „Burnt Offerings“

Bette Davis als Tante Elizabeth wirkt dagegen eher blass und fast schon überflüssig. Wahrscheinlich hoffte Dan Curtiz, dadurch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können, der Film selbst hätte jedoch auch ohne die Hollywood-Diva funktioniert. Vielleicht hätte er sogar besser funktioniert, da sich dann der Fokus ganz auf den Konflikt des Ehepaars konzentriert hätte.

Obwohl Filmkritiker mit „Burnt Offerings“ nicht viel anfangen konnten, entwickelte sich der Film nach und nach zu einem Klassiker des Geisterhausfilms. Besonders die Figur des unheimlichen Chauffeurs, dem Ben in seinen Wahnvorstellungen begegnet, entwickelte sich zu einer Art Kultfigur. Wie bereits erwähnt, nicht in Deutschland, wo der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Gedreht wurde der Film übrigens im und um Dunsmuir House, einem neoklassizistischem Gebäude, das immer wieder als Drehort benutzt wird, so etwa 1979 für den Horrorfilm „Phantasm“ oder 1985 für den James Bond-Streifen „Im Angesicht des Todes“.

Landhaus der toten Seelen (OT: Burnt Offerings), Regie u. Produktion: Dan Curtiz, Drehbuch: Dan Curtiz, William F. Nolan, Darsteller: Karen Black, Oliver Reed, Bette Davis, Lee Montgomery, Burgess Meredith. USA 1976,

Hereditary oder Ein netter Versuch

Für Filmkritiker scheint zurzeit jeder neue Horrorfilm der beste Horrorfilm seit langem zu sein. So auch bei Ari Asters Debut Hereditary. Das zwei Stunden lange Familiendrama mit Horroreinschlag ist tatsächlich gut gemacht, doch wirklich überragend ist es nicht.

Hereditary versucht, wie alle anderen aktuellen Indie-Horrorfilme, den Stil der 70er Jahre in unsere Gegenwart zu transportieren, was ihm auch wirklich gut gelingt. Dennoch hat der Film so seine Schwächen. Es beginnt damit, dass Annies Mutter stirbt. Von da an ereignen sich plötzlich seltsame Dinge im Haus ihrer Familie. Als dann auch Annies Tochter Charlie bei einem Autounfall stirbt, bei dem ihr Sohn Peter am Steuer saß, geraten die Dinge immer mehr außer Kontrolle.

Aster stopft so ziemlich alles an unheimlichen Themen in einen Topf, was er finden kann, und kreiert dabei eine Geschichte, die anfangs durchaus interessant ist, gegen Ende hin aber mehr und mehr an Kraft verliert. Ein wenig verwirrend erscheint die erste Einstellung, in der das Haus der Grahams zu sehen ist. Hier dürfte es sich um ein Zitat im Hinblick auf den koreanischen Horrorfilm A Tale of two Sisters handeln, den man durchaus auch als Familiendrama in Form eines Gruselstreifens bezeichnen kann und bei dem dieselbe Einstellung zu finden ist. Wieso aber Aster ausgerechnet diesen Klassiker des modernen koreanischen Kinos quasi als Opener zitiert, bleibt schleierhaft, haben doch beide Filme weder im ästhetischen noch im thematischen Sinne irgendwelche Gemeinsamkeiten.

Die Handlung von Hereditary verläuft weitestgehend ruhig. Aster lässt sich Zeit mit der Entwicklung seiner Figuren, was man ihm hoch anrechnen muss. Der Regisseur will keinen Schnellschuss schaffen, sondern wirkliche Filmkunst abliefern. Sein Werk erhält dadurch eine spannende Tiefe, und das Drama beginnt sich fast schon im klassischen Stil zu entwickeln.

Und dennoch gelingt es ihm nicht, dieses Niveau aufrecht zu erhalten. Gegen Ende hin wird der Film immer verworrener, er reiht nur noch einen unheimlichen Moment an den nächsten, wobei ihm zwar auch dabei gute Aufnahmen gelingen, der Film jedoch nicht mehr richtig ernst genommen werden kann.

Hin und wieder fühlt man sich an Andreas Marschalls Debut Tears of Kali (2004) erinnert, wobei Aster Marschalls dichtes Kammerspiel einem größeren Raum gibt. Auch Robert Eggers The Witch (2015) gibt sich stellenweise die Ehre. Es sind nun mal die Merkmale des modernen Horrorfilms, die Aster aufgreift, wobei er aber durchaus seinen eigenen Stil findet. Wirklich ausbrechen aus diesem Rahmen, dies gelingt ihm jedoch nicht. Und somit verweilt der Film innerhalb des Gewohnten.

Richtig überzeugend ist Hereditary aufgrund der bereits genannten Mängel nicht. Trotzdem ist es, im Hinblick auf Optik und Atmosphäre, auch kein schlechter Film. Er ist durchaus interessant, liefert aber im Grunde genommen nichts Neues.

Hereditary – Das Vermächtnis (OT: Hereditary). Regie u. Drehbuch: Ari Aster, Produktion: Kevin Scott Frakes, Darsteller: Toni Collette, Gabriel Byrne, Alex Wolff, Milly Shapiro. USA 2018, 128 Min.

The Conjuring oder Von allem bitte etwas

conjuringMan muss anscheinend nur erwähnen, dass ein Film auf einer wahren Begebenheit beruht und schon sind sich viele Leute einig, den wohl gruseligsten Film gesehen zu haben. „The Conjuring“ von „Saw“-Regisseur James Wan ist solch ein Fall.

Bei Geisterhausfilmen geht es nicht um die Handlung. Diese ist bei allen Filmen dieses Subgenres gleich oder zumindest sehr ähnlich. Bei Geisterhausfilmen geht es um die Atmosphäre und die Darstellung der Spukphänomene. Dem einen Regisseur gelingen diese Aspekte sehr gut, dem anderen weniger. James Wans Spukhaus-Version findet sich irgendwo in der Mitte beider Extreme.

Es geht um das Ehepaar Lorraine und Ed Warren, beides erfahrene Experten in Sachen paranormale Ereignisse, die eines Tages von einer verzweifelten Familie gebeten werden, sich in ihrem Haus umzusehen, in das sie erst kürzlich eingezogen sind. Denn innerhalb der vier Wände geschehen unheimliche Dinge. Als die Warrens das Haus aufsuchen, stellen sie fest, dass darin ein bösartiger Geist umgeht, der von der Mutter Besitz ergreifen möchte …

Wie oben bereits erwähnt, bewegt sich James Wan mit seinem Film genau zwischen gut und weniger gut, was Atmosphäre und Spukeffekte anbelangt. Denn irgendwie wollte Wan von allem etwas in den Film einbauen. So wirkt „The Conjuring“ wie ein Überblick über die unterschiedlichen Sparten des Horrorgenres, angefangen vom reinen Spukhausfilm bis hin zum Okkult-Thriller. Anfangs schafft er dadurch noch Gänsehaut, da vor allem die unheimlichen Geräusche sehr gut umgesetzt sind. Beim Finale aber, wo nur noch mehr alle durcheinander schreien und panisch durchs Haus rennen, wirkt der Film stellenweise unfreiwillig komisch.

Mitten drin das Ehepaar Warren, das sich nur kurz anhört, was die Familie über die Phänomene erzählt, und schon mit einer Erklärung daher kommen, dass die dreimaligen Klatschgeräusche Jesus Christus verhöhnen sollen. Auf die Idee, nach alternativen Ursachen für diese Geräusche zu suchen, kommen beide Experten erst gar nicht, was dann doch ein wenig albern wirkt. Dass sie allerdings auch mit einer gewissen Skepsis hantieren, zeigt sich lediglich in einer kleinen Nebenszene, in denen sie (in einem anderen Haus) für angeblich paranormale Geräusche eine natürliche Erklärung finden. In dieser Hinsicht wirkt die Dramaturgie ein wenig unbeholfen.

Solche Ungereimtheiten finden sich auch in anderen Handlungssequenzen. Die beste ist sicherlich diejenige, in der Roger Perron, der Vater der Familie, ewig lange mit einem brennenden Streichholz durch den Keller schleicht. In einer späteren Sequenz, in der seine Frau dasselbe tut, verbrennt ihr die Flamme sofort die Finger.

Was aber an „The Conjuring“ vor allem stört, ist das Einweben einer Parallelhandlung, die allein dazu dient, das Marketing für ein Spin-Off anzukurbeln. Darin geht es um die besessene Puppe Annabell, die auf einmal die Tochter der Warrens plagt. Das war es dann auch schon, denn mit der übrigen Handlung hat dies nichts zu tun.

So gesehen ist „The Conjuring“ kein großer Wurf, allerdings ist er auch nicht wirklich schlecht.

The Conjuring. Regie: James Wan, Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes, Produktion: Rob Cowan, Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston. USA 2013, 112 Min.

 

Crimson Peak oder Wie man das angepeilte Ziel verfehlt

crimsonpeakÜber Guillermo del Toro lässt sich natürlich streiten. Eigentlich ein Regisseur, der zeigt, dass Film auch noch immer so etwas wie Kunst sein kann, kann man ihm zugleich vorwerfen, fast schon unmoralische Summen für sinnentleertes Kino zu verbraten. So als habe del Toro die Kritik an seinem Blockbuster „Pacific Rim“ verstanden, versuchte er es anscheinend allen zu zeigen, um dabei die Botschaft zu vermitteln: Nein, ich verstehe mich noch immer als Künstler.

Damit war „Crimson Peak“ geboren, ein Geisterhausfilm, der mit einem Budget von über 50 Millionen Dollar mehr als nur überteuert ist. In der Tat fragten sich manche Filmexperten, für was denn das viele Geld ausgegeben wurde. Doch zuerst zur Story: Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert und erzählt von der jungen Edith Cushing, die Tochter eines Industriellen, die nichts lieber werden möchte als Schriftstellerin. Eines Tages begegnet sie dem mysteriösen Thomas Sharpe, einem verarmten Adligen aus England, und verliebt sich in ihn. Nachdem Ediths Vaters auf rätselhafte Weise ums Leben kommt, heiratet sie Thomas und reist zusammen mit ihm auf sein Anwesen mit dem Namen Crimson Peak, ein Name, vor dem Edith durch den Geist ihrer Mutter gewarnt wurde …

Schon von Anfang an ist klar, was del Toro möchte: Eine Hommage an die klassische Schauergeschichte und zugleich an den klassischen Horrorfilm. Sogleich der Nachname Ediths verweist auf Horror-Ikone Peter Cushing, der in diversen Filmen der Hammer Studios mitgewirkt hat. Die Figur Edith allerdings ist eine Anspielung auf Jane Austen, deren postum veröffentlichter Roman „Northanger Abbey“ eine Persiflage auf die damaligen Schauerromane darstellt. Del Toro selbst behauptete, „The Haunting“ (die Verfilmung von Shirley Jacksons Roman „The Haunting of Hill House“) als Vorbild für seinen Film genommen zu haben. In der Tat ist auch das ersichtlich. Doch während „The Haunting“ (Bis das Blut gefriert) ein recht unheimlicher Geisterhausfilm ist, ist del Toros Film ein Geisterhausfilm fast ohne Geister.

Nun gut, es kommen gerade einmal zwei Gespenster vor: Ediths Mutter und ein weiterer Geist, der sein Unwesen in Thomas Sharpes gewaltigem Haus treibt. Beide sind jedoch hauptsächlich Computeranimationen und wirken daher alles andere als unheimlich. Auch wenn die Handlung zum Teil nach den typischen Mustern eines Geisterhausfilms oder einer Geisterhausgeschichte verläuft, so besteht der eigentliche Plot aus einer Kriminalgeschichte. Hier bezieht sich del Toro wiederum auf klassische Vorbilder: auf die Werke von Wilkie Collins und Sheridan Le Fanu, die beide unheimliche Kriminalromane schrieben, die man aus heutiger Sicht als Mystery-Thriller bezeichnen könnte.

All dies ist natürlich nett gemeint und auch recht gut umgesetzt. Vor allem das prächtige Farbenspiel, das sich auf die Horrorfilme der 60er Jahre bezieht und vor allem am Anfang des Films hervorsticht, ist ein rechter Augenschmaus. Das Problem jedoch ist, dass der Film nie so etwas wie Gänsehaut hervorruft. In dieser Hinsicht ist „Crimson Peak“ ein wahrer Rohrkrepierer. Del Toro konzentrierte sich so sehr auf die ästhetische Umsetzung, dass er vergaß, seinem Film etwas zu geben, dass den Zuschauer zum Gruseln bringt. Schuld daran sind auch oder vor allem (wie bereits bemerkt) die CGI-Geister, die so unecht wirken, dass sie fast schon langweilig sind. Nur dann, wenn im Hintergrund Monsterdarsteller Doug Jones in merkwürdigen Bewegungen durchs Bild gleitet, kommt ein wenig Freude auf.

Im Groben und Ganzen aber verfehlte del Toro das Ziel, einen unheimlichen Gruselfilm zu drehen. Und es stellt sich wirklich die Frage, wieso er dafür ein so hohes Budget benötigte. Mario Bava oder Terence Fisher, Regisseure, auf die er sich ja bezieht, schafften dasselbe um ein Vielfaches besser und mit einem viel kleineren, ja geradezu winzigen Budget.

 

The 80s: Amityville 3-D (1983)

Amityville3DDas Haus in dem kleinen Ort Amityville kam in den 70er Jahren zu einer unheimlichen Berühmtheit. Ronald DeFeo ermordete dort seine gesamte Familie. Was diese Tat ins Sonderbare rückt, ist, dass DeFeo angab, Stimmen hätten ihn dazu verleitet. Der gesamte Tathergang gibt bis heute Polizei und Journalisten Rätsel auf. Wenige Jahre nach diesem grausamen Mord zog die Familie Lutz in das Haus, nur um nach 28 Tagen wieder auszuziehen. George und Kathy Lutz behaupteten, dass es in dem Haus spuke. Poltergeistphänomene und seltsame Erscheinungen haben so an Intensität zugenommen, dass sie schließlich das Haus verlassen mussten. Sofort wurde damals natürlich ein Buch darüber publiziert, in dem die Aussagen des Ehepaares in gewürzter Form nochmals dargestellt wurden. Mittlerweile ist jedoch klar, dass das Ehepaar Lutz den Spuk bloß erfunden hat. Durch den Erwerb des Hauses hatten sich beide finanziell übernommen und wollten so schnell wie möglich aus ihrer prekären Lage fliehen. Trotz dieser ernüchternden Botschaft, hielt dies Hollywood nicht davon ab, einen Horrorfilm über die angeblichen Geschehnisse in dem Haus zu drehen. „Amityville Horror“ (1979) wurde zu einem der bekanntesten und auch erfolgreichsten Geisterhausfilme. Natürlich zog dies Sequels nach sich. Unter anderem den 1983 erschienenen Film „Amityville 3D“, in dem – wie der Titel schon sagt – das Grauen in 3D auf die Zuschauer losgelassen wird. Regie führte der bekannte Action-Regisseur Richard Fleischer.

In diesem Film geht es um das Ehepaar Baxter, das sich nach einem neuen Zuhause umsieht. Als sie das Haus in Amityville sehen, kauft es John Baxter sofort. Es ist nun einmal billig zu haben. Die Warnungen schlagen beide in den Wind. Doch kaum sind beide eingezogen, als der Spuk bereits seinen Lauf nimmt. Der Ursprung des Spuks führt in den Keller des Hauses, wo sich ein alter, tiefer Brunnen befindet.

Während der Originalfilm von 1979 die Ursachen des Spuks mehr oder weniger nur andeutet, wird Richard Fleischer in seiner Version schon konkreter. Die Idee des Brunnens aber erinnert dann doch zu sehr an H. P. Lovecraft, und so ist man auch nicht erstaunt, als schließlich ein glubschäugiges Monster zum Vorschein kommt. Ein paar Handlungsfehler runden das Ganze ab. Trotzdem gelingt es Fleischer, den Film sehr unterhaltsam in Szene zu setzen und gelegentlich auch für ein paar Gruselmomente zu sorgen. Dies vor allem dadurch, da der gesamte Film nichts anderes möchte, als die 3D-Optik so gut wie möglich in Szene zu setzen. Dies geschieht auf sehr witzige Weise und macht den Film zu einem gelungenen Filmspaß. Nach Teil 3 nahm die Qualität der Sequels rapide ab. Dennoch ist interessant, dass bei diversen Aufzählungen von Filmreihen, die „Amityville“-Reihe nie erwähnt wird. Vielleicht deshalb, da die Sequels eher sporadisch als kontinuierlich erscheinen. Nach dem Motto: Wenn niemandem etwas einfallt, dann machen wir halt nochmals einen Film über dieses Geisterhaus.

Amityville Horror III (OT: Amityville 3D), Regie: Richard Fleischer, Drehbuch: Willian Wales, Produktion: Stephen K. Kesten, Darsteller: Tony Roberts, Tess Harper, Lori Laughlin, Robert Joy, Meg Ryan, Candy Clark. USA 1983, Laufzeit: 90 Min.

The 80s: Poltergeist (1982)

poltergeist„Poltergeist“ zählt zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte. Im Jahr 1982 gelangte er auf Platz 8 der Filme mit dem besten Einspielergebnis. Das Drehbuch schrieb Steven Spielberg, der den Film auch produzierte. Regie führte Tobe Hooper, ein durchaus strategischer Schachzug, da Hooper durch „Texas Chainsaw Massacre“ (1973) inzwischen Kultstatus unter den Horrorfans erreicht hatte. Alle anderen, die sich mit Horror nicht auskannten, nahmen auf alle Fälle das Image eines Regisseurs wahr, der überaus brutale und unheimliche Filme drehte, Filme also, die nicht für Leute mit schwachen Nerven bestimmt waren.

Erzählt wird die Geschichte der Freelings, die nach Costa Verde ziehen, einer auf dem Reißbrett geplanten Kleinstadt. Der Immobilienmakler Steven Freeling ist für den Erfolg der Siedlung mit verantwortlich. Doch das Glück ändert sich abrupt, als die fünfjährige Carol Anne beginnt, mit dem Fernseher zu reden. Die rätselhaften Zwischenfälle beginnen sich von da an zu häufen. Zunächst ändern Stühle wie von selbst ihre Position, doch dann, in einer Gewitternacht, verschwindet Carol Anne in der Abstellkammer des Kinderzimmers. Da die Familie nicht weiter weiß, sucht Steven schließlich eine Parapsychologin auf, die mit ihrem Team versucht, die Phänomene und das damit zusammenhängende Verschwinden der Tochter zu untersuchen …

„Poltergeist“ ist nicht nur ein Horrorfilm. Ähnlich wie „Ghostbusters“ (1984) nimmt er sich die US-amerikanische Kultur vor und zieht diese gehörig durch den Kakao. Gleich der Anfang, als die Nationalhmyne der USA erklingt, zeigt die Nahaufnahme ein TV-Gerät und später Steven Freeling, der vor dem Fernseher eingeschlafen ist, neben sich eine Bierdose auf dem Boden. Die Eltern, ehemalige Hippies, drehen sich zwar noch immer Joints, fröhnen aber zugleich dem kapitalistischen Wohlstand. Die Aussage ist klar: Die sozialen Bewegungen der 70er Jahre haben nichts verändert. Die ehemaligen Hippies sind zu dem geworden, gegen was sie eigentlich protestiert haben. Dies zeigt sich vor allem im Kinderzimmer, indem so gut wie alles Spielzeug aus Merchandising-Produkten besteht. Traditionelle Spielzeuge wie Puppen, der Clown oder das Kindertelefon erhalten einen befremdlichen und unheimlichen Touch. So gesehen ist „Poltergeist“ eine Abrechnung mit der Hippie-Generation.

Neben den überaus positiven Kritiken, die „Poltergeist“ erhielt, kam gelegentlich auch die Frage auf, ob Hooper tatsächlich Regie geführt habe. Denn in „Poltergeist“ entdeckt man den eigentlichen Stil Hoopers nicht. Alles ist typisch Spielberg, eine lehrbuchartige Inszenierung, die sich exakt an die Regeln hält und daher so große Wirkung erzielt. Von Hoopers provokativen Elemten findet man in „Poltergeist“ so gut wie nichts. Wahrscheinlich, wie oben bereits angedeutet, sollte Hoopers Name eher als Markenzeichen dienen, um dem Film vorab bereits einen unheimlichen Touch zu verleihen. „Poltergeist“ zählt inzwischen zu den Hollywood-Klassikern und führte zu zwei Sequels und einem Remake. Egal, ob nun Hooper oder doch Spielberg Regie geführt haben, der Film ist immer wieder sehenswert.

 

 

Die Klunkerecke: Das Geheimnis des schreienden Schädels

skullWeil Schauspieler Alex Nicols nie die Rollen bekam, die er eigentlich spielen wollte, fasste er eines Tages den Entschluss, einen eigenen Film zu drehen. In „The screaming Skull“ (1958) spielte er den geistig zurückgebliebenen Gärtner Mickey, der sich um ein leer stehendes Anwesen kümmert.

Das Haus gehört Eric Whitlock, der zusammen mit seiner zweiten Frau Jenni darin leben möchte. Seine erste Frau Marianne starb bei einem rätselhaften Unfall. Eric hat seit dem Tod seiner ersten Frau das Haus nicht mehr betreten, doch nun möchte er die Vergangenheit vergessen und zusammen mit Jenni ein neues Leben beginnen. Doch bereits in der ersten Nacht geschehen seltsame Dinge. Jenni vernimmt seltsame Laute. Noch schlimmer wird es, als sie über Nacht in dem Haus alleine ist. Während Eric glaubt, Jenni leide unter Wahnvorstellungen, spitzt sich die Lage mehr und mehr zu.

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Regisseur Alex Nicols als Gerätner Mickey.

Die Handlung klingt nicht nur spannend, sie ist es auch. Und hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Alex Nicols hatte für sein Debüt zwar so gut wie kein Budget zur Verfügung, doch machte er das Beste aus dem, was er hatte.

Die Aufnahmen des leer stehenden Hauses sind so gewählt, dass das Gebäude als Ganzes nie zu sehen ist. Immer bekommt der Zuschauer nur einen Teil der Fassade zu Gesicht, dabei sind die Kameraeinstellungen so gewählt, dass das Gebäude eine durchaus rätselhafte und latent unheimliche Ausstrahlung vermittelt. Das Gebäude erhält dadurch eine Art lebendigen Charakter, so als wolle es sich verstecken, als lauere es auf seine nächsten Opfer.

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Jenni am Grab von Erics erster Frau Marianne.

Interessant sind hierbei die beiden Pfauen, die durch den Garten des Hauses stolzieren und der Atmosphäre den Hauch einer klassischen Gespenstergeschichte verleihen. Man könnte meinen, dass Nicols mit seinem Film „The screaming Skull“ eine Adaption der berühmten gleichnamigen Gruselgeschichte von Marion Crawford im Sinn hatte, doch bestreitete er dies in einem Interview. Viel eher orientiert er sich, was den Spannungsaufbau und die ersten Spukerscheinungen betrifft an „Der unheimliche Gast“ (1944). Beide beginnen mit plötzlichen seltsamen Lauten, die mitten durch die Nacht hallen.

skull3Wie bereits angedeutet, machte Alex Nicols aus der Not eine Tugend. Das Geld für den Film war knapp, eine richtige Ausstattung daher zu teuer. Tatsächlich sind die Wände in dem Haus kahl, es gibt lediglich ein Bett und hin und wieder ist auch ein Stuhl zu sehen. Eric erklärt diesen Umstand Jenni, dass Marianne und er nie Wert auf irgendwelche Möbel gelegt haben, aber dass sie dies nun sicherlich ändern werden.

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Jenni hört seltsame Geräusche.

Und dann gibt es noch ein Porträt von Marianne, das einen seltsamen lebendigen Eindruck vermittelt. Jenni ist mehr und mehr davon überzeugt, dass Erics erste Frau durch das Haus spukt. Die Gruselszenen sind recht gut gemacht, vermitteln eine gewisse Dichte, sind spannend und spielen ansatzweise mit Licht und Schatten. In der Tat wurde der Film damals als absolutes Gruselereignis vermarktet. So beginnt der Film auch nicht mit dem eigentlichen Vorspann, sondern mit einem Vorwort, in dem der Erzähler den Zuschauern mitteilt, dass der Film so unheimlich ist, dass man vor Angst sterben könnte. Daher wurde ein kostenloses Begräbnis garantiert, wenn ein solcher Fall eintreten sollte.

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Auch Eric lauscht …

Diese Idee ist im Grunde genommen weniger originell, als sie zunächst wirkt. Bereits in den 30er Jahren warben Produktionsfirmen dafür, die Kosten für ein Begräbnis zu übernehmen, falls ein Zuschauer vor Angst sterben sollte.

Hauptakteur in dem Film, und hier kommen wir eindeutig zum trashigen Teil des Werks, ist ein Totenschädel, den Jenni in einem Schrank findet. Dass dieser aus Gummi ist, merkt man spätestens dann, wenn er wie ein Ball über den Boden hüpft. Im Finale schließlich schwebt ein eingeblendeter Riesentotenschädel durch den Garten, auf der Jagd nach seinen Opfern.

Gut, diese Szenen machen zwar Spaß, aber verderben gleichzeitig die klassische Gruselatmosphäre des bisherigen Films. Gut gelungen dagegen ist das Auftauchen des echten Geistes, dem Jenni unerwartet im Gewächshaus begegnet. Dieser schemenhafte Schrecken ist einfach, aber sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt.

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Look, who’s back …

„The screaming Skull“ dauert etwas mehr als eine Stunde und nutzt ingesamt jede Sekunde für den Spannungsaufbau. Die Geschichte schreitet schnell voran, Durchhänger gibt es keine, und Nicols und sein Team waren anscheinend voll bei der Sache. Diese Motivation merkt man dem Film an, sodass der Spaß des Teams auf den Zuschauer übertragen wird. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Geheimnis des schreienden Schädels“ in den Kinos, geriet aber dann schnell in Vergessenheit. In den USA dagegen ist der Film Horrorfans noch immer bekannt.