Der unheimliche Gast (The Uninvited)

unheimliche gastFast 20 Jahre vor dem Horrorklassiker „The Haunting“ („Bis das Blut gefriert“), sorgte ein anderer Spukhausfilm für Furore. Es handelt sich dabei um den ebenfalls als Genreklassiker bezeichneten „Der unheimliche Gast“, in dem Ray Milland („Der Mann mit den Röntgenaugen“) die Hauptrolle spielte.

Milland spielt darin den jungen Musikjournalisten Rick Fitzgerald, der zusammen mit seiner Schwester Pamela bei einem ihrer gemeinsamen Ausflüge zu einem verlassenen Haus kommt. Das Haus steht direkt an einer Klippe. Pamela gefällt das Gebäude so sehr, dass sie es unbedingt kaufen möchte. Gesagt, getan. Wenige Tage später sind beide stolze Besitzer von Windward House. Doch schon während ihres Einzuges machen sich sonderbare Dinge bemerkbar. Der Hund weigert sich, ins Obergeschoss zu kommen. In einem der Zimmer herrscht ständig eine Eiseskälte. Doch das ist erst der Anfang. Denn kaum haben sich beide einigermaßen eingelebt, als nachts unheimliche Geräusche durch das Gebäude hallen. Rick und Pamela sind immer mehr davon überzeugt, dass es in dem Haus spukt …

Man wäre beinahe geneigt, „Der unheimliche Gast“ als romantisch zu bezeichnen. Doch nur zu Anfang. Ähnlich wie bei einer Geschichte von Daphne du Maurier entwickelt sich aus der recht harmlos erscheinenden Handlung eine immer dichter werdende Gruselstory. Es geht um Mord, Ehebruch und eine lesbische Liebesbeziehung. Regisseur Lewis Allan, der mit diesem Film damals sein Debüt feierte, zeigt sich dabei als ein Könner in Sachen Spannungsaufbau und Gruseleffekten. Die Geräusche, die nachts durch das Haus hallen, haben es in sich und befinden sich, was ihre Qualität anbelangt, auf demselben Niveau wie die Soundeffekte in „The Haunting“ aus dem Jahr 1963. Die Wirkung wird dadurch verstärkt, da das erste Spukgeräusch völlig unerwartet in Erscheinung tritt. Es bildet quasi einen konkreten Wendepunkt, ab dem der Film sich immer mehr in einen Horrorfilm transformiert. Lewis Allan verleiht seinem Erstlingswerk durch die schwungvollen und durchaus witzigen Dialoge einen zusätzlichen Charme. Besonders der von Rick Fitzgerald geäußerte Schlusssatz des Films ist ein echter Knaller.

Für Liebhaber von Geisterhausfilmen ist „Der unheimliche Gast“ eine schöne (Wieder-)Entdeckung. In den 80ern lief der Film gelegentlich in den dritten Programmen. Seitdem aber wurde er nicht mehr gezeigt. Die Veröffentlichung auf DVD ist daher eine wahre Freude für jeden, der sich gerne gruselt.

Der unheimliche Gast (The Uninvited), Regie: Lewis Allen, Drehbuch: Frank Partos, Dodie Smith, Produktion: Charles Breckett, Darsteller: Ray Milland, Ruth Hussey, Donald Crisp, Cornelia Otis Skinner, Alan Napie, USA 1944, Laufzeit: 99 Min.

Trash der 60er (1): Ghost in the invisible Bikini

ghostintheinvisiblebikiniMit Trash der 60er beginnen wir hier auf FILM und BUCH eine neue Reihe. Wie der Titel bereits sagt, beschäftigen wir uns darin mit B-Picture der 60er Jahre. Da die Reihe „Trash der 50er“ immer noch auf großes Interesse stößt, hoffen wir, dass ihr auch an der neuen Reihe viel Spaß habt.

Den Anfang macht die Gruselkomödie „Ghost in the invisible Bikini“, der 1966 produziert wurde und aus dem Hause Nicholson/Arkoff stammt. Das heißt, es handelt sich hierbei um einen weiteren Film der Produktionsfirma American International Pictures, die vor allem in den 60er Jahren mit den englischen Hammer Films konkurrierte. In Deutschland lief der Film damals unter dem unglücklichen Titel „Erbschaft um Mitternacht“. Unglücklich deshalb, da es einen Krimi aus den 30er Jahren mit demselben Titel gibt.

1963 riefen die beiden Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff die „Beach Party“-Reihe ins Leben, von denen die wenigsten aber tatsächlich auch an einem Strand spielen. Es handelte sich dabei lediglich um rasante Komödien, die in der Hauptsache die damalige Jugendkultur widerspiegelten. So kommt auch in „Ghost in the invisible Bikini“ kein einziger Strand vor, ja der Film spielt nicht einmal am Meer, geschweige denn in der Nähe eines Meeres.

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Cecily (Susan Hart) kurz vor ihrer nächsten Aktion; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966); Copyright: MGM.

Es geht um ein altes Haus, dessen Besitzer Hiram Stokley vor einer Woche gestorben ist. Eines Tages treffen sich seine Erben in dem verlassenen Gebäude, um dort das Testament zu eröffnen. Hiram hat eine Menge Geld hinterlassen, doch dummerweise weiß niemand, wo sich das Geld befindet. Nur eines ist sicher, der alte Mann hat es irgendwo in dem Haus versteckt. Doch auch Hirams Anwalt Reginald Ripper (gespielt von Basil Rathbone) und dessen Gehilfe sind hinter dem Geld her. Am selben Tag, an dem die Erben das Haus betreten, kommt auch Hirams Neffe Bobby zusammen mit seinen Beach Party-Freunden zu dem alten Gebäude, um dort am Pool eine Party zu veranstalten. Damit ist die Besucherliste keineswegs zu ende. Denn der Anwalt hat auch Eric van Zipper und seine Rat Pack Bikers dazu animiert, in dem Haus nach dem Geld zu suchen, genauso wie einen Indianer und eine Frau, die mit ihrem Gorilla Monstro von Ort zu Ort fahren.

Ihr seht, die Handlung hat jede Menge schrulliger Figuren. Nicht weniger schrullig ist der gesamte Film. Von Anfang an legt er ein rasantes Tempo vor, das er bis zum Schluss durchhält. Es gibt keinen einzigen Durchhänger, ein Gag folgt auf den anderen, und wenn es keine Witze hagelt, dann kommt es zu Verfolgungsjagden durch das Gebäude und diversen rockigen Gesangseinlagen, unter anderem mit Nancy Sinatra.

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Anwalt Ripper wird erschreckt; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966), Copyright: MGM.

Wieso Nicholson und Arkoff mit der Endfassung des Films nicht zufrieden waren, ist und bleibt ein Rätsel. Anscheinend, da es sich ja um eine Gruselkomödie handelt, fehlte ihnen etwas. So engagierten sie Boris Karloff, der in den 60er Jahren immer wieder mit AIP zusammenarbeitete, für eine Rahmenhandlung. Karloff spielt den verstorbenen Hiram Stokley, der erst in den Himmel kann, wenn das Geld von den richtigen Erben gefunden wurde. Bis dahin sitzt er in der Familiengruft und hofft auf das Beste. Ihm zur Seite steht seine Freundin Cecily, die, mit einem unsichtbaren Bikini bekleidet, Hirams Erben bei der Suche nach dem Geld indirekt unterstützt. Unsichtbar bedeutet hier nicht, dass Schauspielerin Susan Hart völlig nackt auftritt. Vielmehr kann man an den jeweiligen Stellen durch sie hindurchsehen.

Nun, der Film hätte auch hervorragend ohne diese Rahmenhandlung funktioniert. Auch der Bikini-Geist ist im Grunde genommen überflüssig. Celily wurde übrigens von James Nicholsons Frau gespielt, um dadurch die zusätzlichen Kosten niedrig zu halten. Dem Erfolg machte die hinzugefügte Handlung jedoch keinen Strich durch die Rechnung. Wie eigentlich bei allen anderen Filmen von Nicholson/Arkoff, spielte er beinahe das Dreifache der Kosten ein.  Leider aber wurde er bisher in Deutschland nicht auf DVD veröffentlicht.

We are still here – Ein Geisterhausfilm wie aus den 80ern

wearestillhereDie Welle an Spukhausfilmen hat vergangenes Jahr wieder zugenommen. Eine dieser Produktionen trägt den Titel „We are still here“ und stammt vom Jungregisseur Ted Geogehgan. Das Drehbuch hatte er eigentlich für einen befreundeten Regisseur geschrieben. Als dieser jedoch zu sehr mit anderen Projekten beschäftigt war, hatte Geogehgan die Sache einfach selbst in die Hand genommen.

Der Film spielt in einem einsam gelegenen Haus, in welches das Ehepaar Paul und Anne ziehen, nachdem sie ihren Sohn bei einem Autounfall verloren haben. Beide hoffen, dadurch ein neues Leben beginnen zu können. Doch schnell stellt sich heraus, dass etwas in dem Haus umgeht.

Sehr viele Geisterhausfilme beinhalten eine ganz ähnliche Handlung, doch geht es letztendlich darum, wie das Unheimliche in den Filmen umgesetzt wird. In dieser Hinsicht wird man nicht enttäuscht. In hervorragenden Bildkompositionen lässt Geoghegan das Grauen zunächst unterschwellig in Aktion treten, bevor es schließlich zur direkten Konfrontation kommt. Dabei kommt der Film zum Glück ganz ohne CGI-Effekte aus. Alles ist handgemacht, und es zeigt sich einmal mehr, dass genau dies die beste Methode ist, um dem Zuschauer das Gruseln zu lehren. Bei den einzelnen Szenen sollte man stets auf den Hintergrund achten, in dem sich so manche unheimliche Gestalt verbirgt.

Da die Handlung Anfang der 80er Jahre spielt, orientiert sich Ted Geoghegan in Sachen Farbgebung und Effekte an die damaligen Filme, vor allem an die damaligen Indie-Produktionen und italienischen Horrorfilme. All das ist hervorragend umgesetzt und löst dabei so etwas wie eine Horrorfilmnostalgie aus.

Neben Trash-Ikone Barbara Crampton, die vor allem aus den „Reanimator“-Filmen bekannt ist, ist auch Indie-Regisseur, Autor und Schauspieler Larry Fessenden mit von der Partie. Obwohl Fessenden hier „nur“ als Schauspieler agiert, sieht man dem Film an, dass er im Hintergrund dennoch immer mal wieder für diverse Ratschläge gesorgt hat. Viele der wunderbaren Landschaftsaufnahmen prägen eindeutig seinen Stil, was dem Film eine noch höhere Ästhetik verleiht.

Insgesamt ist „We are still here“ ein sehr gut gemachter Geisterhausfilm, der zeigt, dass kein großes Budget notwendig ist, um gelungene Arbeit zu leisten. Im Gegenteil, in der Regel sind es die Filme mit geringen Produktionskosten, die überzeugen und Spaß machen.

We are still here, Regie u. Drehbuch: Ted Geoghegan, Produktion: Travis Stevens, Darsteller: Barbara Crampton, Andrew Sensening, Larry Fessenden, Monte Markham, Lisa Marie; USA 2015; Laufzeit: 80 Min.